schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 23 - gute reise kleiner ausschnitt ohne ausblick
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/23-gute-reise/kleiner-ausschnitt-ohne-ausblick

katharina seidlitz | kleiner ausschnitt ohne ausblick

Als ich anfing, im technischen Museum zu arbeiten, war ich überrascht, Martina dort zu sehen. Ich erkannte sie nicht beim ersten Mal. Sie trug die Haare kürzer, mit blonden Strähnen und war insgesamt runder geworden, weicher. Aber es war das gleiche schiefe Lächeln. 

Drei Jahrzehnte zuvor gingen wir auf verschiedene Schulen, gehörten jedoch zum selben, losen Freundeskreis. Sie spielte damals in einer Band Triangel und Tamburin. Ein dünnes Mädchen mit langen, dunklen Haaren in weiten, selbstgefärbten Blusen und Jeans. Barfuß stampfte sie den Takt und schüttelte die Schellen. Die Konzerte fanden in Kelleräumen statt oder in vergammelten Lagerhallen, nie in Jugendklubs. Die Räume waren kahl und dunkel. Zu solchen Anlässen stand ich meist am Rand des Publikums, ein Bier in der Hand. Mir wuchs noch nicht einmal ein Bart, nur etwas Flaum auf der Oberlippe. Sie war wunderschön dort oben auf der Bühne im Licht. Ich war in sie verliebt, heimlich. Manchmal sang sie auch.

Eine offene Mülltonne steht auf dem Gehweg. Kaputte Schläuche hineingestopft, die sich in verschiedene Richtungen biegen, so dass das Ganze aussieht wie eine verdorrte Palme in einem überdimensionierten Topf. Ich lenke das Fahrrad vorsichtig drum herum. Wäre ich jünger, würde ich vom Gehweg auf die Straße fahren und wieder zurück. Jetzt fehlt mir der Schwung für so etwas. Der Bordstein ist zu hoch. Ich könnte fallen. Der Gedanke daran deprimiert mich. Die Aussicht auf meinen Arbeitstag auch. 

Es ist Juli, es ist früh am Morgen und es ist brütend heiß. Seit Monaten archiviere ich Dinge, die keiner braucht. Dinge, die sich angesammelt haben, die verrostet und verbogen sind. Dinge, die einmal einen Zweck hatten und von irgendwem produziert und von jemand anderem genutzt wurden, die jetzt jedoch nicht mehr funktionieren. Jeden Tag bewege ich mich mit einer Liste durch Keller und Flure, hake Sachen ab und schreibe unbekannte hinzu und behänge alles mit kleinen Zetteln. 

Die brauchbaren Sachen werden gesäubert und verpackt. Das Gerümpel kommt auf den Hof. Es wird nicht unbedingt weggeworfen, manches kann abgebürstet und übermalt werden und sieht dann wieder ganz passabel aus. Darauf kommt es an. Es muss nicht funktionieren, nur einigermaßen ordentlich aussehen. Kein Museumsbesucher will mit einer Schneidemaschine aus dem neunzehnten Jahrhundert arbeiten. Er will die Maschine nur ansehen, drei Minuten lang. Die dazugehörende Erklärung darf acht Sätze nicht überschreiten. Besser sind vier bis sechs. Die Aufnahmespanne des durchschnittlichen Besuchers ist eher kurz. Gerät die Geschichte zu lang, erlischt sein Interesse. 

In diesen Tagen wird das technische Museum in seine Einzelteile zerlegt. Wegen einer Brandschutzsanierung des gesamten Gebäudes werden die Ausstellungsräume und die Büros, selbst die Keller ausgeräumt und alle darin befindlichen Dinge anderswo aufbewahrt. Die Präzisionsgeräte werden von den höheren Angestellten verpackt, den Restauratoren oder wen immer sie dafür haben. Jemand mit sauberen Händen. Sehr wahrscheinlich geben drei bis vier Mann Anweisungen. Ein talentierter und ambitionierter Mitarbeiter der unteren Etagen steht mit zitternden Händen in weißen Handschuhen und versucht, diesen Anweisungen zu folgen. 

