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die legende vom dritten geschlecht

doris claudia mandel | die legende vom dritten geschlecht

Die Geschlechtergrenzen sind dabei, sich aufzulösen? – Mitnichten!

Vor kurzem schwärmte meine beste Freundin, während wir uns eine Flasche Chardonnay genehmigten, sie halte mich für eine der eigentlichen Revolutionärinnen unserer Zeit. Ausdrücklich meinte sie mich als Transsexuelle. Angesichts der vielen revolutionären Erhebungen rings um uns war ich baff und fühlte mich natürlich auch ein bisschen gebauchpinselt. Doch nach und nach ätzte ihre Bemerkung mein Selbstverständnis wie mit Salpetersäure. Wieso revolutionär? Die einzige Erklärung, die sich mir bot, war die, dass meine Freundin glaubte, wir Transsexuelle (von denen sich die meisten übrigens lieber Transgender nennen), stellten eine der vermeintlich ältesten, tiefgreifenden Sicherheiten unserer Kultur infrage, nämlich die der Geschlechterdichotomie, indem wir dazu beitrügen, ein drittes Geschlecht zu etablieren. Als ich das begriff, musste ich schlucken. In der Tat war ich in der Vergangenheit bemüht gewesen, über die Stilisierung meines Aussehens und meines Verhaltens Zweifel an meiner Zugehörigkeit zu dem einen oder dem anderen Geschlecht zu wecken, womit ich die Öffentlichkeit hinreichend verwirrte, nicht immer zum letztendlichen Vergnügen meiner selbst. Verallgemeinerungswürdig war das aber sicherlich nicht, denn im Grunde machte ich aus der Not eine Tugend, weil ich als Mann-zu-Frau-Transsexuelle leider alles andere als ein femininer Typ bin. Mit meinem nonchalanten Auftreten wollte ich mich lediglich schützen, was meint: Der Gefahr entgehen, für eine Schwuchtel gehalten zu werden, denn das kann auf Deutschlands Straßen lebensgefährlich sein. 

Je mehr ich mich mit dem Standpunkt meiner Freundin auseinandersetzte, desto besser glaubte ich zu verstehen, woher er rührte. Allenthalben begegneten mir Berichte, in denen genau das behauptet wird: Die Geschlechtergrenzen seien dabei, sich aufzulösen. Merkwürdigerweise wird diese Erkenntnis hauptsächlich in den Medien und in Künstlerkreisen verkündet. Die sonstige Gesellschaft zuckt bei Nennung des Begriffs genervt die Achseln oder hält das Ganze für eine Lachnummer. Wirkliche Anzeichen dafür, dass hierzulande eine Auflösung der Geschlechtergrenzen angestrebt wird, finde ich im Alltag nicht. Die meisten Transgender und Intersexe entscheiden sich dafür, als Männer oder Frauen zu leben statt als Undifferenzierte oder Angehörige eines dritten Geschlechts. Von Revolution keine Spur. Eher im Gegenteil ein entschiedener Hang zum Konservativen, was sich zum einen aus dem Wunsch erklären mag, beim sozialen Geschlechtswechsel die alte, ungeliebte Rolle endgültig abzulegen, und zum anderen daraus, in der Öffentlichkeit als „Transe“ unerkannt bleiben zu wollen. Wahrscheinlich empfänden die meisten eine Zugehörigkeit zu einem dritten Geschlecht eher als eine neue Form von Ausgrenzung. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht schreibt immer auch den sozialen Status der Person fest, in einer geschlechterdimorphen Gesellschaft folglich denjenigen Status, der vom Mannsein oder vom Frausein abhängt. Alles andere ist diskreditiert. Obendrein genießt in der zentraleuropäischen Industriegesellschaft der Weißen das Männliche immer noch eine besondere Wertschätzung. Das schließt gleichzeitig all das ein, was zwar nicht männlich ist, sich jedoch über Aussehen, Verhalten und Denken über das Prinzip des Männlichen definiert. Das Männliche als die Norm treibt in der Wahrnehmung von Transsexualität wilde Blüten. So wird die „Verwandlung“ eines Mannes in eine Frau als Sensation empfunden, während das Interesse an Frauen, die zu Männern werden, sehr zu wünschen übrig lässt, denn die ersteren verschlechtern aus freien Stücken ihren sozialen Status, was die Voyeure für verrückt halten, wogegen die anderen nach dem allgemein anerkannten Leitbild emporstreben, was nicht der Rede wert, weil selbstverständlich ist.

