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Feuilleton der Ausgabe 27 - zweifelhaft

ernst kilian | Zweifellos ist ein hoher Berg

Wir glauben es, weil es absurd ist

Es muss ja nicht alles so zweifellos feststehen wie die Schuld in Kafkas Strafkolonie. Aber wenigstens einige grundlegende Dinge wüsste man gern vom Zweifel befreit, doch der nagt unerbittlich. Nagen ist das Einzige, was er kann, und ganz besonders gern und hartnäckig nagt er an den Fundamenten unserer Kultur. Beginnen wir chronologisch. Wer, zum Beispiel, war Moses (ca. 1300 vor der Zeitrechnung)? Bis ins 18. Jahrhundert galt er noch... lesen


stefanie lehrner | Geschichten vom Drachendreck

Ein neongelber Schleim belebt Körper und Geist.

Der Zweifel ist ähnlich wie das Internet, Sex oder Zirbenschnaps: der Ursprung und die Lösung vieler Probleme. Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Werden Schleimpilze irgendwann die Welt beherrschen? Will you still love me tomorrow? Bin i jetzt eher tot oda lebendig? Warum nicht? Oder warum schon?   Yes we Kant „Ich mag deine Zweifel“ ist zweifelsfrei eines der schönsten, a... lesen


harald a. friedl | Wer soll ich sein wollen?

Die Suche nach Selbst-Gewissheit als postmoderne Odyssee.

Kärnten ist ein unvergleichlich schönes Urlaubsland mit perfekter Kulisse: Seen, Berge, Buschenschänken und Kasperltheater. Für genießende Gäste am schönsten ist jedoch die Freiheit wieder heimfahren zu können, denn wer lebt schon gerne dauerhaft unter bissigen Krokodilen, hinterlistigen Dieben und grinsenden Seppln? Wem aber der Rückzug ins Zuhause jenseits von Großglockner oder Pack verwehrt ist, dem bleibt nur die rechte He... lesen


hans durrer | Vom Vertrauen

Es beginnt beim Flughafentaxi

Das Weltbild der Juristen gründet auf der Vorstellung, dass man den Menschen nicht trauen kann. So recht eigentlich sind es nicht nur Juristen, die so denken, die meisten Menschen denken so, doch den Juristen ist eingefallen, daraus ein Geschäftsmodell zu machen, das dazu beiträgt, die Beziehungen der Menschen untereinander zu vergiften. Ich trage diesen Virus, dass man den Menschen nicht trauen kann, auch in mir. Den lieben Nachb... lesen


doris claudia mandel | Die Auferstehung der Winkeladvokaten

Wie man die Armen unter den Deutschen zu Kriminellen macht.

Deutschland ist gerade dabei, in die vordere Reihe der mächtigen Staaten zurückzukehren. Gleichzeitig ist es, einer Studie der englischen BBC zufolge, der beliebteste Staat der Welt. Sogar 59 Prozent der US-Amerikaner haben laut unserer dortigen Botschaft „einen ausgezeichneten Gesamteindruck“ von uns, und das will was heißen. Deutschland ein Musterländle zum Liebhaben? Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschu... lesen


bernhard horwatitsch | Wo das Geld ist, ist die Wahrheit

Die Alchemie hat sich doch durchgesetzt.

„Während Preising schlief, ging England unter.“   Jonas Lüscher: Der Frühling der Barbaren Wenn Sie heutzutage irgendein Produkt oder Ihre Arbeitskraft (die markttechnisch auch nur ein Produkt ist) auf dem Markt platzieren wollen, dann brauchen Sie ein Startkapital. Das bedeutet in der Regel „Kredit“. Ihre Bank verkauft Ihnen nun gegen Zinsen das Recht, fremdes Geld wie Ihr eigenes zu benutzen. Jetzt machen Sie Ge... lesen


michael helming | Ge(h)hilfen des Zweifels

Die Welt will betrogen werden. Nur Oma nicht.

Meine Oma fährt zwar nicht im Hühnerstall Motorrad – eine dubiose Betätigung, die der Text eines altbekannten Kinderliedes lebensfrohen Großmüttern da nachsagt –, dafür wagt sie sich mit ihrem Rollator inzwischen sogar auf Rolltreppen; wobei ein derartiges Unterfangen, zumindest beim Abwärtsfahren, allerhand Nervenkitzel im Geiste Evel Knievels impliziert. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe das überprüft, borgte mir währe... lesen


heike stuckert | Der Schattenmann

Der erste Fall als Schöffin am Landgericht: ein Mord

Einem System ausgeliefert sein, Zwängen unterworfen, auf die man keinen Einfluss nehmen kann, gleich ob äußeren oder inneren – vielleicht würde man bei diesen Umschreibungen an Suchtverhalten denken, vielleicht an Bürokratie, vielleicht an den Gang durch den Immigrations-Checkpoint am JFK-Flughafen in New York. Ich denke unweigerlich an Strafverfahren. An Rollenbezeichnungen, die keinen Raum für Namen lassen: Täter, Opfer, Ange... lesen


nikola henze | Conversation with the Beast

Zwischen Kellerverlies und Opfer-Abo.

Der Mann fällt auf, sowie er hereinkommt. Obwohl ich nicht sagen kann, wodurch. Ob er laut ist, poltert, etwas sagt, was er anhat? Fehlanzeige. Als ob er mir innerlich auffiele. Als hätte seine Seele Arme, die nach mir greifen. Vielleicht eine Stunde, bevor der erste Seminartag zu Ende gegangen ist, taucht er auf. Ich sehe kaum auf, denke nichts konkret, da passiert er bereits meinen Rücken und nimmt einen Sitzplatz vor den Fenstern... lesen


helwig brunner | Leere Hände

Über Dichtung und Wahrheit - und den Zweifel an beidem

Unlängst, als ich wieder einmal mit leeren Händen dastand, habe ich ein Gedicht gelesen und eines geschrieben. Das wäre nun nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht Ausgangspunkt der nachfolgenden Darlegungen wäre, die auf beides, nämlich auf das Lesen und Schreiben von Gedichten, ein durchaus zweifelhaftes Licht werfen. Nach meinen persönlichen Kriterien handelt es sich bei jenen zwei Gedichten, dem gelesenen und dem geschri... lesen


dirk werner | Im schönsten Zwielicht

Dem Jubilar Arno Schmidt die Ehre.

1 Auch wenn er in diesem Jahr einhundert geworden wäre – hat Arno Schmidt nicht zwielichtige Gestalten gefördert? Ans Tageslicht befördert, aus sich selbst herausgezogen? Um letztlich uns braven Bürgern die eigene Existenz wenn schon nicht als zwielichtig, so doch als zweifelhaft erscheinen zu lassen? Dem Jubilar die Ehre. Dennoch: Er hat. Der Held seines Buches Das steinerne Herz ist ein Abenteurer. Abenteurer in den... lesen


katharina körting | Baden gehen

Ein zweifelhafter Text.

„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warenansammlung', die einzelne Ware als seine Elementarform.“  Karl Marx   Ich habe ein Buch geschrieben – nun muss ich es verkaufen. Ihnen, liebe Leserin. Das Verkaufen ist eine andere, wenn auch ähnlich zweifelhafte Tätigkeit wie das Schreiben. Ihnen zuliebe, Leser, will ich ehrlich bleiben b... lesen