Das Gebäude wirkt von Außen behäbig, kalt und stur. Eine Festung mit dicken Mauern. Geht man durch den Torweg in den Innenhof, ändert sich der Eindruck. Die mitgenommene Fassade, die kleinteiligen riesigen Fabrikfenster und die nachträglich hinzugefügten Feuertreppen verleihen ihm einen Hauch Boheme. 

Die Fahrradständer sind fast alle belegt. Nachdem ich abgestiegen bin, bemerke ich rote Spuren, die von verschiedenen Reifen stammen. Jemand hat roten Lack auf dem Asphalt verschüttet. Was gestrichen oder besprüht worden ist, kann ich nicht erkennen. Dazu sind die Pfützen auch eigentlich zu groß, als wäre etwas umgefallen. 

Viele Kollegen sind nicht da, es ist Urlaubszeit. Ich grüße. Ich nehme die Listen und arbeite konzentriert, um die Zeit aufzuholen. 

Gewöhnlich beginne ich eine Stunde früher. Aber heute musste ich noch vor Arbeitsbeginn zum Amt. Der nächste Monat ist der letzte, in dem ich diesen Job habe. Arbeit gibt es genug, nur kein Geld. Die Stadt ist pleite und hat ihre Zuschüsse für die Kultureinrichtungen gekürzt. Es wird knapp in eben diesen Einrichtungen. Das Kulturraumgesetz umgestalten, heißt das in deren Sprache. In der Sprache der Regierenden, der Anzugträger. Sie müssen sich nicht einmal sehr anstrengen, um so zu reden. Die Worte gleiten ihnen rund und schillernd aus dem Mund wie Seifenblasen. Hört man zu lange zu, wird einem schwummrig wie unter Sauerstoffentzug.
Nicht dran denken, Wut hilft dir nicht weiter. Aber ich bin unglaublich wütend. Ich schwitze. Vom Fahrradfahren, von der Hitze und vom Adrenalin. Die kleine, blonde, farblose Sachbearbeiterin hat mich abgekanzelt wie einen ungezogenen Schuljungen. Ich hätte sie am liebsten geschüttelt an ihren dürren Ärmchen. 

Ein Papier fehle noch, ein Formular XY, sagte sie. Ohne dieses könnte mein Antrag nicht bearbeitet werden. Das bedeutet, der ganze Prozess verschiebt sich um einige Wochen. Aber es gibt halt Regeln. Danke, musst du sagen. Für das Wohlwollen, das eigentlich ihr Job ist. 

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? Ihre Akte im Computer zeigt eine stetige Verschlechterung Ihrer Einkommensverhältnisse. Lassen Sie uns einen Vertrag machen. Innerhalb der nächsten sechs Monate versuchen Sie wieder dahin zu kommen, Ihren Unterhalt selbst aufzubringen. Sind Sie nach dieser Zeit immer noch auf unsere Unterstützung angewiesen, müssen Sie annehmen, was wir Ihnen anbieten. Schlagen Sie das Angebot aus, kürzen wir die Leistungen. 

Was konnte ich dazu anderes sagen als ja und ja? 

Ich kenne solche Verträge. Sie werden egal von wem oder welcher Institution nur Leuten unterbreitet, die nicht mehr in der Lage sind, sich zu weigern, sich zu wehren. 

Ich war einmal Kunsthistoriker. Ich hatte einmal eine Frau und Kinder. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, bekommen alle Bilder einen weichen Rand und unwirkliche Farben. Manchmal meldet sich die dünne Stimme der Vernunft, regulierend. Sie mag es nicht, wenn man sich zu weit von der Realität entfernt. Ich liebte den Geruch alter Bücher. Ein Foto oder die Abbildung eines Gemäldes ließen alles um mich herum unwirklich werden. Ich ließ mich von diesen Dingen weglocken aus einem Alltag, der mir unverständlich war, zu unübersichtlich, zu turbulent. Ich tauschte fremde Regeln, die ich nicht mochte mit Regeln einer Welt, die zugegebenermaßen klein war, in der ich mich jedoch bewegen konnte, ohne anzustoßen. Kurz nach meinem Studienabschluss fiel die Mauer und das, was man bisher nur auf Schwarzweiß-Bildern erahnen konnte, wurde erlebbar. Das Paradies, dachte ich, bricht an. Die Kunstsammlungen wurden umbenannt. Ein Job war leicht zu bekommen. Jung und unbelastet zu sein, war ein Vorteil. 

