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langeweile, gepflegt

Andorranische Plattitüden auf hohem Niveau


Klaus Ebner: Andorranische Impressionen

langeweile, gepflegt

Wieser Verlag: Klagenfurt/Celovec 2011

Rezensiert von: wolfgang kühnelt


Eines steht außer Streit: Wiesers Reihe Europa erlesen ist eine hierzulande einzigartige Sammlung hübscher kleiner Büchlein. Von A wie Alpen-Adria bis Z wie Zürich reicht die Kollektion. Einiges davon ist bemerkenswerte Literatur, anderes zumindest brauchbare Landeskunde. Doch will man auch 200 Seiten über den Zwergstaat Andorra lesen? Zweifellos, wenn das Werk gut geschrieben ist und vielleicht die eine oder andere Überraschung bereithält.
Kaum hat man Klaus Ebners Buch aufgeschlagen, wundert man sich tatsächlich schon das erste Mal. Warum möchte der Verlag so gar keine Informationen über den Autor preisgeben? Einige Zeilen wenigstens hätten nicht geschadet. So muss die Verlagswebsite herhalten, die von einem Wiener Romanisten, Germanisten und Übersetzer zu berichten weiß, der als Erzähler, Lyriker und Essayist tätig ist. 

Ein Meister des Suspense ist der Wiener indes nicht, sonst hätte er seinen Reise-Essay nicht mit dem Kapitel Zeitige Ankunft müde begonnen sowie mit ersten belanglosen Sätzen, die seine Erschöpfung gleich zu hundert Prozent auf den Leser übertragen. Auch sprachlich wackelt in diesen Passagen bereits einiges: „Die Überlegung, welchen Zielflughafen ich wählen sollte, um gut nach Andorra zu kommen, hatte kurzzeitig zwischen Perpignan und Barcelona geschwankt (…).“ Es folgt ein wenig munterer Reigen von Banalitäten, wie etwa die Betonung des Faktums, dass man auf Reisen von Sprachkenntnissen profitieren kann. Seltsame Gedankensprünge und die Vorliebe des Autors zu gewichtig klingenden Formulierungen, hinter denen sich wenig verbirgt, irritieren gehörig. 

Zur Langeweile, die sich immer deutlicher breitmacht, passen die kleinen Schwarzweiß-Fotos, die kaum etwas zeigen als graue Häuser, graue Berge, graue Landschaft. Wenn man so viele Seiten über einen Zwergstaat zu füllen hat, darf man offenbar nicht allzu wählerisch sein, was den Gehalt angeht. So schildert Ebner etwa einen Spaziergang, bei dem er eine Busstation bemerkt, „die mir noch Nutzen bringen sollte, und mehrere Gasthäuser, denn diese avancierten für die nächste Zeit zur Grundlage meiner Ernährung.“ Wir lernen in weiterer Folge, dass es in Andorra zwei Staatsoberhäupter gibt, etliche Schneekanonen, Straßenkehrmaschinen mit Rundbesen und kleine Städte, die man recht rasch durchqueren kann. Einen roten Faden vermisst man schmerzlich, viel zu oft verliert sich Ebner in Details, statt die schönen andorranischen Anekdoten genüsslich zu erzählen, die es doch so reichlich gäbe. So bleibt am Ende nur ein viel zu lang geratener Aufsatz, der beim Deutschlehrer kaum in der Kategorie „Mein schönstes Ferienerlebnis“ durchgehen würde. Der Autor beendet sein Buch mit den Worten: „Müde bin ich trotz der fortgeschrittenen Stunde noch nicht. Aber neugierig und gespannt, wie es weitergeht.“ Die Leserschaft wird das vermutlich anders sehen.