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wie die dinge zusammenhängen

martina ernst | wie die dinge zusammenhängen

Ein Leben in vierzehn Billionen CDs

Trägt man bei Google „Verrückte Zahlen“ ein und lässt die Suchanfrage unbekümmert los sausen, hat man locker bis zu 10 g CO2 verbraucht. Einfach so. Zuzüglich 22 Heidelbeeren, wenn man der Verlockung eines frisch gewaschenen Zwischendurch-Snacks nicht widerstehen kann. Das Wasser, mit dem ich die Heidelbeeren gewaschen habe, wird meine Tomatenernte auf dem Balkon ankurbeln. Unter einem halben Liter. Tomatenernte zurzeit 2-3 am Tag, je nach Wetterlage (Gewächs-Zusammenbruch nach Sturm, deswegen Mops-Geschehen von 4 verwachsenen Pflanzen). Die Schale mit Heidelbeeren ist leer, nun zum Ergebnis: Das Durchschnittsalter des Menschen (in Westeuropa) beläuft sich auf 76 Jahre. In meinem Leben weine ich 80 Liter Tränen. Dabei heule ich nur ab und zu. Seit dem sechsten Mal „Pretty Woman“ habe ich meine Tränendrüsen unter Kontrolle. 80 Liter sind übertrieben, ganz sicher. Verrückte Zahlen eben. Gäbe das nicht Augenringe wie Gummiboote? Unterrichtsstunde bei Geolino. Die Haare in meiner Nase werden bis zu 2 Meter wachsen. Bei Männern vielleicht. Meine Nasenhaare sind schon lange kurz, bleiben kurz. Zwei Meter Nasenhaare? Nicht mal in hundert Jahren! Das geht an die Substanz. Vielleicht stellen dann die Kopfhaare das Wachstum ein.

Von meinen 76 Jahren verbringe ich zwölf Jahre mit sprechen (ohne heiser zu werden). Also schnell herausfiltern. Was ist wichtig? Was kann man weglassen? Wo stellen die anderen sowieso auf Durchzug? Vielleicht bringt das eine zwei Jahre längere Lebenszeit. Kann doch sein. Wie viele Leute es wohl sind, mit denen ich dann gesprochen habe? Vielleicht sollte ich das besser verteilen. Einfach den einen oder anderen Fremden mit einbeziehen. Hat einen gewissen Überraschungseffekt und sorgt für neue Kontakte.

In 76 Jahren vertilge ich 7.300 Eier. Gekocht, gespiegelt, gerührt, im Kuchen oder im Glas versteckt. Massenhaft zu tun für die Hühner. Glückliche Hühner. Hühner, die noch Gras und Wiese kennen. Also im Urlaub Omelett oder Pfannkuchen … So einem leckeren Vanille-Pfannkuchen auf den Seychellen kann ich nicht widerstehen. Mit Liebe gemacht und sehr viel Ruhe serviert. Da wartet man gerne drauf. Das hat Stil und einen morgendlichen Rhythmus. Ich sehe immer noch den Teller vor mir stehen auf dem Holztisch, einen Katzensprung vom Meer entfernt. Vorbei am Gitarrenspieler und man ist da. Mit Vanille-Pfannkuchen im Bauch ist alles noch einen Tick schöner.

2,5 Jahre gehen fürs Telefonieren drauf. Ich glaube sogar, etwas mehr. Tagesbericht abliefern am Telefon spart wenigstens Kilometer und CO2-Ausstoß. Wenn ich nicht mehr über das Verrückte vom Tage mit jemand am anderen Ende der Leitung lachen könnte, wäre das doch langweilig. Es passiert immer etwas. Ob peinlich, dumm gelaufen oder verrückt. Zum Beispiel als das Rind über die 1,40 m hohe Steinmauer ausgebüchst ist. Hätte ich nie gedacht. Haben wir erst für einen Bullen gehalten, war aber eine Sie. Auf den ersten Blick klein und niedlich. Auf den zweiten mordsmäßig gefährlich. Einfach nicht aufzuhalten. Dabei sollte es nur in einen anderen Stall. So etwas kann man nicht für sich behalten. Darüber muss man reden, spätestens am Abend. Solange brennt die Neuigkeit unter den Fingernägeln. Apropos Finger. 19 Kilogramm Haut verliert man durch Kratzen und Verletzungen. Für Mückenstiche empfehle ich eine Eispackung. Geschirrtuch drum wickeln, sofort auf den Mückenstich legen und man hat Ruhe. Spart unsagbare viele Nerven. Mich macht Juckreiz verrückt. Das Summen der Mücke natürlich auch, aber das hat sich spätestens am nächsten Tag erledigt. Ich dachte mal, dass Mücken nur im Dunkeln angreifen. Aber da halten sich nicht alle Exemplare dran.

