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mach halt, aber mach was, mach ...

michael helming | mach halt, aber mach was, mach ...

Vom Glioblastom zum Tretlager und zurück

Immer gibt es was zu schweißen,
abzubauen und einzureißen.
Reinhard Mey


Jeder Mann soll ja irgendwie in seinem Leben einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind gezeugt haben. Alles in Eigenleistung, versteht sich. Mit knapp vierzig Jahren habe ich noch keinen einzigen Punkt auf dieser gesellschaftlichen To-Do-List abgehakt und ich lege es darauf an, einen fetten „UNERLEDIGT“-Stempel quer darüber knallen zu können, wenn ich sie einst abhefte, bei meinem Eintritt ins ewige Nichts(tun). Als ich die grundsätzliche Entscheidung traf, selbst kein frisches Brennholz, keine weitere Schicht Ruinenschutt und keine neue Generation von physischem wie psychischem Leid in den Modus faktischer Existenz und Vergänglichkeit zu wuchten, auf dass der zivilisatorische Unsinnskreislauf sich zumindest nicht durch mein Zutun auf ewig fortsetze, als ich diese Entscheidung traf, war ich erst vierzehn oder fünfzehn Jahre alt und ich stand, mit einem Spaten bewaffnet, bis zur Brust in schwerem, nassem Schlick.

Meine Eltern hatten Mitte der Achtzigerjahre ein altes Siedlungshaus gekauft, an dem diverse Renovierungsarbeiten zu erledigen waren, was meinen alten Herrn – gelernter Werftarbeiter und den Dampferbau in keinem Lebensbereich verleugnend – nicht im Geringsten beeindruckte. Innerhalb weniger Jahre renovierte er das Haus von den Fundamenten bis zum Dach. Man könnte sagen, bis auf Erstere und ein wenig altes Mauerwerk entstand unter seinen Händen ein komplett neues Haus. Alle Arbeiten besorgte er in Eigenregie. Ich profitierte natürlich davon, hatte ein großes Zimmer, außerdem gab es einen weitläufigen Garten. Einziger Nachteil an der Sache war: Ich musste meinem Vater bei vielen handwerklichen Arbeiten zur Hand gehen, was ich im Prinzip nicht ungern tat, nur hatte und habe ich leider zwei linke Hände und fühl(t)e mich zu keinerlei derartiger Tätigkeit berufen. Ich kann sogar eingestehen, aus all den Stunden, in denen ich meinem Vater half – ihm also Sachen aus dem Baumarkt besorgte, hier und da mal eben „festhielt“ oder schubkarrenweise Erdboden und Sand bewegte, denn für anspruchsvollere Tätigkeiten war ich nicht zu gebrauchen – aus all der Zeit habe ich nicht die geringsten Kenntnisse, geschweige denn brauchbare Fingerfertigkeiten mitnehmen können. Meine Bücherregale hängen schief. Die Bretter dafür habe ich mir im Baumarkt zusägen lassen und dann habe ich sie eilig an die Wand geklatscht, ohne sie abzuschleifen. Es sollte einfach nur fertig sein, damit man Bücher darauf stapeln kann. (Die sind dann natürlich akkurat sortiert. Alphabetisch nach Autorennamen.) Über Türrahmen, Decken und Tapeten meiner Wohnung liegt langjährige Patina. Küche und Bad sind verkommene Relikte aus den Siebzigerjahren. Ich habe einfach keine Freude an handwerklicher Arbeit und ich sehe darin auch keinerlei Notwendigkeit. Lasst mich im letzten Loch logieren, es kann kalt sein und nach Rattenpisse stinken, gebt mir nur meine Bücher, eine Schreibmaschine und Papier. Es heißt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dieses Sprichwort kann ich nicht einfach so ohne Einschränkungen bestätigen.

