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weltkrieg am jausentisch

clemens marschall | weltkrieg am jausentisch

57 Kuhhirne in 15 Minuten: ein neuer Sport erobert die Welt

4. Juli, kurz nach 11 Uhr in New York: Wir feiern den Unabhängigkeitstag. Coney Island, der New Yorker Vergnügungspark, ist Platz des Geschehens. Ich bin dort nicht alleine, 40.000 Leute stehen sich um mich herum ihre Füße in die Mägen, die Kinder, die auf ihren Schultern sitzen, schwingen ihre Fahnen. Zusätzlich jauchzen noch 1,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der Anlass des Events? Heute findet das Wettfressfest schlechthin statt! Der legendäre Hot-Dog-Imbiss Nathan’s lädt die weltbesten Vielfraße zum ultimativen Kampf ein. Die 20 Besten stehen auf der Bühne, riesige Hot-Dog-Plüschfiguren motivieren die Leute zum Tanzen. Dazu gibt es dicke Beats aus di­cken Boxen, am Dach stehen fünf Sheriffs mit der Waffe im Anschlag. Entertainment und Violence gibt’s gleich im Doppelpack, dazwischen jubelnde Familien mit Stars'n'Stripes-Einweg-Tattoos im Gesicht, Getränkebechern in der linken Hand, rechte Hand aufs Herz: „Gloooory, gloooory hallelujah! His truth is marching on!“

Um Punkt High Noon geht’s los: one, two, three, go! Die 20 Bühnenfiguren sind allesamt Stars in puncto Vernichtung großer Mengen von Lebensmitteln. Jedoch ist von Anfang an klar, dass für den Sieg nur zwei Frontkämpfer in Frage kommen, das Duell läuft zwischen Takeru „Tsunami“ Kobayashi und Joey „The Jaws“ Chestnut. Die Menge tobt, denn nur zum Spaß wird hier und heute nicht gegeneinander angetreten: Kobayashi ist Japaner, Chestnut Amerikaner – und wir sind mitten im Krieg. Pearl Harbor mit Senf, bitte! Den Nazis auf die Fresse!

Die Tausenden von Menschen sind gekommen, um Chestnut anzufeuern und ihm beim Kampffressen zuzusehen. Gewinnt er, ist der 4. Juli ein wahrer Feiertag. Gewinnt der Japse – frage nicht! Man sieht nur, wie das Tablett voller Hot Dogs vor den einzelnen Teilnehmerinnen – jawohl! – und Teilnehmern immer weiter schrumpft und die Streitkräfte massenweise Material in den Mund und den Schlund hinunter stopfen. Nach zehn spannungsgeladenen Minuten, in denen einmal Kobayashi, einmal Chestnut um ein-zwei Bissen führt, passiert etwas Unfassbares, dieser Tag wird in die Geschichtsbücher eingehen: Die Uhr läuft aus und beide haben genau je 59 Hot Dogs verdrückt. Gleichstand bei Nathan’s – so etwas gab es noch nie! Nun folgt ein Stechen: Wer von den beiden fünf Hot Dogs schneller verschlingt, hat gewonnen. Los geht’s – und schon ist es auch wieder vorbei: Der unumstrittene Sieger heißt Joey Chestnut! Amerika jubelt: Wir haben sie besiegt!

Friss für dein Land!
Um es noch einmal zu sagen: Wettfressen ist keine Outsider-Erscheinung der Gescheiterten, sondern ein Massen­event sondergleichen. Da gibt es Geld zu holen, Sponsoren zu knacken, Rekorde zu brechen und Emotionen. Echte Emotionen. Bis in die 1990er war das Wettfress-Phänomen noch eher ein gesetzloses Land, doch das New Yorker Brüderpaar George und Richard Shea gründete 1997 die IFOCE (International Federation of Competitive Eating), mit der gewisse Richtlinien, Standards und – das nicht zu unterschätzen! – Geldgeber Einzug hielten. Die IFOCE als führende Organisation in Sachen Vermarktung und Etablierung des Wettvöllerns genießt eine Monopolstellung, so George Shea: „Die IFOCE veranstaltet und bewirbt so gut wie alle ernstzunehmenden Events, wir organisieren die ganze Essens-Liga. Unsere Erfolge, von der PR bis zur Ausführung, ermöglichen es uns, große Sponsoren sicherzustellen, die bedeutende Preise aufstellen: Im nächsten Event sind es z. B. 50.000 $. Wenn ein Esser allerdings der IFOCE nicht beitritt, kann er höchstens um die 500 $ Preisgeld kassieren.“