Die eifrigen Gender-und-Sex-Experten von der schreibenden Zunft haben derzeit in ihren Wochenblättern übereinstimmend das in Bosnien geborene und in Australien aufgewachsene Modemodel Andrej Pejicˇ zum zünftigen Vertreter des sogenannten dritten Geschlechts gekürt, ein menschliches Wesen, das auf den Laufstegen sowohl Männer- wie Frauenkleidung präsentiert. Auch im Privatleben ist Pejicˇ ein Crossdresser und sagt von seinen Metamorphosen, als Frau fühle er sich sinnlich und sexy, als Mann eher schlicht (ein Schelm, wer dahinter die abgestandenen Klischees vermutet). Laut der Online-Ausgabe der Zeit verkörpere er „einen revolutionären Trend, die Auflösung der Geschlechtergrenzen“. Ich stutze. Revolutionärer Trend? Brutus, auch du? Ist das vielleicht doch ein Beleg dafür, dass wir den Bigenus allmählich abschaffen? Mit Hurra und Tamtam und schweren Haubitzen? Wieso eigentlich? Pejicˇ trägt entweder stark typisierte Männer- oder Frauenkleider. Nichts Indifferentes, das den Schluss zuließe, weder zu dem einen noch zu dem anderen oder gar zu beidem zu gehören. Er sieht sich zuzeiten entweder als Mann oder als Frau. Nicht als irgendjemand dazwischen. Die Irritation rührt also gar nicht daher, dass er einem dritten Geschlecht angehört, sondern von dem vermeintlichen Wechsel aus dem einen Geschlecht ins andere, denn das war es, was über wenigstens zweitausend Jahre unserer Kultur als unverrückbare Wahrheit zu gelten hatte: die Unwandelbarkeit des Geschlechts und der daraus resultierenden sozialen Rolle, oder wie es im fünften Buch Mose (22,5) heißt: „Ein Weib soll nicht Männertracht tragen, und ein Mann soll nicht Frauenkleider anziehen; denn ein Greuel ist dem Herrn, deinem Gott, ein jeder, der solches tut“. 

Nun könnte man einwenden, dass es doch aber wenigstens einen handfesten Beweis für die Existenz einer geschlechtlichen Zwischenform gebe: die sogenannten Shemales oder Schwanzmädchen. Transgenderfrauen (ob wirklich Transgender, lässt sich nicht in jedem Fall bestimmen), die sich keiner geschlechtsangleichenden Operation unterzogen haben. Tausende der ihren tummeln sich in den Pornoportalen des Internets, zwitterähnliche Wesen mit Penis und Brüsten. Sie werden am häufigsten als das eigentliche „dritte Geschlecht“ bezeichnet, obwohl bereits die Bezeichnung nicht umhin kann, sich sowohl im Englischen wie im Deutschen auf die beiden offiziell zugelassenen Grundgeschlechter zu beziehen („she“ gleich „sie“, „male“ gleich „Mann“, „Schwanz“ als Metonymie für „Mann“, „Mädchen“ als Synonym für „junge Frau“). In Wirklichkeit geht es der Sexindustrie nicht um die Einführung einer neuen Geschlechterkategorie, sondern lediglich um die Pervertierung der beiden alten. 

