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Rezensionen der Ausgabe 22 - zahlen bitte

abstürzende bardamen

Der erste Harald-Kriminalroman entzaubert das Wiener Rotlicht-Milieu

Andreas Plammer: Fauler Zauber

Harald hat die Liebe passé, seitdem ihn Maria „wie ein vergessenes Möbelstück“ in der Wohnung im Säuferhaus zurückgelassen hat. Im Abrakadabra, einer Wiener Innenstadtbar, hört er wie die Kellnerinnen von Nadine reden, die in Jürgens Wohnung aus dem Fenster gefallen ist. Weil ihn das an einen ähnlichen Fenstersturz erinnert, den seine Ex in ihrem Haus miterlebt hat, hört er interessiert zu und beginnt bald, eigene Recherchen anzu... lesen


kaffee wirkt wunder

Vom Kippen in den Minusbereich

Andrea Grill: Das Schöne und das Notwendige. Roman.

Die beiden Protagonisten Fiat und Finzens sind von der Zahlungsunfähigkeit, sprich, dem finanziellen Ruin bedroht. Finzens, der gemäßigtere der beiden (Über-)Lebenskünstler, kommt als Ruhestifter in einer Kathedrale ja noch halbwegs über die Runden. Schlimmer ergeht es da schon seinem WG-Kumpanen Fiat, der sich in jungen Jahren als Teilhaber einer maroden Schuhfabrik schwer verschuldet hat und mittlerweile, als rumänisches Übers... lesen


das wehe verlangen nach mehr

Anmerkungen zu den wieder zugänglichen Gedichten von Christian Loidl

Christian Loidl: Gesammelte Gedichte. Hg. Eva Lavric unter Mitwirkung v. Jaan Karl Klasmann.

Christian Loidl, das war einer, der es – um ein Wort von H.C. Artmann abzuwandeln – verstand, Dichter zu sein, auch wenn er gar nicht schrieb. Stets schien seine Erscheinung von seltsamem Getier umschwebt. Immer war er bereit, noch dem ödesten Umfeld einen sinnlichen Zauber abzugewinnen, ja, notfalls ein wenig dazu zu halluzinieren. In einer bunten Verschachtelung von buddhistischer Achtsamkeit respektive Selbstaufgabe und schamani... lesen


zwang und tao

Horst liegt im Krankenhaus – und das Internet zu weit weg

Harald Gsaller: Zwang.

Direkt hinter dem römischen Senat, in dem Silvio im November 2011 seine immerwährend scheinende Mehrheit verlor und der von mit Maschinengewehren bewehrten Matrosen bewacht wird, liegt eine Kirche, deren Namen ich nicht nur vergessen, sondern auch nie wirklich ganz gewusst habe. Ich könnte zwar meinen Reiseführer aufschlagen, meinen temporären Mitbewohner Horst fragen oder die Wahrheitsmaschine Google anwerfen. Will ich aber nicht... lesen


the beat goes on

Ein paar Takte zu Stefan Schmitzers neuem Gedichtband

Stefan Schmitzer: scheiß sozialer frieden. gedichte.

scheiß stimmiges bild das sich ergibt mit weinbau-kulturland und betonguss-kanalbau, mit grüntönen grautönen rapsgelb auch Wie kommt es, dass die arabischen Länder am Mittelmeer ihre Diktatoren trotz heftiger Unterdrückung abgesetzt haben, und wir hier in Mitteleuropa machen vor der Diktatur des Geldes Männchen wie die Zirkushunde? Wir schimpfen zwar hin und wieder über die Politikerkaste, die im Bann der Finanz und Industrie steht... lesen


das gewicht der feder

Essays, wunderbar schwerelos geschrieben

Gerald Schmickl: Lob der Leichtigkeit. Essays zum Zeitvertreib.

Eigentlich wollte er einen Catcher-Roman schreiben: die Geschichte eines Helden vom Heumarkt, der im Ring den Berserker gibt, aber in Wahrheit, was ihm keiner zutrauen würde, ein feinsinniger Mensch ist. Gerald Schmickl hatte seinen zwiespältigen Romanhelden schon genau vor seinem inneren Auge skizziert, da kam 2008 der Film The Wrestler mit Mickey Rourke in der Hauptrolle in die Kinos und erzählte nichts weniger als die Geschichte... lesen


vegetarische gedichte

Anja Utler und das Körperliche der Sprache

Anja Utler: ausgeübt. Eine Kurskorrektur.

ausgeübt : eine Handlung, zu der die Sprache hinführt und die wieder in die Sprache münden muss. Im Falle der Lyrikerin Anja Utler könnte man auch sagen: Lyrik, die in die Prosa, in die Handlung, kippt und wieder in Lyrik mündet. Und dieser Kippvorgang geschieht hier am Bild – nicht so sehr am Sprachbild, sondern an einer Art von Zeichnung, die der Text vorstellt. Ein Stricheln hierhin und dorthin, das jede Bewegung der Sinne au... lesen