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kai kugler | indigo

Auf der Suche nach Timbuktu

Konzert im Stade-Omnisport-Modibo-Keita, dem größten Stadion in Bamako. Wir sind zu fünft, Bintou, ihre Schwester Adam – Adam ist hier ein weiblicher Vorname, dessen männliches Pendant Adama lautet –, Marjam, Sidi und ich. Eine Menschenmenge vor dem Stadion, das Konzert ist ausverkauft. Am Schwarzmarkt ergattern wir gerade noch drei Karten, die anderen beiden bestechen einen der Securityleute. Es ist üblich solche Konzerte von einem Sitzplatz auf der Tribüne aus zu verfolgen, aber die Tribüne ist natürlich aussichtslos überfüllt, es gibt viele andere, die so wie wir hier hereingekommen sind. Die Aschenbahn und das Fußballfeld, auf dem in der Mitte die Bühne aufgebaut ist, sind hoch eingezäunt und werden von weiteren Securityleuten bewacht. An einer abgelegenen Stelle versuchen wir, über den Zaun auf das Feld zu klettern. Das gelingt aber nur Marjam und Adam, bevor die Wärter anrücken und den Kletternden auf die Finger schlagen, bis wir uns fallenlassen. Gut, wir müssen nochmals ein paar Scheine rausrücken, um uns über den Zaun helfen zu lassen.

Die Bühne ist an der Mittelauflage aufgebaut, rundherum schon viele Besucher, die es auch irgendwie über das Gitter geschafft haben. Weiter hinten stehen die Besucher, ganz vorne sitzt man am Rasen. Mir scheint das für ein Konzert recht ungewöhnlich zu sein, meine Begleiter drängen mich aber, auch in die erste Reihe zu kommen und mich zu setzen. Mit Blickrichtung zu uns steht vorne eine Brigade von Securityleuten, die darauf achtet, dass außer den Journalisten und Honoratioren niemand näher als 40 Meter zur Bühne kommt. Geschlagen wird mit leeren Eineinhalb-Liter-Plastikflaschen. Auf der Bühne geht es recht kurzweilig zu, die fünfzehn größtenteils aus Westafrika, aber auch aus dem Kongo kommenden Akteure singen jeweils nur ein Lied, dazwischen gibt es Parolen wie „AIDS ist keine Schande” oder „Schützt euch!”. Wir haben die riesige voll besetzte Tribüne im Rü­cken, das Fußballfeld füllt sich auch zunehmend. Zudem werden die Befehle der Ordnungskräfte immer widersprüchlicher. „Aufstehen.” „Niedersetzen.” „Weiter nach hinten.” Es kommt eine neue Truppe in beiger Uniform. Sie stürmen auf uns zu. Sie haben ihre Gürtel ausgezogen und, den Gürtel über dem Kopf mit der Schnalle voran kreisend, treiben sie uns zurück. Das funktioniert auch, denn niemand möchte in so einen Propeller geraten. Wir dürfen uns wieder ins Gras setzen. Es drängen ständig mehr Menschen hinter uns aufs Feld und wir rücken allmählich wieder weiter nach vorne. Der Moderator kündigt immer wieder den Star des Abends an, Tiken Jah Fakoly, wegen dem auch wir eigentlich gekommen sind. Vorher spielen aber noch der und die auf. „Disziplin ist wichtig”, ermahnt uns der Moderator. Schließlich rücken dann aber auch „für das beste Publikum der Welt” die Männer mit Schutzhelm und Gummiknüppel an. Da bleibt nur die Flucht, und wer zu langsam ist, bekommt eins übergezogen. Wenn die Verfolger stehenbleiben, machen auch wir halt, drehen uns um, tanzen wieder oder setzen uns. Die beige Uniformierten suchen die Besitzer der in der Hitze des Gefechts verlorenen Sandalen und Brillen. Auf Bestellung bringen sie sogar Wasser oder Äpfel. Sie führen auch immer wieder das eine oder andere schöne Mädchen bis direkt vor die Bühne, wo die Privilegierten in dem kleinen Bereich völlig ungestört tanzen.