Ich vernasche 160 Kilogramm Schokolade. Hauptsächlich weiße Schokolade mit Maracuja- oder Joghurt-Füllung, Pfefferminztaler, Kekse mit Schokoladenkern. 160 Kilogramm! Vielleicht sogar etwas mehr. Schokolade beruhigt die Nerven. Ein bisschen davon fördert die Kreativität. Zu viel macht eindeutig müde. Als Ersatz dienen Heidelbeeren. Die sind aber schneller weg. Ich liebe Probierstände. Obwohl es wenige mit Schokolade oder Keksen gibt. Ganz fies wird es bei Ingwer. Die meisten Leute brauchen eine Spuckschale. Ich musste mal eine Ingwer-Verkostung machen, spreche also aus Erfahrung. Auf Schokolade ohne Ingwer reagiert eigentlich jeder verzückt. Obwohl, es gibt auch Leute, die mögen nichts Süßes und lieben mehr salzige Sachen. Schade, keine Kilogramm-Angabe zu Chips. Sind auf jeden Fall weniger.

Mein Herz wird 3 Milliarden Mal schlagen. Ein paar Mal davon hoffentlich für die große Liebe. Hand aufs Herz, wie oft verliebt man sich im Leben, so richtig? Zwei, dreimal? Die meisten können froh über eine große Liebe sein. Die kann ja lange anhalten, sechsundfünfzig Jahre oder länger. Also ist der mit einer großen Liebe manchmal besser dran als der mit zwei oder drei solcher Lebenserfahrungen. Jedenfalls was die Jahre betrifft. Das ist schon imposant, so ein Herz, das 3 Milliarden Mal schlägt. Mal schneller, mal langsamer. Lautlos, ohne aufzufallen. Jetzt, wo man das so liest, hat es eine Bedeutung. Normalerweise schlägt das Herz heimlich und jetzt schlägt es plötzlich laut. Es hat eine unmissverständliche Botschaft. Es würde am liebsten mehr als 3 Milliarden Mal schlagen. Welches Herz will schon zum Durchschnitt gehören?

2.000 Menschen werde ich persönlich kennen lernen. Und was ist mit den anderen? Die gehen einfach an mir vorbei? Dabei könnten die doch gerade interessant sein. Sieht man ja keinem an, ob er ein guter Gesprächspartner und Freund ist. Am liebsten würde ich jeden kurz ansprechen. Einfach so. Vielleicht überzeugt mich irgend etwas. Die Stimme, das Lächeln. Außerdem verpasse ich ungern etwas oder jemanden. Frauen sind von Natur aus neugierig. Wie würden die Menschen darauf reagieren. Ich möchte Sie gerne persönlich kennen lernen! Die denken, ich habe einen Knall. Aber es gibt doch Studien für alles. Warum nicht dafür? 2.000 Menschen auf 76 Jahre gesehen, das ist eine geringe Zahl. Da lerne ich ja mehr Schokoladentafeln persönlich kennen.

3,5 Jahre investiere ich ins Essen. Ich runde auf vier Jahre auf. In Spanien würde ich weniger Schokolade und dafür mehr gesunde Sachen essen. Ein Grund auszuwandern. Oliven-, Orangen- und Zitronenbäume hätte ich im Garten. Es gäbe Ziegenkäse zum Abendessen. Zählt das Nebenbei-Essen auch? Die Heidelbeeren zum Beispiel? Es ist bestimmt besser aufzurunden. Da darf man nicht knapsen, ohne Essen geht es nicht. An der Menge lässt sich bestimmt sparen. Statt 22 lieber 4 Heidelbeeren. Pizza, Spaghetti, Burger und Co. Die Auswahl ist entscheidend. Ich liebe Brunch-Büffets. Für Stunden ist vorgesorgt und man kann dabei ohne Ende quatschen. Von den 415 Millionen Mal, die ich in 76 Jahren blinzele, fühlt sich bestimmt der eine oder andere Sitznachbar angesprochen. Meist stehen die Tische eng beieinander. Dummerweise kann dann jeder zuhören, was wir reden. Peinlich, aber egal. Nachschub holen sorgt für die nötige Bewegung. Lieber ein paar Mal mehr aufstehen. Neuankömmlinge und den Nachtisch checken. Je früher, desto besser. Der Nachtisch ist später schnell vergriffen.