Da schon im Werkunterricht meine Arbeiten nicht besonders gelangen und mein alter Herr anstehende Dinge dreimal selbst erledigt hatte, bevor ich sie nach seiner Anleitung auch nur ein einziges Mal richtig machte, hielten sich Neugier und Lernwillen für Handwerk, Bastelei und Technik bei mir stets in engen Grenzen. Als er dann beschlossen hatte, neben dem Haus eine Doppelgarage zu errichten, mussten Fundamente ausgehoben werden, einhundertfünfzig Zentimeter tief in norddeutschen Kleiboden, und das Wort Klei leitet sich nicht umsonst vom Verb kleben ab. So stand ich also eines Tages bis zur Brust in kaltem, nassgrauem Schlamm, schaufelte das Zeug neben mir auf den Rasen und schwor, selbst mein Leben lang keine derartigen Unternehmungen in Angriff zu nehmen. Daran halte ich mich also bislang und das habe ich dann doch mit meinem Vater gemein: Wenn eine Sache beschlossen ist, dann wird sie auch umgesetzt. Ansonsten gehören wir beide, philosophisch betrachtet, zwei völlig unterschiedlichen Schulen an.

Was vor über zwanzig Jahren auch eine jugendliche Trotzreaktion war, entpuppte sich im Nachhinein vielleicht als Instinkt oder schwache Vorahnung einer gesellschaftlichen Umdeutung des Bildes vom Do-It-Yourself. Für die Nachkriegsgeneration ging es dabei noch um Autonomie, um Sparsamkeit und Vorsorge. Man kam aus dem Mangel, strebte zwar aufwärts, doch es konnte schon morgen wieder anders kommen. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, hieß es, oder: Der kluge Mann baut vor. Man wappnete sich für möglichst jeden Fall. Ging etwas kaputt, wurde es repariert, wenn nötig mit einigem Einfallsreichtum, denn Neuanschaffungen waren nicht selten unerschwinglich. Mancher Hilf-dir-selbst-Mythos entstand, wie der vom VW-Käfer mit dem gerissenen Keilriemen, welcher geschickt durch eine Damenstrumpfhose zu ersetzen gewesen sein soll, um so zumindest die nächste Werksatt zu erreichen. In der Wegwerfgesellschaft verloren diese Mythen an Gewicht, Sichtweisen und Ideale wandelten sich mit zunehmendem Wohlstand. Heute kann man fast alles kaufen, eine Reparatur wird meist teuerer als Ersatz und am Ende dieser Entwicklung ist nun gar das Selbermachen selbst zu einem riesigen Markt für Werkzeug, Material und zunehmend auch für Know-how geworden.

Selbermachen lenkt uns von unserer tatsächlichen Unselbstständigkeit ab, davon, dass die Industrie längst alle Lebensbereiche (Nahrung, Gesundheit, Wohnen, Verkehr, Freizeit usw.) für uns regelt, nach ihrem Willen und ausschließlich zu ihrem Vorteil. König Kunde hockt derweil abgesetzt im bequemen Hobby-Kerker, wo er sich aus Streichhölzern, Leim und einer alten Schnapsflasche ein Buddelschiffchen baut. Er ist satt und beschäftigt, hat es warm und (mit Abstrichen) komfortabel. Laut Bastelanleitung darf er sich schon auf den Tag freuen, an dem er mit seiner stolzen Eigenbau-Bark auf große Fahrt geht. Zur Freiheit, zur Sonne. Das ist Glück nach Plan. So geht Zufriedenheit. Bei aufrichtiger Betrachtung sind die meisten von uns eigentlich lausige Fachidioten und unter realen Bedingungen kaum lebensfähig. Wir können gar nichts, im besten Fall noch unseren Job, und vielleicht so etwas wie T-Shirts bemalen oder mit Laubsäge und Drillbohrer einen Schwibbogen fürs heimische Wohnzimmerfenster herstellen. Damit auch die Nachbarn sehen, wie kreativ und geschickt wir sind. Selbermachen ist unserer Tage etwas fürs Ego. Das Selbermachen des eigenen Selbst kostet den Einzelnen viel Zeit, denn das Ich definiert sich nicht nur über Besitz und Aussehen, sondern auch über Fähigkeiten. Greifbare Werte sind im Alltag selten geworden, und was man selbst erschaffen oder auf irgendeine Weise modifiziert hat, darüber weiß man alles, darüber hat man vermeintlich die Kontrolle. Jetzt muss ich an einen Freund denken, einen Facharzt für Neurologie, der während seiner Ausbildung auch bei neurochirurgischen Eingriffen assistierte und dadurch plötzlich feststellte, wie sehr handfestes Hämmern, Sägen und Schrauben ihm zusagte. Bei der Kraniotomie, beim Versorgen von Hirnblutungen oder Aneurysmen, auch beim Schnippeln an Bandscheiben und Hirntumoren, da entdeckte er seine Liebe für den praktischen Umgang mit Werkzeug. Heute schraubt er in seiner Freizeit leidenschaftlich an Fahrrädern herum, hat sich eine kleine Werkstatt eingerichtet und belehrt mich über die Wichtigkeit funktionsfähiger Bremsen. Da kommt also ein Mensch vom Glioblastom zum Tretlager und ich mag gar nicht daran denken, wie wohl der Rückweg aussieht. Na, solange er lediglich die kombinierte Ketten- und Nabenschaltung justiert oder mit einer Spezialluftpumpe für korrekten Reifendruck bei meinem ansonsten völlig vernachlässigten Drahtesel sorgt, soll es mir recht sein. Von meinem Gehirn mögen er und andere bitte generell die Finger lassen!

