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schwäne!

michael helming | schwäne!

Auch so ´ne Nummer

Als altruistisch veranlagter Mensch könnte man sich die denkende und handelnde Summe des alltäglichen Lebens innerhalb unserer pluralistischen Gesellschaft rücksichtsvoll, tolerant und gleichberechtigt als ahierarchisches Nullsummenspiel schönrechnen. Eine Ziffer namens Wir. Jedoch: Unterm Strich bleibt das Ich stets die dicke Nummer eins, nicht nur rein etymologisch, aus dem Sanskrit, wo unser Ich ja seine Wurzel im Zahlwort eins (êka) haben soll, sondern auch ganz praktisch gefühlt. Es gilt zwar als unhöflich, sich selbst in einer Aufzählung als Ersten zu nennen, doch insgeheim und zugleich ganz frech und offen, listet sich das Ego eben doch on top. Danach kommt eine ganze Weile nix, eine Leerstelle, dann kommst irgendwann mal du, die Number two, und dann der ganze Rest, den man streng genommen auch wegstreichen kann wie einen Haufen Nullen. So zählt das Subjekt. Mit diesem einen und einzigen (sowie höchst selbstsüchtigen) Ich beginnt alle Ordnung, obwohl nur recht dürftig ausgemacht scheint, wo dieses Ich, das Subjekt, überhaupt entsteht, was es unterm Strich ist und darstellt. Wie wird die Eins? Wie kann überhaupt etwas den Superlativ einer Sortierung geben, was allenfalls eine über den Daumen gepeilte Substanz besitzt? Ich vermute, dieses perfide und total selbstverliebte Ich, die Eins, hatte einst den Plan, einen Mythos um sich selbst zu interpolieren, der sich dann verselbstständigte, zu einem Kombinations- und Chiffrespiel, einem rouletteartigen Mythos um die Zahl an sich.

 

Im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung hatte Xenokrates sich daran versucht, die Schriften seines Lehrers Platon systematisch zu ordnen, und Cicero überlieferte uns später in seinen Gesprächen in Tusculum die Ansichten des Xenokrates über die Beschaffenheit der Seele. Die hat demnach nämlich weder eine Gestalt noch irgendeine Art von Körper. Sie ist vielmehr eine Zahl. Xenokrates ließ sich bei dieser Betrachtung wohl von der Natur selbst inspirieren, in der, wie Pythagoras schon circa zweihundert Jahre vor ihm angenommen hatte, die Zahl von entscheidender Bedeutung sein müsse. Die Werke des Xenokrates sind nicht erhalten, doch Zahlenmythen gibt es reichlich. Die Nummern 3, 7 und 9 galten schon den Pythagoreern als heilig, angeblich wegen ihrer Bedeutung in Musik und Malerei. Heute weiß man gar nicht mehr, wo man anfangen soll, sie zu sammeln und aufzuzählen. Plötzlich sind sie einfach alle da: die zwölf Apostel, vier apokalyptische Reiter, drei heilige Könige, sieben Siegel, die zwölf Arbeiten des Herakles, Sieben gegen Theben oder Chicago, die fünf Säulen des Islam, die drei Juwelen des Buddhismus, acht Schätze der Chinesen, sechs Richtige im Lotto oder neun griechische Musen. Bei den Kelten steckte das ganze Universum in der Neun. Sherlock Holmes löste das Rätsel um ein Haus mit drei Giebeln und beim Skat sind sechzig Augen ein gespaltener Arsch. Zu jeder Geschichte, wenn nicht zu jedem Wort, gibt es eine Zahl, die so viel und so wenig bedeutet wie die 42 bei Douglas Adams oder die 666 in der Hölle. Und mitten in diesem unkalkulierbaren Zahlengewirr hockt der Mensch, die Eins, also jemand, der genau genommen nicht mal bis drei zählen kann, und er sucht nach einem Sinn, nach Bedeutung, Wahrheit, Ordnung – nach irgendeiner Entsprechung für sich selbst, eben für die Eins.