Besonders bestaunenswert und applauswürdig erscheinen uns jene „Geschlechtswechsel“, bei denen die migrierenden Personen ihr Aussehen und Verhalten dem Idealbild des „Gegengeschlechts“ weitgehend deckungsgleich annähern. Dadurch bekommt das Ganze dann auch eine gewisse Legitimation. Angeblich ließ sich der berühmt-berüchtigte Sexualforscher John Money vom John Hopkins Hospital in Baltimore, USA, schon vor Jahrzehnten zu der Bemerkung hinreißen, die „Geschlechtsumwandlung“ solle es nur für die weiblichsten aller Männer geben. Für die „männlichsten aller Frauen“, sprich: alle transsexuellen Männer, machte Money solche Vorschriften nicht, bei denen scheint der Habitus nicht gar so heikel zu sein. Wie so etwas funktioniert, zeigt das Beispiel der Transsexuellen Treechada Petcharat, die als Nong Ploy bekannt ist. 2004 gewann sie zwei Schönheitswettbewerbe, ein Jahr später chargierte sie in einem Musikvideo zum Popsong „Mai Chai Poo Chai“ („Ich bin kein Mann“), und 2011 warb sie in einem Werbespot für ein Telekommunikationsunternehmen. In einem Internetblog heißt es dazu: „Von einer Slapstick-Nummer … zu einer Hochklasse-Schönheit … Eine tolle Entwicklung.“ Kein Wunder, dass alternde transsexuelle Frauen (ich denke an Caroline Cossey, Amanda Lear und andere) nach und nach im medialen Orkus verschwinden. 

Der Staat hat kein Interesse an der Einrichtung eines dritten Geschlechts. Die Mann-Frau-Polarität bietet innerhalb der gesellschaftlichen Arbeitsteilung vorzügliche Ansätze zur Aufrechterhaltung des Machtgefüges, vom Profitstreben der speziell auf die wirklichen oder vorgeblichen Besonderheiten der beiden offiziellen Geschlechter ausgerichteten Industrien ganz zu schweigen. Man will erreichen, dass sich die Transgender mit den Stereotypen von Frau und Mann identifizieren, damit sie nach der geschlechtlichen „Angleichung“ nicht nur so unauffällig wie möglich, sprich: als Geschlechtswechsler unerkannt, leben können, sondern damit sie im Sinne der gesellschaftlichen Vorgaben, also ihrer Rechte und Pflichten als Männer oder Frauen, funktionieren. Darum muss unbedingt das vermieden werden, was im Sommer 2010 österreichischen Eltern widerfuhr, als ein Lehrer, der an der Höheren Technischen Lehranstalt Spengergasse in Wien Margarethen ihre Kinder im Fach Informationstechnologie unterrichtet, ankündigte, er werde nach den Ferien „als Frau“ in die Schule zurückkehren. Die Eltern befürchteten, ein solches Auftreten könne bei ihren Sprösslingen eine „Geschlechtsverwirrung“ auslösen, offensichtlich eine Metapher für alles Mögliche, nur nicht für das, was es bezeichnen soll, schließlich wäre die Geschlechterfrage als einzige aller Fragen geklärt. Im deutschen Transsexuellengesetz, das offiziell „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen“ heißt (seinerseits ein Akt der Verschleierung), gibt es den § 5, Offenbarungsverbot, der helfen soll, Transsexuelle nach der Prozedur der geschlechtlichen „Angleichung“ vor Übergriffen Dritter zu schützen, indem er regelt, dass die zur Zeit der Entscheidung geführten Vornamen des Antragstellers ohne dessen Zustimmung nicht offenbart oder ausgeforscht werden dürfen, wobei sich der Staat selbstredend Ausnahmen vorbehält, die vor allem polizeilicher Natur sind. Zwangläufig wird damit auch jeder Idee von einem wirklichen Geschlechtswechsel, einer Wanderung von einem Geschlecht zum anderen, das Wasser abgegraben, denn unter diesem Aspekt gilt für die Öffentlichkeit: Ein Mann war, ist und bleibt ein Mann, wie eine Frau eine Frau war, ist und bleibt. Die Transsexuellen selbst tragen zu diesem Topos bei, indem sie beteuern, im Geiste schon immer dem anderen Geschlecht zugehörig gewesen und lediglich im falschen Körper geboren worden zu sein. Eine im Übrigen christlich-religiöse Anmutung, die auf einem anderen wertenden Dualismus aufbaut, auf dem von Seele und Körper, Geist und Materie. Der stellt die Seele als etwas Ewiges und Unveränderbares höher und besser als den Körper, der angegriffen werden darf, so wie er beim Tod sowieso verlassen wird. 

