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Was vorher noch nicht da war

deike lautenschläger | Was vorher noch nicht da war

 

Eines Morgens, als ich auf dem Weg zur U-Bahn meinen MP3-Player aufsetzte, war da zwischen Track acht und Track neun ein kleiner Ton, der vorher da nie gewesen war. Ich stieg in die Bahn, kümmerte mich nicht weiter darum, sprang weiter nach vorn zu Track vier und wippte im Takt entgegen dem Schlagen der Gleise. Aber wenig später war er da wieder, der Ton. Ich war mir ganz sicher. Natürlich dachte ich auch wie beim ersten Mal, ich hätte mich verhört, ein Knacken oder Kratzen, wie man vielleicht erst denken würde, und klickte noch ein paar Mal zurück. Aber nein. Er war da, vielleicht sogar etwas länger als zuvor. Es handelte sich vielleicht um ein A oder ein Gis. Dank des jahrelangen Gitarrenunterrichts in meiner Kindheit fiel es mir leicht, die Tonhöhe zu schätzen. Der vorher nie da gewesene Ton war also ein A – gespielt höchstwahrscheinlich auf einem Keyboard.

Da ich ein sehr genauer Mensch bin und solche rigorose Liederlichkeit – und sei es nur auf einem elektrischen Gerät –
nicht tolerieren kann, löschte ich alle Dateien und damit auch den nie da gewesenen Ton, sobald ich abends nach Hause kam, und lud die Musik erneut auf meinen MP3-Player. Die nächsten Tage fuhr ich mit meinem gesprächigen Kollegen zur Arbeit, ohne meinen MP3-Player zu nutzen, und hatte den Vorfall schon fast vergessen, bis ich am Freitag auf den Bus wartete, dabei Musik hörte und da war er wieder: der kleine Ton, der vor letztem Montag da nie gewesen war. Immer noch ein A, doch schon etwas länger als vorher. Ich wunderte mich, denn ich schien schon fast unterbewusst auf den zuvor nie da gewesenen Ton gewartet zu haben, und ich flüsterte zu mir selbst: „Ha! Hab‘ ich’s doch gewusst!“

Ich verließ extra eher das Büro, ging mit dem MP3-Player in ein Elektrofachgeschäft und legte das Gerät mit dem zuvor nie da gewesenen Ton auf den Verkaufstisch. Ich erkundigte mich nach der Garantie, schließlich hatte ich den MP3-Player hier vor nicht allzu langer Zeit gekauft und sprach von Klang-
störungen beim Abspielen. Den zuvor nie da gewesenen Ton explizit zu erwähnen, schien mir lächerlich, schließlich handelt es sich dabei eigentlich um kein großes Problem. Ein gelangweilt gähnender Verkäufer drückte mit seinen behaarten Fingern auf den Knöpfen meines MP3-Players herum und meinte anschließend, er würde doch funktionieren, bot mir aber an, das Gerät auf meine Kosten zu weiteren Checks einzusenden. Wegen eines zuvor nie da gewesenen Tons dünkte es mir dann doch, zu viel Kosten und Mühe zu verursachen.

Ich ging also wieder nach Hause und setzte mich auf mein Sofa, betrachtete den MP3-Player in meiner Hand, als mir ein Leberfleck am rechten Unterarm nur ein paar Zentimeter vom Handgelenk entfernt auffiel, der vorher noch nie da gewesen war. Mein Hemdsärmel war leicht hochgerutscht und dadurch konnte ich ihn genauer sehen. Er war braun und nicht viel größer als ein Stecknadelkopf – und er war ganz klar und deutlich vorhanden. Ich versuchte mich zu erinnern – aber nein, zuvor war dort kein Leberfleck gewesen. Ich betrachte natürlich nicht ständig die Haut an meinen Armen oder Beinen, aber so etwas wäre mir doch aufgefallen. Ich holte eine Lupe und dazu das Telefonbuch, besah den Fleck genauer und schlug dann das Wort „Hautarzt“ nach. Während ich mit dem Zeigefinger die Liste mit Telefonnummern herunterfuhr, besah ich im Augenwinkel den zuvor nicht da gewesenen Fleck.

