schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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genug | ausgabe 18


18 - genug

genug kann nie genügen?

„Mehr“ ist im Regelfall heiß begehrt. Mehr Geld, mehr Freunde, mehr Autobahnkilometer. Was gäbe es daran auch groß auszusetzen? Doch schon auf den zweiten Blick stellt man fest: Mehr Geld bedeutet Inflation, mehr Freunde (selbst wenn man sie tipptopp in facebook verwaltet) sozialen Stress, und mehr Autobahnkilometer müssen auch irgendwie erhalten werden. Und dennoch ist der naive Glaube an das Immer-Mehr, an das permanente Wachstum, a... lesen



Feuilleton

julian blunk | es ist genug für alle da

Was Günther Jauch und Marie-Antoinette gemeinsam haben

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 18, "genug". lesen


clemens marschall | weltkrieg am jausentisch

57 Kuhhirne in 15 Minuten: ein neuer Sport erobert die Welt

4. Juli, kurz nach 11 Uhr in New York: Wir feiern den Unabhängigkeitstag. Coney Island, der New Yorker Vergnügungspark, ist Platz des Geschehens. Ich bin dort nicht alleine, 40.000 Leute stehen sich um mich herum ihre Füße in die Mägen, die Kinder, die auf ihren Schultern sitzen, schwingen ihre Fahnen. Zusätzlich jauchzen noch 1,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der Anlass des Events? Heute findet das Wettfressfest schlechthin statt! Der le... lesen


bernhard horwatitsch | unsere zeit ist abgelaufen

Hundert Meter in null Sekunden. In einer Welt ohne Grenzen sind Rekorde sinnlos

Ackermann ist böse. – In der Tat machen wir uns es derzeit so einfach. Wir stigmatisieren eine Berufsgruppe, behaupten, sie wolle sich bereichern, sei gierig und unmäßig. Wir hinterfragen dabei nicht, wie sehr wir selbst die Hand aufhalten. Wir kommen nicht auf den Gedanken, dass wir selbst unmoralisch handeln könnten, ganz einfach weil uns die Gelegenheit dazu nicht gegeben wird. Wenn wir nicht davon ausgehen, dass der Bankchef Ackerma... lesen


harald a. friedl | uncle sam in der wüste

Energie-Kolonialismus und die Folgen für den unbeschwerten Sahara-Urlaub

Zurück aus dem Wüstendrama Im Herbst 2008 wurde ein Salzburger Ehepaar nach 252 Tagen in Gefangenschaft der algerischen Terrorgruppierung „GSPC“ befreit, nachdem sie angeblich in Südtunesien überfallen, entführt und in Nordostmali, im Einflussgebiet der Kel Ifoghas-Tuareg, gefangen gehalten wurden. Wer könnte hinter diesen Entführungen stecken? Ist die Sahara etwa schon so sehr von Al-Khaida-Terroristen durchdrungen, wie es die USA... lesen


roland steiner | basta

Eine Reportage aus Italien

Totes Rot Renato Biagettis Welt war rot, in einem Rot, wie es in Lauras Haar am Strand oft glänzte und in ihrem Herz für ihn pochte. Seine Welt war rot wie der Männerfußballverein, der nach ihm Renoize Calcio benannt werden wird, der ebenso freundschaftlich basierte Frauenfußballverein She-Reds und wie der Männerrugbyverein seines Bruders Paolo. So rot wie der Mehrspartenklub All Reds, das mütterliche Dach aller sportlichen Aktivitäte... lesen


adelheid dahimène | es ist mir nicht egal

Vom Ende der Virginier

Sogar an der Haltung von Bäumen ist der aktuelle Rechtsruck schon nachvollziehbar, sie beugen sich immer weiter von der Sonne weg in einen Schatten, der nicht mehr hausgemacht aus eigener Produktion stammt, sondern von Doppelgaragen geworfen wird, die als Zukunftsvisionen in Schüleraufsätzen als das Nonplusultra einer wie immer gearteten, steilen Karriere gelten. Aber darauf will ich eher am Rande hinaus. Und eigentlich sind die fehlgekr... lesen


