schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 19 - im ernst?
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/19-im-ernst/feuilleton

Feuilleton der Ausgabe 19 - im ernst?

erich schirhuber | die erträgliche schwere des seins

Der Ernst ist ein Meister aus Österreich

Der Ernst ist ein weites Feld – so weit wie die Unterschiede zwischen den Romanen von Gustav beziehungsweise Hans Ernst. Zweiteren werden die gebildeten Leser dieses Mediums wahrscheinlich nicht kennen, man braucht jedoch bloß im Donauland-Katalog nachzuschauen. Nun sind Spielereien mit Namen gewiss ein etwas seichter, banaler Scherz. Eben deshalb muss er hier gemacht werden; ich folge darin Thomas Bernhard, der bei einem der sogenannte... lesen


bernhard horwatitsch | qualvoll werde der hals zerquetscht

Über den Wert des Geldes und mongolische Hinrichtungsmethoden

Von der Antike bis zum Spätmittelalter exekutierte man Führer auf folgende Weise, um ihnen einen ehrenvollen Tod auf dem Schlachtfeld zu verwehren: Der Verurteilte saß oder stand mit dem Gesicht zum versammelten Volk, während ihm rücklings mit einem Seil, das durch einen Stab gedreht wurde, langsam und qualvoll der Hals zerquetscht wurde. Der Mongolenherrscher Gaichatu wurde im Jahr 1295 durch eine Bogensehne erdrosselt. In diesem Fal... lesen


caroline fürholzer | thailändische fischsauce

Eine Reise aus dem Mittelalter hin zu meiner Wohnung

Ich füttere die beiden Triopse. Munter tauchen sie durch die Plastiklacke. Wieder und wieder stoßen sie an ihre Wände und ich frage mich, ob sie glücklicher lebten, wenn das Gefäß größer wäre. Doch auch in der Natur bewohnen diese Tiere bloß winzige Pfützen. Und das für ungefähr neun Wochen, bevor sich ihr Leben dem Ende zuneigt. Mein Schüler Mathis betritt als Erster das Klassenzimmer und schleudert seine Tasche unsanft auf... lesen


ernst kilian | berlin, im ernst: berlin

Ein Rundgang durch die deutsche Hauptstadt

Über Berlin, die europäische Hauptstadt mit der tragischen Geschichte, im Ernst zu reden ist gar nicht so leicht, das weiß ich seit einem früheren Besuch, als mir eine Zimmervermieterin begeistert die Vorzüge des von ihr vermieteten Zimmers schilderte, inklusive wunderschönem Blick auf den Mercedes-Stern, und zwar nachdem sie erklärt hatte, dass das Zimmer bereits vergeben sei; und als ich in eine kurdische Demonstration geriet, die im... lesen


vasile v. poenaru | östliches bonanza

Auf geheimen Pfaden von Wien nach Bukarest

Es gibt einen geheimen Pfad zwischen Wien und Bukarest, der nur selten begangen wird und der – nicht nur im räumlichen Sinne – über seine gesamte Strecke allerlei tückische Krümmungen und Wendungen aufweist, da er streng genommen in einer dem intuitiv ansprechenden Gang der Dinge übergeordneten Legende anfängt und in einer vorzüglich virtuell erschließbaren Subsektion der Wirklichkeit aufhört, die gerade für solcherlei Instanzen... lesen


anna weidenholzer | im 86. jahr

Porträt einer alten Dame

Wegen ein paar besorgniserregender ökonomischer Basisdaten nicht in Panikstimmung zu verfallen, mag von staatsbürgerlicher Reife oder von großer Gelassenheit zeugen, man könnte genauso gut aber auch von Lethargie sprechen. Ulrich Peltzer: Zwischen Lethargie und Staunen, taz, 27.05.2009 „Ist die klar im Kopf?”, sagt der Heimleiter. Frau Lampl sei klar im Kopf, dürfte die Pflegerin am anderen Ende der Leitung sagen. Der Heimleiter n... lesen


doris neidl | papier

Erinnerungen an das Leben

Papier ist wie die Haut eines geliebten Menschen. Man berührt es, man fühlt es, man erfasst die Struktur seiner Oberfläche, man riecht es, man betrachtet seine Farbe. Würde ich keine Malerin sein, würde ich in einem Papiergeschäft arbeiten. Oder beim dm. Ich mag auch den dm-Markt. Ich mag es, alle diese Produkte anzuschauen. Ich muss gestehen, dass ich einen Anti-Cellulitis-Creme-Komplex habe, und deswegen oft beim dm bin. Ich kaufe mir... lesen


harald a. friedl | die rosarote krise

Fallstudie über ein Opfer der Rosamunde-Pilcherisierung

Endlich hatte sie ihm unter Tränen und unverwüstlichem Make-up ihre ewige Liebe geschworen, während ihr der schottische Nebel das blonde Haar benetzte. Unter ihr der Abgrund einer wilden Felsküste, zerschnitten von weißen, schwebenden Möwen; im Hintergrund die beruhigende Grünheit der sanften Highlands mit ihrem Hauch von Freiheit und Abenteuer; über ihr ein Himmel so blau wie seine Augen; um sie seine starken Arme und in ihr seine Zu... lesen


katharina bendixen | der rest erledigt sich von allein

Liebe Frau B, manchmal läuft das Leben nicht ganz so, wie wir uns das wünschen. Pfeiler, auf die wir uns seit Jahren gestützt haben, lösen sich in Luft auf, und wir stehen plötzlich vor dem Nichts. Vor einem Monat wurden Sie von Ihrem Mann verlassen. Das ist schlimm, und Sie haben allen Grund, traurig zu sein. Nehmen Sie Ihre Trauer an! Setzen Sie sich mit Ihrer Vergangenheit auseinander. Dies können Sie zum Beispiel tun, indem Sie die... lesen


werner schandor | kabarett ohne pause

Der Mythos vom Witz der Krise

Dinge ernst sagen, aber witzig meinen, ist das Privileg von Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung, um einen fast vergessenen jungen Wilden des deutschen Dramas zu zitieren. Im ernst gesagt, auf Lacher gehofft, das ist auch die Haltung von Kabarettisten, die in Österreich hohes Ansehen und regen Publikumszuspruch genießen, auch wenn viele nur halb so witzig sind, wie es ein auf Unterhaltung gierendes Publikum gerne hätte. Neben jene... lesen