Ich sprach am Telefon von einem Notfall, versuchte auch etwas panisch zu klingen, was mir nicht schwerfiel bei dem Gedanken an einen anscheinend schnell wachsenden Leberfleck, der vorher noch nicht da gewesen war, und bekam am nächsten Vormittag um Viertel vor elf Uhr einen Termin. Ich ließ mir noch von der lispelnden Schwester am Telefon den Weg zur Praxis beschreiben, auch wenn ich nach der eingetragenen Straße im Telefonbuch zu wissen glaubte, dass es nur fünf U-Bahn-Stationen entfernt gleich gegenüber vom Ausgang war.

Ich schrieb den Termin in meinen kleinen braunen Taschenkalender. Nicht, dass ich Angst hatte, den Termin bis morgen zu vergessen, sondern einfach zur Dokumentation. Während ich zu dieser Woche blätterte, fiel mir ein Tag auf, der da vorher nicht gewesen war: der zweiunddreißigste Mai. Das konnte doch nur ein böser Scherz sein oder eine grobe Schlamperei vom Verlag. Ich benutze diese kleinen braunen Taschenkalender schon seit Jahren und bewahre sie nach Verfall im Bücherregal auf. Also beschloss ich, nachzusehen ob es zuvor auch schon einen zweiunddreißigsten Mai gegeben hatte, vielleicht war es ja ein Folgefehler von den vorherigen Jahren. Sobald ich zum Bücherregal hinübersah, merkte ich, dass neben den circa zehn braunen Taschenkalendern ein Buch stand, das zuvor da nie gestanden hatte.

Ich ging auf das Regal zu und tatsächlich: da befand sich zwischen dem braunen Taschenkalender vom letzten Jahr und der Gebrauchsanweisung für die neue Kaffeemaschine, welche fast gleich groß sind und somit nebeneinanderstehen, ein Buch, das da weder vom Format her hinpasste, noch jemals von mir da hingestellt worden war. Ich zog das Buch, das ich zuvor dort nie gesehen hatte, heraus. Es hatte leichte Gebrauchsspuren und hieß „Stricken leicht gemacht“ – ja wirklich, es handelte vom Stricken, vom Stricken mit Stricknadeln und Wolle. Nun bin ich ein nicht mehr ganz junger Herr, der sich sicher gern mit verschiedenen Dingen beschäftigt, besonders jetzt, wo es bis zum Ruhestand nicht mehr als zehn Jahre sind und man sich überlegen muss, was man mit der bald so vielen freien Zeit anstellen kann. Trotzdem habe ich noch nie mit dem Gedanken gespielt, Handarbeiten wie Stricken zu erlernen, geschweige denn, mir ein Buch zu diesem Thema zu kaufen.

Ich sinnierte lange, aber andere Leute, außer dem Heizungsmonteur, ich bin kein geselliger Mensch, waren in letzter Zeit nicht in meiner Wohnung gewesen, die mir das Buch hätten unterschieben können. Ich kam immer mehr ins Grübeln – erst der Ton auf meinen MP3-Player, dann der Leberfleck auf meinem Arm und nun ein unbekanntes Buch – deshalb goss ich mir zur Beruhigung einen Kognak ein, der auch sofort seine Wirkung zeigte, und ging zu Bett.

Am nächsten Morgen meldete ich mich telefonisch auf Arbeit krank. Das kommt recht selten vor. Eigentlich kann ich mich gar nicht daran erinnern, dass es jemals überhaupt vorgekommen ist. Die Sekretärin gab sich besorgt und fragte indiskret nach meinem genauen Befinden. Ich zog kurz in Betracht, sie zu fragen, welches Datum wir nächste Woche Mittwoch haben oder auf welchen Wochentag der zweiunddreißigste Mai denn fiele und ob sie sich für Stricken interessiere, aber dann entschuldigte ich mich, dass ich meinen Arzttermin wahrnehmen und deshalb jetzt auflegen müsse.