Laut IFOCE ist competitive eating der älteste Sport der Welt: Ein totes Tier liegt in der Höhle unserer Vorfahren, und wer am schnellsten am meisten davon vertilgt, hat die größte Chance, auch am nächsten Tag noch aufzuwachen. Diese Fähigkeit wird genetisch weitergegeben, und mit den Wettessern haben wir die Elite der Menschheit vor uns. So oder so ähnlich liest sich das Gründungsmanifest der Kombattanten fleischlicher Substanzen. Das Hot-Dog-Wettessen bei Na­than’s gibt es allerdings erst seit 1916. Der Legende nach wollten vier Einwanderer am 4. Juli herausfinden, wer von ihnen der größte Patriot wäre. Der vernünftigste Weg, der ihnen einfiel, um das herauszufinden, war zu überprüfen, wer mehr Hot Dogs essen konnte. Joe Alger oder auch James Mullen – es gibt verschiedene Quellen – gewann mit 13 verdrückten Stück. Seitdem fand der Bewerb so gut wie jedes Jahr auf Coney Island statt, wurde immer größer, bunter und lauter.

Es gibt zwar zahlreiche Fressevents mit anderen Waffen, aber Hot Dogs haben sich langsam zur Königsdisziplin gemausert. Der langjährige Thronbesetzer hieß Kobayashi. Er übertraf eine Sensation mit der nächsten, galt als unanfechtbarer Halbgott und wurde erst 2007, nachdem er den Wettbewerb sechs Jahre hintereinander gewonnen hatte, von Chestnut entthront. Mit 66:33 Hot Dogs in zwölf Minuten konnte Amerika Japan übertreffen: „The greatest moment in American sports history!“, wie der Fernsehkommentator auf ESPN, dem führenden Sportsender der USofA, es formulierte. Der Sieger bekam 10.000 $, zwei Kisten Nathan’s Hot Dogs und den Mustard-Yellow Belt, der laut George Shea „of unknown age and value“ ist (der sagenumwobene Gegenstand sieht nach einem Plastikgegenstand der 1990er aus). Chestnut brachte ihn, nachdem er sechs Jahre im Siegerland Japan war, endlich wieder zurück nach Amerika. Kobayashi gibt einer Kiefergelenksarthritis und einem kurz zuvor gezogenen Weisheitszahn die Schuld an seiner Niederlage.

Herzchen freut sich …
Interessanter als das kurzzeitige Geplänkel ist allerdings die längerfristige Entwicklung von dem, was in einen Menschenmagen gestopft werden kann: Die Rekordsteigerung erfolgt nämlich in sehr eigenwilligen Intervallen, von 1916 bis 2000 z. B. recht kontinuierlich: Aß beim ersten Contest der Sieger noch bescheidene 13, wuchs die Zahl bis ins Jahr 2000 gemächlich auf 25 1/8 Hot Dogs. Doch 2001 entert Kobayashi die Bühne und demonstriert Unglaubliches: Er verputzt sage und schreibe 50 Hot Dogs und verdoppelt damit den bis dahin geltenden Weltrekord aus dem Stand. Seine Leistung war so unerwartet und unfassbar, dass sogar den Nummerngirls die Zahlen ausgingen. Seitdem galt Kobayashi als Übervater aller Fressfans, dessen Macht nicht greifbar ist – bis, wie oben bereits erwähnt, Chestnut 2007 etwas noch Unpackbareres – für Amerika! – leistete. Ab da drehte die Welt sich wieder in die richtige Richtung.

2008 wird dann die Fresszeit bei Nathan’s von zwölf auf zehn Minuten zurückgeschraubt, weil es – laut gewissen Informationen – von Anfang an so gewesen sein soll. Unter Kennern ist diese Neuregelung sehr umstritten, doch selbst in der reduzierten Zeit schafften Kobayashi und Chestnut je 59 Stück.

