schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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Feuilleton der Ausgabe 20 - grenzwertig

julian blunk | die schweiz als maßeinheit

Über die Grenzen der Landvermessung

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 20, "grenzwertig". lesen


gerhild perl | der telefon-engel®

Versuch über das Sterben

1 Vor einigen Monaten fiel mir im Wiener Bestattungsmuseum eine Broschüre mit dem kryptischen Versprechen „Trauerbewältigung mit dem TelefonEngel®” in die Hände. Dieser helfende Engel ist ein rechteckiges, glasfaserverstärktes Gehäuse, das ungefähr die Größe von vier Sardinenbüchsen hat und ein Handy, einen Lautsprecher sowie eine Stromversorgung beinhaltet. Der TelefonEngel®, der 30 cm über der Grab- oder Urnenstelle eingeer... lesen


katharina körting | PRostitution en blogs

Von Löchern und Lücken der PR

I Öffentlichkeitsarbeit Es schneit. Ich registriere, wie die Tage ganz langsam heller werden, bin nur ein kleines Licht. Ich arbeite als freie PR-Texterin. Wir produzieren im Namen der Absender (Unternehmen, Verbände, Ministerien etc.) Inhalte und transportieren sie zu den Empfängern (Bürgerinnen und Bürger), und immer öfter merke ich: Ich würde lieber meinen eigenen Inhalt kreieren, anstatt anderen nach dem Munde zu reden. Mir ist kl... lesen


gabriele feyerer | der postler im schafspelz

Vom grenzenlosen Schein akademischen Seins

Wir leben im Zeitalter grenzdebiler Wissenschafts- und Expertengläubigkeit. Sobald ein Experte dies empfiehlt, lassen wir uns willig mit chemischen Brackwässern gegen jede 08 bis 15-Grippe impfen, Experten erfinden monatlich neue Wellness- und Ernährungsrichtlinien, um uns später allerlei Krebs aus dem Gedärm zu operieren, mit spitzen Geräten in sämtliche Organe zu stechen oder diese mit Strahlungskanonen zu beschießen. Wieder andere... lesen


michael helming | timbre der grenze

Eine emotionale Topografie

„No method in our madness. Just pride about our manner.” Adam and the Ants: Kings of the Wild Frontier, 1980 Die Anfänge meines Denkens sind vor allem akustischer Natur, denn mein Vater besaß ein Tonbandgerät, das mich bereits als Kleinkind faszinierte. Schon früh konnte ich mir die Namen von Songs und Bands merken, in einer Sprache, die ich nicht beherrschte. Musik war klar in Stilrichtungen aufgespalten: Disco von Schlager oder R... lesen


bernhard horwatitsch | google ergo sum

Wie wir uns Facebook und Co preisgeben

„In Deutschland reizt der Essay zur Abwehr, weil er an die Freiheit des Geistes mahnt.“ - Theodor Adorno: Der Essay als Form „Privatsphäre ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß”, meinte der Gründer des digitalen sozialen Netzwerkes Facebook einmal in einem launigen Interview. Der Terminus Privacy wurde 1890 von dem späteren Richter Louis Brandeis und dem Schriftsteller und Rechtsanwalt Samuel Warren „Individual’s right to be... lesen


erich schirhuber | das römische kartell

Heimatgefühle im alten Imperium

Da schaute ich neulich im Teletext die Meldungen an und las: „Römisches Kartell in Schwechat entdeckt.” Dachte mir: Vielleicht eine Preisabsprache bei der OMV oder am Flughafen? Hat sich Berlusconi eingeschaltet? Ein zweiter Blick bewies, was ich ohnehin vermutete: Es war ein Kastell gemeint. In Schwechat, Ala Nova hieß das seinerzeit, gab es ein Reiterlager, seit der Zeit der flavischen Kaiser. Hilfs­truppen für Vindobona. Aber na... lesen