günter eichberger | genug von mir und allem

Ein Ausflug in die Niederungen des Literaturbetriebs

1 Im März 2006 schwankte ich abends zum Bankomaten meines Vertrauens, um mich hernach in angemessener Dosierung mit einer legalen Droge versorgen zu können. Der Bankomat teilte mir durchaus freundlich mit, dass mein Höchstbetrag überschritten sei. Am nächsten Morgen entnahm ich den Medien, dass eben jene Bank die seltsamen Transaktionen eines gewissen Herrn, dessen Name Flöttl einem Stück von Raimund entnommen sein könnte, angeblich m... lesen


thomas eder | druckabfall im paradies

Warum Musikfreaks neue Strategien brauchen

Bubblegum mit Zielfernrohr Ich habe vergessen, dass ich mich in einem der vielen neuen Libro-Geschäfte befinde. Ich höre die Appelle meiner zwei Schwestern kaum. Sie sind zu einem Lüftchen verkommen und erinnern an das Meeresrauschen in großen Muscheln. Es ist nicht wirklich da. Mit feuchten Augen halte ich mein erstes Vinylalbum in Händen. Ich bin nicht gerührt, sondern werde erschlagen von der Reizüberflutung meines Sehnervs. In zehn... lesen


stefanie lehrner | mehr als genug

Ist das Nichts dem Menschen zumutbar?

Mehrheitlich sind wir superlativisch. Das übergeordnete Ziel unseres Lebens besteht darin, uns zu vermehren. „Seid fruchtbar und mehret euch!“, heißt es schon in der Bibel. „Seid wirtschaftlich und mehret euren Gewinn!“, so dann etwa die sinngemäße Übersetzung in die Managementsprache heutiger Zeit. Dieses Prinzip des Vermehrens scheint jede Faser unseres Körpers zu durchdringen und uns zu konstituieren: Mehr, mehr, mehr. Gut, b... lesen


thomas laessing | drei tage

w/Abwesenheit im Paradies nicht in die E-Mails geschaut

Ja gibt’s denn das? Ja gibt’s denn das? Überfliegen der Betreffzeilen im restpflichtbewussten Horror, magnetisiert durch ein Eskönntejadochwichtigsein: Newsletter des Newsletter von Newsletter unserer Verwandte mit ihren Ego-Foto-Belästigungen, zu erkennen an der Anlagenklammer, trügerisch-klein oben links, fallenstellend (könnten ja 20 Euro für die Jüngste zum Geburtstag rausspringen) Re: Aw: xxx Re: Re: Re: Re: Neue Freundanfrag... lesen


beate tröger | grazer galopp

Bericht einer Stadtleserin

Das Stipendium Drei Wochen bezahlt in Graz lesen? August 2008. Eine Glosse in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Darin heißt es: Das örtliche Feuilletonmagazin schreibkraft [...] lobt zusammen mit den lokalen Literaturinstitutionen ein Stipendium der besonderen Art aus: Anstatt, wie so oft, einem Autor Kost und Logis zu gewähren, damit er in die und in der Stadt zum Schreiben kommt, wird in Graz erstmals ein Leser gesucht, der sich do... lesen


anne kramer | von der sehnsucht nach dem herrn

Das Selbstbildnis des T. E. Lawrence

Zu wenig Jeder kennt das: Man will sich jemandem verständlich machen, redet, sucht, gräbt regelrecht nach den passenden Worten und sagt dann doch nur resigniert: „Du weißt schon, was ich meine.“ Der 1888 geborene Autor, Soldat und Archäologe Thomas E. Lawrence schrieb einmal: „Ich bin zu wenig Schriftsteller, um genug von mir in irgendein Werk zu legen.“ Lawrence, der sein Schreiben vor allem als Mittel einer permanenten Selbstbeo... lesen



Literarische Texte

teresa präauer | worüber die vögel ziehen

Worüber die Vögel ziehen, und was in einer Woche die Menschen tun, das habe ich in der Stadt gesehen. Dort sind Wörter wie Bilder gelegen, und sie haben, jeder Absatz eine Ansichtskarte, dabei Töne geklopft, und manchmal ist ihnen der Reim näher gewesen als der Bericht oder das, was an fünf Fingern erzählbar ist. Wenn die Empfänger später meine Kartengrüße aus dieser Stadt gelesen haben, haben sie aus den Zeilen des Textes ein Lied... lesen


