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Rezensionen der Ausgabe 24 - aber sicher

vermessung eines verbrechens

Von der Identität des Verbrechers zum Warum.

A. G. Bianchi: Der Roman eines geborenen Verbrechers. Selbstbiographie des Strafgefangenen Antonino M…

1894 erschien der Roman eines geborenen Verbrechers – Selbstbiographie des Strafgefangenen Antonino M… erstmals in deutscher Übersetzung. Das Motiv des damaligen Herausgebers Augusto Guido Bianchi war es, in Zusammenarbeit mit dem Nervenarzt Silvio Venturi am Beispiel des Antonino M. eine Vermessung und Ableitung des allgemeinen Verbrechertypus zu versuchen. Die Edition Krill versucht mehr als ein Jahrhundert nach der ersten deutschen Au... lesen


martha und der nazi

Ein Roman über Ewiggestrige, der literarisch nicht überzeugt.

Manfred Rumpl: Ein Echo jener Zeit. Roman.

Ein SS-Mann, der für die Deportation von Hunderttausenden Juden in Wien, Paris, Griechenland und der Slowakei verantwortlich zeichnete und nach dem Krieg unbehelligt in Syrien lebte, und ihm gegenüber eine junge, naive Journalistin aus Wien, die von ihrem Chefredakteur auf die Spuren der Vergangenheit geschickt wird – das sind die Protagonisten in Manfred Rumpls jüngstem Roman Ein Echo jener Zeit. Der Nazi, der tatsächlich lebte, ist de... lesen


schöne bilder, ganz ohne kamera

Ein Urlaubsalbum à la Andreas Unterweger.

Andreas Unterweger: Du bist mein Meer. Novelle (in 3 x 77 Bildern)

Nach seinem vielbeachteten Debüt­roman Wie im Siebenten (2009) bleibt der 1978 in Graz geborene Autor Andreas Unterweher auch auf der literarischen Kurzstrecke seinen Themen Liebe, Glück und Schreiben treu. Dabei schöpft Unterweger erneut kräftig aus der eigenen Biographie: Kann das erste Buch als Liebeserklärung an die Freundin gelesen werden, stellt die Novelle Du bist mein Meer eine Liebeserklärung an (mittlerweile) Frau und (das im... lesen


treiben und reiben

Zu den Zopfmustern einer Steinbacher‘schen Rede.

Christian Steinbacher: Untersteh dich! Ein Gemenge.

„Was pochet an? / (Vor lauter Flusen vorm Morgenrock)“ – soweit eine Art Vorsatz, den Christian Steinbacher mit keck unschuldiger Geste einem Kapitel in „Untersteh dich!“ vorstellt. Aber was ist da nicht alles drin! Diese zwei Zeilchen sollten den Lesenden tunlichst eine Warnung sein – jedenfalls bezüglich der Lesegeschwindigkeit, die diesen Texten angemessen ist. Schon die beiden Zeilen schießen ihre Widerhäkchen in alle Richt... lesen


ziemlich dunkel, die furunkel

Andrea Stifts sezierende Kurzgeschichten.

Andrea Stift: Elfriede Jelinek spielt Gameboy

Geschichten aus den Jahren 2005 bis 2011 versammelt der Band mit dem irreführenden Titel Elfriede Jelinek spielt Gameboy. Die steirische Autorin Andrea Stift führt die Leserschaft in drei Kategorien (Dunkel, Furunkel, Schunkel) durch die Abgründe der österreichischen Seele. Scheinbare Familienidyllen voller Fremd- und Selbstzwänge, ausgebeutete behinderte Menschen auf dem Bauernhof, ein kleiner Mann, dem sein nettes Häuschen nichts als... lesen


sinnliches in wort und bild

Rasch und doch gut überlegt hingeworfene Farbspritzer.

Marianne Jungmaier: Die Farbe des Herbstholzes. Prosa.

Mit dem Band Die Farbe des Herbstholzes ist der Linzer Autorin Marianne Jungmaier eine Art Gesamtkunstwerk gelungen. Der Prosatext Herbstzeitlos beginnt mit den Worten: „Schwarz sind meine Finger. Von der Druckerschwärze, die nach jedem Umblättern auf den Händen bleibt. Kriecht in die feinen Rillen.“ Das ist nicht nur eine Beobachtung, nein, hier schwingt sehr viel Sinnlichkeit mit und eine Einfühlsamkeit, die das gesamte Buch charakt... lesen


wir deuten sprech

Barbara Köhlers Forschungsreisen in die Länder der Sprache.

Barbara Köhler: Neufundland

Der Band Neufundland von Barbar Köhler versammelt, wie die Autorin es nennt, „Schriften, teils bestimmt“ aus den Jahren 2004 bis 2011, Auftragsarbeiten, Übertragungen, Reflexionen, immer jedoch Poesie – Poesie mit einer spannenden essayistischen Färbung, die diesen fein gemachten, vom Verlag ebenso fein verpackten Arbeiten eignet; und Essay kommt da exakt von „essayer“, vom Versuchen: Das Versuchende dieser Sprachbehandlung ist e... lesen


moment!

Ein Plädoyer für den Neustart.

Dieter Sperl: Von hier aus. Diary Samples.

„Das Gehirn lernt die Regel hinter den Ereignissen. Aber wer oder was ist das Gehirn eigentlich?“, fragt sich – sage ich jetzt einmal – der Text ziemlich gleich zu Beginn in Von hier aus, dem neuesten Buchs von Dieter Sperl. – Ja, ist denn das nun Prosa, ist denn das so ein „geradeheraus Geäußertes“, wie es „im Buche steht“? Nun ja, die Sache könnte doch irgendwie, wenn man weiterliest, auch wenn sie schon eher nach Gebra... lesen


österreich, du wahlheimat!

Die Geschichte einer West-West-Migration.

Emily Walton: Mein Leben ist ein Senfglas. Roman

Acht Jahre alt ist Poppy Simmons, als ihre Eltern beschließen, von England nach Österreich zu ziehen. Aber nicht genug, dass sie unvorbereitet neu(e) Wurzeln schlagen muss, pflegen ihre Eltern darüber hinaus auch einen für 80er-Jahre-Verhältnisse noch nicht etablierten Lebensstil, der in der heutigen Zeit, in der das Prekariat um jede Ecke guckt und zeitlich gefestigte Tagesabläufe in den Patchworkfamilien allgemein noch als oktroyierte... lesen