schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 24 - aber sicher
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/24-aber-sicher/literarische-texte

Literarische Texte der Ausgabe 24 - aber sicher

mieze medusa | abgeschlaffter modus

Es muss am Licht liegen. An der Stadt und am Licht. Weit und breit kein Mehrblick. Ich mein den Blick mit h, den, der mit dem Meer mit ee nur die Weite gemein hat. Den Blick mit h, den ich jetzt bräuchte, weil ich mehr brauch. Mehr Geld, mehr Liebe, mehr freundliches Gegrüßtwerden auf der Straße. Vielleicht doch aufs Land ziehen. Aber nein, da muss man ja selber auch grüßen. Wie gesagt, es muss am Licht liegen. Nur Krise und Grant und M... lesen


amber rusalka reh | heimatfront

Von uns Dreien ist Miriam der Strahlung am stärksten ausgesetzt, weil sie im Dachgeschoss wohnt, aber sie lehnt es ab, das gefährlich zu finden. Sie setzt Amethysten ein, hinübergerettet aus der Vorkriegszeit. Sie stehen an jedem ihrer schrägen Fenster, Kristallseite Richtung Himmel und neutralisieren ihrer Meinung nach „Smog aller Art“. Miriam sagt das so, weil sie weiß, dass Ruth, die Pianistin vom Parterre, und ich, der Sandwich-B... lesen


tanja paar | das affenhaus

Das Zimmer im Erdgeschoß hatten sie abgelehnt. Einhellig da noch. Zu dunkel, zu miefig, fensterlos! Die abgestandene Luft nur durch einen großen Deckenventilator verrührt, eine Zumutung. Nur widerwillig stimmt das Management dem Zimmerwechsel zu, eine große Hochzeitsgesellschaft wird erwartet. Missmutig schleppt der Boy die schweren Koffer über die schmale Holztreppe in den ersten Stock – wo es doch hier viel schöner ist und die ei... lesen


christoph dolgan | ein badezimmer für sich allein

Fiction ist wie ein Spinnennetz, wenn auch nur ganz leicht befestigt, so doch an allen vier Enden dem Leben verbunden. (Virginia Woolf) Als er das Badezimmer zum ersten Mal benützte, ohne die Tür hinter sich abzuschließen, wusste er, dass er die Wohnung in Besitz genommen hatte: „Ich bin angekommen.“ (Und die Falten im Toilettenpapier, dachte er, wenn die Rolle zu Ende geht, haben kein Alter.) (Raum, den man hinter sich abschließe... lesen


roman marchel | ein sterbender schneemann

Es war Samstag, die Kirchenglocken würden bald Mittag läuten, am Himmel trat die weiß-glosende Scheibe der Februarsonne über ihre Ränder. Es war jener Glanz, den auch der Quecksilberbalken des Fieberthermometers zeigte, vor dem die Großmutter seit Monaten die Augen zusammenkniff. Als sie jetzt das zum Lüften geöffnete Fenster wieder schloss, bemerkte sie, dass die grünen und roten Tupfen des Vorhangmusters den kahlen Kirschbaum in di... lesen