ernst kilian | die idee eines kontinents

Erinnerung an die Grenzen Europas

Ich erinnere mich. Es war Ostern 1991, in Vyšne Nemecké, Ostslowakei. Ich stand etwas abseits der Hauptstraße auf einem Seitenweg und fotografierte den Endpunkt dieser Reise: einen kleinen Friedhof, nicht mehr als ein paar unregelmäßig aufgestellte windschiefe Kreuze. Den Hintergrund bildete eine niedrige Anhöhe mit Wachturm, zwischen Baumwipfeln ragte das Dach der Grenzstation hervor. Die Staatsgrenze, die sie markierte, war die letzte... lesen


jan-erik riemenschneider | die unmenschliche menschlichkeit

Kurze Episoden über Grenzen

Es gibt Grenzen, die man für sich selbst zieht. Grenzen moralischer, präskriptiver Natur, mit denen man sich ein besseres und angenehmeres Leben verspricht: Keine One-Night-Stands, täglich 4 Liter Wasser trinken, ständig unter 55 Kilo bleiben und dergleichen mehr. Wenn man diese Grenzen überschreitet, schmerzt es, kann aber auch heilsam sein. Andere Grenzen werden von der Gesellschaft gezogen. Sie zieht Grenzen mit dem Ziel, das Zusam... lesen


kai kugler | indigo

Auf der Suche nach Timbuktu

Konzert im Stade-Omnisport-Modibo-Keita, dem größten Stadion in Bamako. Wir sind zu fünft, Bintou, ihre Schwester Adam – Adam ist hier ein weiblicher Vorname, dessen männliches Pendant Adama lautet –, Marjam, Sidi und ich. Eine Menschenmenge vor dem Stadion, das Konzert ist ausverkauft. Am Schwarzmarkt ergattern wir gerade noch drei Karten, die anderen beiden bestechen einen der Securityleute. Es ist üblich solche Konzerte von einem... lesen


kai grehn | am anderen ende des berges

Ein Bericht (für C.)

Dem Tod begegnen und also der Präsenz des Lebens. / Dem Leben begegnen und also dem Verneinen des Nichts. / Dem Nichts begegnen und also dem Einen und Allem. / Dem Einen und Allem und also dem Fremden begegnen. / Dem Fremden begegnen und also sich selbst. / Sich selbst begegnen und also dem Tod. Am Anfang war ein Wolkenkuckucksheim. 8.125 Höhenmeter, die Besitz ergriffen von dir, Besitz ergriffen von mir. Was für ein seltsamer Vogel, da... lesen


claudia chibici-revneanu | regenwurmliteratur

Warum die Geschichte des Romans durchaus zum Kotzen verleiten kann

Was wären wir Armen ohne Grenzen, wenn wir uns nicht abgrenzen, andere nicht ausgrenzen und uns selbst nicht so schön begrenzen könnten. In ihrem recht berühmten Buch Pouvoirs de l’horreur, die „Gewalten des Grauens”, schreibt die selbst oft grenzwertige Theoretikerin Julia Kristeva von dem Ausgestoßenem, all dem, was wir grauslich, stinkend, peinlich, grässlich, unvorstellbar, unappetlich, ekelerregned etc. finden. Regenwürmer u... lesen


eva zettelmann | jeder biss ein bonus

Zu Vampirmetamorphose und “Twilight”-Manie

Literarische Figuren sind für gewöhnlich sesshafte Wesen. Strikt halten sie sich an die von zwei Buchdeckeln vorgegebenen Grenzen ihrer Textwelt. Welche Entwicklungsstadien sie auch durchlaufen, welche Kreise sie auch ziehen, den äußersten Radius der Bewegung bestimmt die Raum-Zeit-Limitation des Texts. Dracula hingegen, der Untote, der Wiedergänger, überschreitet Grenzen, ontologische und moralische, penetriert Haut, Tod, Text. Wäh... lesen


dirk werner | aller grenzen wert

Erinnerungen an den Regisseur Klaus Fiedler

Die Menschen, Texte, Autoren und Aufführungen der Theater in der DDR repräsentierten für mich oft Werte auf der Grenze: an einer tatsächlichen oder gedachten Demarkationslinie. Dieser einmalige Kosmos mit den ihm eigentümlichen Gesetzen war damals im Innern des kleinen Landes, der Diktatur, oftmals ein geschützter Raum. Ein Innenraum, der sich aber in seinem Volumen, in der ihm eigenen Räumlichkeit, über militärische und politische G... lesen