Ich zog mein graues Hemd an, welches ich immer für Anlässe trage, die weder als Arbeit noch als Freizeit einzuordnen sind, und stellte mich vor den Spiegel im Flur, um einen besseren Blick auf mein Ankleiden zu haben, als ich am Kragen einen Knopf bemerkte, der vorher nicht da angenäht war. Für diesen Knopf gab es auch kein Knopfloch, wie ich nach näherer Untersuchung feststellte. Das kam mir dann doch spanisch vor – ein Knopf ohne ein Knopfloch und dazu noch ein vorher nie da gewesener Knopf. Ja, merkwürdig, wirklich merkwürdig. Sollte ich einen Knopf, der schon immer dort gewesen war, nie bemerkt haben? Das wäre ja wohl noch die Höhe. Auch wenn ich das Hemd in letzter Zeit nicht oft getragen hatte, so wäre mir dieser extra Knopf doch aufgefallen. In der Küchenschrankschublade fand ich nach einigem Suchen eine Schere und schnitt den nie da gewesenen kurzerhand ab. Wenn es kein Loch gibt, braucht man schließlich auch keinen Knopf und außerdem hatte ich ja nun heute auch noch einiges vor.

Die Zeit wurde knapp und ich nahm den Hut und die Brieftasche, hatte meine Hand schon auf der Klinke der Wohnungstür, als mir an der Wand, wo eben noch mein Hut am Haken gehangen hatte, ein Fleck auffiel, den ich vorher noch nie dort gesehen hatte. An dieser Stelle war die Tapete ein wenig dunkler, was aber keinesfalls am Muster lag. Ich strich mit der Hand ganz sacht über die Stelle und war mir sofort einigermaßen sicher: Das war ein Moderfleck, denn es fasste sich klamm und etwas weich an. Lange konnte er dort noch nicht gewesen sein, denn ich trug den Hut fast jeden Tag. Überdies hatte es seit Wochen nicht geregnet und war heiß und trocken gewesen. Wie zum Kuckuck konnte es denn im Hochsommer schimmeln? Ich ging schnell zurück ins Wohnzimmer, schließlich war Eile geboten, denn ich wollte nicht zu spät zum Arzt kommen, das wäre gleich gar nicht meine Manier, und rief meinen Vermieter an. Dann ging ich los.

Der Besuch beim Hautarzt war kurz. Er besah meinen Leberfleck und meinte, dass der bestimmt schon ein paar Wochen oder Monate da gewesen sein muss und es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe. Wenn er wächst oder sich verändert, dann solle ich wiederkommen. Ich zog für einen Moment in Betracht, ihn wegen des Knopfes zu fragen, aber ein Knopf ist ja nun wahrlich kein Leberfleck und der Schimmelfleck an der Wand ebenso wenig und am Ende hätte er mir vielleicht gleich eine Überweisung zum Psychiater gegeben. Ich beschloss nach Hause zu gehen, die ganze Sache zu vergessen und wenigstens den restlichen freien Tag zu genießen. Draußen schien die Sonne, das tat sie wahrscheinlich schon seit heute Morgen, ich hatte es nur bis jetzt nicht bemerkt und ich ging zur U-Bahn-Station.

Normalerweise schließe ich die Augen, wenn ich in der U-Bahn sitze, höre Musik mit meinem MP3-Player und zähle die sieben Stationen bis nach Hause herunter. Die Lust auf Musik war mir aber gehörig vergangen und so starrte ich erst auf Werbeplakate und dann auf den Leberfleck, dessen plötzliches Auftreten mir diesen hektischen Tag eingebracht hatte. Die Durchsagen kannte ich schon auswendig und ich bereute, dass ich die Zeitung ungelesen auf dem Küchentisch liegen gelassen hatte, als die U-Bahn in einer Station hielt, die vorher noch nie da gewesen war. Ich versuchte mich an Nachrichten im Fernsehen oder in der Zeitung über U-Bahn-Bauarbeiten für neue Stationen zu erinnern, doch mir fiel nichts ein. Einen Moment zögerte ich und wollte schon an der unbekannten Station aussteigen, doch dann schien mir das zu albern und ich blieb angespannt sitzen.