Wie ist das möglich? Wie lässt sich ein über fast 100 Jahre gewachsener Weltrekord in einem Moment verdoppeln? Gibt es so etwas wie Doping? Ist Chestnut überhaupt ein Mensch? Hat Kobayashi einen zweiten Magen? Der 1978er-Jahrgang selbst sagt, dass seine enorme Konzentrationsfähigkeit seine Leistungen ermöglicht. Er versucht vor jedem Kampf in einen Trancestatus zu gelangen, in dem es nur IHN und das ESSEN gibt. Auf diese Weise gewann der scheinbar unanfechtbare Übermensch Titel wie „Magen der Welt“, wozu er 100 mit Schweinefleisch gefüllte Wan Tans in zwölf Minuten verdrückte.

Wer sich bei Kobayashi einen Fettklops vorstellt, der hauptberuflich Fernfahrer ist und im pervertierten 21. Jahrhundert das Glück hat, seine Fresssucht zum Beruf zu machen, liegt falsch. Erstens verdient Kobayashi ca. 150.000 Dollar pro Jahr, indem er sich vollfrisst, und zweitens gibt er dazu eine recht gute, wenn auch wechselhafte Figur ab: Bei einer Größe von 173 cm brachte die Kampfmaschine 2001, am Anfang seiner Karriere, nur 50 Kilo auf die Waage. 2006 waren es plötzlich 87, jetzt wiegt er wieder 58 Kilo.

Vielleicht sind Kobayashis (mitunter ernüchternde) Trainingsmethoden sein Geheimnis zum Erfolg: 2003 hat er in der FOX-Show Man vs. Beast einen gut 500 Kilo schweren Braunbären im Würstchen-Essen herausgefordert. Wer als Erster 50 wegmacht, hat gewonnen. Nach nur 2:36 Minuten war der Teller des Bären leer, das andere Viech hatte gerade mal 31 Frankfurter vertilgt. Kobayashis Trainingsmethoden haben sich aber geändert: Er nimmt immer mehr und mehr Nahrung auf einen Haufen zu sich und macht danach Sport, sodass kein Schwimmreifen entsteht, der seinen Magen am Expandieren hindern könnte. Außerdem ist er für den „Kobayashi Shake“ bekannt: Während der Wettbewerbe wackelt er ziemlich intensiv mit seinen Hüften. Er meint, er gehe einfach nur mit der Musik mit, andere glauben, dass so die Fressalien schneller die Speiseröhre runterrutschen könnten. Weiters hat er die „Solomon Methode“ zum schnellen Verdrücken von Hot Dogs entwickelt, die er schon bei seinem ersten Battle 2001 eingesetzt hat: Erst bricht er das Würstchen in der Mitte auseinander, schluckt beide Teile auf einmal, presst sie mit den Fingern hinunter in den Schlund und tunkt währenddessen sein Brötchen in Wasser, das dann schön nachgeschoben wird. Der erste Fresser, der das Brötchen und das Würstchen getrennt aß, war allerdings Kazutoyo Arai, ein Japaner, der bereits in den 1990ern mit dabei war. Diese Methode wird seither Tokyo Style oder Japanesing genannt.

Bei Chestnut steht in der offiziellen IFOCE-Beschreibung als Abschlusssatz „Joey Chestnut is truly an American hero and a national treasure.“ – das reicht eigentlich zur Erklärung. Er wurde 1983 geboren, kam 2005 in die Wettesserszene und wiegt derzeit 102 Kilo. Seinen Spitznamen „The Jaw“ verdankt er seinem Riesenkiefer, der Platz für unmöglich viel Ham Ham macht.

Die Popularität des competitive eating wuchs mit den signifikanten Erfolgen, wie George Shea berichtet: „Seit ich mich erinnern kann, ist das Interesse gestiegen, aber erst kürzlich ist es rasant in die Höhe geschnellt – was wir Kobayashis Aktion 2001 zu verdanken haben. Seit 2003, 2004 ist meine Arbeit in der IFOCE kein Hobby mehr, sondern auch mein Beruf und gewinnbringend.“ Ob das Hauptziel der IFOCE ist, Wettfressen als Disziplin bei den Olympischen Spielen zu etablieren? „Naja, ich finde die Olympischen Spiele ehrlich gesagt etwas langweilig und überproduziert. Ich denke, wir haben unseren eigenen Bereich und dass wir Olympia nicht brauchen. Nichtsdestoweniger, es gäbe auf jeden Fall passende Speisen für die Spiele im Winter und im Sommer: entweder Eiscreme oder was Warmes. Aber im Ernst: Unser Ziel ist es, Wettessen zu einem internationalen Phänomen wie Fußball zu machen.“

