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Rezensionen der Ausgabe 18 - genug

google hilft hier auch nicht weiter

Ein Lehrer und ein Sohn auf der Suche nach ihrem Ursprung

Stefan Schmitzer: wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit? Das fragen sich die Protagonisten in Stefan Schmitzers Romandebüt wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht nicht nur einmal. Nun, unwahrscheinlich ist es nicht, was ihnen da widerfährt, aber zumindest recht außergewöhnlich. Doch von Anfang an: Da bittet zunächst ein Mädchen zwei Männer – einen Künstler und einen Schafhirten – ihr die Flucht vor einem Verfolger zu ermöglichen. A... lesen


look good on the dancefloor

Das literarische Debüt von Christof Huemer tanzt in großen Fußstapfen

Christof Huemer: Zweifellos. Roman

Die junge Grazer Edition Keiper hat Huemers Erstling Zweifellos einen Einband verpasst, der entfernt an eine Medikamentenschachtel erinnert. Auf der Rückseite angeführt: Inhaltsstoffe und ein Warnhinweis. Der Warnhinweis fasst den Ausgangspunkt der Romanhandlung zusammen: DJ Andreas Mar war ein Held an den Plattentellern, er hat ein Album produziert, das ihm internationales Renommee beschert hat. Nun ist Mar (natürlich) „in einer tiefen... lesen


schweigen wär’ schön, aber

Über die Hoffnung, dass die Worte etwas bedeuten

Andrea Winkler: Arme Närrchen

Weiß der Himmel, wir haben ganz auf die Lage des Wortes vergessen. Das schüchterne Wort im Zeugenstand, als wüssten wir nicht ohnedies, dass es sich verschwiegen geben wird. Andrea Winkler weiß um diese Verschwiegenheit und verfolgt doch die Spuren der taumelnden und aufsässigen Worte. Ein intimer Aufstand der Worte vollzieht sich in Andrea Winklers Prosadebüt Arme Närrchen. Das Wort gibt sich dem Leib hin, im Delirium rückt es dem K... lesen


Nach Selbstgesprächen

Über die Hoffnung, dass die Worte etwas bedeuten, Forts.

Andrea Winkler: Hanna und ich

Nach den Selbstgesprächen des Debüts Arme Närrchen folgt Hanna und ich. Obgleich der Titel Erwartungen weckt, die dem Erfahrungsaustausch das Wort reden, gerät Andrea Winkler wieder in monologisches Stocken. Die Identitätsfrage übersteigt unsere Propositionen. Wer ist Hanna, wer ist ich, wo scheiden sich hier die Geister? Nicht von ungefähr schrieb die Autorin ihre Dissertation über Friederike Mayröckers Poetologie, die im Grunde die... lesen


über zementsäcke staunen

Die vielen Einheitsgesichter des Günter Eichberger

Günter Eichberger: ALIAS

Robert Zimmermann lebt in Graz. Er nennt sich Günter Eichberger und gibt vor, Schriftsteller und Flaneur zu sein, der sich einiges auf seinen ausufernden Persönlichkeitsverlust zugute hält. Ein Exzentriker des Ich sozusagen. Als Schriftsteller tritt er dann auf, wenn er nicht gerade als Bob Dylan endlos durch die Konzertsäle der Welt tourt, seine poetischen Songs aus der Prärie der Seele im Gepäck. Eichberger alias Zimmermann alias Dyla... lesen


undine im prekariat

Wenn sich das Karma vergnügt auf die Astralschenkel klopft

Mieze Medusa: Freischnorcheln. Roman

Die Heldin von Mieze Medusas Debütroman Freischnorcheln heißt Nora Klein und ist Grafikerin, selbstständige. Die Kunden laufen ihr nicht nach, also ist sie auf Jobsuche. Bankomaten ignorieren ihre Karte nicht einmal mehr, sondern fangen schon zu lachen an, wenn sie nur an ihnen vorbeigeht. Neben der Hoffnung, dass sich schon etwas ergeben wird, hat sie noch ihren uralten Palm III, in dem Termine von Kongressen und Präsentationen mit Grati... lesen


befremdetes leben

Beobachtete Paarungen bar von Barcodes und Arschgeweihen

Roland Steiner: Unter Haltungen – Stehend

Manche Rezensionen lesen sich, als wäre der Rezensent um den Text herumgeschlichen wie eine Katze um den heißen Brei. Sie werden mit persönlichen Daten des Autors eingeleitet, Preise, bisherige Veröffentlichungen: Alles, nur um nicht vom Text schreiben zu müssen. Texte von Roland Steiner lassen sich nicht einfach mal so schnell rezensieren, sie bieten sich dafür an, um sie herumzuschleichen. „Prosa“ untertitelt sich sein erstes Buch... lesen


von hinten geläutert

Die Erläuterung einer Läuterung

Wolfgang Ellmauer: Rektale Katharsis. Eine Erläuterung

„Eine Erläuterung“, das ist der Untertitel von Wolfgang Ellmauers Prosadebüt Rektale Katharsis, und das „Er“ in „Erläuterung“ ist im Fettdruck hervorgehoben. Er, das ist Lukas Metzauer, Anfang Dreißig, Lehrer für Englisch und Musikerziehung in einer österreichischen Kleinstadt, Jogger, Hobbymusiker, und, zu Beginn des Romans, in einer tiefen Lebens-/Liebeskrise befangen. Seine Läuterung geht in drei Phasen vor sich, denen d... lesen