Auf dem Streckenplan, der neben der Tür hinter einer Glasscheibe angebracht war, war diese unbekannte Station auch nicht verzeichnet, dort waren es immer noch sieben Stationen bis zu mir nach Hause und nicht acht. Ich schwitzte, merkte, wie ich immer mehr aus der Fasson geriet. Vielleicht wurde ich ja wirklich verrückt, oder ich war die letzten Wochen völlig blind durch die Welt gegangen und hatte von all dem, was um mich herum oder auch mit mir passierte, nichts vernommen. Nach acht Stationen U-Bahn-Fahrt, wie schon erwähnt einer Station mehr als sonst, stieg ich aus.

Als ich nach Hause kam, die Wohnungstür aufschloss und schnurstracks zum Kühlschrank ging, um endlich etwas zu trinken, denn ich hatte nach der Aufregung eine trockene Kehle bekommen, saß da in meiner Küche am Tisch eine Frau, die vorher noch nicht da gewesen war und die ich auch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte. Sie war etwa in meinem Alter, so schätzte ich, und beachtete mich kaum. Als ich die Küche betrat, hatte sie nur kurz aufgeblickt und mir zugenickt, als hätte sie mich erwartet. Sie saß so selbstverständlich da, hatte die Beine übereinandergeschlagen, las meine Zeitung und trank Kaffee aus meiner Tasse, dass ich es für unangebracht hielt, zu schreien oder irgendwelche anderen Ausbrüche von Panik und Entsetzen hervorzubringen. Ich entschied, sie ruhig anzusprechen – vielleicht war sie ja eine entlaufene Patientin aus einer Anstalt –, als das Telefon klingelte. Ich machte mit den Händen Zeichen, die bedeuten sollten, dass ich gleich zurück sein würde.

Am Apparat war mein Vermieter, der mir überaus eifrig versicherte, dass er morgen Abend kommen würde, um den Moderfleck zu übermalen. Ich sagte nur leise „ja, ja“, versuchte aber zufrieden zu klingen, besonders nach meinem dringlichen Bitten am Vormittag, als ich ihn in aller Eile auf das Malheur –
den Moderfleck, der nun seit Kurzem an der Wand im Flur war – aufmerksam gemacht hatte. Als ich zurück in die Küche kam, saß die Frau, die ich nie zuvor gesehen hatte, unverändert da. Ich beschloss zu meinem eigenen Erstaunen, sie zu ignorieren, denn das war im Moment die einzig mögliche Art, damit umzugehen, obwohl ich sonst nicht jemand bin, der seinen Problemen aus dem Weg geht. Es war Nachmittag, eine gute Zeit für ein Nickerchen und manchmal lösen sich ja bekanntlich Probleme im Schlaf.

Ich lag also auf meinem Bett, etwas schräg, so, dass ich noch durch den Türspalt durch das Wohnzimmer bis in die Küche zur Frau sehen konnte, und schloss die Augen. Ich habe vielleicht fünf, sechs Minuten dagelegen, auch bequem gelegen, doch ich fühlte mich hellwach. Wen wundert das schon; nach einem solchen Tag dauert es eben eine Weile, bis man einschlafen kann, auch mit Kognak. Ich hielt stur die Augen geschlossen, zwang mich, an nichts zu denken, als da plötzlich ein Gedanke war, den ich zuvor noch nie gehabt hatte. Er war schwer zu greifen, mehr wie eine Ahnung, wirr und unscharf, und ich versuchte, ihn einzugrenzen, in Worte zu fassen, ihn zu formulieren und so irgendwie festzuhalten. Der Gedanke war, dass ich mich noch nie hier gesehen hatte. Ich, der Mann im Bett mit dem Leberfleck am Arm, der Frau in der Küche und dem kleinen Ton auf dem MP3-Player – mit den ganzen Dingen, die vorher nie da gewesen waren, ich selbst war zuvor nie da gewesen.

