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bawa yah yah yippie yippie yeah

andreas r. peternell | bawa yah yah yippie yippie yeah

„Amputationen: Anteil der Heimwerker steigt“, war kürzlich auf den Teletextseiten des ORF zu lesen. Interpretationssache also, ob Baumärkte neuerdings auch Skalpell und Knochensäge für ambitionierte Hobbychirurgen bereithalten, oder ob sich der durchschnittliche Heimwerker zunehmend ungeschickt verhält. Die schreibkraft-Redaktion würde zu Antwort B neigen, vor allem aber bewundert sie den dialektisch offenbar vorzüglich geschulten ORF-Redakteur, der die Ambivalenz einer der zentralen gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in fünf Worte zu fassen vermag. Wir benötigen ein ganzes Heft dafür.

Möglich, soviel steht fest, wären beide Varianten – abhängig davon, aus welchem Blickwinkel man Praxis und Idee des Selbermachens betrachtet. Denn der einst  revolutionäre „Do-it-Yourself“-Gedanke, der – geprägt von Misstrauen gegenüber Autorität oder Bevormundung durch Massenmedien – Eigeninitiative und Selbstermächtigung forcierte, wurde im Laufe der Zeit von den Trendscouts des Kapitalismus zur schnöden Selbstbedienung umgedeutet. Und so stehen wir nun vor Geldautomaten und Ticketmaschinen, erledigen sowohl Behördenwege als auch Bankgeschäfte „bequem“ übers Internet, schaufeln unser Essen eigenhändig auf den Teller und räumen ihn anschließend auch brav wieder weg. „System Loipersdorf“ nennt es Werner Schandor und beschreibt exemplarisch, wie immer mehr Arbeit und Verantwortung bei gleichzeitiger Einsparung von Arbeitsplätzen auf Konsumenten und Bürger abgewälzt werden.

Wie dieses Prinzip der „indirekten Steuerung“ (wahrscheinlich die wichtigste Leitlinie betriebs- und volkswirtschaftlichen Handelns im neuen Jahrtausend) sämtliche Lebenszusammenhänge kommerziell verwertbar und – vor allem – für betriebliche Nutzungen zugänglich macht, dokumentiert Bernhard Horwatitsch, während Michael Helming sämtlichen Spielarten des Heimwerkens skeptisch gegenübersteht. Diese lenkten nur davon ab, dass die Industrie bereits alle Lebensbereiche für uns regle, selbermachen sei daher „nur etwas fürs Ego.“ Dieses Ich wiederum ist mittlerweile extrem gestaltbar, wie Evelyn Peternel in ihrer Analyse der Imagekonstruktion via Facebook-Profil konstatiert. Die Realität wird dort solange behübscht, bis man sich selbst nicht mehr erkennt – und sonst natürlich auch niemanden. Kein Problem, solange man allein vor dem Computer verweilt. Irgendwann könnte das aber doch langweilig werden, stellt Christoph Hartner in seiner, vom IKEA-Regal Billy inspirierten, Onaniefantasie fest: „Zu zweit wär‘s schon schöner gewesen.“

Irgendetwas stimmt also nicht, mit „diesem ganzen DIY-Ding“, moniert folgerichtig Jörg Albrecht und fordert, auf freiliegende Ressourcen radikal zuzugreifen: „Kopieren und verschwenden, alles was möglich ist.“ Unterstützt wird er dabei von den Rabtaldirndln, deren Arbeitsprinzip, „mach soviel du kannst selbst und wenn du nicht mehr weiter weißt, dann hol dir jemanden“, ebenfalls auf sozialer Interaktion und Arbeitsteiligkeit basiert. Christiane Kühl schließlich erklärt in wenigen Sätzen die moderne Finanzwirtschaft und regt an, Geld (konkret: Euros) für den Eigenbedarf in Hinkunft doch selbst zu produzieren. Wie? „Behalten sie die irische Druckersoftwareproduktion im Auge. Da lässt sich unter Umständen bald was machen.“