Dann reicht es den Beigen wieder, es kommt der Gürtel. Die mit den Knüppeln treten, diesmal unterstützt von mit Gewehren Bewaffneten, auch erneut auf. Als wir weit genug geflüchtet sind, komme ich in der vordersten Reihe zu stehen. Ein Beamter kommt und packt mich am Kragen, ich klammere mich an meine hinter mir stehenden Begleiter, bis ich begreife. Ich bin weiß, wir dürfen auch in den inneren Kreis vor der Bühne. „Aber ja nicht hinlaufen”, ermahnen mich meine Freunde, „ganz ruhig und langsam gehen.”

Nach einiger Zeit ist die Rasenfläche so dicht besetzt, dass es keinen inneren und äußeren Kreis mehr gibt. Es wird kräftigst eingeschritten und unglücklicherweise finden wir uns danach in der Kurve der Aschenbahn wieder und das heißt, dass wir den Sänger nicht sehen und der Sound schlecht ist. Aber rundherum tanzen alle. Sich niedersetzen, laufen, tanzen, mit den Ordnern und Polizisten raufen – es scheint niemanden länger als nötig zu beschäftigen.

Irgendwann und genau zur rechten Zeit sind wir direkt vor der Bühne. Tiken Jah gibt sein Bestes. Er spielt länger als die vorangegangenen Akteure, mindestens fünf Songs. Zum Schlusstakt seines Auftritts legen wir noch einen letzten Sprint Richtung Ausgang hin, um dort nicht erdrückt zu werden. Wir sind uns einig, dass Tiken Jah wirklich großartig war.

Am Kommissariat
Ibrahim bittet mich, ihn in die Stadt zu fahren. Er hat eine Vorladung aufs Polizeihauptkommissariat. So schnell habe ich noch niemanden im Gefängnis verschwinden sehen. Eigentlich noch nie. Es gibt immer ein erstes Mal.

Er erzählt mir vorher lediglich, dass er mit seinem jetzigen Kontrahenten früher befreundet war und sie gemeinsam Geschäfte gemacht haben. Dabei hat Ibrahim für ihn Schuhe und anderes Kleinzeug verkauft, wurde von seinen Kunden aber nicht bezahlt und schuldet dem „Monsieur” daher „etwas Geld”.

Der Monsieur kommt, wir warten auf Hauptinspektor Coulibaly. Ich sage zu Ibrahim: „Hast du gesehen? Die drei Jungs sind tout de suite eingesperrt worden.” „Haben sie ihre Schuhe abgegeben?” „Ja. Ist das hier so üblich?” „Oui.”

Wir sitzen vor dem strengen Coulibaly, der Monsieur trägt sein Anliegen vor, mir wird das Ausmaß klar. Seit zwei Jahren 60.000 Francs CFA.

„Hast du das Geld?” fragt Coulibaly. Ibrahim sagt Nein und noch einiges auf Bambara. Der Inspektor schneidet ihm das Wort ab. „Einsperren!” Während der Monsieur und ich zuschauen, wie Ibrahim Schuhe und Gürtel abgeben muss, halte ich Ibrahim vor, dass er mir vorher nicht ausführlicher über sein Problem erzählt hat, und er meint, dass er auch nicht gewusst habe, dass es so kommen werde. Ich sage ihm, er soll mit dem Monsieur nochmals verhandeln, ich kann ihm sofort 10.000 geben und er kann dann den Rest bis zum Monatsende auftreiben. Der Monsieur ist einverstanden, aber der ausführende Polizist hat bereits seine Befehle und Ibrahim landet hinter Gittern. Während wir auf ein erneutes Vorsprechen bei Coulibaly warten, schaut mich der Monsieur genauer an, überlegt sich’s nochmal, gibt sich schließlich aber doch mit 15.000 zufrieden. Ich muss für Ibrahim bürgen, was mir im Moment egal ist und in Wirklichkeit wohl auch nicht viel zählt, die Hauptsache ist, dass er nicht mit den anderen zehn Menschen in diesem engen Loch bleibt, wo ich ihn während der zwei Stunden, die uns der Hauptinspektor warten lässt, besuche. Schließlich flitzen wir heim, alle sind froh, dass Ibrahim vor einer Moskitonacht außer Haus bewahrt wurde.