Was schief gelaufen ist, weiß ich nicht genau. Ich könnte nicht mit dem Finger auf eine Stelle zeigen und sagen, dort fing es an. Was zählte, waren Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, ein breites, weißes Lächeln und ein gutes Händchen für Beziehungen. Türen in fremde Welten wurden fest verschlossen. 

Bei Einladungen zum Abendessen oder feierlichen Eröffnungen erzählte damals meist meine Frau. Sie verdiente auch mehr Geld. 

Es ist Mittagspause. Ich war den ganzen Vormittag im ersten Stock und habe Vitrinen nummeriert und beklebt. Welcher Glaskasten für welchen Zweck, das heißt welche Ausstellungsstücke bestimmt ist und wo er normalerweise steht. Sie müssen noch bruchsicher verpackt werden. Das übernehmen die Haustechniker. Kompetente Männer mit breiten Händen und jovialen Umgangsformen. Da die Pausen limitiert sind, verschaffen sie sich kleine Beratungspausen. In Grüppchen wird diskutiert, wie viele Schichten von Rost entfernt werden sollen. Ist eine Drahtbürste besser als Schleifpapier. Welche Grundierung ist am verlässlichsten. 

Ich lecke den letzten Aufkleber an und platziere ihn an der linken oberen Ecke. Die Listen, die vollständig sind, kommen in einen Ordner. Die Frauen, die diese Daten in den Computer übertragen, sind nicht da. Sigrid ist jetzt irgendwo in Spanien. Martina habe ich den ganzen Tag noch nicht gesehen. Das wundert mich, jetzt wo es mir auffällt. Ich werde zum Bäcker gehen und dann nach ihr suchen. Manchmal sitzen wir auf der Bank im Hof und rauchen, nachdem jeder das gegessen hat, was er mitbrachte. Die Bank steht an der Schmalseite unseres Flügels. Bis zum frühen Nachmittag gibt es dort Schatten. Trotz der Sommerhitze ist es angenehm kühl und man ist auf ihr vor unliebsamen Blicken geschützt. Vor der Bank ist ein schmales Rasenstück und irgendjemand hat auf einem handbreiten Streifen Erde Blumen gesät. Sie wachsen wild und unbeaufsichtigt.

Ich bin dankbar, dass die Arbeit den Tag strukturiert. In den Pausen zwischen zwei Jobs tendiere ich dazu, herumzutrödeln. Die Zeit, die ich damit verbringe, zu überlegen, was ich machen könnte, nimmt genauso viel Platz ein, wie die erdachte Aufgabe. 

Nachdem meine Frau anfing mit dem Konservator zu schlafen, kündigte ich meinen Job und kurz darauf ließen wir uns scheiden. Es lief nicht so reibungslos, wie es sich anhört. Ich erfuhr erst einige Zeit später von dem Verhältnis. Da war meine Frau sich schon sicher, dass sie mich verlässt. Sie ist niemand, der Risiken eingeht. Sie ist jemand, der in einem Kartenspiel die Trümpfe aufhebt bis zum Schluss und nur sticht, wenn es sicher ist. Wenn sie mit dem Rücken zur Wand sitzt, hinten. Habe ich irgendetwas gefühlt? Ich nehme an, ich war wütend. Verletzte Eitelkeit wird eine Rolle gespielt haben. Verwirrt sicher, traurig auch. Ich bin es nicht mehr. Was die Kinder von mir denken, dessen bin ich mir nicht sicher. Möglicherweise verachten sie mich. Wenn wir uns sehen, selten genug, dann ist alles, was sie mir zeigen, höfliches Desinteresse. 