Das Feld für ein drittes Geschlecht zu bereiten, hieße hingegen, dass die Gesellschaft die Existenz der Undifferenzierten wahrnimmt und billigt. Die Undifferenzierten zählen neben den maskulinen, femininen und androgynen Menschen zu den vier Typen von Individuen, die wir heute kennen. Aber genau an deren Akzeptanz hapert’s. In welch bestürzendem Ausmaß, zeigte der Fall einer jungen Leichtathletin aus Südafrika, die am 19. August 2009 im Berliner Olympiastadion in einem furiosen Finale Weltmeisterin im 800-Meter-Lauf wurde. Weil man wegen ihrer männlichen Erscheinung zweifelte, ob sie wirklich eine Frau sei, musste sich Caster Semenya einem Geschlechtstest unterziehen. Möglicherweise reagierten die Funktionäre des internationalen Leichtathletikverbandes aus Feigheit vor dem Volk so, denn die Stimmung bei den unterlegenen Konkurrentinnen war gereizt, offensichtlich von Neid aufgeheizt, wie man einzelnen Interviews entnehmen konnte. In Fällen eigener Unterlegenheit pflegt sich eine Undifferenziertheit des Geschlechtlichen als bequemste Projektionsfläche für Schuldzuweisungen anzubieten. Nicht die Undifferenzierte ist zu bedauern, vielmehr muss man mit den Geprellten Mitleid haben, den sportlichen Konkurrentinnen, die, wie im Spiegel tränenreich verlautbarte, „durchweg viel kleiner und schmaler“ waren. Mittlerweile darf Caster Semenya wieder Wettkämpfe bestreiten. Eine der Schlagzeilen zur Aufhebung der Sperre lautete: „Caster Semenya darf als Frau starten“. Nicht: „Caster Semenya darf starten“. Sondern: „als Frau“. Damit attestierte man ihr in etwa den Rang eines Mannes, der sich zum Fasching verkleidet. 

Undifferenzierte genießen unter Vertretern aller geschlechtlicher Typen das geringste Ansehen. Das rührt daher, dass seit dem Entstehen einer Präformationslehre zu Beginn des 20. Jahrhunderts per se gefolgert wird, Hermaphroditen stünden auf der untersten Stufe einer Entwicklung zu Mann oder Frau. Zum anderen will, wer das Geschlecht eines Dritten in Frage stellt, dadurch meist selbst einen Vorteil erzielen, der zumeist wieder mit Fragen des sozialen Status‘ verknüpft ist.

Als der IOC-Vizepräsident Thomas Bach laut darüber nachdachte, ob nicht neue Regularien geschaffen werden müssten, war ich geneigt zu vermuten, dass sich wenigstens die Sportfunktionäre ernsthaft Gedanken machten. Doch dann stellte sich heraus, dass er aus Gründen der politischen Korrektheit lediglich die Begriffe Privatsphäre und Persönlichkeitsrecht wiederkäute. Nicht nur hier, sondern auf allen Ebenen Abwehr. Sie ist so heftig, dass ich mich frage, woher sie rührt. An die Exklusivität oder auch nur Hegemonie der in jüngster Zeit immer häufiger beschworenen biologistischen Gründe glaube ich nicht. Die sind von allen sonstigen Gründen einfach nur die wohlfeilsten und werden gewöhnlich dann angeführt, wenn keine weiteren Argumente zur Hand sind. Wir Menschen verstehen uns zu allererst als Sozialwesen. Unser Umgang mit Geschlechtlichkeit ist nicht allein von der Natur, sondern in starkem Maße sozietär geprägt, im Besonderen durch Religion und Besitzverhältnisse. Das beweist unsere Geschichte. Nach dem 13. Februar 528 wurde im Römischen Reich mit dem Codex Iustinianus eine Regelung eingeführt, der zufolge „überwiegende Merkmale“ über die Geschlechtszugehörigkeit entscheiden sollten. Das war, wenn man so will, der Freibrief für das Ausschlussverfahren, für das „im Zweifelsfalle eine Expertise eines ‚Sachverständigen‘“ benötigt wurde, schreibt Volkmar Sigusch 1992 in seinem Buch Geschlechtswechsel. Seitdem, vor allem aber seit der den Naturwissenschaften verpflichteten europäischen Aufklärung, hat sich in unserem Alltagsverständnis „Sex“ als eine biologische Konstante und als Diktum einer invariablen Zweigeschlechtlichkeit eingeprägt. Da fortan im Zweifelsfalle stets Expertisen von „Sachverständigen“ hinzuzuziehen waren, begann eine – nochmal Sigusch – „Entfremdung der Menschen von ihrem Selbst, die ab da immer schärfere Konturen annahm.“ Auch der bemerkenswerte „Zwitterparagraph“ des Allgemeinen Preußischen Landrechts von 1794 trug bereits den Stempel der „Sachverständigen“: „§ 22. Sind aber Rechte eines Dritten von dem Geschlechte eines vermeintlichen Zwitters abhängig, so kann ersterer auf Untersuchung durch Sachverständige antragen. § 23. Der Befund der Sachverständigen entscheidet, auch gegen die Wahl des Zwitters und seiner Eltern.“