Motorrad fahren
Links und rechts der Straße entlang verläuft ein zwei Meter breiter und ebenso tiefer offener Kanal, der jetzt in der Trockenzeit allerdings nur ein dünnes stinkendes Rinnsal und allerhand Müll beherbergt. Der Hauseingang ist über eine Betonplatte, die als Brücke dient, zu erreichen. Wir sitzen neben dem Haus, trinken Tee und beobachten. Plumps! ist wieder ein Motorrad samt Fahrer im Kanal verschwunden. „Hast du gesehen? Der Beifahrer ist abgesprungen und hat noch versucht, das Motorrad am Gepäckträger festzuhalten. Er hat damit nicht reüssiert und losgelassen.” Dem nächsten Sturzpiloten wird auch gleich noch sein „Moto” konfisziert, denn er hat vor seinem Fall ein parkendes Auto touchiert. Er kommt vom Land, „aus dem Busch”, wie man hier sagt, und kennt sich hinten und vorne nicht aus, bleibt aber unverletzt.

Motorrad fahren läuft wie im Videospiel ab. Links überholen, rechts überholen, in der Mitte vorfahren. Dem, der dir auf deiner Seite entgegen kommt, ausweichen, die Schlaglöcher vermeiden, nachts langsam fahren, denn es kann sich schon einmal plötzlich ein breiter Spalt von 30 cm Tiefe vor dir auftun und dann ist es zu spät.

Zehn Tage „Moto” bedeuten zwei Patschen, ein gestohlener Blinker und die Erkenntnis, dass Verkehrspolizisten unerbittlich bestechlich sind. „Damals, unter der Präsidentschaft von Moussa Traoré, wenn ein Polizist um die Hand der Tochter anhielt, gab es nur eine Antwort. Nein! Handelte es sich um einen Lehrer, erhielt der übrigens dieselbe Antwort. Aber heute! Als Verkehrspolizist! Eintausend hier, zweitausend dort – am Tag kommt er locker auf zwanzigtausend und baut sich ein Haus, hat ein Auto und ein Motorrad dazu. Ein Bulle mit vier Frauen ist heutzutage keine Seltenheit.”

Sexgespräche
Malick ist Jungarzt mit einer ausgesprochenen Obsession für Sexgespräche. Mit ihm und Boubar unterhalte ich mich stundenlang über die Gesellschaft hier, über Europa, sie erzählen mir von den Ansichten ihrer Eltern, von den Divergenzen und Diskussionen mit ihnen. Soll Afrika weiterhin auf Hilfe von außen vertrauen oder wären die afrikanischen Staaten nicht besser beraten, sich abzuschotten, sich auf sich selbst zu konzentrieren, auf Hilfe und Ausbeutung dankend zu verzichten?

Boubar, der Marketingstudent, kommt immer wieder auf die Zauberei zurück, auf die alten Männer mit magischen Kräften, und Malick bestätigt, dass es Menschen gibt, durch deren Haut kein Messer und kein Skalpell dringen kann. Es sind starke Männer, aber falls sie krank werden, kann ihnen die moderne Medizin nicht helfen, eine Operation ist gerade wegen ihrer Unverletzlichkeit unmöglich.

„Nur ein einziges Mal hat ein Mädchen gestöhnt und mich angestachelt. Leck mich! Leck mich! Aber ich habe mich geweigert.” Und Boubar erklärt mir: „Häufig sind sie nicht sauber.”

Es ist erlaubt, dass ein Muslim eine Christin heiratet. Er hat dann großen Einfluss auf sie und sie wird möglicherweise konvertieren. Umgekehrt ist das nicht der Fall und der Islam verbietet die Heirat zwischen einer Muslimin und einem Christen. Nichtsdestotrotz lassen die Leute hier die Religion am liebsten aus dem Spiel. „Welcher Glaube auch immer, er kommt von außerhalb und wir regeln das auf afrikanische Art.” Das heißt, vieles, was eigentlich verboten ist, kann doch möglich sein.