schritt über den atlantik

Übersetzt und unkommentiert: die n+1-Anthologie

Kevin Vennemann (Ü): Ein Schritt weiter. Die n+1-Anthologie

Die amerikanische Intelligenzija läuft zusammen – wenn man diesem neuen, blauen Taschenbuch von Suhrkamp glauben darf. Was hier passiert, sei für Autoren wie Jonathan Franzen, dessen Blurb sich in bester amerikanischer Manier am Buchrücken findet, eine Erleichterung. Vier amerikanische Jungautoren, alle mit ordentlichem Abschluss (meist Yale und Harvard), haben sich zusammengetan, um dem niveaulosen Kulturbetrieb der USA etwas entgegenzu... lesen


comandante blue base pusher I

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

D. Holland-Moritz: Fan Base Pusher. . Notizen aus der Peripherie 2002-2005

Ich machs mir leicht und gebe es gleich zu, dann ist das erledigt: Ja, parteiisch bin ich. Es handelt sich bei den zu rezensierenden Büchern, beim Kern des Ritter-Verlagsprogramms für Herbst ‘08, sämtlich um Bücher „der perspektive-Kollegen“ (Zitat Werner schreibkraft Schandor, desselben, der auch den schlechten Einfluss des nämlichen Dunstkreises auf den Stil meiner Rezensionen beklagt hat). Nichtsdestoweniger: Bear with me, reade... lesen


comandante blue base pusher II

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

Ralf B. Korte: D’Annunzio. D’Annunzio. Semisphären zum Commandante

D’Annunzio. D’Annunzio. Semisphären zum Commandante von Ralf B. Korte ist eine Annäherung an die Figur des Poeten, Flugpioniers und protofaschistischen Freischärlerführers Gabriele D’Annunzio. Es ist außerdem eine reichlich traurige Liebesgeschichte, ein Versuch in europäischer Kriegsgeschichte und schließlich ein Wühlen in den Wurzeln der Faschismen Italiens und Deutschlands. Wir beobachten das Textsubjekt, ein „Du“ ohne N... lesen


comandante blue base pusher III

Über das aktuelle Programm des Ritter-Verlages

Sophie Reyer: Baby Blue Eyes

Über Sophie Reyers Baby Blue Eyes schließlich wurde bereits viel gesagt. Über ihre Jugend wurde geredet, Vergleiche gezogen, die blöde Frage nach dem Autobiografischen gestellt. Ad Fontes: Es macht die Atmosphäre von Baby Blue Eyes aus, dass die Subjekte (Plural) vollständig in ihren Körpern verortet sind, nirgends sonst, und dass ihre Sprache uns zwingt, diese Verortung mitzuvollziehen; dass dieser Subjektstatus dabei brüchig ist und... lesen


umgehung der fettnäpfchen

Hermetische Lyrik abseits billiger Epigrammatik

Klaus F. Schneider: Umgehung der Anhaltspunkte. Gedichte

Dass das noch geht, ist hier das Thema. Umgehung der Anhaltspunkte: Dass so ein Titel Programm sein kann, in einem deutschsprachigen Gedichtband, im Jahr 2008 (bzw. 2009, inzwischen). Genauer: Dass das Buch, auf das solches sich bezieht, nicht voll ist von jenem sentimentalen Landschaft-, Sehnsuchts- und Ichschwäche-Quatsch, den wir zu erwarten gelernt haben, wenn ein Buch Bezüge zur „hermetischen Tradition“ im Titel führt. Weil wir si... lesen


schön

Cornelia Travnicek schlägt unsere Gefühlstasten an, bis die Bordunsaiten schwingen

Cornelia Travnicek: Aurora Borealis

„Schön“ würde ich verwenden für Cornelia Travniceks Buch Aurora Borealis, wenn dieses Adjektiv nicht bereits zu oft ge-, miss-, verbraucht worden wäre. „Schön“ ist zutreffend, aber erklärungsbedürftig. Es passt bereits zum Äußeren des handlichen, lila Büchleins. Schön wie alle Bücher der Bibliothek der Provinz, die in Bibliophilen das Bedürfnis nach weißen Baumwollhandschuhen wachrufen, um bloß keine Verunreinigungen au... lesen


lob dem quickie!

Klaus Ebner kommt in „Auf der Kippe“ schnell zum Punkt. Kurzprosa eben

Klaus Ebner: Auf der Kippe. Kurzprosa

Ein wesentliches Merkmal von Kurzprosa ist, dass sie kurz ist. Trotzdem werden jene charmanten, kaltschnäuzigen, verdichteten oder auch nur skizzenhaften Texte, die sich entschieden nicht um Ausführlichkeit bemühen, allzu gerne als halbe Portionen angesehen. Aber ehrlich: Was kümmert es den Leser – und damit auch den Rezensenten –, ob der unausführliche Autor nur einen kurzen Atem hat? Oder ihn aufspart für den großen ganzen Roman... lesen


grenzen überschreiben

Völkerverbindendes aus dem Weinviertel

Haimo L. Handl (Hrsg.): Grenzschreiben/Psaní na hranici/Hraničné písanie

Mit der mehrsprachigen Anthologie Grenzschreiben tritt der Weinviertler Driesch-Verlag zum ersten Mal und gleich mit einem ebenso grenzüberschreitenden wie völkerverbindenden Projekt an die Öffentlichkeit. Das Buch vereint Prosa- und Lyriktexte von je zwei Autoren aus Österreich, der Slowakei und Tschechien. Alle Texte sind auf Deutsch und Tschechisch abgedruckt. Die aus Wiener Neustadt stammende Katharina Tiwald eröffnet den Reigen mit... lesen