 

Das Rätsel der Pixies
Besagtes Spiel lernen wir, indem wir zählen lernen. Damit fügen wir uns ganz nebenbei und eins, zwei, drei ein in die gesellschaftliche Herde, werden zur ab- wie auszählbaren Nummer in einer anonymen, bequemen Masse. Ich erinnere mich noch, wie wir in der ersten Klasse früh am Morgen niedliche, kleine Volkslieder singen mussten: „Jetzt fahr’n wir übern See, übern See. Jetzt fahr’n wir übern See. Mit einer hölzner’n Wurzel. Wurzel, Wurzel, Wurzel. Mit einer hölzner’n Wurzel. Ein Ruder war nicht dran.“ Wir waren 24 Schüler und Schülerinnen in der Klasse. Mit einer einzigen, hölzner’n Wurzel wären wir zusammen real wohl kaum rübergekommen übern See, selbst dann nicht, wenn wir das Wort Wurzel drei mal schnell wiederholt hätten, um eben dieser, unserer Wurzel eine magische Kraft zu geben. Wenn man eine Sache magisch aufladen, mystifizieren oder herbeireden will, dann spricht man ihren Namen eben drei Mal hintereinander aus, wie ein jeder Zauberer, Varieté-Illusionist oder Bio-Exorzist weiß. Früh am Morgen sammelte und versammelte dieses Lied also uns, die wir noch nicht einmal das kleine Einmaleins beherrschten, zum Lernen unter dem Zeichen einer hölzner’n und womöglich runzligen sowie reichlich glitschigen Wurzel. (Ich weiß nicht, ob meine Mitschüler sich diese Wurzel beim Singen je plastisch vorgestellt haben. Ich fand das Teil gesungen wie gedacht stets verklumpt schwarz und ekelhaft.) Im Takt wurde uns gruppendynamischer Gehorsam abverlangt, denn wir mussten ja nicht nur gemeinsam singen, sondern auch beim Wiederholen der Stelle „ein Ruder war nicht dran“ das Wörtchen dran weglassen und durch Schweigen ersetzen: „ein Ruder war nicht ____“. Natürlich kann man argumentieren, wie schon dieses Schweigen, das Fehlen des Ruders illustriert. Mir war das egal und egal ist bekanntlich 88. Ich grölte das dran stets lauthals mit, denn ich wusste schon mit sieben oder acht Jahren: Ich will komplette Songs. Durch einen Onkel war ich bereits bestens mit Sound jenseits von Schlager und Volksmusik vertraut: Two Little Hitlers von Elvis Costello, Three Little Birds von Bob Marley, Four Horsemen von The Clash, The Magnificent Five von Adam and the Ants, Six Teens von The Sweet, Seven Seas of Rhye von Queen, Eight Miles High von den Byrds, Nine Types of Industrial Pollution von Frank Zappa und den Mothers, wobei auch ein alternativer Musikgeschmack eine arme Seele nicht vor pseudogeheimnisvollen Zahlenspielereien schützt. Bekanntlich tauschen sich Fans der Indie-Rockband Pixies seit gefühlten Hundert Millionen Jahren in diversen Internetforen über die Bedeutung der Textzeile „if man is five and the devil is six and god is seven“ aus. Mit einem Pfund Kreide vermag ein Mensch nicht auszurechnen, was da so an Bedeutungen, Gedanken, Fragen und Spekulationen zusammenkommt. Denn wenn der Teufel sechs ist, ist Gott dann auch ganz sicher sieben? Nicht sieben Komma vier? Ab Komma fünf würden wird doch aufrunden – und was käme hier nach Gott außer einer Acht? Wird sieben zwingend mit transzendenter Weisheit verbunden? Gott benutzt sieben doch so oft. Fünf was? Sechs was? Reden wir von einer Skala von eins bis zehn? Wenn du an einen Gott glaubst, warum gibst du ihm eine Sieben? Müsste Gott im Dezimalsystem nicht eine Zehn kriegen? Was ist denn mit negativen Zahlen? Zwei ist die Mutter, drei die Natur, vier die Frau. (Ohne Kinder, oder was?) Ist fünf dann also tatsächlich der Mann, oder habe ich mich jetzt verzählt? Mancher Rechenschieber ging jahrelang davon aus, Gott sei zwölf, und in der Mathematik gilt sechs – also vielleicht ein halber Gott – als perfekte Zahl, wohl weil 1+2+3=6. Aus drei Gründen, die nur Insidern bekannt sind und denen vermutlich eine Milchmädchenrechnung zugrunde liegt, ist achtundzwanzig die große Zahl des College Radio und die zweiunddreißig jene des alten Victor Haderup. Sieben steht für Perfektion. Sechs auch für das Menschliche, also eher nicht Perfekte. Drei sei gewöhnlich die Nummer für den Menschen, sagen einige. Oder doch Manifestation des Allerheiligsten? Die geordnete Dreizahl in Kombination mit sechs Kugeln im vorgehaltenen Revolver könnte zudem als ultimative Drohung verstanden werden: „Geld her. Ich zähle bis drei.“ Überall nehmen wir alle uns verfügbaren Finger und Zehen zur Hilfe, wenn wir vermeintliche Bedeutungen berechnen. Genauso gut könnten wir unsere (ja stets nur vorläufigen) Hochrechnungen und Überschläge mit null multiplizieren. In der Mathematik zieht man eine Wurzel, wenn man eine Unbekannte in der Potenz bestimmt. Mit einer hölzer’n Wurzel. Wurzel. Wurzel. Wurzel. Ich frage mich, was das alles noch mit Musik zu tun hat, und dabei fällt mir wieder ein, meine Skepsis gegenüber Zahlenmystik gründet sich nicht nur in den Untiefen besungener Seen, sondern auch in denen von gemalten.

