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Literarische Texte der Ausgabe 18 - genug

teresa präauer | worüber die vögel ziehen

Worüber die Vögel ziehen, und was in einer Woche die Menschen tun, das habe ich in der Stadt gesehen. Dort sind Wörter wie Bilder gelegen, und sie haben, jeder Absatz eine Ansichtskarte, dabei Töne geklopft, und manchmal ist ihnen der Reim näher gewesen als der Bericht oder das, was an fünf Fingern erzählbar ist. Wenn die Empfänger später meine Kartengrüße aus dieser Stadt gelesen haben, haben sie aus den Zeilen des Textes ein Lied... lesen


stephan roiss | der neid des menschen auf die steine

Als der Zug losfuhr, hatte ich den Daumen am Türöffner. Vor der Nase weg, sagt man bei uns daheim. Bei uns daheim, sagt man bei uns daheim und meint damit: So ist es richtig. Nun also Aufenthalt außer Plan. Tee in Arnhem. Wo der Bahnhof ein Fluchtweg mit Snackautomat ist und der Preis für einen Gang auf die Toilette mit 40 Cent knapp unterm mitteleuropäischen Schnitt liegt. (Hier wird Kultur zur Folter. Jeder Stadt, die von mir Geld f... lesen


sibylle severus | panseninhalt

Wenn das Gehör und die Augen nach dem Winter noch mitmachen, gibt es fast vergessene Vergnügen zu entdecken: das zitternde Gewebe des Vogelgezwitschers, die Lichtflut an einem Frühlingsmorgen, zarte Blätter und Blüten, die sich unter der Last der Bienen neigen. Wie die Blätter und die Blumen sind auch meine Haare unhörbar gewachsen, haben jedoch an Farbe verloren. Ein Besuch bei meinem Coiffeur ist nicht hinauszuschieben. Bodo erzäh... lesen


martina ernst | der anfang von zwölf dingen, die nicht genug sind

Liebe Anglerfreunde, schon mal darüber nachgedacht, dass der Köderfisch an deinem Angelhaken die ganze Zeit, während er im Wasser baumelt, davon träumt in die Freiheit zu schwimmen? Das Einzige, was ihn von der Erfüllung seines Traumes abhält, bist du und der Haken. Du als Mensch sitzt derweil auf deinem Anglerstuhl und denkst darüber nach, wie du dein Leben zum Positiven verändern kannst. Wie kannst du der Enge entkommen, die dich um... lesen


johannes weinberger | erschöpfungstrilogie

1: Der Staat Irgendwo muß ich ja sein. Warum nicht hier und jetzt? Sagen wir, hier und jetzt wäre ein Paßamt. Die Luft ist stickig und schwül, weil es draußen regnet und die Mäntel und Schirme ihre Feuchtigkeit in den Raum verdunsten. Es herrscht ein stetiges Gewisper und Gemurmel, zerteilt vom gelegentlichen Stampfen der Stempel oder Knacksen der Klammermaschinen oder dem Klicken von schnellen Fingern auf Tasten. Vor mir in de... lesen