Mit dem Selbermachen geht damals wie heute eine Sammelleidenschaft einher, denn der Bricoleur, wie der Heimwerker in Frankreich heißt, hortet alles, was er eventuell einmal brauchen kann: Ersatzteile, Werkzeug, Schrott. Mein Vater sortiert allein seine Schrauben und Muttern in einem umfangreichen Kastensystem. Was man hat, muss man schließlich auch finden können, wenn man es braucht. Derartige Kollektionen liegen mir naturgemäß fern, doch ich begann schon früh damit, Geschichten, Ideen, Anekdoten, einfache Worte oder komplexe Träume zu sammeln, sei es in fertigen Büchern, auf Zetteln in Kartons, Zigarrenschachteln, Ordnern, oder schlicht im Kopfe. Der Heimwerker ist in Spanien ein artesano aficionado, also vielleicht ein Handwerker aus Vorliebe oder sogar Zuneigung. Ein Hobbyist halt, ein Do-it-Yourselfer, auch ein Tinkerer, einer, der seinen Hut und seine Weste selber filzt. Wenn ich beschreiben möchte, was Menschen tun, verfalle ich zuweilen in Automatismen, bringe manche Dinge in einen neuen Kontext, abseits der ursprünglichen Normative, vermische Realität und Phantasie, manchmal bis an die Grenzen der Unwahrheit, und ich halte den verunsicherten Leser immer noch für den glücklicheren, weil er selbst mit dem Text hadern muss, den er liest; ihn untersuchen, hinterfragen, das muss er selber erledigen. Ich liefere nur das Material. Die geeigneten Werkzeuge hat er im Idealfall selbst und dann kann er nach seinem eigenen Rhythmus schaffen. Derweil trage ich schon wieder neue Stücke zusammen. Zur Zeit sammle ich Sätze aus Büchern der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Sätze, von denen ich denke, dass man sie irgendwo, irgendwann noch gut gebrauchen kann. Eine Weile lang hortete ich Lexika und Autoatlanten, die liegen heute zum Großteil in einer Teekiste auf dem Dachboden meiner Eltern, aus Platzgründen. Noch bevor ich anfing, Texte für mir ganz und gar unbekannte Leser zu schreiben, hatte ich einige wenige Brieffreunde, die zuweilen noch heute seitenlange und schnörkelhafte Formulierungen ertragen müssen, denn Erzählen macht mir Spaß und ich falle dabei nur ungern mit der Tür ins Haus. Für ein entspanntes Gespräch muss man sich Zeit nehmen und ich lege Wert auf eine gewisse barocke Fülle, auf eine Ruhe des tiefen und gleichmütigen Atems, mit dem ich hier noch einen Nebensatz schmücke oder dort eine feinziselierte Bemerkung anhänge, die manch ungeduldigem Leser, der mich nicht persönlich kennt, überkandidelt erscheinen mag oder, sagen wir es ruhig ungeschliffen: erscheint. Was wäre Kommunikation jedoch ohne diese mehr oder weniger langen Abschweifungen, die mehr über uns verraten und sogar interessanter sein können als jene Dinge, die wir zum eigentlichen Thema sagen? Auf solche Art sammle ich Material und streue es wieder aus, werfe Worte in einen Kasten, Worte, die ich vielleicht noch einmal gebrauchen kann, so ähnlich wie mein Vater Schrauben sammelt oder alte Wasserhähne, die „doch noch gut“ sind. Ich glaube, es war Kant, der davon ausging, dass einjeder Mensch nicht nur seinen eigenen Gott, sondern auch sich selbst erschafft. Der Mensch wird also erst durch seine Schöpfungen. Do-It-Yourself als oberstes Prinzip des Seins.
Knapp vierhundert Fragebögen sind das bisherige Ergebnis der „What Does Your Wife/Girlfriend Think of Your Rough and Dry Hands?“ betitelten Befragung von Bauarbeitern, die Monica Bonvicini seit 1999 in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Korea, den Niederlanden, Österreich, Schweden und in den USA durchgeführt hat. Ihr Projekt, das unter anderem im Herbst 2010 im Fredericianum Kassel zu sehen war, geht der Erschaffung von Dingen mit den eigenen Händen vor allem unter Genderaspekten nach, doch schon bei der Frage, ob das Bauen selbst männlich sei, sind sich die Befragten erfreulich uneins. Der dezente Verweis auf den Entstehungsmythos des Logos (Wenn Kinderkriegen weiblich ist, ist eben nicht nur das Bauen männlich!) schleicht sich unter viele Jas und Neins, doch nicht nur ein Maurer aus Stralsund meint: „Bauen kann jeder.“ Dem widersprechen zwar unter anderem ein Zimmerer aus Dohna und der Staat des alten Platon, letzterer allerdings nicht in direkter Abhängigkeit vom Geschlecht, sondern im klaren Bezug zum jeweils eigenen Können: „ ...  der Landmann wird sich, wie es scheint, seinen Pflug nicht selbst machen, wenn er gut ausfallen soll ...“ Man sollte also nur Dinge tun, von denen man auch etwas versteht. Die menschliche Neugier, die uns zwingt, alles verstehen und können zu wollen, ist folglich manchmal unproduktiv oder zumindest wenig zufriedenstellend in ihren Ergebnissen, denn sie kann schnell im Murks enden.

