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dada-glam-punk

Wieder ein Buch, in dem die Band Xiu Xiu erwähnt wird.


fritz widhalm: die nacht schluckte die dämmerung

wien: edition zzoo 2008

Rezensiert von: martin fritz


Kann man Fritz Widhalm als bekannt voraussetzen?

Man könnte auch noch einmal schnell wiederholen: Jemand zwischen Fan und Teil von klassischen Avantgarden, hervorragender Popmusik (Marc Bolan) und sozusagen Independent Kleinverlags-Netzwerken.

Also „klassisch” war jetzt gemein.

Von denen ist er wohl auch mehr Fan als Teil. Und außer Autor ist er übrigens noch Maler, Filmemacher, Musiker und gemeinsam mit Ilse Kilic Teil von „Das fröhliche Wohnzimmer”.

Was anderes: Ist das jetzt auf einmal in Ordnung, sich in einer Rezension an die Machart des Rezensionsgegenstands imitatorisch ranzuschleimen? D

as gilt nur für Rezensionen von Büchern von Wolf Haas und die nacht schluckte die dämmerung ist etwa eine Art vom genauen Gegenteil davon.

Aha. Und wie jetzt genau?

Also der Rahmen ist ein Gespräch zwischen dem Autor Fritz Widhalm und der Hauptfigur Konrad Berger über das Buch, dessen Teil das Interview ja ist.

Klingt kompliziert.

Ist gar nicht so schlimm, die Meta- und anderen Ebenen verfransen da halt ein wenig.

Und was passiert dann?

Falsche Frage. Interessant ist: In welcher Form geht es dann weiter?

Dann wechselt die Perspektive.

Woher weißt du das denn jetzt?

Das musst du wen anderen fragen.

Und dann kommen jedenfalls 51 Filmlexika-Kurzbeschreibungen des Lebens von Konrad Widhalm.

Konrad Widhalm?

Entschuldigung, jetzt habe ich mich versprochen, ich meinte: Konrad Berger.

Und die Berger-Eltern kommentieren das unterm Strich.

Wie jetzt?

Ja oben auf der jeder Seite ein neuer Konrad in einer neuen Geschichte. Und unten auf derselben Seite erklären die Berger-Eltern rückblickend zum Beispiel: Sprache ist Leben, das Gewöhnliche das Besondere, wie Konrad eben.

Sehr versöhnlich.

Wie Eltern im Allgemeinen rückblickend eben sind.

Der zweiten Teil sind Gedichte über Konrad von einer anderen Figur, der drallen lesbischen Lokomotivführerin Berta Wieland.

Mit denen hast du weniger anfangen können? Das hast jetzt du gesagt. Und es sind Selbstporträts von Konrad dabei.

Der dritte Teil ist von Konrad selbst und beinhaltet Beschreibungsskizzen unter anderem des Glamrock-Fan-Seins.

Das kann man überhaupt über das ganze Buch sagen: Dadaglampunk.

Kann man so sagen. Und was fehlt jetzt noch?

Das Wort „netzwerkartig” oder irgendetwas anderes, das ich auf meinem Notizzettel nicht mehr lesen kann.

Haben wir sonst noch etwas noch nicht angesprochen?

Ein immer wiederkehrendes Thema ist die Sexualität.

Na also, wie im Leben.

Und liest sich das alles nicht sehr verwirrend?

Finde ich gar nicht. Nur wenn man denkt, kommt man leicht durcheinander.

War das jetzt ein Zitat?

War das eine rhetorische Frage?

Noch einmal zu dem mit Diegese und Realität und so. Was glaubst du, gibt es den Konrad Berger wirklich?

Was glaubst du?

Und wie finden wir das jetzt alles, dieses Vexierspiel mit den verschiedenen Realitäts- und Erzählebenen, Figuren und Personae, das Experimentieren mit verschiedenen Formen?

Ich kann dir nicht sagen, was du davon halten sollst. Du musst es schon selbst lesen und dann beurteilen, wie es dir gefällt.

Hättest du nicht noch ein bisschen genauer auf die Form eingehen können? Oder auf den Inhalt?

Hättiwari.

Aber Bücher, in denen die Band Xiu Xiu erwähnt werden, gefallen uns doch schon von Haus aus?

Das hast jetzt du gesagt.

Du musst es ja wissen.