Als ich wieder zurück bin, das belegte Brötchen habe ich mir auf dem Rückweg einverleibt, stehen Blumen im Innenhof in einem einfachen Gurkenglas. Die Blumen sind blau und weiß und sehr zart. Ich sehe mich um. Vielleicht hat jemand den Müll raus gebracht und sie vergessen. Sie stehen nicht weit von den Tonnen. Der rote Lack ist verschwunden. Stattdessen sind Kreidestriche da. Die habe ich vorhin nicht bemerkt. 

Eine Frau aus der Verwaltung, die mir vage vom Sehen bekannt ist, sitzt auf der Bank. Sie rutscht auf die äußerste Kante, wie ein Vogel fertig zum Abflug. Ich frage, ob ich mich setzen darf. Sie hat nichts dagegen. Traurig, nicht wahr, was passiert ist, sagt sie. Sie kannten sie, nicht? Ich bekomme ein kaltes Gefühl, mein Magen rebelliert. Möglicherweise die Mayonnaise, in der Bäckerei machen sie davon immer zu viel auf die Schinkenbrötchen. Ich frage sie, was sie meint. Sie stellt sich vor. Sie heißt Jana. Sie wolle nicht unhöflich sein. Sie habe mich und die Frau, die heute früh im Hof liegend gefunden wurde, manchmal hier auf dieser Bank gesehen. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Mein Mund ist trocken. Wir sind Arbeitskollegen, sage ich. Frau Jana neben mir erzählt von der Aufregung, dem Krankenwagen und der Polizei. Als sie heute früh kam, wäre alles schon vorbei gewesen. Sie hätte die Frau nicht gesehen. Die Polizei hätte Fragen gestellt. So etwas Schreckliches. Es tue ihr leid. 

Martina, sage ich, sie heißt Martina. Dass Martina so einfach vom Dach gesprungen sein soll, will mir nicht in den Kopf. Sind die Blumen von Ihnen, frage ich Frau Jana. Sie sieht mich ängstlich an und nickt. Ich finde es eine berührende und schöne Geste, und ich versuche, ihr das zu sagen. Ich bin mir nicht sicher, was aus meinem Mund kommt. Frau Jana wischt sich die Augen, steht auf und geht. Danke, sage ich. Ich meine die Information. Aber sie ist schon weg. 

Es ist dunkel und immer noch heiß. Alle Fenster sind offen. Es sind nur vier, für jedes Zimmer zwei. Meine Wohnung ist vom Grundriss her kompakt. Ein winziger Flur neben einem ebenso winzigen Bad. Zwei Zimmer, eines davon mit Kochnische. Ich kann nicht schlafen. Ein richtiges Gewitter wäre eine Wohltat jetzt. Blitz und Donner und danach kühler Regen. Im Sommer schlafe ich meist nur mit einem Laken. Das schiebe ich beiseite und gehe ins Wohnzimmer. Es ist noch etwas Wein in der Flasche, diesen Rest gieße ich mir in ein Glas.

Frau Jana habe ich heute Mittag vergessen, nach Martinas Familie zu fragen. Ich weiß nicht sehr viel über sie, nur dass es zwei Töchter gibt und einen Mann. Die Namen fallen mir gerade nicht ein.
Über unsere Familien haben wir selten geredet. Wir haben alten Erinnerungen nachgehangen oder uns über Freunde ausgetauscht. Wir haben uns lustig gemacht über die höheren Angestellten des Museums, über ihre Pläne und faulen Taktierereien. Ich mochte es, wie sie an ihrer Zigarette zupfte, bevor sie sie anzündete. Es war erstaunlich einfach, mit ihr zu reden. 