Hobby-Picasso
Ende der Siebziger- oder zu Beginn der Achtzigerjahre gab es eine große Malen-nach-Zahlen-Welle. Kunst für Leute ohne Talent. Wer noch Phantasie hatte, konnte sie dabei verlieren, wie beim Mitschunkeln leichter Mucke. Aber alle Welt malte damals nach Zahlen, und uns Kindern wurde so ein Hobby-Picasso-Kasten zum Geburtstag oder zu Weihnachten geschenkt. Die sieben Sachen in so einem Karton sind leicht genannt. Da waren zunächst einmal, je nach Packungsgröße und Motiven, zehn oder zwanzig kleine Döschen mit Acrylfarben. Jeder Farbton hatte eine eigene Nummer. Acrylfarben sind Ölfarben nicht unähnlich, sie decken gut, sind jedoch wasserlöslich und trocknen schneller. Dann gab es verschiedene Pinsel: Nr. 1 rund-spitz für kleinste Flächen, Nr. 2 flach-oval-spitz für kleine und große Flächen (je nachdem, wie stark man aufdrückte) und Nr. 3 rund-spitz für große Flächen und Hintergründe. Zu guter Letzt durften natürlich die numerischen Malvorlagen nicht fehlen, in der mittleren Packungsgröße immer drei oder vier Stück. Diese Malvorlagen bestanden aus stabilem Karton und waren ungefähr so groß und weiß wie ein Din-A-4-Blatt. Darauf war mit dünnen, grauschwarzen Linien je ein Motiv dargestellt, in Form von Feldern. Jedes Feld hatte eine Nummer und sollte nun – das war die ganze Aufgabe – ganzflächig mit der Farbe aus dem entsprechenden Döschen ausgemalt werden. Wenn also ein Feld die Nummer 11 hatte und im Döschen mit der Nummer 11 war ockerfarbene Acrylfarbe, oder schöngelb, wie man damals noch zu diesem eher blassen Farbton sagte, dann machte man also Döschen Nummer 11 auf, wählte einen passenden Pinsel, rührte ein wenig in der Farbe und malte dann das ganze Feld 11 (oder manchmal auch mehrere) schön ordentlich bis zum Rand schöngelb aus. Trocknen lassen. Fertig. Es gab die unterschiedlichsten Motive: Figuren aus Zeichentrick-TV-Serien, exotisches Getier, Leuchttürme und – ein mir unvergessliches Bild – Schwäne! Schwäne sind in unseren Breiten bekanntlich meistens weiß und so hatte es der Hersteller auch für diese Vorlage angedacht. Ich habe vergessen, welche Nummer die weiße Farbe hatte, auf jeden Fall sah ich mich mit der nahezu sinnfreien Aufgabe konfrontiert, weiße Felder mit weißer Farbe auszumalen, um am Ende zwei weiße Schwäne am Ufer eines blauen Sees ausgemalt zu haben. (Von schöpferischem Erschaffen eines Gemäldes kann hier ja nicht die Rede sein!) Hätte man den weiß gedachten Feldern einfach keinerlei Nummer gegeben, sie statt dessen völlig leer gelassen, so hätte ich ein wenig blau, grün, braun und noch ein paar Farben – streng nach vorgegebenem Farbschema – einfach um diese leeren Felder herum verteilt und somit langsam grundweiße Schwäne hervorgezaubert. Aber ich sollte tatsächlich weiße Felder mit weißer Acrylfarbe ausmalen, nur um damit ein paar dünn gedruckte Zahlen zu überdecken. Das war mir einfach zu blöd, und ich beschloss spontan, das Spiel zu modifizieren. Ich nahm die Farbdöschen wie immer aus dem Karton, stellte sie allerdings nicht wie sonst auf alter Zeitung ab, sondern auf einem sauberen Blatt Papier. Mit einem Bleistift zeichnete ich Kreise um die Döschen, gab ihnen damit für mich einen festen Platz, und dann malte ich vor diese Kreise einfach spontan Zahlen, die zwar nicht mit denen auf den am jeweiligen Ort abgestellten Döschen identisch waren, die sich jedoch irgendwo auf der Malvorlage wieder fanden. Ich mischte quasi die Palette neu. Da ich noch Farben von einer anderen Serie übrig hatte, konnte ich weiß ganz rausschmeißen und mir statt dessen Farben aussuchen, die mir besser gefielen. Dann bemalte ich meine Schwäne, die somit am Ende nicht weiß waren, auch nicht braun oder schwarz, sondern, wenn ich mich recht erinnere, relativ grün mit einem schöngelben Schnabel.

