schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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da capo | ausgabe 26


26 - da capo

um uns die blogflut

Nach 15 Jahren schreibkraft legen wir nun ein Heft vor, das 25 ausgewählte Beiträge aus ebenso vielen Ausgaben versammelt – sozusagen als Bestandsaufnahme, bevor wir die nächsten 25 Hefte angehen. 1998 wurde die schreibkraft als Magazin für Feuilletonbeiträge am Grat zwischen Journalismus und Literatur gegründet. Von Anfang an war das Projekt antizyklisch und anachronistisch angelegt: gegen ein Denken in immer kleiner werdende... lesen



Feuilleton

brigitte fuchs | der kosmische kampf gegen lange weile

Schafft eins, zwei, viele Weltuntergänge

Am Anfang war universelle L/langeW/weile: „Die Mutter hatte keine Gestalt, sie war nichts. Sie war ‚Alúna' (Seele, Wunsch).“ (1) Da schuf sie die erste Welt oder „Sonne“, die unter dem Namen „4-Wasser“ bekannt ist. Da es ihr aber an Erfahrung mit dem Erschaffen von Welten mangelte, fehlte es der ersten aller Welten an Tages- und Jahreszeiten, an interessanten Landschaften und Wesen sowie an schmackhaften Spe... lesen


jürgen plank | wiedergänger, vampire und bela lugosi

Geköpft, verbrannt und doch nicht umzubringen: Wiedergänger als Kehrseite des ewigen Lebens.

1997 war das Jahr der Vampire: 100 Jahre zuvor hat Bram Stoker seinen Roman Dracula veröffentlicht, zum 125. Mal jährt sich das Erscheinen der Vampirgeschichte Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan LeFanu, die ein wichtiger Einfluss für Stoker war. Auch feiert in diesem Jahr der berühmte Dracula-Darsteller Christopher Lee seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Und ein ewig lebender Stoker wäre 150 Jahre alt gew... lesen


georg gartlgruber | widerlich - eine reminiszenz

Der Grusel beim Horrorfilm kann als kathartische Erfahrung erlebt werden, der Tritt in den Hundehaufen nicht.

Siebente Klasse AHS am Sommerbeginn, da zog ich ein Heftpflaster von einem meiner Finger und klebte es mir auf die Rückenlehne meines Sessels. Es war wohl ein Ausdruck des jedem Teenager bekannten, unzensierten und unbewussten Strebens nach Individualisierung und kreativer Gestaltung, obwohl damals hätte ich nach meinen Beweggründen gefragt, wohl bloß mit den Achseln gezuckt. Ein Klassenkollege fragte nicht, sondern fing bloß zu sc... lesen


ilona kästner | heldenandacht

Eine doppelte Grabrede

Einige wären ein Phönix gewesen, wären andere nicht zuvorgekommen. Großer Vorteil: erster zu sein, und wenn mit Vortrefflichkeit, doppelt. Bei Gleichheit gewinnt, wer als erster gewinnt. - Balthasar Gracian, Der Held In unserem Wertesystem gibt es eine Kategorie, die ist unschlagbar: der oder die Erste. Als Ordinalzahl markiert sie zunächst nur einen neutralen Ort im Rahmen einer abzählbaren und geordneten Reihe. Seltsamerwei... lesen


peter piller | der künstler sollte verrückt sein

Das ist für alle das Beste

Bei jedem größeren Neubau muss der Bauherr ein paar Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgeben. Weil der Bauherr aber meist von Kunst keine Ahnung hat, wird aus Sachverständigen, etablierten Künstlern, Kunsthistorikern und den Laien eine Jury gebildet. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und die Jurymitglieder aus der Kunst argumentieren für die Vorschläge ihrer Künstlerfreunde. Die Jury tagt bei Kaffee und Gebäck. Wenn sie... lesen


egon christian leitner | nebelscheinwerfer

Damit Sie wissen, wovon Sie reden, wenn Sie „Neoliberalismus“ sagen. Und warum Sie nichts Nennenswertes gegen diesen unternehmen Bourdieus et aliorum Das Elend der Welt ist bewerkstelligt worden, damit entsetzliche, entsetzte Menschen einander ohne Unterlass mitten im angeblich banalen Alltag – welcher angeblich unter einigermaßen erwachsenen Menschen durchaus zumutbar ist und aufgebrachter, enttäuschter, weinerlicher Rede angeblic... lesen


thomas ernst brunnsteiner | tugendarbeitslosigkeit

oder vom Mann, der sich zu nichts mehr eignet

Jede Mühe, die über das Sorgetragen für Grundbedürfnisse - Essen, Wärme, Reinheit, Duldsamkeit - hinausgeht, nimmt mir immer öfter den Geschmack des Willkürlichen, des Unreinen und Entbehrlichen an. Zu Zeiten treiben mich materielle Sorge um, aber zu Zeiten bedarf es des Geldes gar nicht. Dann will ich nur meiner Herr werden - und dabei Knecht bleiben. „Warum“, frage ich mich, „weshalb, wozu mehr“, und ich finde in der Stille v... lesen


ann cotten | zivilisiertes gemüse

Erscheinungsformen vegetabilen Materials als Symptome kultureller Befindlichkeiten

