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es gilt die unschuldsverhütung

harald darer | es gilt die unschuldsverhütung

… bis das Gegenteil erbrochen ist

Ich bin Ihnen wirklich dankbar, dass Sie mir die Möglichkeit geben in der Öffentlichkeit meine Sicht der Dinge zu verklären, weil was in den letzten Wochen durch die Medien gegangen ist, was da an Ungeheuerlichkeiten unter den Tisch gekehrt wurde, das passt, mit Verlaub, auf keine Sauhaut. Wie ich diese Vorwürfe aus der Zeitung erfahren musste, da bin ich fast zu Salzsäure erstarrt. Man hetzt mit Tatsachen gegen mich auf, die nicht der Wahrheit entsprechen. Dabei kann ich schweren Herzens garantieren: Es ist alles nicht so, wie es in den Medien überall abgestritten wird! Da wird von gewissen Leuten mit Spatzen auf Tauben geschossen, nur um mir die Schlinge zu drehen, aus der sie ihren Kopf stecken wollen. Weil sie ganz genau wissen, dass nach einem Jahr kein Hund mehr danach kräht und sie durch ihre Verschuldungen den Gärtner zum Sündenbock gemacht haben. Eine Hand wäscht die andere in Unschuld, sagen sie dir vorher, nur um dir nachher die Hacke ins offene Kreuz zu rennen und dir ins Gesicht zu sagen: Da kann man nichts machen, da musst du halt in die saure Semmel beißen! Wenn sie nichts mehr von dir brauchen, lassen sie dich fallen wie einen nassen Erdapfel, ohne dass es sie auch nur im Geringsten mit der Wimper juckt natürlich. Die Schuldigkeit ist vertan, du kannst gehen. 

Aber darum sind Sie ja hier, damit ich Ihnen die Opportunitäten aufzeigen kann, weil man darf nicht vergessen: Jede Medaille hat zwei Kehrseiten. Ich bin nicht bereit, die Suppe, in die mir die anderen gesalzen haben, alleine auszubaden. Ich hätte auf meine Frau hören sollen, von Anfang an hat sie gesagt: Pass auf, die Politik ist ein zweigleisiges Schwert, dass du denen nur nicht ins blinde Messer läufst. Natürlich habe ich verhört, was sie gesagt hat, aber wer rechnet mit so was, mit solchen Gereimtheiten? Es war mir von Anfang an klar, wenn du in die Politik gehst, musst du mit so was rechnen. Ich habe mich in die Höhle des Blöden gewagt, mit jedem Zweifel.

 Die Politiker haben eine derartig geschliffene Motorik, da rennst du durch jede Wand. Aber dass man mir so verschämt den Schwarzen Peter in die Schuhe schieben will, das ist wirklich unter aller Linie, und vorher ist man ja immer gescheiter. Wenn man will, findet man ja bei jedem den Hahn in der Suppe, nicht wahr? Üblicherweise muss man ja viele Frösche küssen, bis man die Kröte frisst, aber da hab ich Glück gehabt, mein Kopf hat gleich seinen Deckel gefunden. Sie kennen doch meine Frau, oder? Eben, da können Sie sich ja vorstellen, warum die ganzen Anfeindungen … Richtig, der Neid! Weil sie selbst alle ihre abgetakelten Fritatten zuhause sitzen haben, sind sie mir meine gerstenschlanke Gattin, die kaum nichts isst, neidig. Wie bitte? Eigentlich geht Sie das ja sehr wohl was an, aber ich kann sie beunruhigen: Wir sind sexuell äußerst letal, besonders wenn wir gemeinsam eine Badewanne nehmen, da können Sie sie auch keinesfalls fragen … aber das geht jetzt zu weit in die Sackgasse … jaja, der Neid der Leute … was kann ich dafür, dass meine Frau aussieht, wie ich aussehe? Dass meine Haut so weich ist wie ein 17-jähriger Pfirsich? Das Auge isst man halt immer mit. Und trotzdem, ich bleibe ja auch nicht ewig jünger, Liebesgeschwüre hin oder her. Schauen sie mich an, die letzen Wochen haben mir schwer zugesetzt. Strohweißes, erschüttertes Haar habe ich bekommen. Noch ist alles in der Waage, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich das Übergewicht verliere. Das war erst der Torschuss vor den Bug. Natürlich! Da rennen Sie bei mir offene Ohren ein! Ich bin ja bekannt dafür, nur mit offenen Karten zu zinken. Gerne lege ich meine Bücher hin, nur, verunsichern muss ich mich schon vorher lassen, dass alles keine Ordnung gehabt hat. Wenn ich ehrlich sein soll, müsste ich lügen. Schließlich will ich mir ja nicht selber mit der Kirche ins Kreuz fahren, das ist doch verständlich, oder? Ich klebe ja nicht an meinem eigenen Ast! Da beißt sich ja sonst die Katze in den Sack!

