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sicherheit …

dominika meindl | sicherheit …

… auch an den schwächeren Tagen

Immer wenn sie mir entgegenkommen, sticht’s in meinem Herzen. Hier in Linz werden sie nicht gerne geduldet, in ihren roten Uniformimitaten und in ihrem sehr festen Schuhwerk. Und so kommt es, dass sich die neuen Stadtwachen mit misstrauischem Blick und nur zu zweit durch die Stadt wagen. Sehr nachvollziehbar. Da schaut ein Migrationshintergrund aufsässig, dort zischt ein Gutmensch, hier lässt ein Kleinkind das Eisstanitzel insubordinant auf den Boden fallen. Dabei sieht es eh schon so aus in dieser Stadt! Wissen denn die Menschen nicht, dass Unordnung auch das Ende der Sicherheit bedeutet? Heute ist es nur Speiseeis, aber morgen fallen vielleicht schon die Werte des Abendlandes zu Boden! Und jetzt fragt sich das törichte Volk auch noch, ob man denn nach dem taktischen Tod Bin Ladens überhaupt noch eine Stadtwache brauche.

Ich, die ich immer schon auf der Seite der Schwachen und Missachteten gestanden bin, halte den Sicherheitswächtern zu. Die anderen Passantinnen sollen sehen, dass das Menschen mit gutem Willen sind. Oft und bewusst wende ich mich also mit Anliegen an die gedissten Rotjacken. Etwa wenn allzu kurze Lederhosen und offene Dirndlblusen meine ästhetischen Empfindungen schmähen. Oder wenn Menschen, die in Naturkatastrophen Gottes Strafe sehen, meine religiösen Gefühle verletzen.

Nachdem der Sicherheitsdienst eine Erfindung jener ist, die sich mit Volksverunsicherung auskennen, wähne ich mich hier an der richtigen Adresse. Doch ich scheine zu irren. 

„Verzeihung, darf ich ein Stück des Weges mitgehen? Ich fühle mich heute besonders unsicher und fragil“, frug ich jüngst ein Ordnungspaar.
„Wohin wollen Sie denn?“ 

„Nur nicht alleine sein in diesen Zeiten! Ich weiß, dass wir unsere innere Sicherheit unrettbar verloren haben, aber im Lichte Ihres Eifers sucht es sich zumindest leichter!“, rief ich noch, aber da waren mir die beiden verunsicherten Wächter schon flugs und eilenden Fußes entwichen.