Schwäne sind prima auszumalen und manchmal auch toll zu zählen, wenn sie in großen oder kleineren Gruppen dicht am Ufer vorbei schwimmen. Ich könnte wahnhaft und laut  lachen, im Akt des Schwänezählens, ähnlich wie ein von Donner umgrollter Graf Zahl beim durchnummerieren flatternde Fledermäuse. Schwäne sind ebenfalls sehr nützlich, wenn man die fallibilistische Position Karl Poppers illustrieren möchte. Empirische Daten bleiben nach Popper bekanntlich immer auf die Menge ihrer Beobachtungsfälle bezogen und implizieren daher keine apriorische Allgemeingültigkeit eines bestimmten Prädikates, selbst wenn dies in bis dahin allen Fällen berechtigt war. Die Gleichsetzung Schwan = weiß lässt also trotz ihrer formalen Ähnlichkeit mit einer mathematischen Gleichung nicht die Verallgemeinerung zu, alle Schwäne seien weiß. Es werden ja lediglich die bisher beobachteten Fälle beschrieben, nicht jedoch alle weiteren, deren Prüfung noch aussteht. Der in Australien lebende Trauerschwan ist also ein hübsches Falsifikat, was mir und meinen in Kindertagen gemalten Schwänen allerdings wenig half. Mein Werk galt bei Freunden und Familie als entartet. Ich erinnere mich an Vorwürfe von allen Seiten, die schöne Malvorlage versaut zu haben. Nicht nur deshalb verlor ich wahrscheinlich recht schnell die die Lust an Malen-nach-Zahlen, und der Karton verstaubte im Schrank. Dabei habe ich wohl verdrängt, ob ich selbst die grünen Schwäne der Mülltonne übergab oder meine Mutter. Auf jeden Fall fand ich irgendwann viel später, vielleicht mit vierzehn oder fünfzehn, auf jeden Fall mitten in der Pubertät, zufällig einige der alten Farbdöschen auf dem Speicher und stellte fest, dass sie zum Teil noch brauchbar waren, zumindest, wenn man die Pigmentbrocken mit Wasser verflüssigte. Das rechte Mischungsverhältnis war mir egal. Ich benutzte die Farben nun ohnehin nur als Grundierung, die ich trocknen ließ, um dann geduldig filigrane, schwarze Tintenlinien darüber zu zeichnen, lediglich mit einem Einhaarpinsel. Ich glaube, ich hatte damals zum ersten Mal Bilder von Wols gesehen und malte nun ebenfalls ausgehungerte Segelschiffe und Städte auf Stelzen, selbstverständlich nicht annähernd so vollendet wie Wols, dafür jedoch nach eigenem Strich und Gusto. Insgesamt stelle ich fest, meine Beschäftigung mit Künsten wie Musik oder Malerei verlief stets in vier Schritten: 1. Ausprobieren. 2. Unzufrieden sein mit dem Ergebnis. 3. Was anderes ausprobieren. 4. Zwischendurch immer wieder lesen oder schreiben. – Vielleicht ist vier meine Zahl? Wenn ja, welche Farbe hat eigentlich vier?