Die Beschneidung der Mädchen ist verboten, sagt Malick. Noch nicht verboten, sagt Boubar. Es ist verboten, aber die Leute halten sich nicht daran. Und dann kommen sie ins Krankenhaus, weil die Blutung nicht stoppt und das Mädchen stirbt, erzählt Malick, weil man aus Angst vor Bestrafung erst viel zu spät Hilfe gesucht hat.

Besuch beim Soma
Ich besuche Kalil, um mir Tipps für meine Tour in den Norden geben zu lassen und ein Datum für unser Treffen in Gao zu fixieren, von wo wir gemeinsam nach Kidal fahren wollen. Er möchte noch etwas erledigen, fragt mich, ob ich Zeit hätte, ihn mit dem Moto irgendwohin zu fahren. Bei der Shell-Tankstelle bezahlt er Sprit für 1000 Francs. Wird wohl eine längere Tour. „Hier links!” „Geradeaus.” Und so weiter. Nach einer Stunde sind wir in Senou. Wir halten vor einem Haus. Er wird wohl einen Freund besuchen. Wir sitzen auf einer Bank und Kalil beginnt, von seinem Problem mit den zwei weißen Freundinnen zu erzählen. Die eine ist bereits unterwegs nach Gao, mit der zweiten will er gemeinsam nach Gao fahren. Eine Frau tritt aus einem kleinen Raum, dessen Eingang zum Hof hin durch einen Vorhang verhängt ist. Sie bedeutet Kalil, dass er jetzt eintreten kann. Ich beginne zu begreifen, warum wir hier sind. Nach fünf Minuten schaut Kalil heraus und winkt auch mich hinein. Und wirklich: Auf dem Teppich in der dunklen Kammer sitzt ein Mann, vor sich, neben sich und hinter sich an der Wand hängend, verschiedenste Fetische, Tierhäute, Knochen, Federn und mit magischen Ornamenten beschnitzte Hölzer und Stöcke. Ich setze mich. Er ist viel jünger als erwartet. Er fragt mich, woher ich komme, wie ich heiße. Kalil erklärt ihm, dass ich vier Frauen haben wolle. Mit einer bin ich ganz zufrieden, sage ich, und damit ist auch der Soma, der traditionelle Seher und Heiler, einverstanden. Er wünscht mir alles Gute.

Die Rückfahrt scheint mir viel länger als die Hinfahrt zu dauern. Die Zeit ist seltsam gedehnt. Ich erkundige mich, was genau Kalil vom Soma wollte. „Ich habe gesagt, ich will nach Gao, weil ich schon ein Jahr nicht mehr dort war, und dass ich vorm Reisen Angst habe. Er hat gesagt, dass es kein Problem geben wird, aber ich solle mich schützen.” „Und wie wirst du das machen?” „Ich muss mich auf der Reise und in Gao schützen.” „Ja. Aber wie wirst du das genau machen?” „Ich werde gar nichts machen. Er macht das für mich.” „Und das Problem mit den Mädchen?” „Die sind mir wurscht. Denen strecke ich die Zunge raus.” So schnell ist die Angst verschwunden, der Soma wurde bezahlt und wird eine wirksame Zauberei unternehmen.

Jubelfeiern
Mali kommt beim CAN, Coupe d’Afrique, bis ins Semifinale. Während der Matches sind die Straßen menschenleer. Im Radio höre ich, dass in Guinea bei den Freudenfeiern nach einem gewonnenen Match zwei Menschen ums Leben kamen. Dies erscheint mir unglaublich, wie aus einer verkehrten Welt, bis ich nach einem für Mali sieg­reichen Spiel, das ich mit den Professoren an der ENSup verfolgt hatte, auf dem Heimweg keine 500 Meter vor meiner Wohnung in einen feiernd die Straße entlang stürmenden Mob gerate. Ich werde von meinem Moto gezerrt, mein Hemd wird vor Begeisterung zerrissen, der Motor meiner Honda zuerst zum Aufjaulen gebracht, dann wird die Hupe malträtiert und Kavalierstarts werden hingelegt. Dass ich mich genauso über Malis Sieg freue, hilft mir nicht, ich glaube, mein letztes Stündlein hat geschlagen. Vier ältere Fußballfans bilden schließlich einen schützenden Kreis um mich, können mir sogar mein Moto zurück­geben und ich lasse die Fans passieren, indem ich mich am Straßenrand ganz klein mache.

