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Feuilleton der Ausgabe 22 - zahlen bitte

dominika meindl | beschwerdebesuch wegen der apokalypse

Zivilcourage gehört gezeigt

Mir ist ja für die Rettung der Welt nichts zu mühsam. Soeben komme ich zurück von einer Recherchereise in Sachen Apokalypse: 2012 endet die Zählung des 5125 Jahre dauernden 13-Baktun-Zyklus und damit vielleicht auch die Existenz der Welt. Aber ich greife vor. Nur eines: Sollte die Menschheit wirklich am 21. Dezember 2012 entkörperlicht werden, muss ich wohl eine kleine Teilschuld meinem jähen Gemüt anlasten. Ich möchte mich dafür jet... lesen


bernhard horwatitsch | der thron gottes

oder Warum uns der Bau des Universums heute nicht mehr interessiert

Ein Typ, der öffnet, dass niemand mehr schließen kann, und der schließt, dass niemand mehr öffnen kann. (Offenbarung 3,7) Leonhard Euler, ein Schweizer Mathematiker des 18. Jahrhunderts hat einmal – vermutlich nur aus Spaß – die Existenz Gottes berechnet. Er tat dies wohl auch, um die russische Zarin Katharina die Große, Anhängerin des Aufklärers Voltaire zu verwirren. Die Formel, auf die er kam: (x+y)²=x²+2xy+y² Desh... lesen


michael helming | schwäne!

Auch so ´ne Nummer

Als altruistisch veranlagter Mensch könnte man sich die denkende und handelnde Summe des alltäglichen Lebens innerhalb unserer pluralistischen Gesellschaft rücksichtsvoll, tolerant und gleichberechtigt als ahierarchisches Nullsummenspiel schönrechnen. Eine Ziffer namens Wir. Jedoch: Unterm Strich bleibt das Ich stets die dicke Nummer eins, nicht nur rein etymologisch, aus dem Sanskrit, wo unser Ich ja seine Wurzel im Zahlwort eins (êk... lesen


doris neidl | 1+1=3

Erinnerungen und Visionen

„Murat“, fragte ich den 6-jährigen Schüler, der im Hochsommer mit einer dicken Wollmütze dasaß, weil man ihm die Haare geschoren hatte, „wie viel ist eins plus eins?“ Murat überlegte und überlegte. Ich konnte bildlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete. „Du darfst auch deine Finger verwenden!“ Murat überlegte und rechnete. Sein kleines Gesicht begann sich zu verzerren vor Anstrengung, er rechnete weiter, und dann sagte e... lesen


matthias rauch | malen nach zahlen

Ein Rundgang zu einigen kulturellen Bedeutungen der Zahl

Malen nach Zahlen ist auch eine Art des Malens. Es entstehen Bilder, die schematisch, konstruiert, schon zuvor festgelegt sind. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Es gibt nicht nur Kindern das Gefühl der Machbarkeit, der Beherrschbarkeit, sondern auch „Erwachsene“ malen auf ihre ganz eigene Art immer wieder nach Zahlen. Dabei stehen Zahlen und Malen eigentlich in einem unauflösbaren Widerspruch. Malen impliziert eine nicht vo... lesen


wolfgang pollanz | übertragung von 25.400.000$

Herr Prinz Charles schreibt an Wolfgang Pollanz

Lieber Freund, Lassen Sie mich durch die Einführung mich richtig zu starten. Ich bin Mr. Prince Charles, einem Beratungs-Prüfer in Johannesburg, Südafrika. Ich habe mich entschlossen Sie zu kontaktieren, wegen der Dringlichkeit dieser Transaktion. Ein Ausländer, ein Deutscher, spät Mr. Andreas Schranner, eine Mehrheitsbeteiligung Halter in Copper Immobilien Südafrika, bis zu seinem Tod Monaten auf den 25. April CONCORDE F... lesen


harald a. friedl | das jubiläums-paradox

Geschichte jenseits von mythenumrankten Gedenkjahren

2011 Was bedeutet dieses Jahr? Es ist … • das Jahr von Arabiens Revolution, Japans Super-GAU, Osama bin Ladens Tötung und Prinz Williams „Traumhochzeit“ mit Catherine Middleton • der 5. Jahrestag der Flucht Natascha Kampuschs sowie des Todes der Ex-Diktatoren Stroessner (Paraguay), Pinochet (Chile), Saddam Hussein (Irak), Botha (Südafrika Apartheidsregime) und Miloševic´ (Serbien) • der 10. Jahrestag von... lesen


wolfgang gulis | stiftingtalstraße 163

Eine Zwischendurchvermessung meines Lebens

Mein Mathematiklehrer – einer im weißen Kittel – hat mein Interesse radikal abgetötet. Als ich jung war, faszinierten mich Zahlen nämlich sehr. Genau genommen war ich ein Zahlenfetischist. Wer mich heute kennt, würde das nicht glauben. Aber damals, vor, in und unmittelbar nach der Pubertät, war die Anziehungskraft der Zahlen fast magisch, möchte ich sagen. Aber wie gesagt, der Mathematiklehrer hat es geschafft, dass sich das nicht i... lesen