Neben der Religion (und als eines ihrer Vehikel) ist das Postulat der christlichen (neutestamentlichen) Ehe mitschuldig an der allgemeinen Vorstellung von der Geschlechterdichotomie. Da nicht nur in patrilinearen Gesellschaften Zweck der Ehe die Fortpflanzung ist, Zweck der Fortpflanzung die Zeugung von Erben, Zweck der Zeugung von Erben die Sicherung des erwirtschafteten familiären Reichtums und seine Vermehrung, bedarf es zweier Partner, die biologisch funktionstüchtige Männer und Frauen sind (zuzüglich eines Ehevertrags, der die Besitzverhältnisse regelt). Intersexe und Transgender kommen dafür nur beschränkt infrage. Auch homosexuelle Paarbeziehungen können keine Ehen in diesem Sinne stiften, was in der modernen Industriegesellschaft zu aberwitzigen Konstruktionen wie eingetragenen Partnerschaften führt.

Gerade war ich dabei zu konstatieren, dass es ein drittes Geschlecht nie und nimmer geben wird, solange die Gesellschaft auf Machtverhältnissen aufbaut, die sich wesentlich aus dem Status speisen, den eine Geschlechtszugehörigkeit mit sich bringt, da ereilten mich drei abenteuerliche Meldungen. Die erste in einem österreichischen Vereinsblog: Wie die Himalayan Times berichtet, sollen gemäß einem Urteil des Höchstgerichts bei der nächsten Volkszählung in Nepal erstmals Transgender als eigenes Geschlecht geführt werden. Bikash Bista, der Leiter des Statistikamtes in Kathmandu, nenne sie das „dritte Geschlecht“. Die zweite Mitteilung stammt aus der Neuen Zürcher Zeitung: Der zufolge erkennen die Obersten Gerichtshöfe Indiens und Pakistans nunmehr ein drittes Geschlecht an. Wer in diesen Ländern „einen Pass beantragt oder ein behördliches Formular ausfüllt, kann wählen zwischen ‚male‘, ‚female‘ und ‚other‘ bzw. ‚E‘ für ‚eunuch‘, was seit den Briten eine Bezeichnung für die Angehörigen des ‚dritten Geschlechts‘ ist“, also im Eigentlichen für die Hijras. Pakistans oberster Richter Iftikhar M. Chaudhry und Rechtsanwalt Dr. M. Aslam Khaki seien überzeugt davon, dass ein drittes Geschlecht keinesfalls islamischem Recht widerspricht. Die dritte Nachricht fand ich auf einer deutschen Szeneplattform im Internet: Nach Auskunft des sozialdemokratischen Justizministers Robert McClelland gebe es in australischen Reisepässen neben dem Eintrag „männlich“ oder „weiblich“ ab sofort auch einen, der „X“ lautet und soviel wie „unbestimmten Geschlechts“ bedeuten soll. Außerdem sei es Transgender-Personen künftig möglich, ihr Wunschgeschlecht in den Pass eintragen zu lassen. Da war ich platt. Vielleicht findet doch eine Revolution statt. Allerdings eine Revolution von oben. Und vorerst nicht im fortschrittlichen Deutschland.