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Rezensionen der Ausgabe 28 - wie meinen?

Souverän skurril

Bettina Gärtner entführt in eine klaustrophobische Welt mit mehr Fragen als Antworten.

Bettina Gärtner: Unter Schafen. Roman.

Mit „Schafskrimis“ à la Glenkill hat Bettina Gärtners Debütroman Unter Schafen nichts zu tun. Eher gleicht das Buch einem leicht kafkaesken Kammerspiel, in dem neben swanetischen Fettschwanzschafen vor allem Lügen und Geheimnisse eine Rolle spielen. Erstere – die Schafe – sind im Roman Lieferanten für ein besonderes Fett, das sich als Basis pharmazeutischer Salben bewährt. Letztere – Lügen & Geheimnisse bzw... lesen


Gefangen im Ich

Das Leben, wie es nicht sein soll.

Paul Ferstl: Die gute Küche der Spartaner. Erzählung.

Zwei Wochen Urlaub mit Onkel und Tante am See: Michael sollte sich eigentlich freuen. Aber er freut sich nicht. Michael geht es schlecht. Er ist krank. Schon auf der Hinfahrt muss er sich übergeben, und dann kommt auch noch das Fieber. Michael schämt sich. Endlich der entscheidende Anruf, endlich die fixe Jobzusage: Wolf sollte sich eigentlich freuen. Aber auch er freut sich nicht. Wolf fühlt sich leer. Er hat so lange darauf gewar... lesen


Am Ende war kein Ort

Behutsamer Leerlauf bei 30 Grad im Schatten.

Lorenz Langenegger: Bei 30 Grad im Schatten. Roman.

Manchmal ist das Verreisen ja eher ein Fortlaufen, eine Bewegung raus aus dem Ungeheuren des Alltags, hinein in das positiv gedachte Ungewisse der Ferne, ist eine Distanzschaffung zwischen dem Hier und dem Mir. Jakob Walter, die Hauptfigur in Bei 30 Grad im Schatten war bereits die Hauptfigur in Lorenz Langeneggers Debüt Hier im Regen . Dort schon wagte er einen Ausbruch aus seinem Leben, nun ja, besser sagte man wohl, er versuchte... lesen


Konzentrierter Affenzirkus

Einblicke in einen arabesken Gedankenstrom.

Jung Young Moon: Vaseline Buddha. Aus dem Koreanischen von Jan Hendrik Dirks. Roman.

Eines der Ziele der Meditation ist es, den ungezügelten Gedankenstrom in ein ruhiges Gewässer zu überführen. Schön, wenn das gelingt, aber dafür ist jahrelange Übung in der kontemplativen Versenkung notwendig. Ein Bild, das im Zusammenhang mit der Meditation gerne gebraucht wird, ist das der Gedanken als Horde sprunghafter Affen, die sich mal auf diesen, mal auf jenen Ast schwingen und dabei jedem Impuls folgen, der sich ihnen bi... lesen


Rückzug ins normale Leben

Rimbaud lässt sich unter Kokospalmen die Eier kraulen.

Markus Mörth: Die Surrealisten. Roman.

Ein Künstlerleben abseits bestehender Konventionen und fernab lästiger Verpflichtungen, frei, radikal und leidenschaftlich, wollen sie führen – die drei Freunde Max, Otto und Paul. Um das auch nie zu vergessen, schließen sie einen Pakt, der sie davor bewahren soll, wie so viele als gescheiterte Maulhelden zu enden. Nach Jahren treffen die „drei Musketiere“ wieder zusammen: Gealtert, um ein paar Kilogramm schwerer und um ein pa... lesen


Subversion auf der Jesuitenwiese

Vom Kampf um gesellschaftliche Veränderung.

Fanny Blissett: Jesuitenwiese. Ein leicht revolutionärer Poproman.

  Liebe Freundinnen, wenn ich an die letzten 25 Jahre zurückdenke, hatte ich eigentlich immer einen politischen Plan der Gesellschaftsveränderung. Große Hoffnungen hab ich dabei in die Jugend- und Popkultur gelegt, aber viele dieser Hoffnungen scheinen sich inzwischen aufgelöst zu haben. Deshalb möchte ich einen Roman schreiben und kann mir gut vorstellen, dieses Projekt im Team anzugehen.   Diese Sätze standen a... lesen


Eisbergstorys

Johannes Gelichs Kurzgeschichten wirken als Text und Subtext gleichermaßen.

Johannes Gelich : Das T-Shirt meiner Frau. Stories.

Gemäß dem von Ernest Hemingway entwickelten Eisbergmodell sollte eine gute Kurzgeschichte wie ein Eisberg nur 8 % ihrer Masse an der Oberfläche zeigen, die restlichen 92 % aber darunter als Subtext wirken. Wenn der Autor weiß, wie sein Eisberg unterhalb der Wasserlinie des Ausgesprochenen aussieht, kann die tiefere Bedeutung der Geschichte implizit hindurchscheinen. In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gibt es nicht mehr vie... lesen


Die dritte Hälfte der Torte

Wert und Mehrwert in Axel Helbigs Dichtergesprächen.

Axel Helbig: Der eigene Ton 2. Gespräche mit Dichtern.

Zur Kultur des Sekundärtextes über neuere deutschsprachige Literatur lassen sich auf ersten Blick zwei kontroversielle Extrempositionen festmachen. Während eine Seite die Analyse des Textes und seiner Entstehungsbedingungen nicht nur als begleitende Aufarbeitung, sondern geradezu als programmatischen Inhalt der Literatur selbst betrachtet, werden auf der anderen Seite, vor allem in Bezug auf Lyrik, immer wieder gewichtige Einwände l... lesen


Lieder wie Nutzfahrzeuge

Ronald Pohls Gedichte vereinen Moderne, Jazz und Wiener Bühnenschmäh.

Ronald Pohl: die akte des vogelsangs. gedichte.

Ronald Pohls für einen Gedichtband überraschend umfangreiches Buch die akte des vogelsangs gibt sehr viel her, erfordert aber auch viel Arbeit von uns. Das mit der Arbeit liegt nicht an den Motiven und Schauplätzen, die er schildert. Leben in Wien, Vanitas-im-Altersheim, die Adria, die Geschichte des Jazz et al. – Das kennen wir entweder alles aus eigenem Augenschein, oder wir haben zumindest die eine oder andere Idee davon aus z... lesen


Hundewelt mit Ninjas

Alle Zustände in einem langen Satz vereint.

Max Höfler: wies is is. ein mondo cane machwerk.

„Mondo Cane“, beauskunftet uns Wikipedia, „ist ein Pseudo-Dokumentarfilm aus dem Jahr 1962 von Gualtiero Jacopetti, Franco Prosperi und Paolo Cavara und gilt als Grundstein des Mondo-Genres.“ Aha. Man erinnert sich dunkel an Filme dieses Genres: Gesichter des Todes etwa machte klandestinerweise die Runde im Klassenverband, als ich ungefähr 16 war – wie ich heute weiß, ein blasser Abklatsch der „echten“ Mondo -Filme aus... lesen