 Das Schlimmste ist, dass die Diskussion auf eine emotionale Ebene gedrückt wurde, über die keine Sachlichkeit mehr hineinpasst. Da ist Hopfen und Salz verloren, der Zug ist längst verfahren. Sie wissen doch genau, wie in den Redaktionen gearbeitet wird, nicht wahr? Drucken ein vorteilhaftes Foto von mir und meiner Gattin in einer missverständlichen Lage und darunter steht: „So wird unser Geld verblasen!“ Stimmt doch, oder? Ist es nicht so? Natürlich ist es so! Damit alle glauben, ich lebe wie ein Hund in Frankreich! Damit alle sagen, ich esse nur mit Krebs gefüllten Kaviar und trage Dolce&Albaner-Sachen. Der lügt wie geschmiert, sagen sie. Nur weil ich mir, wie jeder andere Bürger auch, etwas Geld auf die scharfe Kante lege. Was sagen Sie? Ich vergleiche Köpfe mit Birnen? Ich bitte Sie, der Unterschied ist wirklich vaginal. Wie bitte? Die Leute haben sich von meinem Charme einsalzen lassen? So kommen wir auf keinen grünen Nenner, weil das Gegenteil ist falsch! Sogar gegen meine Kinder wird aufgeheizt! Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd, sagen sie. Wo ein Banker, da kein Richter, sagen sie. Da wird Wasser in die Wunde geschüttet, wo es nur geht. Wenn Sie in dieser Art und Weise in den Schatten der Öffentlichkeit gezerrt werden – … aber denen werde ich einen Strich gegen die Rechnung machen, die haben das Essen ohne den Wirt gemacht, das sage ich Ihnen. Die haben es geschafft, dass ich den roten Geduldsfaden verloren habe, die werden sich noch wundern, mit wem sie sich eingerieben haben. Ich weiß ja genau, dass sie alle in einer Decke stecken.

 Meinem Anwalt habe ich schon alles Unnötige gesagt. Er wird dem Stier die Hörner aufsetzen, der kennt da nichts. Bis die darauf kommen, was los ist, ist der Hund längst baden gegangen. Das wird ihnen das Fass unter dem Boden wegziehen. Ob ich konkreter werden kann? Selbstverständlich! Ich kann beweisen, dass sie mich hinter die Ecke haben bringen wollen. Ich war ja immer das dritte Rad am Wagen, von Anfang an. In ihren Augen war ich ein Dorn, das habe ich immer gewusst. Da ist ihnen ein Stein aufs Herz gefallen, wie ich gesagt habe: Tschüss mit u, auf Immer-Wiedersehen, ich reiße mir den Hut unter den Nagel. Man muss halt Entscheidungen treffen können, ich sage immer ganz klar: Weder noch! Meine Devisen kriege ich ja auch durch Nehmen und Gebenlassen. Es heißt ja nicht umsonst: Die Besten werden die Ersten sein, oder? Wenn man mir nicht glaubt, muss halt der Prophet den Berg versetzen, auch wenn die Hoffnung zuletzt zu ihm kommt, wenn er stirbt, das sage ich in aller Klarheit. Sie werden sehen, meine ganzen Anschuldigen werden sich in Luft auflösen. Das ist nur das letzte Aufgebären der Neidgesellschaft. Es ist noch kein Meister vom hohen Ross gefallen! Das können Sie ruhig so hinschreiben, ich werde Sie sicherlich nicht nicht verklagen, da lege ich meine Hand drauf! Seien wir uns ehrlich, es ist ja für mich ein Leichtes, die haben ja keine Horizonte, meine sind da um Welten größer. Gottseidank habe ich alles, was geredet worden ist, schriftlich. Gespräche, Telefonate, alles … wird alles gerade einer gründlichen Prüfung hinterzogen. Das mache ich in einem Aufguss. Diese kleinlichen Erbsenesser werden sich noch anschauen. Ich werde sicher nicht den Kopf in den Kragen stecken und alles, was ich mir über die Jahre hart ererbt habe, hinter Bord werfen … und wenn ich von Pontius bis Latus rennen muss. Sie wollen einen exemplarischen Paternostergang von mir, damit ihre Rachegefühle gesühnt sind. Aber bitte, da brauchen Sie keine Angst haben! Ein schlechtes Gewissen kann man nicht beißen, es wird sich alles wieder in Wohlgefallen herstellen lassen, da können Sie sicher sein. Das wird ein Fest, ein Triumph! Aber natürlich, keine Frage! Da lege ich weder Hand noch Fuß ins Feuer. Ich schieße mir ja nicht selbst ins eigene Fleisch!

Was sagen Sie da?
Wie bitte?
Sie glauben mir?
Da bin ich wirklich baff erstaunt!