Wir halten uns für ziemlich gut, ja? Unser kollektives Über-Ich schreibt wöchentlich in der österreichischen Tageszeitung Die Pisse eine Selbstgratulationskolumne, unser Es (Opa) tut am Wochenende im Schrebergarten Rasen mähen, und selbst leben wir ganz selbstverständlich um die Arbeit, unseren unverdaulichen Gallenstein, herum. Vor allem halten wir selbstverständlich unser selbstverständliches Weltbild für selbstverständlich, gerad... lesen


alexandra rollett | mein ich ist hirntot

Nachruf auf einen geliebten Patienten

Nicht nur trauern wollen wir, dass wir es verloren, sondern dankbar sein, dass wir es gehabt. Meinem ICH ging es schon seit geraumer Zeit nicht besonders gut. Es war nicht nur erschöpft, was ihm Alain Ehrenberg in seinem viel zitierten Buch Das erschöpfte Selbst gerade noch zugestanden hätte. Es musste eine Reihe äußerst bedenklicher Burnouts verkraften: neuronale Synapsen durchgeschmort, moralisch-ethische Sicherungen geflogen und a... lesen


dirk werner | mehr als weniger blauer dunst

Weder Fragen noch Rauchen – die Vernunft ist ein Endpunkt

1 Jedes Verbot zeugt ein Geheimnis. In der DDR, wo praktisch alles verboten war, gab es Unmengen von Geheimnissen, von Abernichtweiter-Sagen, Mythen und Mystifikationen. Und wenn jetzt in der BRD das Rauchen in den Gaststätten verboten wird – den Rauch treibt das nicht aus. Das Verbot wird die Kultur verändern, ja, aber das Gasgemisch, einmal von den Tischen verbannt, wird anderswo die Köpfe erneut unter sich versammeln. Keine Frage m... lesen


bernhard horwatitsch | das universum

Oder: Nichts von Bedeutung

Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau rausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch etwas noch Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist. – Douglas Adams: Das Restaurant am Ende des Universums Glück, so sagen viele Glücksforscher, sei nicht messbar. Dennoch gibt es einige Statistike... lesen


clemens marschall | weltkrieg am jausentisch

57 Kuhhirne in 15 Minuten: ein neuer Sport erobert die Welt

4. Juli, kurz nach 11 Uhr in New York: Wir feiern den Unabhängigkeitstag. Coney Island, der New Yorker Vergnügungspark, ist Platz des Geschehens. Ich bin dort nicht alleine, 40.000 Leute stehen sich um mich herum ihre Füße in die Mägen, die Kinder, die auf ihren Schultern sitzen, schwingen ihre Fahnen. Zusätzlich jauchzen noch 1,5 Millionen Fernsehzuschauer. Der Anlass des Events? Heute findet das Wettfressfest schlechthin statt! Der le... lesen


harald a. friedl | die rosarote krise

Fallstudie über ein Opfer der Rosamunde-Pilcherisierung

Endlich hatte sie ihm unter Tränen und unverwüstlichem Make-up ihre ewige Liebe geschworen, während ihr der schottische Nebel das blonde Haar benetzte. Unter ihr der Abgrund einer wilden Felsküste, zerschnitten von weißen, schwebenden Möwen; im Hintergrund die beruhigende Grünheit der sanften Highlands mit ihrem Hauch von Freiheit und Abenteuer; über ihr ein Himmel so blau wie seine Augen; um sie seine starken Arme und in ihr seine Zu... lesen


gerhild perl | der telefon-engel®

Versuch über das Sterben

1 Vor einigen Monaten fiel mir im Wiener Bestattungsmuseum eine Broschüre mit dem kryptischen Versprechen „Trauerbewältigung mit dem TelefonEngel®” in die Hände. Dieser helfende Engel ist ein rechteckiges, glasfaserverstärktes Gehäuse, das ungefähr die Größe von vier Sardinenbüchsen hat und ein Handy, einen Lautsprecher sowie eine Stromversorgung beinhaltet. Der TelefonEngel®, der 30 cm über der Grab- oder Urnenstelle eingeer... lesen


jörg albrecht | schreib dich ab!

