schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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um uns die blogflut

werner schandor | um uns die blogflut

Nach 15 Jahren schreibkraft legen wir nun ein Heft vor, das 25 ausgewählte Beiträge aus ebenso vielen Ausgaben versammelt – sozusagen als Bestandsaufnahme, bevor wir die nächsten 25 Hefte angehen.

1998 wurde die schreibkraft als Magazin für Feuilletonbeiträge am Grat zwischen Journalismus und Literatur gegründet. Von Anfang an war das Projekt antizyklisch und anachronistisch angelegt: gegen ein Denken in immer kleiner werdenden Text-Modulen, gegen die Anpassung der Medien an die sogenannten Zwänge des Marktes. Die Medienwelt hat sich inzwischen verändert, nicht zuletzt durch eine Unmenge an Blogs, die von einem unendlichen Bedürfnis zeugen, sich auszudrücken. Was gleichzeitig in den letzten 15 Jahren abgenommen hat, ist eine qualifizierte Beschäftigung mit Texten – man sieht es online und im Print: Das Niveau wird im Großen und Ganzen nicht besser. In dieser Hinsicht gleichen wir einem bekannten gallischen Dorf. Wir halten die Stellung und nehmen uns die Zeit, zu jedem Thema, das wir ausschreiben, eine Vielzahl von Texten zu sichten, zu reflektieren, inhaltlich zu diskutieren und schließlich die ausgewählten Beiträge zueinander in Bezug zu bringen.

Warum wir das machen? – Um Autorinnen und Autoren aller Bekanntheitsgrade und Gewichtsklassen den Raum zu geben, schillernde, überraschende, unkonventionelle Zugänge zu unseren Themenvorschlägen abzuliefern. Dass das immer wieder hervorragend klappt, davon zeugt die Auswahl der Texte im vorliegenden Heft: da capo gibt einen Einblick in die Früchte unserer Arbeit – an dieser Stelle verbunden mit dem augenzwinkernden Hinweis, das fast alle Titel aus unserer Backlist auf Bestellung noch erhältlich sind, und dass diese Hefte eine ganze Reihe weiterer hervorragender und zeitloser Beiträge beinhalten.

Dass unsere Arbeit auf die Gegenliebe von Leserinnen und Lesern stößt, die im Idealfall genauso sorgsam lesen, wie wir publizieren, freut uns natürlich. Ein Leser brachte es jüngst in einer E-Mail auf den Punkt: „Es hat etwas gedauert, bis Zeit, Stimmung und Bedürfnis in mir wieder einmal einen Termin miteinander ausmachen konnten, um gemeinsam an die Lektüre der jüngsten schreibkraft zu gehen, aber dieser Tage war es so weit. Die Frage, warum ich das lesen soll, wurde durch die Texte schnell beantwortet: Na, weil es vielleicht keine zweite Zeitschrift gibt, die einem Aufklärung so locker und mit solchem Spaßfaktor hinstreut.“

Als schreibkraft entziehen wir uns mit unserer betont entschleunigten Arbeitsweise, den handverlesenen Texten und dem aus der Zeitschriftennorm fallenden Format vorsätzlich vielen geisttötenden Zwängen des Zeitschriftenmarktes bzw. Buchhandels. Diese journalistisch-literarische Grundlagenarbeit können wir seit nunmehr 15 Jahren dank der öffentlichen Förderung durch die Stadt Graz, das Land Steiermark und die Republik Österreich betreiben. – Eine gute Nachricht für all jene, die glauben, Steuergeld diene ausschließlich dazu, an die Wand gefahrene Banken vor dem Ruin zu retten. Die schreibkraft zeigt immer wieder aufs Neue (und wird das auch weiterhin tun), dass man mit einem hochpotenzierten homöopathischen Bruchteil des Geldes, das die Finanzindustrie verschleudert, hochkarätigen literarisch-feuilletonistischen Texten den Raum geben kann, den sie brauchen und verdienen – als Schutzschirm gegen den allzeit drohenden geistigen Bankrott.