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Rezensionen der Ausgabe 16 - für immer

ein stiermensch in der referenzhölle

Ein Kreuzworträtselroman zitiert die Literatur zu Tode

Thomas Ballhausen: Die Unversöhnten

Ein monströser Minotaurus irrt fragmentarisch-manieristisch in vier Kapiteln und 189 durchnummerierten Absätzen durchs Labyrinth einer apokalyptischen, urban-dystopischen Comicszenerie. Er geht viel in die Leihbibliothek, mordet ein bisschen oder hat Geschlechtsverkehr und verliebt sich. Das Ganze noch mit Paratexten zugeklatscht, dass Genette mit den Ohren geschnackelt hätte, ein Bezügchen hier, ein Verweischen dort, Hoch- meets Populär... lesen


im kokon und danach

Über das Heranreifen vom Kind zur Frau

Selma Mahlknecht: Im Kokon

Der Kokon ist in der Erzählung Im Kokon eine Metapher für das Heranreifen. „Es war wie bei einem Schmetterling”, schreibt Selma Mahlknecht einmal. „Zuerst die widerliche Raupe, die nur den ganzen Tag frisst … Dann der Kokon … Und erst am Ende, nach langer geheimer Vorbereitung der Schmetterling …” Diese Metapher betrifft vor allem die namenlose Ich-Erzählerin. Ihre Entwicklung vom Kind zur Frau ist die Handlung des Buches. Da... lesen


jede geschichte ein vogel

Vielleicht hat man Glück, und es landet einer kurz auf der eigenen Hand

Kathrin Resetarits: Vögel sind zu Besuch

Es gibt keine Überschriften. Die ersten Worte jeder Erzählung sind fett gedruckt und das war’s. Alles ist hier reduziert. Würde man nach einer neuen Definition von Lakonie suchen, dieser Erzählband von Kathrin Resetarits wäre sie. Das literarische Debüt der Schauspielerin kommt nicht auf leisen Pfoten daher. Pfoten gibt es hier überhaupt keine. Flügel, nicht Standbeine, spielen in dieser Erzählsammlung die Hauptrolle. Leichter als... lesen


löffel der geschichte

Wie Sternstunden verfliegen, aber Kindheitstraumata ein Leben lang bleiben

Wolfgang Pollanz: Das Seufzen meiner Mutter & Kurze Geschichte der Welt in 25 Gängen

Rezension, Rezension, Rezension. Schwierig, schwierig, schwierig. Weil man schon vor dem Lesen weiß, dass man danach darüber schreiben soll. Nur was man schreiben soll, weiß man häufig nicht. Daher begleitet einen schon während des Lesens eine Grübelei. Denn ohne Rezensionsauftrag würde man, während die Augen die Buchzeilen abwandern, absinken, der geschriebenen Geschichte oder den eigenen Gedanken folgen. Würde dort und da schmunzel... lesen


ohne netz und doppelten boden

Zwischen Herz- und Taubenschlag die Suche nach einem reinen Gewissen

Patricia Brooks: Garten der Geschwister

„Sex war ein Spiel um Macht”, ein Mittel, sein Gegenüber an sich zu binden oder zu demütigen, und in Patricia Brooks neuem Roman ist es Ursache und Wirkung innerhalb eines durchdachten Gewebes aus Hass, Schuld und Liebe, welches sich mithilfe vierer Protagonisten zu beinah undurchdringlichem Dickicht auswächst. Anfangs jedoch scheint es sich bei Garten der Geschwister um einen nach Schema F gestrickten Thriller zu handeln: Ein Pärchen... lesen


am falschen gleis

Amanshauser & Wenzel: Auf der falschen Seite von Ikebukuro. CD

Wer in der Tokioter U-Bahn-Station Ikebukuro den falschen Ausstieg nimmt, der ist plötzlich weit, weit draußen. Der fällt in den Schmerz. Um dieses Gefühl nachzuvollziehen muss man nicht aus Tokio kommen, im Gegenteil, vielleicht wird das Gefühl noch stärker, wenn man als Österreicher falsch aussteigt: Auf der falschen Seite von Ikebukuro ist das Ergebnis einer zweijährigen Zusammenarbeit zwischen dem Reise-Kolumnisten und Autor Marti... lesen


was bleibt

Kerstin Kempkers Roman "Die Betrogenen" setzt auf die Schönheit

Kerstin Kempker: Die Betrogenen

Der Kärntner Kitab-Verlag hat sich nicht die Mühe gemacht auszuweisen, von wem die Umschlaggestaltung zu Kerstin Kempkers Roman Die Betrogenen stammt. Das ist insofern verständlich, als der grün-blaue Band mit dem namenlosen Gemälde am Cover sagen wir: nicht wirklich von hohen ästhetischen Ansprüchen zeugt. Schade. Denn in Kempkers Roman kommt der Schönheit eine große Rolle zu. Kempkers heimliche Hauptfigur Maria setzt auf die Sch... lesen


ein epos für österreich

Damit Österreich für immer bleibt, braucht es ein literarisches Fundament. Christian Zillner schreibt daran.

Christian Zillner: Spiegelfeld, Band 1 bis 4

Gerne stelle ich mir Folgendes vor: Eine Zeit ohne Landschaftszersiedelung und Flussbegradigung, ohne Autos, ohne Straßen, nicht mal Kutschen gibt es; keinen elektrischen Strom, keine Telekommunikation, das Land ist von Wald bedeckt. Da und dort steht eine Siedlung mit Häusern und Höfen aus Holz. Das Land, in dem wir uns befinden, ist wild, schön und – was noch wichtiger ist – fruchtbar zwischen den Donauauen im Norden und den hohen B... lesen