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die stadt schenkt den muslimen eine kirche

pia hierzegger | die stadt schenkt den muslimen eine kirche

Das stimmt natürlich so nicht ganz, aber das wusste ich noch nicht, als ich vorigen Sonntag in die Herz-Jesu-Kirche gehen wollte. Ich hatte meine schönste Bluejeans und eine blitzsaubere Bluse angezogen und kam pünktlich, zum ersten Mal nach einer ausgedehnten Reise durch Burgund, zum Gottesdienst.

Doch an der Kirchentür stand eine kurze Mitteilung: Alle Gottesdienste abgesagt. Darunter stand noch etwas in einer Schrift, die ich wirklich nicht gelernt habe. Ich betrat neugierig die Kirche. Es war sehr dunkel, die Böden waren mit dicken Teppichen ausgelegt, dort wo früher Jesus gehangen war, war jetzt nichts mehr. Ich bekam Angst, lief hinaus und direkt Frau Groth in die Arme, die mit einem Transparent und ihrem Golden Retriever vor der Kirche stand und sich demonstrierend ihren Gottesdienst zurück wünschte.

Etwas weiter weg standen Hertha und Martha, zwei ältere Damen, die seit Jahren unzertrennlich sind, und beobachteten Frau Groth. Ich bat alle drei, einen Kaffee mit mir zu trinken und mir zu erzählen, was geschehen war. Sie wollten nicht, weil sie neuerdings zerstritten sind, ließen sich aber überreden, als ich ihnen anbot, sie einzuladen. Sie bestellten je einen Kaffee und zwei Kuchen und fingen an zu erzählen:

Erst waren die Gläubigen ausgeblieben, dann der Pfarrer wegen irgendeiner lang zurückliegenden Geschichte versetzt worden. Also hatte der Bischof beschlossen, das defizitäre Haus zu schließen oder es zu vermieten. Auf eine Annonce meldete sich eine Gruppe von Muslimen, die das Haus – allerdings unmöbliert – mieten und in einer Moschee umwandeln wollte. Ein Flohmarkt fand also statt, bei dem man die Einrichtung verscherbelte. Frau Groth behauptete, der Leiter des Joanneums hätte den Jesus erstanden, was Hertha und Martha nicht bestätigen konnten. Frau Groth ist übrigens mit der Entwicklung gar nicht einverstanden. Hertha und Martha hingegen haben sich mit der neuen Situation abgefunden. Sie besuchen das Freitagsgebet, verstehen zwar nichts, müssen die Schuhe ausziehen und einen Hut tragen, dafür ist das Sitzen auf den Teppichen gemütlich und der Imam hat für den Winter den Einbau einer Fußbodenheizung versprochen. Bisher hat sich Hertha spätestens Ende Jänner in der Kirche immer eine Blasenentzündung geholt.

Frau Groth wollte kämpfen und hatte auf die Unterstützung des Gemeinderates gehofft. Vergeblich!
Die SPÖ Graz war erst gegen die Moschee, dann dafür, dann dafür und dagegen, durfte aber nicht so abstimmen, weil der Landeshauptmann intervenierte. Die ÖVP war dafür, (Frau Groth: Wahrscheinlich schneidet der Bürgermeister bei der Miete mit!) unter der Bedingung, dass dort keine schwulen Moslems heiraten dürfen. Die Grünen waren prinzipiell dafür, fanden es allerdings diskriminierend, dass man den Muslimen die hässlichste Kirche von Graz zur Verfügung stellte. Die KPÖ war dagegen, weil noch nicht alle einkommensschwachen Österreicher eine Kirche haben. Die FPÖ war dagegen, weil die Moschee baulich nicht ins Stadtbild passt. Das BZÖ war auch dagegen. Schließlich einigte man sich darauf, dass das Ganze Sache der Kirche sei und aus.

Ich zahlte Torten und Kaffee, und weil Yoga diesen Freitag ausfällt, versprach ich einmal mit Hertha und Martha in die Herz-Jesu-Moschee zu kommen, worauf Frau Groth wütend das Kaffeehaus verließ und seither nicht mehr mit mir spricht.

Amen.