christoph d. weiermair | cayenne turbo

Mit 170 Sachen von Padova nach Bologna

Bei der Bezeichnung von Automodellen gibt es grundsätzlich zwei Philosophien. Der eine Hersteller bevorzugt Namen, der andere Zahlen. Manche kombinieren auch Namen mit Zahlen, andere wieder Buchstaben mit Zahlen. Von der A-Klasse bis zum Z4, vom 320d touring bis zum Zafira, vom Beetle bis zum X6, von der DS3 über den Mazda6 bis hin zum Qashqai. Und überhaupt von Alfa Romeo bis Volkswagen, von Aston Martin bis Volvo und von Bentley bis... lesen


laura freudenthaler | feel free to stalk me

Zwischen Online-Dating und donogener Insemination

Im Jahr zweitausendzehn wurde in New York das Online-Dating auf der Straße erfunden und es handelte sich gleichzeitig um einen Rückschritt und Fortschritt und New Yorker Singles zeigten sich angetan und fanden es eine ganz neue Erfahrung ihr Date vor dem ersten Date bereits in echt gesehen zu haben. Und im Mai neunzehnhundertzweiundvierzig stellte ein Mann namens Zuse den ersten funktionsfähigen Computer fertig und kurz zuvor hatte... lesen


brigitte theißl | zahlen.studium

Von der Überlegenheit der Elektrotechnik

5.526 Studierende der Publizistik stehen an der Universität Wien 1.632 Mathematikern gegenüber. Setzt man das Wort „Technische“ vor die Mathematik, so schrumpft diese Zahl, 1.253 (junge) Menschen haben sich an der TU Wien für das erfolgversprechende Fach entschieden. 404 Verfahrenstechniker stehen 3.738 Anglisten gegenüber, auf jeden technischen Chemiker kommen in etwa vier Philosophen, und das Institut für Theaterwissenschaf... lesen


martina ernst | wie die dinge zusammenhängen

Ein Leben in vierzehn Billionen CDs

Trägt man bei Google „Verrückte Zahlen“ ein und lässt die Suchanfrage unbekümmert los sausen, hat man locker bis zu 10 g CO 2 verbraucht. Einfach so. Zuzüglich 22 Heidelbeeren, wenn man der Verlockung eines frisch gewaschenen Zwischendurch-Snacks nicht widerstehen kann. Das Wasser, mit dem ich die Heidelbeeren gewaschen habe, wird meine Tomatenernte auf dem Balkon ankurbeln. Unter einem halben Liter. Tomatenernte zurzeit 2-3 a... lesen


ernst kilian | der countdown hat begonnen

Von der Gefährlichkeit des Zählenkönnens

Zahlen bitte! – Moment. Kollege kommt gleich. – Auch gut. Somit bleibt uns, bevor wir die Geldbörse hervorholen, noch etwas Zeit für ein paar Überlegungen. Zum Beispiel diese: Vor dem Zahlen kommt das Zählen. Um zahlen zu können, muss man Zahlen kennen. Also nochmals, mit anderer Antwort: Zahlen, bitte! – Gerne. Wie viele? Reichen fürs erste drei? Oder kommen wir mit weniger aus? Mal sehen. Die Pirarrã (meist in einer englisch... lesen


irina kilimnik | kopf oder bauch

Der schnelle Weg zum Lotto-Jackpot

„Spielen kann süchtig machen! Teilnahme erst ab 18 Jahren“, steht in roter Schrift auf jedem Lottoschein. Und unten ist noch eine Telefonnummer angegeben für diejenigen, die bereits süchtig sind. Ich spiele jeden Samstag, bin aber nicht süchtig, da ich immer nur zwei Felder ankreuze. Manchmal drei, wenn ich ein besonders gutes Gefühl habe. Gewonnen habe ich kaum was, zweimal um die zehn Euro, aber das hindert mich nicht an meine... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | die andere seite des urknalls

oder Warum die Mathematik nicht hält, was sie verspricht

1. Was soll Literatur nicht alles leisten, will sie geliebt und anerkannt und erfolgreich sein! Was wird ihr nicht alles zugeschrieben, was wird nicht alles von ihr verlangt! Dass sie „schön“ sei, aber den Mut zur „Hässlichkeit“ habe (Karl Rosenkranz), dass sie „innovativ“ sei, aber die Traditionen wahre (Jorge Luis Borges), dass sie „interessant“ sei (Gerhard Plumpe), aber doch auch „komplex“ genug, um wiederhol... lesen


dirk werner | mein leben als zahl

Über Fotografie und den Baum der Erkenntnis

1. Ähnlich wie bei den Komponisten Bach (BWV) und Mozart (Köchelverzeichnis) existieren Werkverzeichnisse für die reiche Hinterlassenschaft des Malers Lyonel Feininger, der in seinem Leben Thüringer und „Ostseeurlauber“ ebenso war wie ein New Yorker. Vor einigen Jahrzehnten wurden sie von Hans Hess einerseits und Leona E. Prasse andererseits erstellt. Beider Auflistungen und Zuordnungen sind insofern bemerkenswert, als dass Fe... lesen


hans durrer | irgendwie

Zahlenmagie für Esoterik-Unschlüssige

Als Henri seinen Laptop einschaltete, zeigte die Uhr 05.55. Das musste eine besondere Bedeutung haben, dachte er so bei sich, denn zum einen saß er um diese Uhrzeit so recht eigentlich nie am Laptop und zum andern schien ihm die Zahlenkombination eigenartig verheißungsvoll, denn Henri hatte beschlossen (das war am Abend zuvor, um 23 Uhr 23, als er wie zufällig auf die Uhr blickte – eindeutig ein Zeichen!), seinem Leben eine neue Ric... lesen