Die Abschweifung im Schaffensprozess, das Abtreiben und sich Verlieren im eigenen Tun, nicht nur der Verfasser eines Briefes oder Aufsatzes weiß darum, auch der gemeine Heimwerker kann mitreden. Hat er beim Basteln ein Teil in Händen, von dem er zuvor meinte, es könne wohl passen, welches nun aber leider trotz aller Tricks – inklusive Feilen, Schleifen, Klopfen, Biegen und Brechen – partout nicht passen will, so fällt ihm meist umgehend ein, was er damit alternativ anstellen könnte. Vielleicht passt es an anderer Stelle oder es wird zur Grundlage für ein ganz anderes Projekt. Selbermachen braucht Phantasie und bekanntlich gibt es immer was zu tun, egal ob man ein Haus in Schuss hält oder kulturelles Do-It-Yourself vom Fanzine bis zur Kellerband betreibt. Was zählt ist die Eigeninitiative, die Selbstermächtigung, meist vermischt mit einem gesunden Misstrauen gegenüber passivem Konsum und herkömmlichen Produkten. Aus dem eigenen Schaffen heraus sich selbst und die eigenen Götter erschaffen. Bauen kann jeder und zu bedauern sind doch wirklich nur jene, die ihre Zeit in passiver Unproduktivität verstreichen lassen.