Ich gehe in meinem Leben 22.000 Kilometer weit, komme dabei aber irgendwie nicht groß vom Fleck. Jedenfalls hat man das Gefühl. Der Aktionsradius ist irgendwann etwas eingeschlafen und man muss nachhelfen, damit sich die Gehstrecken wieder ausweiten. Wäre doch blöd, in einer Stadt zu bleiben. Oder in einem Land. Ein paar Nadeln auf der Weltkarte helfen. Da gibt es noch eine Menge, was es zu bewandern gilt. Auf dem Schiff, im Flugzeug und an Land. Von manchen Orten habe ich noch nie etwas gehört. Aber da muss ich hin. Ganz klar! Schließlich arbeite ich nur 8 Jahre meines Lebens und habe, abzüglich Schlaf, die anderen Jahre Zeit zu gehen. In alle Himmelsrichtungen. Essen, Blinzeln, Herzschlag. Das lässt sich alles miteinander verbinden. In der Zeit wachsen mir 950 Kilometer Haare auf dem Kopf. Ohne Stress und mit einem positiven Lebensgefühl, bleiben sie, so wie sind, und werden nicht so schnell grau.

In 76 Jahren wachsen mir 28 Meter lange Fingernägel. Wie viel Liter Nagellack braucht man für 28 Meter lange Fingernägel? Rot, Weiß, Schwarz. Ich stelle mir einen extra verstärkten Kosmetiktisch mit Litertöpfen vor. Einmal lackieren vier Stunden. Außerdem kann man mit 28 Meter langen Fingernägeln gar nicht laufen und bleibt an jeder Tür hängen. 6 Monate verbringe ich auf dem Klo, verpiesel 40.000 Liter Urin und sperre meine Fingernägel ein. So viel zu den persönlichen Daten.

Die Zahl 8 ist die Glückszahl in China und die heilige Zahl in Indien. Ein Autokennzeichen mit lauter Achten kann in China einen fünfstelligen Betrag kosten. Telefonnummern mit Achten sind besonders bei chinesischen Firmen der Renner. Die Acht ist in China ein Symbol für Reichtum. In Indien sind Kühe das Symbol der Sanftheit, gelten durch ihre fünf Gaben (Butterschmalz, Mist, Urin, Milch und Lasshi) als Lebensspender und sind deswegen heilig. Überqueren Kühe in Indien die Straße, gibt man ihnen alle Zeit der Welt. Legt sich eine Kuh zum Ausruhen hin, gleicht sie einer Verkehrsinsel. Stören und Verscheuchen nicht erlaubt!

Die Zahl 250 steht in großen Teilen Chinas für „Idiot“. Ein Nummerschild mit der Zahl 250 könnte peinlich sein. Die Zimmernummer 250 sollte man lieber nicht weitergeben. Mit 250 Gästen macht man sich in China lächerlich. In der Gästezahl sollte aber auch keine vier drin vorkommen. Die 4, 7 und 10 gelten aufgrund ihrer Aussprache und Ähnlichkeit mit anderen Worten als Unglückszahl.

Im Durchschnitt wiegt der Mensch 60-80 kg, extreme Ausnahmen 3,4 oder 615 kg. Nicht zu reden von dem Jojo-Effekt bei Frauen und Männern. Abnehmen, Zunehmen, abnehmen, zunehmen. Da kann das Gewicht schon mal um 5-10 kg schwanken. 90 % der Körperzellen werden mindestens einmal jährlich ausgetauscht. Wer hätte das gedacht? Die Zellen haben eine unterschiedliche Lebensdauer. Rote Blutkörperchen leben 120-130 Tage, Leberzellen dagegen nur 10-15 Tage. Mit am Schlimmsten ergeht es den weißen Blutkörperchen. Sie leben nur 1-3 Tage und haben ein bisschen was mit der Eintagsfliege gemein. Die menschliche Körpertemperatur beträgt im Durchschnitt 36,9 Grad Celsius. Ein Säugling besteht zu 75 % aus Wasser, der erwachsene Mensch zu 60-70 %. Bei Frauen wiegt das Herz im Durchschnitt 280 g, bei Männern 310 g. Frauen überleben die Männer meistens um 5 Jahre. Der älteste Mensch ist 122 Jahre alt geworden. Raucher leben durchschnittlich 8 Jahre weniger.