stephan roiss | der neid des menschen auf die steine

Als der Zug losfuhr, hatte ich den Daumen am Türöffner. Vor der Nase weg, sagt man bei uns daheim. Bei uns daheim, sagt man bei uns daheim und meint damit: So ist es richtig. Nun also Aufenthalt außer Plan. Tee in Arnhem. Wo der Bahnhof ein Fluchtweg mit Snackautomat ist und der Preis für einen Gang auf die Toilette mit 40 Cent knapp unterm mitteleuropäischen Schnitt liegt. (Hier wird Kultur zur Folter. Jeder Stadt, die von mir Geld f... lesen


sibylle severus | panseninhalt

Wenn das Gehör und die Augen nach dem Winter noch mitmachen, gibt es fast vergessene Vergnügen zu entdecken: das zitternde Gewebe des Vogelgezwitschers, die Lichtflut an einem Frühlingsmorgen, zarte Blätter und Blüten, die sich unter der Last der Bienen neigen. Wie die Blätter und die Blumen sind auch meine Haare unhörbar gewachsen, haben jedoch an Farbe verloren. Ein Besuch bei meinem Coiffeur ist nicht hinauszuschieben. Bodo erzäh... lesen


martina ernst | der anfang von zwölf dingen, die nicht genug sind

Liebe Anglerfreunde, schon mal darüber nachgedacht, dass der Köderfisch an deinem Angelhaken die ganze Zeit, während er im Wasser baumelt, davon träumt in die Freiheit zu schwimmen? Das Einzige, was ihn von der Erfüllung seines Traumes abhält, bist du und der Haken. Du als Mensch sitzt derweil auf deinem Anglerstuhl und denkst darüber nach, wie du dein Leben zum Positiven verändern kannst. Wie kannst du der Enge entkommen, die dich um... lesen


johannes weinberger | erschöpfungstrilogie

1: Der Staat Irgendwo muß ich ja sein. Warum nicht hier und jetzt? Sagen wir, hier und jetzt wäre ein Paßamt. Die Luft ist stickig und schwül, weil es draußen regnet und die Mäntel und Schirme ihre Feuchtigkeit in den Raum verdunsten. Es herrscht ein stetiges Gewisper und Gemurmel, zerteilt vom gelegentlichen Stampfen der Stempel oder Knacksen der Klammermaschinen oder dem Klicken von schnellen Fingern auf Tasten. Vor mir in de... lesen



Rezensionen

google hilft hier auch nicht weiter

Ein Lehrer und ein Sohn auf der Suche nach ihrem Ursprung

Stefan Schmitzer: wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Das fragen sich die Protagonisten in Stefan Schmitzers Romandebüt wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht nicht nur einmal. Nun, unwahrscheinlich ist es nicht, was ihnen da widerfährt, aber zumindest recht außergewöhnlich. Doch von Anfang an: Da bittet zunächst ein Mädchen zwei Männer – einen Künstler und einen Schafhirten – ihr die Flucht vor einem Verfolger zu ermöglichen. A... lesen


look good on the dancefloor

Das literarische Debüt von Christof Huemer tanzt in großen Fußstapfen

Christof Huemer: Zweifellos. Roman

Die junge Grazer Edition Keiper hat Huemers Erstling Zweifellos einen Einband verpasst, der entfernt an eine Medikamentenschachtel erinnert. Auf der Rückseite angeführt: Inhaltsstoffe und ein Warnhinweis. Der Warnhinweis fasst den Ausgangspunkt der Romanhandlung zusammen: DJ Andreas Mar war ein Held an den Plattentellern, er hat ein Album produziert, das ihm internationales Renommee beschert hat. Nun ist Mar (natürlich) „in einer tiefen... lesen


schweigen wär’ schön, aber

Über die Hoffnung, dass die Worte etwas bedeuten

Andrea Winkler: Arme Närrchen

Weiß der Himmel, wir haben ganz auf die Lage des Wortes vergessen. Das schüchterne Wort im Zeugenstand, als wüssten wir nicht ohnedies, dass es sich verschwiegen geben wird. Andrea Winkler weiß um diese Verschwiegenheit und verfolgt doch die Spuren der taumelnden und aufsässigen Worte. Ein intimer Aufstand der Worte vollzieht sich in Andrea Winklers Prosadebüt Arme Närrchen. Das Wort gibt sich dem Leib hin, im Delirium rückt es dem K... lesen


Nach Selbstgesprächen

Über die Hoffnung, dass die Worte etwas bedeuten, Forts.