Sonst müssen wir auch den Sozialstaat selbst bauen

Hallo! Hallo?! Ah, ich dachte grad. Ich komm manchmal aus Versehen auf die Stummtaste, und dann hört mich keiner mehr. Na ja. Es gibt einen Satz, den ich mir jeden Tag selber sage: My work is my life. Nein, NICHT auf einem Blatt Papier, eine Stunde am Tag, in höchster Konzentration, Thomas Mann-like. Ich arbeite manchmal, bis ich so müde bin, dass ich nicht mehr arbeiten kann, noch weiter arbeiten muss, weil irgendwie dann, wenn alles so d... lesen


laura freudenthaler | feel free to stalk me

Zwischen Online-Dating und donogener Insemination

Im Jahr zweitausendzehn wurde in New York das Online-Dating auf der Straße erfunden und es handelte sich gleichzeitig um einen Rückschritt und Fortschritt und New Yorker Singles zeigten sich angetan und fanden es eine ganz neue Erfahrung ihr Date vor dem ersten Date bereits in echt gesehen zu haben. Und im Mai neunzehnhundertzweiundvierzig stellte ein Mann namens Zuse den ersten funktionsfähigen Computer fertig und kurz zuvor hatte... lesen


roland steiner | der panther sind wir

Über die Autonomie der Bewegung

0 Zahlen hasse ich. Aber sie durchzucken mich als romantischen Skeptiker und romanischen Träumer dennoch und werden mich, hoffentlich ungerade, überrollen. Denn ich gehe davon aus, dass ich mit 95 Jahren in einer Public-Private-Partnership-Klinik der Dritten Republik Österreich von einem indonesischen Krankenpfleger nach Bestimmungen für Leute wie mich als prekäres Schuldnersubjekt ein finales Naturpflanzengerät zu inhalieren bekommen u... lesen


michael helming | allein vinyl hat bestand

Kroatische Sturmgewehre: Sicher wie Milch

"The only certain thing in life is death." Truth hits everybody - The Police Ein ruheloser Geist bringt Shiva zum Tanzen, erklärte angeblich einst gelassen der Guru Sri Nisargadatta Maharaj. Demnach hat der große Zerstörer definitiv den Groove, wenn ein Menschlein sich plagt, mit Leid und Begehren, mit Zwängen, Zweifeln und Ängsten; Seele und Gottheit geraten gleichermaßen in aufgewühlte Bewegung, solang grundlegende – oder als grun... lesen


krimhild pöse | der irrtum der praxis an der theorie

Teil V

Das geheime Tagebuch von Samuel Pepys erwähnt den gescheiterten Versuch seines Freundes und Spions im Dienste der Krone, Samual Morland, mithilfe einer Art Wasserpumpe, die er an eine Trompete anschloss, Schall nach Frankreich zu exportieren. Morland arbeitete für John Tuerlee, dieser wiederum für Richard Cromwell. Und dieser schließlich für Karl II. In dieser Zeit arbeitete jeder für jeden. Doch Schall exportierte man mit Pferdekutsche... lesen



Literarische Texte

karin schöffauer | aus dem notizbuch

I. da ist ein zaun mit einem wächter und ein schwarzes eisentor und es geht steil bergauf und oben ist ein haus und ein zaun und ein rotes gitter und im haus drin ist ein mann und eine bahnhofsuhr die sagt sie kommen zu früh sie kommen zu spät. kriecht auch gleich wieder hügelab erklimmt die stufen des autobus gerinnt zu den schauern vor dem einen riesigen scheibenwischer über die ganze vorderfront. wollte nur ein kleins bi... lesen


händl klaus | kluge kinder

Das Schuljahr in Sankt Florian begann mit einem Paukenschlag, die Kinder wurden aufgeklärt. Sie lernten, wie man Kinder zeugt, und ... daß es Kinderschänder gibt, mit Süßigkeiten in der Hand und einem Messer, während sie lächeln; sie lügen, Kind, steig ein, wir wollen deinen Vater, der ein alter Freund ist, noch aus Kindertagen, überraschen, komm. Bilder von Messern und blutigen Mützen gingen durch die Reihen. Ihr müßt laufe... lesen


händl klaus | junger hund

Im Kaufhaus sah der alte Nachbar seine Jugendliebe wieder, ihm wurde heiß, er sprach sie an. Gottseidank erinnerte sie sich an ihn. Sie versuchte, überlegen zu wirken, denn die Vergangenheit war ihr zu viel, sie lehnte sie ab. Dazu rauchte er seine ewige Zigarre, ihr wurde schlecht davon. Wie froh war sie, ihm ... seinerzeit den Laufpaß gegeben zu haben. Der Schmerz, der seit der ... letzten Woche in seinem linken Knie und in der lin... lesen


stefan schmitzer | (viertausend, gleißen)

na also. viertausend im minus, ist das nichts? bürgerkrieg im sudan, inflation bei den amis, lebensmittelknappheiten wohin man schaut? im garten, hinterm   haus, schwer einzusehen, sitzt frau hoffnung, schnuppert, denkt an früher, na, ist das nicht eine scheiß-allegorie, zu simpel und doch zu gelehrt im abgang? bloch   in rechnung gestellt, und benjamin, und trotzdem    viertausend im mi... lesen


michael ostrowski | kriminaltango

Das Puzzle fügt sich zu einem Bild

... exklusiv in der Printausgabe von schreibkraft, Heft 26, nachzulesen. lesen


teresa präauer , wolf haas | jandl: im ernst

Einn Mail von Wolf Haas und Zeichnungen von Teresa Präauer

... exklusiv in der Printausgabe von schreibkraft, Heft 26, nachzulesen. lesen