 

Pi mal Daumen
Und warum werde ich eigentlich nachts öfter mal zur selben Zeit wach? Entweder um zwei Uhr zweiundzwanzig oder um vier Uhr vierundvierzig? Mein Aufwachen hat keine direkt fühlbare Konsequenz. Ich schaue auf die Digitalanzeige meines Radioweckers, drehe mich auf die andere Seite und schlafe weiter. Aber besitzt dieses Erwachen vielleicht eine tiefere numerologische Bedeutung? Modifiziert es möglicherweise mein Ich, meine Seele oder gar den ganzen Kosmos? – Ich glaube nicht daran. Aber ich könnte mir eine Geschichte ausdenken, die genau das behauptet, und ich könnte mir außerdem überzeugende Gründe einfallen lassen, die meine Geschichte zumindest auf den ersten Blick glaubhaft machen. Ich würde dabei natürlich mit Zahlen argumentieren. Drei mal die zwei oder drei mal die vier. Diese Reihe ist einladend auffällig – und natürlich genauso zufällig.

Manchmal haben Zahlen halt einen dramatischen Effekt. Ein Boxer geht zu Boden und wird angezählt. Eine Rakete startet nach einem Countdown ins All. Kinder zählen beim Versteckspiel ab, bevor die Suche beginnt. Genauso oft sind Zahlen und Aufzählungen allerdings nichts weiter als Zeichen einer mehr oder weniger willkürliche Ordnung. So kann man mit allen Dingen verfahren, auch mit Schwänen: Der Schwan ist 1. ein Vogel, 2. ein Nachtfalter, 3. ein Sternbild am nördlichen Nachthimmel, 4. ein Symbol für Martin Luther, 5. ein Wappentier, 6. ein dänischer Designer-Sessel, 7. ein Spielfilm mit Alec Guinness, 8. eine Allegorie für Reinheit, 9. eine allgegenwärtige Nervensäge am Überlinger See, 10. die mittelalterliche Option für einen Spießbraten, 11. eine grün gefiederte Figur meiner frühsten Jugend, 12. ein Wort mit mehreren Bedeutungen in einer unvollständigen Liste, die der eine oder andere Leser nach belieben erweitern mag.

So ist das Pi mal Daumen mit mir und dem Schwan, mit uns und den Dingen, eben mit Subjekt und Objekt. Die nette praktizierende Buddhistin aus dem Nachbarhaus (vierter Stock!) erklärt mir – während ich helfe, ihren zerschossenen Rechner wieder zum Laufen zu bringen – die Probleme des Ego seien zwar kompliziert, jedoch nicht gravierend, da im Endeffekt lediglich Unwissenheit und Begehren geschuldet. Das Ich sei eine Illusion. Es bilde sich bloß ein, autonom außerhalb eines Geistes von unendlichem Gewahrsein zu existieren, sagt sie. In Wirklichkeit sei es alles und eben auch nichts. Bedeutet folglich: 1=0. Diese Analogdenke lob ich mir.