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Rezensionen der Ausgabe 25 - schön blöd

die sofarevoluzzer (1)

Individuelle Revolten von heute nehmen am Polstersitz Platz

Johannes Gelich: Wir sind die Lebenden

Bücher über die Orientierungslosigkeit der 20 bis 40-Jährigen gibt es mittlerweile viele. Zeittypische Romanfiguren, deren Lebensalltag von einer gefühlten Perspektivenlosigkeit und einer konkreten Unentschlossenheit geprägt ist, ebenfalls. Meist sind das unreife Statisten des Lebens, verletzte Seelen, die unter ihrem Alltag und unter ihrer Familie leiden. Nicht ganz so verhält es sich bei „Muki“ (Nepomuk) und Erwin, den Protagonist... lesen


die sofarevoluzzer (2)

Josef Kleindiensts Held findet Erfüllung beim Bahnfahren.

Josef Kleindienst: Freifahrt

Die Langsamkeit, die Passivität, das Beobachten, das Weiterwurschteln, Dahinlavieren und das Sich-Verweigern sind typisch österreichische Attribute. Auch in Josef Kleindiensts Erzählung Freifahrt sind sie zu finden. Erwin, Protagonist dieser Erzählung, ist ein ziel- und ambitionslos durchs Leben taumelnder Mann, der keinen Begriff davon hat, was er will. Seine Müdigkeit scheint grenzenlos, seine Unentschlossenheit ebenso und Momente der... lesen


das übel der fehlenden untertasse

Profunde literarische Kritik an den Scheinwelten von Großunternehmen

Stefan Bergsmann: Aufgestaut

Stefan Bergsmann ist im Zivilberuf Unternehmensberater in Wien, er kennt sich also mit den Realitäten von Bürojobs in heimischen Firmen bestens aus. In seinem Prosaerstling Aufgestaut macht diese Angestelltenwelt aber gar keine gute Figur: Sie ist das Habitat von intriganten, sich selbst überschätzenden, wehleidigen Typen in teuren Anzügen, die sich und ihre „Leistungen“ in strahlendem Licht präsentieren, aber in Wahrheit nur heiße... lesen


wenn nichts mehr weitergeht

Blöde Situation: Die Hauptfigur von Georg Petz‘ „Bildstill“ steckt in einem endlosen Stau

Georg Petz: Bildstill

Matthias Trzky, Anglist und überschaubar erfolgreicher Schriftsteller, befindet sich auf dem Weg zu einer Feier in der Wiener Künstlerszene. Dort anwesend sind unter anderem seine ehemalige Studentin Saša, deren Ehemann Harald sowie sein Verleger, mit dem das neue Buchprojekt besprochen werden soll. Doch mitten auf der Autobahn geht plötzlich nichts mehr, alles steht still und Matthias wird reglos hinter dem Lenkrad sitzend auf sich selbs... lesen


verharren vor dem wysiwyg

In Polyphems Reich soll die Welt des Buches ausgelöscht werden

Birgit Schwaner: Polyphems Garten

Seltsam verstörend trifft die Künstlichkeit der Welt, von der in Polyphems Garten erzählt wird und die doch so negativ dargestellt ist, auf die fröhliche Künstlichkeit der Erzählung, als sei sie darin irgendwie angelegt – angesichts dessen, dass hier das Regime des Polyphem die Welt des Buches auslöschen will, ein bedrohlicher Gedanke. Das „Poein“, das „Machen“ der Dichtung, scheint mit dem Erzeugen, das die Welt dieser Polyp... lesen


rauchsignale für wordspielschatzsucher

Markus Köhles Hauptfigur schreibt erotische Haustiergeschichten

Markus Köhle: Hanno brennt

Hanno brennt. Er brennt für seine neue Flamme Annabell, für ein gemütliches Feierabendbier (oder auch zwei), für einen frisch gebrühten Kaffee gegen die Katerstimmung am nächsten Morgen. Hanno ist abgebrannt. Deshalb brennt er auf finanzielle Unabhängigkeit und für seine neue Geschäftsidee: Nach einer durchzechten und durchflirteten Nacht glaubt der wortgewandte Überlebenskünstler eine Lücke im Wiener Dienstleistungssektor entdeck... lesen


starkes krakeelen

Drei Urlauberinnen in Griechenland abseits des Klischees

Ursula Riederer: Kakomiris. Eine Sommergeschichte

Mit Kakomiris legt die Grazerin Ursula Riederer ein Griechenlandbuch der etwas anderen Art vor. Allerdings denkt man bei der Lektüre des eleganten, weißen Bandes, den ein von Oswald Oberhuber gezeichnetes Porträt der Autorin schmückt, kaum an „et in arcadia ego“, auch nicht an Ouzo-selige Abende am Strand – wenngleich so etwas schon vorkommt –, ja nicht einmal an die jetzt schon ziemlich lang andauernde „gegenwärtige“ Krise i... lesen


der magritte aus stainz

Mike Markart schreibt surrealistische Prosa

Mike Markart: Magritte

Der steirische Schriftsteller Mike Markart, Jahrgang 1961, ist das beste Beispiel dafür, dass man in der Literatur Ich-Erzähler und Autoren-Ich niemals verwechseln sollte. Der Autor Mike Markart ist ein umgänglicher Typ: lange Haare, schüttelt Hände nach Art der Hippies, ist stets freundlich und mit so unauffälligen Vorlieben wie Familie, Kochen, Chilizucht, Rotwein, Fußball und Italien gesegnet. Die Erzähler-Ichs und Figuren in Marka... lesen


viel wiener schlagobers

Herbert J. Wimmer zelebriert im Membranroman die Metamorphose von Zuständen

Herbert J. Wimmer: membran

„erzählt wird immer, mindestens eine geschichte, eine regel, eine form, eine anordnung, eine struktur, ein konstruktionsplan, eine differenz von vorher und nachher im augenblick der lektüre“, sagt Herbert J. Wimmer im Werkstattgespräch mit Dieter Bandhauer, das seinem Band membran beigegeben ist. Und mit der Differenz lasse ich ihn hier gleich das Moment ansprechen, das aus seinem Textkonvolut, das einem strengen Bauplan von ineinander... lesen


psychogramm eines reptils

In Los Angeles lässt es sich ausgiebig scheitern

Gerald Hartwig: Chamäleon

Der unbestrittene Großmeister autobiografischen Erzählens heißt aktuell Joachim Meyerhoff: Der Schauspieler und Autor baut seine Texte anekdotisch auf und ordnet die Geschehnisse mit Andeutungen, Vorgriffen und Rückblenden rund um Themenkreise an, die in detailreich geschilderten Szenen durchscheinen. Es geht in seinem aktuellen Bestseller Wann wird es so, wie es nie war unter anderem um das Erzählen an sich, um das Scheitern, um uneinge... lesen


tollheiten, torsionen, tote

Stephan Roiss beschreibt ein Jahr Zivildienst in einem Altersheim

Stephan Roiss: Gramding

Gramding heißt das Prosadebüt des Oberösterreichers Stephan Roiss. Was ein gutes Wortspiel wäre – das Ding, das einen grämt –, ist der fiktive Name einer oberösterreichischen Bezirksstadt, in der Wolfgang, der Held des kurzen Textes, seinen Zivildienst in einem Altersheim absolviert. Beworben hat er sich um eine Stelle bei den Kinderfreunden, gelandet ist er dort, wo Menschen ihre letzte Runde vor dem Friedhof einlegen. Wolfgangs... lesen