Die weiteren Matches verfolge ich im Chinalokal, wo zwar nach einem Sieg auch die Bierflaschen und Stühle durch die Luft fliegen können, die Leute sich aber untereinander zumindest ein wenig kennen und man so gesehen doch gut aufgehoben ist. Nach den beiden abschließenden Niederlagen der malischen Mannschaft im Halbfinale und im Match um den dritten Platz herrscht jeweils gedämpfte Ruhe, depressive Normalität.

Die Kröte in der Vagina
Was geschieht hier, wenn sich eine Frau gegen den Willen ihres Mannes scheiden lassen will? Männer, die ausrasten, zur Waffe greifen und die Frau samt den Kindern mit sich ins Grab nehmen – das gibt es hier angeblich genauso wenig wie sexuellen Kindesmissbrauch. Im Scheidungsfall sucht der Mann vielmehr bei einem Soma Hilfe. Diese Frau wird nie mehr heiraten, soviel ist sicher. Selbst wenn sie es schafft, einen Freund oder Liebhaber zu finden – spätestens am Tag der vorgesehenen Hochzeit kommt etwas dazwischen. Aber selbst einen Freund zu finden ist problematisch, wenn jedes Mal, wenn es zur Sache geht, eine Kröte oder Schlange aus der Vagina gekrochen kommt. Es kann auch passieren, dass sich die Scheide vor dem Sex so verengt, dass kein Verkehr möglich ist. Oder der Soma hat einen Zauber ausgesprochen, der den Penis des neuen Liebhabers sofort nach der ers­ten Berührung abfallen oder zumindest schlaff werden lässt. Die Frau wird jedenfalls bis an ihr Lebensende alleine bleiben. Wenn ihr Ex-Mann sehr verärgert war, kann der Soma sogar veranlassen, dass beim Pinkeln eine Schlange oder ein Frosch aus ihrem Loch hervorschaut. Es ist besser, sich nicht scheiden zu lassen, obwohl diese Zaubereien in Bamako nicht mehr so gut wirken. Am Land, im Busch, verhält sich das anders, und ein solcherart verhextes Leben ist ausgesprochen derangierend.

Hartes Leben
„Der Sarakolé, in dessen Haus du wohnst, kommt und erklärt uns, dass das Leben in Frankreich hart sei. Er ist vor sieben Jahren dorthin gegangen und jetzt baut er sogar noch ein Obergeschoß auf sein Haus drauf. Nochmals fünf Wohnungen zum Vermieten. Und der will uns sagen, das Leben dort sei hart? Du kannst in Mali dein Leben lang arbeiten, Haus wirst du dir keines bauen können. Es ist hart dort? Hier wird das niemand verstehen! Er ist hier ein Chef – nach nur sieben Jahren. Die Sarakolé sind es gewohnt, zu zwanzigst in einer kleinen Wohnung zu hausen. Selbst hier leben sie wie in einem Nest und ihre Kinder schicken sie zum Lernen lieber auf den Markt als in die Schule. Dort teilen sie eben ein Bett, in dem sie abwechselnd für sechs Stunden schlafen, während die anderen arbeiten. Ob du jetzt hier ausgebeutet wirst und arm bleibst oder dort – das macht schon einen Unterschied. Du bist nach deiner Rückkehr ein Patron, egal, ob du dort, wo dich keiner kennt, wie der letzte Dreck behandelt wurdest. Das Leben sei hart in Europa? Jetzt vermietet er sieben Wohnungen, bald werden es zwölf sein. Ein hartes Leben hat der! Darüber kann man nur lachen.”