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Feuilleton der Ausgabe 28 - wie meinen?

bernhard horwatitsch | Im Garten der Behauptungen

Das Meinen als Technik des Denkens

"Das ist so schrecklich, dass heute jeder Idiot zu allem eine Meinung hat." (Dieter Nuhr) Vor etwa 4.000 Jahren ließen sich in Kleinasien – an der Westküste der heutigen Türkei verstreut – ein paar Stämme nieder. Im siebten Jahrhundert vor Christus gründeten diese Stämme den so genannten Ionischen Bund. Herodot spricht in seinem ersten Geschichtsbuch ( Klio ) von zwölf Städten. Kos, Ephesos, Lebedos, Milet, um nur einige d... lesen


wolfgang kühnelt | Heute schon gemeint?

Über soziale Medien und unsoziale Gedanken.

„What’s on your mind?“, fragt das erst noch zu befüllende Facebook-Kästchen in der angloamerikanischen Version. „Was machst du gerade?“, will man in der deutschsprachigen Variante neugierig vom „User“ wissen. Wenn sich ein Konzern von globaler Bedeutung so vehement für unsere Gedanken respektive Handlungen interessiert, dann darf das nicht unbeantwortet bleiben. Noch vor zehn Jahren waren es vereinzelte – auf ihre Art... lesen


parviz amoghli | Propaganda aus der Retorte

Im Meinungsbombardement textgenerierender Computerprogramme.

Obwohl von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, sind sie beileibe keine Besonderheit mehr: textgenerierende Computerprogramme. Inzwischen haben sie es sogar schon bis in den Journalismus geschafft. Das Magazin Forbes beispielsweise benutzt eine Software, die nach Eingabe einiger statistischer Daten durchaus lesbare Artikel hinsichtlich der Entwicklung von Unternehmenszahlen ausspuckt. Oder die Nachrichtenagentur AP: Die lässt seit... lesen


gábor fónyad | Lob des Homo mendax

Der Lüge verdanken wir Dichtung und Literatur

Allen Zweifeln zum Trotz, allen Versuchen, ein gegenteiliges Bild davon in die Welt zu setzen – der Mensch ist doch ein wunderbares Wesen. Was ihn so wunderbar macht, so außergewöhnlich, und ihn über die nächsten Verwandten im Stammbaum der Evolution hebt (die Bonobos und die Schimpansen), sind nicht seine technischen Errungenschaften, die entbehrlich sind und bald aus dem Kanon der Menschheitsgeschichte verschwunden sein werden... lesen


harald a. friedl | Die Einsamkeit des Zweiflers

Über die Freiheit von der Angst, das Falsche zu meinen und nicht geliebt zu werden.

Die lähmende Angst des Autors vor dem leeren Blatt – in ihr manifestiert sich die Sehnsucht, das „Richtige“ zu schreiben: Was des Lesers Zuwendung erwirkt, ihn fesselt, bewegt, Teil seines Horizonts, seiner Wahrheit wird. Wer „falsch“ schreibt, wird von der „Leserschaft“ mittels „like not“ stigmatisiert, oder schlimmer noch, bleibt ungelesen, jenseits der Wahrnehmungsgrenze, bedeutungslos, inexistent. „Alles, was... lesen


michael helming | Auch du bist Haßloch

Ein Euro für zehn Minuten Umfrage

Ins Jenseits spähen selbst sie nicht, heißt es über Demoskopen bei Arno Knoschke, einem Autor, den unter tausend Befragten auch nur einer kennen will. Belastbares Datenmaterial über jene andere Seite besitzt dabei freilich niemand, da einfach kein Aas weiß, was passiert, wenn man stirbt. Allerdings bin ich bestimmt nicht der einzige Mensch, der sich in neugierigem Vorausorakeln auf jenes unvermeidliche Ereignis seine ganz private T... lesen


werner schandor | Eine Art Aufmerksamkeit

Warum Meinungsforschung nicht gleich Marktforschung ist, aber auf alle Fälle der Durchschnitt zählt.

"Wer Fragen hat, macht um sie einen Bogen herum." (Helmut Schranz) Warum rufen so oft Leute an, die einen nach der Meinung zu diesem oder jenem befragen wollen? Wie kommt es, dass Wahlprognosen dermaßen oft danebenliegen? Und wer sind eigentlich die Menschen, die Meinungsforschung betreiben? Ich habe meinen Cousin, den Marktforscher Odilo Seisser, um ein Interview gebeten. Der Psychologe schlitterte in den 1970er-Jahren in die Mark... lesen


katja schmid | Fragen und fragen lassen

Facebook statt Face-to-Face

Wir haben zuhause einen Festnetzanschluss und mehrere Durchwahl-Nummern. Benutzt werden jedoch nur zwei. Damit wir nicht durcheinanderkommen, wenn jemand anruft. Klingelt es bei mir, weiß ich: Das ist für mich. Klingelt es bei meinem Mann, weiß er: Das ist für mich. Klare Sache. Ab und zu jedoch klingeln beide Telefone. Gleichzeitig. Dann wissen wir: Das sind die Meinungsforscher. Die haben unsere dritte, sonst nie genutzte Durchwah... lesen


michaela schröder | Was Meinung verlangt

Ist der Verlust des Paradieses der Beginn der freien Selbstbestimmung?

