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Rezensionen der Ausgabe 19 - im ernst?

eigenvögel

Parallelwirklichkeiten. Ereigniskoordinaten. Textcollagen.

Walter Kreuz: Karlas Lauf gegen die Raumzeit. Extrakt

Lindenbaum und Weidenbaum. Eine Wiener Straßenbahnlinie. Eine 20-Jährige namens Karla Zelenku, die aus der neurologischen Abteilung einer Krankenanstalt flieht. Parallelwirklichkeiten. Ereigniskoordinaten. Textcollagen. Karlas Lauf gegen die Raumzeit lässt Raum für Assoziationen. Geschrieben in einer „sprudelnden” Sprache „äthert” diese Erzählung, die sich dem Erzählen auf spielerische Art verweigert, nur so „hierher”. D... lesen


spaltungskarambolage

oder: Möchte hier vielleicht mal jemand Ronald Reagan ficken?

James G. Ballard (Ü: Carl Weissner): Liebe & Napalm. The Atrocity Exhibition. Roman.

Fragen wie diese werden erst gar nicht gestellt innerhalb von Ballards wildem Ausritt in jene Areale, welche eine zerfallene Persönlichkeit als letzten Versuch des Festkrallens am Individuum ihr Eigen nennt. Aus den Splittern und Fragmenten eines gerade verlustig gehenden Subjektes bastelt der am 19. April 2009 verstorbene Autor eine kunstvolle Montage in Form literarischer Miniaturen, aufgeladen durch Meilensteine der US-amerikanischen Gesc... lesen


humpty dumpty has left the building

Verhalten bei und nach Sprachlawinenabgang

Markus Köhle: Bruchharsch. Prosa

Wenn Markus Köhles Wortlawine abgeht, sollte man versuchen, Haltung zu bewahren, die Ski gerade zu belassen und so lange wie möglich mit der Lawine mitzugleiten. Denn nicht nur literarische Spitzensportler wissen: Man wird es kaum schaffen, einer Wortlawine durch Abfahrtsflucht zu entkommen. Durch ein derartiges Verhalten kann man sich unter Umständen nur noch mehr in Gefahr bringen – man wird weiter in den Text gezogen. Hat man die geme... lesen


dada-glam-punk

Wieder ein Buch, in dem die Band Xiu Xiu erwähnt wird.

fritz widhalm: die nacht schluckte die dämmerung

Kann man Fritz Widhalm als bekannt voraussetzen? Man könnte auch noch einmal schnell wiederholen: Jemand zwischen Fan und Teil von klassischen Avantgarden, hervorragender Popmusik (Marc Bolan) und sozusagen Independent Kleinverlags-Netzwerken. Also „klassisch” war jetzt gemein. Von denen ist er wohl auch mehr Fan als Teil. Und außer Autor ist er übrigens noch Maler, Filmemacher, Musiker und gemeinsam mit Ilse Kilic Teil von... lesen


hubertushirsch und pornobräute

Ja und ja und nochmals ja: Lobhudelei über ein Meisterwerk

Ulrich Schlotmann: Die Freuden der Jagd

Um jegliche Spannung aus dieser Rezension zu nehmen bzw. jene erst gar nicht aufkommen zu lassen, sogleich das folgende Zusammenfassungsende vorweg: Ja, das hier zu besprechende Buch ist ein Meisterwerk, wie ein solches seit (mindestens und noch etwas mehr) Jahrzehnten nicht mehr verfasst wurde. Ja, das hier zu besprechende Buch zeigt, was Literatur im 21. Jahrhundert zu leisten vermag – oder besser: zu leisten vermögen sollte. Ja, an dies... lesen


räume und menschen

Über die Verwandlung von Paris, Berlin und New York

Wolfgang Hermann: Paris Berlin New York. Verwandlungen.

Manchmal lebt man in einer Stadt, doch in Gedanken ist man an einem anderen Ort. Betritt man etwa Prag, kann es sein, dass man am Wenzelsplatz an Freiburg denkt oder am Namesti Bratri Sincu an den Leipzigerplatz in Innsbruck. Über diese Art der Verwandlung von Paris, Berlin und New York hat Wolfgang Hermann ein Buch geschrieben, Paris Berlin New York. Verwandlungen. Erstmals 1992 im Berliner Gatza Verlag erschienen, wird hier eine sehr subje... lesen


130 seiten sonnenschein

Von der Schwierigkeit, eine einfache Geschichte zu schreiben

Andreas Unterweger: Wie im Siebenten. Roman

„I always liked simple rock”, gesteht John Lennon im berühmten Rolling Stone-Interview, in dem er nach den Beatles ein wenig Schmutzwäsche wäscht. Nicht die Schmutzwäsche, aber John Lennon und das Einfache scheint auch Andreas, der Ich-Erzähler in Andreas Unterwegers Romandebüt Wie im Siebenten, zu mögen. In diesem Roman versucht Andreas etwas Schwieriges, nämlich ein ganz einfaches Buch zu schreiben. Fröhlich gestimmt erzählt e... lesen


elektrisierender textstrom

Robert Prosser schließt die Sprache kurz

Robert Prosser: Strom. Ausufernde Prosa.

In Robert Prossers Erstling Strom ist Sprache nicht nur, wie ein Vorbild zitiert wird, ein Virus aus dem All, sondern verflüssigt. Hier wird nicht einfach linear erzählt, sondern ein kurzgeschlossener Textstrom erzeugt: Die letzten Worte des Gesamttextes setzen die ersten voraus und vice versa. Dieses Gestaltungsprinzip der verdichtenden Verknüpfung über erwartete Grenzen hinweg zieht sich durch die ganze Struktur des Buchs, die Kapitel... lesen


der grabräuber

und die Suche nach der Unsterblichkeit

Georg Petz: Die unstillbare Wut

 ... und da ist die Fossa, mit aufgerissenem Maul und einer unstillbaren Wut in ihren Augen, die mir durch die geöffnete Tür des anderen Zuges hinterher sieht, bereits auf Schiene gebracht, bereits auf die lange Reise geschickt, vorbei am Ende aller Wege in den Hügeln von Latium und weiter, noch darüber hinaus … ins Ungangbare … am Ende aller Lebenswege, nach Neapel … Der junge Indiana Jones studiert und schreibt in New York... lesen


69er-stellungnahmen

Die Flower, die Power und der Hendrix Jimi

Wolfgang Pollanz (Hg.): 1969

Eine Anthologie kann einem nie zur Gänze gefallen. Täte sie das, so wäre sie wohl zu einseitig geraten. Aber wenn man sich nicht nur die kurzen Texte beziehungsweise die mit ansprechendem Titel oder die Texte jener Autor­Innen rauspickt, die man ohnehin schon kennt, sondern ausnahmslos alle liest, dann spricht das durchaus für die Qualität der Anthologie. Themenverfehlung 1969 als Thema also. Einer der Autoren (Ernst M. Binder) zitie... lesen