Andrea Winkler: Hanna und ich

Nach den Selbstgesprächen des Debüts Arme Närrchen folgt Hanna und ich. Obgleich der Titel Erwartungen weckt, die dem Erfahrungsaustausch das Wort reden, gerät Andrea Winkler wieder in monologisches Stocken. Die Identitätsfrage übersteigt unsere Propositionen. Wer ist Hanna, wer ist ich, wo scheiden sich hier die Geister? Nicht von ungefähr schrieb die Autorin ihre Dissertation über Friederike Mayröckers Poetologie, die im Grunde die... lesen


über zementsäcke staunen

Die vielen Einheitsgesichter des Günter Eichberger

Günter Eichberger: ALIAS

Robert Zimmermann lebt in Graz. Er nennt sich Günter Eichberger und gibt vor, Schriftsteller und Flaneur zu sein, der sich einiges auf seinen ausufernden Persönlichkeitsverlust zugute hält. Ein Exzentriker des Ich sozusagen. Als Schriftsteller tritt er dann auf, wenn er nicht gerade als Bob Dylan endlos durch die Konzertsäle der Welt tourt, seine poetischen Songs aus der Prärie der Seele im Gepäck. Eichberger alias Zimmermann alias Dyla... lesen


undine im prekariat

Wenn sich das Karma vergnügt auf die Astralschenkel klopft

Mieze Medusa: Freischnorcheln. Roman

Die Heldin von Mieze Medusas Debütroman Freischnorcheln heißt Nora Klein und ist Grafikerin, selbstständige. Die Kunden laufen ihr nicht nach, also ist sie auf Jobsuche. Bankomaten ignorieren ihre Karte nicht einmal mehr, sondern fangen schon zu lachen an, wenn sie nur an ihnen vorbeigeht. Neben der Hoffnung, dass sich schon etwas ergeben wird, hat sie noch ihren uralten Palm III, in dem Termine von Kongressen und Präsentationen mit Grati... lesen


befremdetes leben

Beobachtete Paarungen bar von Barcodes und Arschgeweihen

Roland Steiner: Unter Haltungen – Stehend

Manche Rezensionen lesen sich, als wäre der Rezensent um den Text herumgeschlichen wie eine Katze um den heißen Brei. Sie werden mit persönlichen Daten des Autors eingeleitet, Preise, bisherige Veröffentlichungen: Alles, nur um nicht vom Text schreiben zu müssen. Texte von Roland Steiner lassen sich nicht einfach mal so schnell rezensieren, sie bieten sich dafür an, um sie herumzuschleichen. „Prosa“ untertitelt sich sein erstes Buch... lesen


von hinten geläutert

Die Erläuterung einer Läuterung

Wolfgang Ellmauer: Rektale Katharsis. Eine Erläuterung

„Eine Erläuterung“, das ist der Untertitel von Wolfgang Ellmauers Prosadebüt Rektale Katharsis, und das „Er“ in „Erläuterung“ ist im Fettdruck hervorgehoben. Er, das ist Lukas Metzauer, Anfang Dreißig, Lehrer für Englisch und Musikerziehung in einer österreichischen Kleinstadt, Jogger, Hobbymusiker, und, zu Beginn des Romans, in einer tiefen Lebens-/Liebeskrise befangen. Seine Läuterung geht in drei Phasen vor sich, denen d... lesen


schritt über den atlantik

Übersetzt und unkommentiert: die n+1-Anthologie

Kevin Vennemann (Ü): Ein Schritt weiter. Die n+1-Anthologie

Die amerikanische Intelligenzija läuft zusammen – wenn man diesem neuen, blauen Taschenbuch von Suhrkamp glauben darf. Was hier passiert, sei für Autoren wie Jonathan Franzen, dessen Blurb sich in bester amerikanischer Manier am Buchrücken findet, eine Erleichterung. Vier amerikanische Jungautoren, alle mit ordentlichem Abschluss (meist Yale und Harvard), haben sich zusammengetan, um dem niveaulosen Kulturbetrieb der USA etwas entgegenzu... lesen


comandante blue base pusher I

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

D. Holland-Moritz: Fan Base Pusher. . Notizen aus der Peripherie 2002-2005

Ich machs mir leicht und gebe es gleich zu, dann ist das erledigt: Ja, parteiisch bin ich. Es handelt sich bei den zu rezensierenden Büchern, beim Kern des Ritter-Verlagsprogramms für Herbst ‘08, sämtlich um Bücher „der perspektive-Kollegen“ (Zitat Werner schreibkraft Schandor, desselben, der auch den schlechten Einfluss des nämlichen Dunstkreises auf den Stil meiner Rezensionen beklagt hat). Nichtsdestoweniger: Bear with me, reade... lesen