… wenn’s was zu fressen gibt!
Wettfressen ist keine reine Männerdomäne, die Wettbewerbe werden nicht geschlechtergetrennt ausgetragen und oft mischt sich unter die ersten Plätze auch eine Wettesserin. Ihr Name ist dann meist Sonya „The Black Widow“ Thomas und verrät bereits, dass sie gerne Männer frisst. Die zierliche, 48 Kilo leichte und 1967 in Korea geborene Schlemmerin lebt in Washington DC. Sie ist die derzeit erfolgreichste Fressprinzessin und hält 29 Weltrekorde. Ihre schlanke Figur ist paradoxerweise ihr größter Trumpf: Ihr Magen ist so nicht von einer Fettschicht eingeengt, sondern kann sich bei Bedarf problemlos ausdehnen. Die Burger King-Filialleiterin schwört darauf, dass sie nicht trainiert, isst allerdings nur eine Mahlzeit pro Tag, die dafür ordentlich fetzt. Für die Verdauung benötigt sie laut Eigenangabe acht bis zwölf Stunden. Warum noch keine fette Tonne aus ihr geworden ist? „Weißt du, ich nehme nur an einem bis zwei Wettkämpfen pro Monat teil. Sie sind die Ausnahme – nicht die Regel.“ Bis zu neun Kilo fester und flüssiger Nahrung kann sie auf einen Sitz konsumieren. Auf ihre Art kommt die Schwarze Witwe sehr sympathisch rüber, weil sie das Wettessen als Hobby sieht und sich nicht so fanatisch hineinsteigert, wie das der Großteil der anderen – besonders der jüngeren Generation – macht. Da hilft es auch nichts, dass George Shea eindeutig festlegt: „Training ist bei uns strengstens verboten. Wir erlauben außerdem niemandem unter 18, an den Wettbewerben teilzunehmen.” Denn nur manche Teilnehmerinnen und Teilnehmer halten sich an diese Vorschrift. Eines gilt aber für alle: Man muss lernen, auch zu essen, wenn man keinen Hunger hat. Sehr originell finde ich zusätzlich Kevin Lipsitz’ Trainingsplan: Der amerikanische Fresssack übte lange Zeit, indem er mit Hunden um die Wette fraß – Tierschützer legten Protest ein. Andere Esser glauben, dass ein hoher Blutzuckerlevel den Pylorus, den Pförtner zwischen Zwölffingerdarm und Magen, öffnet. Sie werfen vor ihren Spielchen viel Zuckerhaltiges ein, um den Türsteher quasi zu schmieren.

Eine wiederum andere Sippe trinkt regelmäßig große Mengen Wasser, um den Magen mit einem kalorienfreien Stoff zu dehnen. Don Lorman z. B. leert jeden Tag knapp vier Liter H2O in einem Zug. Eine derartige Trainingsmethode kann jedoch auch ins Auge gehen, ein gestörtes Verdauungssystem oder ein Magenriss kann die Folge sein, oder schlimmer: Die 28-jährige Jennifer Strange nahm im Jänner 2007 an dem Wetttrinkcontest „Hold Your Wee for a Wii” teil. Darin musste man so viel Wasser wie möglich trinken, ohne aufs Klo zu gehen. 7,5 Liter schaffte sie, jedoch waren die Folgen fatal: Sie starb mit furchtbaren Kopfschmerzen am Nachhauseweg. Todesursache: Hyperhydration, auch genannt: Wasservergiftung. Sie trank in sehr kurzer Zeit eine so große Menge Wasser, dass zu viele lebensnotwendige Salze weggespült wurden. Die Ehefrau und dreifache Mutter wollte als Siegerin die Spielkonsole Wii mit heimnehmen – zynischerweise gibt es seit Mai 2008 ein Wettfressspiel für genau diese Konsole.

