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Feuilleton der Ausgabe 24 - aber sicher

hermann götz | gut verunsichert

Wir leben in unsicheren Zeiten. Aber wir leben noch.

Das erste Elternauto, an das ich mich erinnere, hatte bereits Nackenstützen. Für die beiden Vordersitze wohlgemerkt, auf der Rückbank gab es natürlich keine. Und auch keine Gurte. In Wohnung und Wochenendhaus gab es keine Kindersicherungen. Weder bei Stiegenaufgängen noch für Herdplatten oder Steckdosen. Mein erster Fahrradsitz war auf Vaters Herrenrad an der Stange montiert, in Ermangelung einer Schutzvorrichtung wurde ich regelm... lesen


michael helming | allein vinyl hat bestand

Kroatische Sturmgewehre: Sicher wie Milch

"The only certain thing in life is death." Truth hits everybody - The Police Ein ruheloser Geist bringt Shiva zum Tanzen, erklärte angeblich einst gelassen der Guru Sri Nisargadatta Maharaj. Demnach hat der große Zerstörer definitiv den Groove, wenn ein Menschlein sich plagt, mit Leid und Begehren, mit Zwängen, Zweifeln und Ängsten; Seele und Gottheit geraten gleichermaßen in aufgewühlte Bewegung, solang grundlegende – oder als grun... lesen


harald a. friedl | alles ist so kompliziert

Heilswege aus der postmodernen Erbsünde – und deren notwendiges Scheitern

Dank seiner pointierten Beschreibung der modernen Lebenswelt („Alles ist so kompliziert“) wurde der glücklose österreichische Bundeskanzler aus dem Burgenland, Fred Sinowatz, berühmt. Denn tatsächlich nimmt die Komplexität der Welt exponentiell zu: Je besser und schneller die Menschen und ihre Sichtweisen miteinander vernetzt sind, desto rascher verändern sich die sozialen Systeme – eben weil sich die Individuen an die sich verän... lesen


bernhard horwatitsch | die kakerlakenbutterbreze

Ob Mäusekot, ACTA oder Bio: Wir finden Trost in Koprolithen.

Als ich neulich wieder einmal über einen Lebensmittelskandal in der Zeitung las, wollte ich es etwas genauer wissen. Nach Gammelfleisch, Dioxin-Eiern oder Antibiotika-Hühnchen waren es diesmal Kakerlakenbrötchen. In Neufahrn, Nahe Freising, musste man eine Bäckerei-Fabrik von Müller-Brot schließen, weil man dort Mäusekot und Kakerlaken in nicht mehr tolerierbaren Mengen vorfand. Man hatte die Firma ja schon öfter darum gebeten, sauber... lesen


doris claudia mandel | die legende vom dritten geschlecht

Die Geschlechtergrenzen sind dabei, sich aufzulösen? – Mitnichten!

Vor kurzem schwärmte meine beste Freundin, während wir uns eine Flasche Chardonnay genehmigten, sie halte mich für eine der eigentlichen Revolutionärinnen unserer Zeit. Ausdrücklich meinte sie mich als Transsexuelle. Angesichts der vielen revolutionären Erhebungen rings um uns war ich baff und fühlte mich natürlich auch ein bisschen gebauchpinselt. Doch nach und nach ätzte ihre Bemerkung mein Selbstverständnis wie mit Salpetersäure... lesen


hermann götz | die beschnittene debatte

Warum soll eigentlich nur der Körper vor religiös motivierten Eingriffen sicher sein?

Es war das Thema des Sommers 2012. Das Landesgericht Köln brachte mit seinem Urteil vom 7. Mai, das die Beschneidung von Kindern – oder fachgerecht ausgedruckt die Zirkumzision Minderjähriger – als grundrechtswidrig erklärte, eine Bombe zum Platzen. Wäre tatsächlich nur ein Konflikt zwischen dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und jenem der Religionsfreiheit zur Debatte gestanden, hätte es wohl weit weniger Aufregung gegeben... lesen


ernst kilian | mind the gap

Wir wollen Social Security und Safe Sex und sicheres Surfen.