Wenn ich meine Eltern heute besuche, dann ist das Haus bestens in Schuss, der Rasen gemäht und Gemüse kommt aus zwei kleinen Gewächshäusern, die mein Vater natürlich ebenfalls selbst gebaut hat. Kurz vor der Rente hat er sich dann ein Boot gekauft, einen kleinen Verdränger mit zwei Kojen, Kombüse und Klo, der gemütliche fünf, sechs Knoten macht. Wenn wir damit am Wochenende gemeinsam in der Wesermündung herumschippern, dann ist mein alter Herr ein ganz anderer Mensch, denn da kann er nicht, wie daheim, mal eben etwas im Haus oder im Garten reparieren. Auf dem Wasser herrscht Ruhe. Es gibt nichts zu tun und nichts zu helfen. Die Dinge und ihr fester Grund sind weit entfernt. Alles andere ist Wasser, eben jener Fluss, in den bekanntlich kein Mensch ein zweites Mal steigt. Mit dem Fernglas beobachten wir vorbeifahrende Containerschiffe, die uns kräftig durchschaukeln, während sie uns hinter sich lassen, oder faulenzende Seehunde und Kegelrobben an der Tegeler Plate. Er lässt mich gelegentlich ans Ruder, sei es um ein Stück Kuchen zu essen, den meine Mutter gebacken hat, oder einfach so, und dann halte ich auf die nächste Tonne zu, ohne der Berufsschifffahrt ins Gehege zu kommen. Wir treiben, halten Kurs, diesseits wie jenseits der großen Materie, bleiben außer Reichweite. Dort draußen ist das Selbst ganz es selbst, ohne etwas dafür machen zu müssen. An Land ist das eben anders. Da gibt es immer was zu tun.

Während ich dies schreibe, im Garten meiner Eltern sitzend, bei Kaffee und Mutters selbstgemachtem Spiegel­eierkuchen, wirbelt mein alter Herr emsig um mich herum.

Heutzutage gehe ich ihm nicht mehr zur Hand. Zum einen weiß er, dass diese, seine Welt, ganz und gar nicht die meine ist, und zum anderen bedeutet handwerkliche Arbeit für ihn inzwischen wohl auch eine Art meditative Einsamkeit. Der werkelnde Eremit, allein mit sich und den Dingen. Mein alter Herr kann eben keinen Moment still sitzen. Er liest auch nicht gern oder geht ins Museum. Er muss immer etwas machen, machen, machen. Ich kann sehr gut still sitzen, brauche dabei jedoch stets Bücher und Schreibzeug, denn wenn mir etwas auf- oder einfällt, muss ich es sogleich festhalten. Und mir fällt auf, dass der Apfel wohl doch nicht so weit vom Stamm fällt, wie ich dachte. Die Philosophen der materialistischen wie der idealistischen Schule haben eben ihre eigenen Modelle vom Selbermachen. Wollten wir diesem Dualismus entgehen, müssten wir wahrscheinlich aufhören, überhaupt etwas zu tun, doch das entspricht überhaupt nicht unserem Naturell, den es gibt noch so viel zu tun, im Garten oder in Gedanken, im Guten wie im Schlechten, denn wenn man vom Erschaffen spricht, spricht man auch immer vom Zerstören, von der Vergänglichkeit des Erschaffenen. Seit ich das einleitende Zitat dieses Textes aus meiner Musiksammlung gekramt habe, hat mein alter Herr immerhin den Rasen gemäht, im Gewächshaus Eins Tomaten geerntet, im Gewächshaus Zwei einen Gurkenschädling bekämpft, ebendort eine kaputte Scheibe ausgewechselt, außerdem eine Wäschespinne stabil im Boden verankert, am Apfelbaum die zu erwartende Ernte begutachtet und die Dachrinne an der einst von uns erbauten Garage gereinigt.