 

Friss und stirb
Strange ist allerdings nicht die Einzige, der von der Todsünde des Völlerns heimgeleuchtet worden ist. Erst im Februar 2008 starb der 34-jährige Waliser Adam Deeley beim Kuchenwettessen in einem Café in Swansea: Fünf Stück Kuchen verstopften seine Atemwege. In den USA sind in den letzten Jahren bei unorganisierten Wettkämpfen mindestens drei Menschen gestorben, zwei davon sind an Essensresten erstickt, die in der Luftröhre stecken geblieben sind.

Mort Hurst, ein Kuchenfress-Champion aus North Carolina, versuchte 1991 ins Guinness Buch der Rekorde zu kommen und fraß 38 weich gekochte Eier in 29 Sekunden. Die direkte Folge war ein Schlaganfall, doch nachdem er sich erholt hatte, ging er wieder in den Ring.

In Japan waren Wettfressbewerbe schon in den 1990ern ein großer Renner, verschwanden dann aber für ein paar Jahre, weil einige Todesopfer zu beklagen waren. Mittlerweile hat sich die Insel vom Schock erholt und frisst erneut, was das Zeug hält, obwohl dort erst 2002 ein 14-jähriger Schüler bei einem Brotwettessen und 2004 eine Hausfrau in einem Kuchenfresswettbewerb erstickt sind.

Eine der größten Bemühungen der IFOCE ist es, unprofessionelles Wettfressen zu unterbinden. Seit 1997 wird Nathan’s Hot Dog Eating Contest von der IFOCE geregelt und sanktioniert. Bevor es diese Organisationen gab, war Wettessen ein Dorado, es gab keine Vorschriften und keine Sicherheitsvorkehrungen. Nun werden die Wettbewerbe – wenn die IFOCE damit zu tun hat – nur noch in Gegenwart medizinischer Fachkräfte abgehalten, die im Notfall helfen sollen. Mehr als 100 große Events organisiert die IFOCE auf diese Weise pro Jahr, stellt Sponsoren auf, macht Fernsehshows wie Eats of Strength, produziert Merchandise-Artikel und vieles mehr. Wer den richtigen Soundtrack oder die passenden Gewänder für eine Fresspartie sucht, sollte den IFOCE-Online Shop besuchen: Dort kann man z. B. competitive eater Hip-Hop-CDs kaufen: Badlands Booker, selbst auch ein starker Esser, wagte sich an ein Konzeptalbum mit dem Titel Hungry&Focused.

When little girls dream
Für Damen, die keine großen Esser sind, gibt es eine andere Möglichkeit, an einem Wettbewerb zur Völlerei teilzunehmen: Man kann sich als Bunnette bewerben. Zur etymologischen Erklärung dieser Wortschöpfung: Buns sind eigentlich die Brötchen, in die die Hot-Dog-Würstchen gelegt werden. Bunnette steht damit in direkter Verwandtschaft und für diejenigen immer total heißen Mädchen, die die geschluckten Hot Dogs zählen und als Nummerngirls überlebenswichtig sind. Die IFOCE klärt auf:

Bunnette (bunet) n. 1. (Trad.) A person, usu. female, who counts the amount of food eaten by competitors in Major League Eating events.

2. A woman, usu. seductive by disposition, who is passionate about the sport of competitive eating and its practitioners. When little girls dream, they dream of one day becoming a Bunnette™. A Bunnette is more beautiful than Miss America, hotter than a Cowboys Cheerleader and more talented than Vanna White.

Bunnetten dürfen allerdings nur die Hot Dogs werten, die im Magen bleiben. Wer speibt, verliert. Ganz so oft, wie man es im Film Taxidermia sieht, passiert das allerdings nicht.

Ob competitive eating nun tatsächlich ein Sport ist, diese Frage stellen sich die Teilnehmer und Organisatoren wenn, dann nur rhetorisch. Die erfolgreichste Wettesserin im Geschäft, Sonya „The Black Widow“ Thomas, gibt zu Protokoll: „Ganz ohne Zweifel ist Wettessen ein Sport! Es ist sogar der natürlichste Sport, den es gibt – schließlich isst jeder Mensch!“ – wenn auch mitunter etwas dezenter. Manch einer hat eben schneller genug als der andere. Wir verbleiben mit einem individuell zu regulierenden: Mahlzeit!