23 Jahre seines Lebens verbringt der Mensch mit Schlafen und verschluckt dabei im Durchschnitt (unbeabsichtigt) 8 Spinnen. Ein scheußlicher Gedanke! Spinne krabbelt über die Bettdecke und achtet nicht darauf, wohin sie läuft. Zu zweit steht die Chance 50:50. Täglich schläft der Mensch circa 7 ½ Stunden und träumt davon 2 Stunden. Alpträume dauern von ein paar Minuten bis zu einer halben Stunde. Meistens tritt der Alptraum in der zweiten Nachthälfte auf. Nach dem Aufwachen findet man schnell die Orientierung wieder und kann Traum und Realität unterscheiden.

1.440 Minuten hat der Tag. Auf den ersten Blick wenig. Circa 16.000 Worte redet der Mensch täglich, also 461.782.349 in seinem Leben. Im Schlaf reden nicht eingerechnet. In 77 Jahren geht der Mensch durchschnittlich 1 Million km, circa 5 km pro Tag. Die wenigsten haben heutzutage das Glück, ihren Arbeitsplatz zu Fuß erreichen zu können und sind auf ein Verkehrsmittel angewiesen. 183 Tage unseres Lebens fahren wir daher mit dem Auto zur Arbeit und legen dabei 80.000 km zurück. CO2 lässt grüßen! 70 Stunden jährlich sitzen wir im Stau fest. Damit vergeuden wir 219 Tage unseres Lebens. Es sei denn, wir treffen dabei die Liebe unseres Lebens oder schließen spontan nette Freundschaften.

Ganz viele verrückte Zahlen und Fakten findet man in den Büchern Freak--onomics und Superfreakonomics. Kurios: Während eines Ärztestreiks sollen angeblich weniger Menschen sterben. Bei Elefantenangriffen sterben jährlich 200 Menschen, durch Haiattacken nur sechs. Pro Jahr finden 150 Menschen durch herunterfallende Kokosnüsse den Tod. Selbst eine Minikokosnuss prallt aus großer Höhe mehr als unsanft auf den menschlichen Körper. Liegt wohl an Fallgeschwindigkeit und Härte der Kokosnuss. An tropischen Stränden niemals die Sonnenliege unter Kokosnüssen platzieren! Man weiß nie, wann die Dinger der Schwerkraft folgen. Es sterben mehr Menschen durch knallende Champagnerkorken als durch Giftspinnen. 21 % der Verkehrsunfälle werden durch den Sekundenschlaf verursacht. Nur ein Drittel der Deutschen glaubt nicht an Schutzengel (Umfrage im Auftrag des Magazins GEO).

2 Jahre und 2 Monate verbringt der Mensch mit Kochen und Brote schmieren. 16 Monate werden zum Putzen der Wohnung aufgewendet, 1 Jahr und 7 Monate in Sport investiert. 2 Jahre und 10 Monate summieren sich durch Tratschen, Scherzen und Verplaudern. 3 Monate geht der Mensch (in Deutschland) zum Arzt. Die gleiche Zeit wird in der Kneipe verbracht. Mit den Kindern wird 9 Monate gespielt. 58 Prozent der Eltern lesen ihren Kindern regelmäßig etwas vor. 7,5 Millionen Deutsche zählen zu den Analphabeten.

Das Guinness-Buch der Rekorde wird in öffentlichen Bibliotheken am meisten gestohlen. Einkaufswagen sind ein beliebtes Diebsgut. Aber auch Gullydeckel, Bienenvölker, Fische, Schafe, Blumen, Menükarten und Kinderwagen fallen Langfingern zum Opfer. Kuriosester Dieb: Katze „Dusty“ aus San Mateo, Kalifornien. Sie hat bisher 600 Dinge wie Socken, BHs, Spielsachen, Schuhe in ihrer Nachbarschaft geklaut. 

Laut britischer Telecom würde das Leben eines Menschen (in Worte gefasst) über 14 Billionen CDs füllen.

Einzelne Daten sind Wikipedia entnommen. Oft habe ich unterschiedliche Angaben auf verschiedenen Webseiten gefunden. Egal ob die Zahlen stimmen oder nicht, so sind sie doch annähernd aussagekräftig und meistens sehr überraschend.