Das „Vermeintliche“ bezeichnet einen Irrtum. Es steckt das Wörtchen „meinen“ darin, aber eine Meinung zu haben, bedeutet nicht generell, dass es sich dabei um eine sachlich zutreffende Ansicht handelt. Trotzdem gilt die gesetzlich verbürgte Meinungsfreiheit seit rund 250 Jahren als ein Menschenrecht, inklusive dem darin enthaltenen Recht auf öffentlich geäußerten Irrtum. Wieso dient das freie Meinungsbilden dem gesellschaft... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | Was Charles, Charlie und Kleist so meinen

In den Texten des 18. Jahrhunderts wird auf Teufel komm raus gestritten.

1. Als Charles de Secondat, Baron von Montesquieu, im Jahr 1712 seine persischen Reisenden Usbek und Rica in Paris ankommen lässt, ist des Staunens kein Ende. Unverständlich, was hier nicht alles noch geglaubt wird, was einem neugierigen Orientalen die Haare zu Berge stehen lässt! Die Macht des Königs allzumal, der, wenn die Notwendigkeit des Kriegführens die Staatskasse leert, seinen Untertanen weismacht, Papiergeld sei ebenso... lesen


helwig brunner | Gummibälle in der Gummizelle

Spiele der Meinungsbildung zwischen Aporie und Aphorismus.

Spazieren gehen Wie ich an dieser Stelle flugs zu lästern beginnen könnte über Meinungen, die, hat man sie erst einmal ausgedrückt, als undurchschaubar klumpenförmige, quasi koprolithische Gebilde versteinern, künftig als Vorurteile weiteren Gedanken im Weg liegen und schlimmstenfalls auch noch von Generation zu Generation weitergereicht werden: „Meinungen zu haben, ist die beste Methode, der Verpflichtung zum Denken auszuweic... lesen


stefan sonntagbauer | Direkte Demokratie? – Völliger Topfen!

Wieso wir nicht reden, sondern schweigen müssen, damit die hiesige Welt anders werden kann, was durchaus zu begrüßen wäre.

"Des is die nächste depperte Frog‘!" ( Der österreichische Fußballer Günther Neukirchner zu einem Sportreporter) I In seiner Schrift Im Schatten der schweigenden Mehrheit oder Das Ende des Sozialen steuerte Jean Baudrillard bereits 1978 einige gewagte Thesen zur Massentheorie bei. Unter anderem spricht er in seinem Essay von einer Politkultur der Neo-Darstellung, in der die Herrschenden nur noch mit leeren Zeichen o... lesen


vasile v. poenaru | Europäisches Denken und rumänisches Weiden

Marginalien zu einer lückenhaften Meinungsbildung.

„Na, wie geht’s so?“, wird ein an bedeutungsvollem Ort in unmittelbarer Nähe seiner wolligen Herde ausschnaufender Schäfer irgendwann nach der Zweiten Lautverschiebung irgendwo im nahrungshaltigen rumänischen Grasland gefragt. „Nichts wie in Gedanken vertieft dasitzen, was?“ Und des Hüters epistemologisch gevifte Antwort auf die anmaßende Grasland-Frage? – „I wo! … Bloß dasitzen.“ Die Schafe grasen gedankenlos... lesen


harald darer | Gut. Gemeint.

Notizen eines Meinungserfinders in der Meinungsforschungsindustrie.

Wer meinen Sie zu glauben, wer Sie sind, beziehungsweise glauben Sie zu meinen, wer Sie sind? Was glauben heißt, wissen Sie aber hoffentlich, meine ich, und dass das Meinige zählt, weiß ich, schließlich will ich nicht mit mir selbst meineidig verfahren, nicht wahr? Das ist ja das Schöne am Meinen. Man würde geradezu gegen ein Menschenrecht verstoßen, nicht seiner Meinung zu sein. Also der eigenen. So gesehen bin ich ein Menschenr... lesen


wolfgang gulis | Unter uns

Dieser Text ist der Selbstzensur zum Opfer gefallen.

Bitte, liebe Redaktion: Das, was folgt, muss unter uns bleiben. Sagen Sie meinen beiden SelbstzensorInnen nichts. Bitte verwahren Sie den Text gut, ich bin mir nämlich nicht sicher, ob sie nicht draufkommen und dann meine ganze Festplatte vernichten. Diesen Text konnte ich gerade noch vor ihnen retten. So weit ist es schon gekommen, ich musste nach Mitternacht in mein Arbeitszimmer schleichen, heimlich die Datei runterladen und verstec... lesen