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Literarische Texte der Ausgabe 16 - für immer

christof huemer | forever and ever you stay in my heart

Erst das Fressen, dann die Moral. Lenz steht vor der Tür. Ich lasse ihn ein, er grüßt mit Mir ist so langweilig. Wie immer unterhalten wir uns kurz, ich rauche, er nimmt sich ungefragt Sachen aus dem Kühlschrank und nach ein wenig Höflichkeit fragt er Darf ich fernsehen, und ich sage Klar. Diesmal ist es anders. Ich habe mich jetzt entschieden, sagt Lenz. Ich werde Schriftsteller. Ganz ganz sicher. Lenz ist zwölf, im letzten Zeugnis hat... lesen


mieze medusa | rotschopf natürlich bevorzugt

Im Bus sitzen mit einem Kopfweh to end all Kopfweh. In der Tasche wühlen, die auf dem Platz neben ihr liegt und überlegen, ob es sich auszahlt, nach dem Foto zu suchen, das manchmal hilft. Nach dem Glanzpapier greifen und das Bild an die Lehne des Vordersitzes heften und dabei das Pochen ignorieren. Aber ein Pochen, das von einem Kopfweh to end all Kopfweh herrührt, lässt sich nicht einfach so wegwünschen und beiseiteschieben. Zwischen d... lesen


peter campa | die ewige liebe und das ende der welt

Georg verbrachte also seinen letzten Arbeitstag in den Armen von Heike. Seit dem gestrigen Erlebnis schienen sie einander zu brauchen, einander trösten zu müssen. Das war eine Art geheimnisvolles Band. Doch er war gleichzeitig Realist genug, um zu wissen, dass sie in einigen Tagen wieder nach Hause fahren werde und sie einander vielleicht nicht mehr sehen würden. Um so mehr wollte er den Moment genießen. Heike hatte wohl einen Freund in D... lesen


klaus knoll | kürzestgeschichten

Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point. Blaise Pascal I – Mai SCHNEESCHMELZE Zuerst ganz langsam, dann unübersehbar, dann überall, so rinnts weg in tausend Bächen. Man schaut: ganz klar, es ist noch so viel übrig, es wird nie aufhören. Man weiß das. Und eines Tages, plötzlich, ist auch der letzte Fleck verschwunden. TRAUMFRAU Von ferne ein großer Supermarkt. Hinten im schwach beleuchteten Lager eine T... lesen


herbert christian stöger | lebenslang

Das Leben ist ein Geschenk, das man sich selbst nicht ausgesucht hat. Eine hirschlederne Hose sucht man sich wohl aus, weil man eine Hirschlederne haben will. Das Herumlaufen ist dann in einer Hirschledernen gewollt. Beim Leben ist das etwas anders. Das ist dann einfach da, und man benutzt es mehr oder weniger gut, wie eine Hose die man besonders oft an hat. Wenn es oder sie dann einem einmal zu eng wird, weil dieses und jenes nicht passt ode... lesen


thomas ernst brunnsteiner | die menschen umbas. ein bericht

Dann Umba. Die Familie, die uns Unterkunft anbot, war ungeeignet. Eine feiste Mutter und ihre sieben Zuchten. Die einzige Quelle von Einkünften der älteste Sohn Vama. Er hatte Arbeit in der örtlichen Berichtigungsanstalt, deren Mauern wie der fäkalische Rest einer vergangenen Zivilisation aus der Gemengelage brustschwacher Lehmhüten staken. Der Vater – padre familias – lange fort, er hatte das Weite gesucht, aber wohl kaum erreicht... lesen