Ein einziges Mal haben wir uns außerhalb der Arbeit getroffen, in einer Ausstellung. Martina lud mich ein. Eine Freundin von ihr war beteiligt. Ich war nervös. Allzu oft gehe ich abends nicht aus, schon gar nicht zu Ausstellungseröffnungen. Ich bin nicht sehr entspannt, wenn es darum geht zu sagen, dass alles besser nicht sein könnte. Allein die Vorstellung, einen meiner alten Kollegen zu treffen, lässt mein Herz unruhig schlagen.
Die meisten Sachen an der Wand der Galerie waren gut genug, sagten mir aber nichts. Zwei Filme jedoch mochte ich sehr. Ein amerikanischer Künstler hatte sie gedreht. Der eine hatte etwas Dürres, etwas Auswegloses. Ein Mann geht langsam. Er brennt einen Strich auf die Erde mit einer Linse. Die Sonne hilft ihm dabei. Der andere ein Kreislauf, der nie enden würde. Felsen am Meer. Die Wellen laufen rhythmisch vor und zurück. Beim Rückzug der Wellen klirrt und raschelt es hell, der Aufprall ist dumpf und durchdringend dunkel. Ich stand davor und konnte mich minutenlang nicht bewegen. Ich wollte mich auflösen, mich ihnen oder jemandem überlassen.
Der Abend war besser, als ich befürchtet hatte. Und er wurde mit jedem Glas leichter. Frank, ein Freund von mir, der lange Zeit nicht in der Stadt war, erzählte lustige Geschichten. Er hat das Talent dafür. Sein Mann ist oft auf Reisen und ich denke, das setzt ihm sehr zu. Aber es ist eines der unausgesprochenen Dinge. Wir standen vor der Tür und rauchten. Frank trat seine Zigarette aus und hatte einige Schwierigkeiten, aufrecht zu gehen. Oh je, ist er drin? Hat er die richtige Tür erwischt? Martina kicherte und machte sich Sorgen gleichzeitig. So viel hat er gar nicht getrunken. Vielleicht zwei oder drei Gläser Wein, meinte ich. Das ist, weil er nichts isst, sagte sie. Er will dünn sein. Ich lachte. Früher war er anders. Dann ging er ein Jahr nach San Francisco. Danach war er verändert. Warum? Was ist passiert? Ich sehe sie verwundert an. Warum ist sie so am Leben anderer interessiert? Was ist es, das Martina wissen will? Pure Neugier ist es nicht. Es ist eine seltsame Art von Aufmerksamkeit. Sie ist wie ein Maulwurf, weichfellig und blind, der stetig einen Tunnel durch das Dunkel gräbt. Keine Ahnung, sage ich.

Wie endete dieser Abend? Haben wir uns dort verabschiedet? Habe ich sie nach Hause gebracht? Wahrscheinlich nicht, wir wohnen an entgegengesetzten Enden der Stadt. Wohnten, müsste es heißen. Die Vergangenheitsform verweigert sich mir. 

Ich stehe am Fenster. Die Hitze will nicht weichen. Sie hat sich wohnlich eingerichtet im Beton. Ich sehe in die Nacht und muss blinzeln, weil der Wein, körperchemisch verwandelt in Tränen, mir schon wieder aus den Augen rinnt. Kühl, farblos, salzig. 

Einmal lagen drei Wochen lang die alten Leuchtreklamen im Hof, die alten Kino- und Werbeneonröhren. Riesige Buchstaben aus rosa und blauen Streifen, grüne Bögen. Der komplette Umriss der Margonwasser-Reklame. Becher, Strohhalm und Kohlensäure. Die hing früher an einer großen trostlosen Hauswand. Schimmerndes Weiß auf graubraunem Putz. Martina fand sie schön, trotz der zerbrochenen Gläser. Wir sind um sie herum geschlichen und haben gelacht und uns erinnert, wie die Margonwasser-Bläschen so schön aufstiegen in die Nacht.

 

Die Kurzgeschichte entstand im Zeitraum 2010 / 2011.
Personen und Handlung sind frei erfunden.
Ein großer Dank geht an meine Familie und Freunde für ihre Zuneigung und Unterstützung!