Aber sicher hätte ich vor etlichen Jahren, als viele Hausbewohner das taten, mir ebenfalls eine einbruchshemmende Wohnungstür einbauen lassen sollen. Während ich diesen Satz niederschreibe, bin ich übrigens durch einen gebrochenen Finger an der rechten Hand leicht behindert. Ob und wie das zusammenhängt, werden wir noch sehen.  Es gibt Menschen, die das Englische für die Präzision bewundern, mit der es zwischen zwei Sicherheits... lesen


andreas r. peternell , evelyn peternel | zum grenzenlosen grenzenlos vertrauen

Aus Nichts Wertschöpfung schaffen? Kein Problem – wir müssen nur fest daran glauben.

„Geben Sie uns Ihr Geld, wir lassen es für Sie arbeiten!“, rät der Finanzberater dem Kunden. Wie konkret allerdings unbelebtes Papier arbeiten soll, wissen sowohl Kunde als auch Berater oft nicht so genau: „Ja, ich habe eine Pensionsvorsorge. Wie viel ich da am Ende rausbekomme? Keine Ahnung. Ich weiß eigentlich nur, was ich einzahle“, antwortet die junge Dame im Kaffeehaus auf die Frage, ob sie eigentlich wisse, was mit ihrem Geld... lesen


evelyn seidl | die hochzeit meiner besten freundin

Alarm im Kosovo

Im hinteren Eck meines Bades, zwischen Duschkabine und Toilette, warten zwölf mit Leitungswasser gefüllte Eineinhalb-Liter-PET-Flaschen auf ihren Einsatz. Ein Flascheninhalt reicht für eine Klospülung, zwei zum Duschen, weitere zwei zum Haarewaschen – zwei Mal schamponieren inklusive.  Um die gewünschte Duschtemperatur zu erreichen, erhitze ich einen Teil des Wassers auf meinen beiden Campinggaskochern und fülle es zurück zum... lesen


dominika meindl | sicherheit …

… auch an den schwächeren Tagen

Immer wenn sie mir entgegenkommen, sticht’s in meinem Herzen. Hier in Linz werden sie nicht gerne geduldet, in ihren roten Uniformimitaten und in ihrem sehr festen Schuhwerk. Und so kommt es, dass sich die neuen Stadtwachen mit misstrauischem Blick und nur zu zweit durch die Stadt wagen. Sehr nachvollziehbar. Da schaut ein Migrationshintergrund aufsässig, dort zischt ein Gutmensch, hier lässt ein Kleinkind das Eisstanitzel insubordinant a... lesen


roland steiner | roma, roma

Wir reden über Freiwild.

Monte Mario „Roma, Roma, Roma, core de ‚sta città, unico grande amore, de tanta e tanta gente, che fai sospira‘…“ Antonello Vendittis Refrain hallt nach, als ich aufwache in der psychiatrischen Praxis, die mir im Norden der italienischen Kapitale als Wohnstatt dient. Mit den Oppositionellen des öffentlich-rechtlichen Senders RAI Radio 3 wohnte ich einem Training des AS Roma bei, in dem die erworbenen Fußballer vorgeführt wurden... lesen


martina ernst | sicher dat!

Von fliegenden Schlangen, psychopathischen Wachhunden, neugierigen Nachbarn und anderen Gefahren.

Sicherheit schlägt Kapriolen und ist für jeden Spaß zu haben. Unter „Sicher dat“ verbergen sich ein Blog, Forum, YouTube Filmchen, man kann mit wer weiß wem auf Facebook kommunizieren oder lustig drauflos twittern. Wer nicht nutzlose, witzige Fakten durchstöbern möchte, schaut einfach mal bei den Tieren vorbei. Wildtiere zum Beispiel sind im Frühling genauso von der Rolle wie wir Menschen. Dummerweise rennen sie dabei auf die Stra... lesen


dirk werner | hölderlin patt

oder: Das Sichere im Fiktiven suchen.

Vervierfacht man die Zeit, die die Turmuhr vorhin vom ersten Dröhnen bis zum leisesten akustischen Schatten des letzten Schlags brauchte, nimmt man jene Momente hinzu, die ich für sechzehn – oder sagen wir: fünfzehn – Zeilen meiner Notizen benötige, kommt er schließlich ganz notwendig hier vorbei. Eilt er, hetzt er, schlendert, springt oder schleicht er niedergedrückt – je nachdem. Nie sehe ich ihn von vorn, nie von der Seite. Weg... lesen