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werner schandor | nur nichts halblustiges

Wir hatten viele halblustige Ideen, wie wir konzeptionell mit dem Thema „schön blöd“ umgehen könnten: Seiten vertauschen oder drehen; ausnahmslos alle Einsendungen in einer Wurst und in 4-Punkt-Schrift abdrucken oder alle ausgewählten Texte unredigiert und unlektoriert ins Heft stellen. Schließlich haben wir uns doch für den üblichen, seriösen Umgang mit den Texten entschieden. Das Leben ist schon blöd genug. Da müssen wir nicht auch noch herumkasperln.

Ein wiederkehrendes Thema in den Beiträgen war diesmal die Dummheitsfalle. Schließlich weiß man seit Ewigkeiten, dass sich mitunter die größten Idioten gescheiter dünken als der Rest der Menschheit. Hier heißt es also, Vorsicht walten lassen. Die Dummheit ist ein Minenfeld. Ein falscher Tritt, und es hat einen erwischt. Das berücksichtigen auch Wolfgang Pollanz, der zu Frank Zappas Song Dumb All Over seine Überlegungen anstellt, und Alice Le Trionaire-Bolterauer, die von Martin Wielands Abderiten-Roman schwärmt. Um nur zwei zu nennen.

Bevor ich jetzt ins Aufzählen gerate, was Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, auf den folgenden Seiten an gescheiten Beiträgen sowieso lesen können, möchte ich lieber darauf hinweisen, dass wir diesmal eine kleine Premiere feiern, nämlich in Form eines eigenen thematischen Schwerpunktes innerhalb des Themenschwerpunktes. Im Februar 2013 fand in Graz eine Podiumsdiskussion zur Kritik an der Literaturkritik statt, zu der Ann Cotten, Barbi Markovic´, Martin Fritz, Max Höfler und Stefan Schmitzer literarische Statements beisteuerten. 

Da die Literaturkritik mit ihren eingefahrenen Formen und Floskeln, mit ihrem Hang zur Handlungsnacherzählung und dem oftmaligen Ignorieren von geistiger Substanz von literarischen Werken zu den blödesten Formen des Journalismus gehört, sich aber für eine der gescheitesten hält (schließlich ist man ja, Stichwort „Dummheitsfalle“, belesen), haben wir die Autorinnen und Autoren eingeladen, ihre Beiträge in der vorliegenden schreibkraft abzudrucken. Die Texte können Sie im Literaturteil bzw. in Form von Max Höflers beigelegter Textcollage „Literaturfeiertage“ nachlesen. 

Der eigentliche Literaturteil ist aus diesem Grund im vorliegenden Heft schmaler als gewöhnlich ausgefallen, aber mit Texten von Peter Campa und Lena Hach würdig bestückt. Und in gewisser Weise kann man auch die im Essayteil abgedruckten thematischen Beiträge von Harald Darer und Krimhild Pöse als literarische Zeugnisse betrachten. 

Da nicht nur das Blöde, sondern auch das Schöne Thema des vorliegenden Heftes ist, haben wir diesmal einen Designer eingeladen, die Kunstseiten der schreibkraft zu gestalten. Tobias Kestel betreibt als Partner des White Elephant DesignLab Grundlagenforschung in Sachen Gestaltung und wird da gerne elementar: Auf Hawaii hat er Brandeisen mit Logos in Lavaströme gedrückt, um im trägen Fluss der Lava das Vergehen dieses Brandings im doppelten Wortsinn zu dokumentieren; im Wiener MAK hat er den mit geronnenen Farbresten überwucherten Tisch aus der Spritzkammer der Wiener Werkstätten ausstellen lassen und damit vielfältige Reflexionsräume über die Entstehung des Schönen geöffnet. Für uns hat sich Tobias Kestel mit der speziellen Ästhetik des Monobloc-Sessels befasst und diesem hässlichen Teil mit einem Kunstgriff schöne Seiten abgerungen.