Ich erinnerte mich tatsächlich an nichts, was länger zurücklag als gestern. Alles, was sich vor dem gestrigen Tag befand, war undurchdringlich, ja man könnte sagen, es war wie Nacht in meinem Kopf. Hinter dem Fenster war es dunkel – so sollte es 19 Uhr auch sein, aber so richtig dunkel war es in mir. Und dann war da auch noch ein Gefühl, ein starker Wunsch, ja ich würde sogar sagen ein Begehren, fast so, wie wenn ein Mückenstich anfängt zu jucken, und man will sich unaufhörlich unbedingt an dieser Stelle kratzen. Dieses Gefühl wurde lauter, summte in meinem Kopf wie eine lästige fette Fliege. Um dieses penetrante und unerträgliche Summen zu verscheuchen, begann ich aus voller Kehle zu singen. Ich singe sonst nie, Musik ist für mich ein eher passives Vergnügen, daher fiel mir auch auf die Schnelle kein Lied ein und ich schrie mehr, als dass ich sang: lalala.

Aber das Gefühl ging nicht weg, im Gegenteil, es wurde immer stärker, klebte wie schwarzes Pech, warf dunkle Schatten auf mich, die langsam an mir hochkletterten. Dieses Gefühl, es nahm Besitz von mir: Ich wollte beten. Das schockte mich, denn da musste es schon ganz schön schlimm kommen, wenn ich dachte, dass beten helfen könnte, denn ich bin durch und durch ein Atheist, nie in der Kirche gewesen, nie an einer Messe teilgenommen. Aber alles, was mir einfiel – und ich war überrascht, dass ich bei meinem lauten Gesinge noch einen klaren Gedanken fassen konnte –, war: Es sind wie Fehler in einem Computerprogramm, Aussetzer einer kaputten Maschine, kleine Macken von oben, aus der Schaltzentrale, vielleicht ein Computervirus, oder der oben hat einen Schluckauf und bei jedem Hicks gibt es eine Schwachstelle, einen Bug.

Ich betete also für einen Reboot, dass der da oben den Knopf für den Neustart finden würde, und zwar schnell, und ihn auch drücken würde. Oder einen Affengriff machen würde, Steuerung, Alt und Entfernen und gut. Neustart.

Ich krakeelte so laut und stark, dass es mir kurz, vielleicht für eine Viertelsekunde, schwarz vor Augen wurde, ich tausend kleine Sterne sah und dann einen Klick hörte. War das der Restart? Oder war ich nur außer Atem. Ich hörte zu singen auf und es war still um mich. Mucksmäuschenstill.

Als Erstes bemerkte ich im Lichtschein, der durch den Türspalt aus dem Wohnzimmer auf das Bett fiel, dass der Leberfleck auf meinem Arm weg war. Seit dem Arztbesuch hatte ich ihn alle fünf Minuten betrachtet, ob er auch nicht gewachsen war. Ebenso war die Frau in meiner Küche spurlos verschwunden, und als ich in den Flur ging, war da nicht mal mehr der Schimmelfleck an der Wand. Ich ging zurück ins Wohnzimmer, konnte ebenso das Strickbuch nicht mehr im Regal entdecken, dabei hatte ich mich fast ein wenig mit dem Gedanken angefreundet, es zu lesen und vielleicht auch stricken zu lernen. Im Kalender folgte dem einunddreißigsten Mai der erste Juni, wie es ja auch sein sollte.

Ich atmete auf. Die Morgensonne schien rötlich durch das Fenster ins Wohnzimmer, in dem ich wie eine Puppe im Puppenhaus stand. Da bemerkte ich es: Mein Schatten war nicht mehr da, dann war das Sofa weg, danach das Regal.

Und dann wurde es schwarz. Pechschwarz.

 

Fehlkonfiguration.