comandante blue base pusher II

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

Ralf B. Korte: D’Annunzio. D’Annunzio. Semisphären zum Commandante

D’Annunzio. D’Annunzio. Semisphären zum Commandante von Ralf B. Korte ist eine Annäherung an die Figur des Poeten, Flugpioniers und protofaschistischen Freischärlerführers Gabriele D’Annunzio. Es ist außerdem eine reichlich traurige Liebesgeschichte, ein Versuch in europäischer Kriegsgeschichte und schließlich ein Wühlen in den Wurzeln der Faschismen Italiens und Deutschlands. Wir beobachten das Textsubjekt, ein „Du“ ohne N... lesen


comandante blue base pusher III

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

Sophie Reyer: Baby Blue Eyes

Über Sophie Reyers Baby Blue Eyes schließlich wurde bereits viel gesagt. Über ihre Jugend wurde geredet, Vergleiche gezogen, die blöde Frage nach dem Autobiografischen gestellt. Ad Fontes: Es macht die Atmosphäre von Baby Blue Eyes aus, dass die Subjekte (Plural) vollständig in ihren Körpern verortet sind, nirgends sonst, und dass ihre Sprache uns zwingt, diese Verortung mitzuvollziehen; dass dieser Subjektstatus dabei brüchig ist und... lesen


umgehung der fettnäpfchen

Hermetische Lyrik abseits billiger Epigrammatik

Klaus F. Schneider: Umgehung der Anhaltspunkte. Gedichte

Dass das noch geht, ist hier das Thema. Umgehung der Anhaltspunkte: Dass so ein Titel Programm sein kann, in einem deutschsprachigen Gedichtband, im Jahr 2008 (bzw. 2009, inzwischen). Genauer: Dass das Buch, auf das solches sich bezieht, nicht voll ist von jenem sentimentalen Landschaft-, Sehnsuchts- und Ichschwäche-Quatsch, den wir zu erwarten gelernt haben, wenn ein Buch Bezüge zur „hermetischen Tradition“ im Titel führt. Weil wir si... lesen


schön

Cornelia Travnicek schlägt unsere Gefühlstasten an, bis die Bordunsaiten schwingen

Cornelia Travnicek: Aurora Borealis

„Schön“ würde ich verwenden für Cornelia Travniceks Buch Aurora Borealis, wenn dieses Adjektiv nicht bereits zu oft ge-, miss-, verbraucht worden wäre. „Schön“ ist zutreffend, aber erklärungsbedürftig. Es passt bereits zum Äußeren des handlichen, lila Büchleins. Schön wie alle Bücher der Bibliothek der Provinz, die in Bibliophilen das Bedürfnis nach weißen Baumwollhandschuhen wachrufen, um bloß keine Verunreinigungen au... lesen


lob dem quickie!

Klaus Ebner kommt in „Auf der Kippe“ schnell zum Punkt. Kurzprosa eben

Klaus Ebner: Auf der Kippe. Kurzprosa

Ein wesentliches Merkmal von Kurzprosa ist, dass sie kurz ist. Trotzdem werden jene charmanten, kaltschnäuzigen, verdichteten oder auch nur skizzenhaften Texte, die sich entschieden nicht um Ausführlichkeit bemühen, allzu gerne als halbe Portionen angesehen. Aber ehrlich: Was kümmert es den Leser – und damit auch den Rezensenten –, ob der unausführliche Autor nur einen kurzen Atem hat? Oder ihn aufspart für den großen ganzen Roman... lesen


grenzen überschreiben

Völkerverbindendes aus dem Weinviertel

Haimo L. Handl (Hrsg.): Grenzschreiben/Psaní na hranici/Hraničné písanie

Mit der mehrsprachigen Anthologie Grenzschreiben tritt der Weinviertler Driesch-Verlag zum ersten Mal und gleich mit einem ebenso grenzüberschreitenden wie völkerverbindenden Projekt an die Öffentlichkeit. Das Buch vereint Prosa- und Lyriktexte von je zwei Autoren aus Österreich, der Slowakei und Tschechien. Alle Texte sind auf Deutsch und Tschechisch abgedruckt. Die aus Wiener Neustadt stammende Katharina Tiwald eröffnet den Reigen mit... lesen