schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 19 - im ernst? gedichte
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/19-im-ernst/gedichte

gedichte

ron winkler | gedichte

Rosenkranz für das Gefühl anlässlich des letzten neuen Rohöls

so schön kann es sein im Staatslicht. inmitten der Frische von Wesen
unterhalb von Kentauren auf der Suche
nach Silikon.
Silikontälern und -tümpeln. auf den Autobahnen

zwischen dir und deinem Gesicht fuhren Schuldenpanzer auf
und ab. die Pilotenmasse in Greiffarben
zeigte halbdimensionales Lächeln – von Anfang an.
Vorstufen

von Clubs, erogene Pathologen, Weisheitsschaftler
die das Du erfunden hatten oder Aviakopter – dort ging ich
ein und aus.
wir hatten das Zahnfleischantlitz

der Welt
der Werbung, die sich in uns bewährte. Straßenkinder konnte ich kaum
noch von Feldwegkindern unterscheiden, Tabulatoren
von den Inhalten trennen, die sie verschoben. noch

jeder Präsident jeden Viertels diente einem
Server. und ich war ein Begleittier zu mir. weg von mir. sehr viel
westwärtser als die nicht mehr als eine Minute dauernden Generationen
zuvor. deren (gut gemilchte) Milchbartspuren

sich zwischen den Hampelmaschinen auf den Ölfeldern
des Washington Countries verloren. lediglich. selbstverständlich.
gegebenenfalls.

 


Futur bis Präteritum

die Geschichte als Mädchen arrangierte blaue Berge
für uns. die Geschichte
als Junge fegte heiß durch die Disteln.
taumelnd.

○○○

ich habe, sagst du, eine schöne Engelstelle an mir.
Locken wie eine aus deinem Genom abstrahierte Frisur.
aus deinem Tao.

○○○

deine schönste Tautologie: göttlicher Gott.

○○○

eine Anwandlung von Killergüte
würde |||||||||||||||||||| zu uns bringen. in den Tau unserer Leben.

○○○

an die Taue, Freunde. die nicht messbar
sind. holen wir die Entfernungsschreine näher heran. zu
Tausenden.

 

 

la belleza, la definición

       Flüsse strömen in Richtung 2.

Schönheit stellt eine Form von Schönheit dar.

einen potentiell wahrscheinlichen Zustand von Schönheit.

Schönheit ist die momentane Geschwindigkeit
ruhender Schönheit.

mentaler Hybridschall.

die Menge von Schönheit im Universum ist immer gleich.

es gibt Schönheit diesseits und jenseits
des Phänomenhorizonts.

die innere Schönheit in sich geschlossener Subsysteme

erweist sich ohne Einwirkung von außen als konstant.

die Innenseite der Schönheit verhält sich umgekehrt reziprok

zu ihrer Außenseite.

ein Minimum an Schönheit ist ein stilles Maximum
an Schönheit.

beziehungsweise ein Wert knapp oberhalb von Hässlichkeit.

 

zweites urbanes Panneau

sag über, sag unter, sag Stadt. sag, was
du gesehen hast. sag die rundum verspiegelten Taxis,
die zwischen dem Bauen gewidmeten Bauten hin
und her Luft verschieben. sag ziemlich schnell Kinder,
die unter Aufsicht von auf verschiedene Personen
verteilten Hermaphroditen Elementarteilchen
zu löschen haben. sag Kinder, denen man ansieht,
dass ihre Eltern oder übrig gebliebenen Elternteile
Francis Bacon verehren. sag Francis Caspar Bacon Kahlo.
sag die Kassiererinnen, die während ihrer Pausen
in den Hinterzimmern der Supermärkte tanzen
wie balinesische Göttinnen ohne näher spezifizierten
Aufgabenbereich. sag die zu unfreiwilligen Klienten
gewordenen Opfer der Eindrucksfarmer. sag sie auch zu
ihnen selbst. sag, dass wir Symbolsex hatten
am Nordweststern, den man auch Halbgelbplanet nennt
oder nannte. sag, dass wir gleichzeitig aus drei
Kontinenten stammen. sag, dass fast jeder von Geburt
an ein Telefon bewohnt. und nicht über das Viertel
der Zölibanten spricht. das eine Mandelform hat. fast
wie der Park, den du in meinem Park angelegt hast. ein
Überpark, in den man nur von wenigen Referenzgebäuden
aus blicken konnte. kann. sag die Gebetsgemeinschaft
der Ägyptiseure, die unser Sein zu dromedarisieren
versuchten. sag die Bacchusbrüste der Geliebten
in lauen Sommernächten. sag Herbst minus zwei Türme.
sag Beamte, sag Winter, mit Leinwand auf Öl gemalt.
sag, wie wir überzogen sind von Digitallack. und dass
es keinen Angora-Beton gibt. nur Liebe, geregelt durch
den Schnee der Gefühle. und Teufel, aus Mangel
an Teufeln. sag, dass man nach hundert Vorlesungen
im Sozialamt einen Besuch gratis erhält. sag: die Wolken
beginnen immer zuerst am Himmel. sag: jeder zweite
Odysseus hält sich eine Sirenenmaschine ans Ohr.
sag auch die Ballerinen, die insgesamt und einzeln alle
Eurydike heißen. weil sie an den Ausfallstraßen
die Fensterscheiben der Fluchtfahrzeuge streicheln.
weil es so ist. weil es so determiniert ist. weil das die
Sinusseite der Gegenwart zeigt. sag das. vielleicht.

 

vereinzelt Pulp Fiction

wir wussten nicht, dass die 140.000 Batmans
keine eigenen Städte mehr bauten. wir
wussten nicht ihnen zu helfen und nicht uns,
dem Hauptbestandteil des archaischen
Segments. wir wussten nicht, welche Funktion
der Traumpäpste die beste war. oder
wie Sprache eine Vorschau auf Sprache sein konnte.
wir ahnten nichts von den Tierblickimitatoren.
kannten weder Phonisten noch Seelenführer.
noch Seefahrer, die wirklich Meere geladen hatten.
ganz durchschnittliche Psychogogen
bevölkerten unser Märzchicagos und Sadomasoberlins.
mit einem Zionblick sah man sie
in ihre katatonischen Kirchen gehen,
wo sie auf die Kongregation der Gartenbauskinheads
trafen, deren draußen angeschirrten Dienstrehe
weithin sichtbar grasten. wir spürten die Mischung
aus Revolte und Parkplatz. spürten das
Potential der Geisha-Chicas so, wie wir
ihre angeborenen Schmauchspuren spürten. tief
in uns selbst, wo 17-Fronten-Kriege tobten.
und die wir mit einer Art Communismo zu überspielen
versuchten. Pulp-Fiction-Frisuren tragend. um
gewappnet zu sein gegen die so genannte
Sogenanntheit.