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Unter uns

wolfgang gulis | Unter uns

Dieser Text ist der Selbstzensur zum Opfer gefallen.

Bitte, liebe Redaktion: Das, was folgt, muss unter uns bleiben. Sagen Sie meinen beiden SelbstzensorInnen nichts. Bitte verwahren Sie den Text gut, ich bin mir nämlich nicht sicher, ob sie nicht draufkommen und dann meine ganze Festplatte vernichten. Diesen Text konnte ich gerade noch vor ihnen retten. So weit ist es schon gekommen, ich musste nach Mitternacht in mein Arbeitszimmer schleichen, heimlich die Datei runterladen und verstecken.

Denn sie haben mir verboten, ihn fertig zu schreiben oder gar zu verschicken. Wenn sie draufkommen, dann Prost, Mahlzeit! Also bitte verraten sie mich nicht. Ich bin einer von den Guten. Leider hatte ich jetzt nicht mehr die Zeit, ihn endzufertigen. Also bitte, nehmen Sie ihn einfach so an sich und zeigen sie allen, wie arg die SelbstzensorInnen mittlerweile bereits geworden sind. Sehen Sie das als politischen Akt gegen die Selbstunterdrückung und Unterschlagung von wichtigen Informationen und Meinungen, helfen Sie mir. Ich weiß, ich widerspreche mir. Aber ich bin schon so verwirrt, dass ich nicht mehr weiß, was ich dagegen tun kann. Entscheiden Sie.

 

Ich stimmte mit der schreibkraft-Redaktion …

… bisher immer vollinhaltlich überein. Die Texte, die Sie für die Suche für die nächste Ausgabe aussenden, sind anregend und interessant. Für diese Ausgabe allerdings …

<Den SelbstzensorInnen zum Opfer gefallen>

… um den Ausschreibungstext, den die schreibkraft-Redaktion diesmal ausgesandt hatte. Sie erinnern sich? Da wurde über Meinung getextet, über die sozialen Medien hergezogen, eine radikale Selbstzensur – frei nach Alain Badiou – gefordert und über alternde Politiker gelästert, die, als sie noch in Amt und Würden waren, nichts auf die Reihe gebracht hätten, aber hinterher alles besser wüssten.

Ich bin mir sicher, das sind immer alte Männer. Da fällt mir übrigens ein Lied von den Kölsch-Rockern BAP ein: Ahl Männer, unerbittlich nette ahl Männer.

<SelbstzensorInnen streichen den Rest. Sie fragen mich außerdem, ob es Gegenbeispiele gibt? Wohl eher nicht. Aber wir kommen demnächst in die Phase, in der „elder stateswomen“ (Angela Merkel, Hillary Clinton, Christine Lagarde) für diese Kategorie kandidieren, und dann werden wir sehen! Wenn ich das plausibel begründen kann, dann darf der Absatz wieder rein. Was glauben die eigentlich?>

Es kam das Wochenende und ich ärgerte mich über ganz andere Dinge – über Fußball etwa. Aber auf das will ich jetzt auch nicht näher eingehen, da kommt wirklich nur eine Suade heraus – auch ein schöner Begriff übrigens.

<SelbstzensorInnen streichen wieder einmal den Rest.>

Ich nahm den Text, genauer gesagt das Pamphlet – gefällt mir übrigens auch nicht schlecht. Der Begriff ist in seiner Bedeutung durchaus passend. Er hat so eine grundaggressive Lautaneinanderreihung. Pam-ph-let. Das knallt ein wenig. Denn …

<Wegen Banalität gestrichen, sagen sie.>

… Was tun also? Nur ein seriöses Gegenbeispiel kann die Antwort sein. Der Redaktion glaubhaft ein Gegenbeispiel liefern, nach dem Motto: Ein Kommentar mit Meinung geht auch anders.

<Redundant, gestrichen>

… und so ist ein persönlicher Kommentar daraus geworden, einer mit Meinung und mit Fakten ausgestattet. Es wäre durchaus nicht ganz übertrieben, ihn als wissenschaftsorientiert, sprich auf Recherche und Untersuchung aufgebaut, zu bezeichnen …

<Von der Selbstzensur gestrichen, sei zu ausführlich>

Dieser Text ist wohlüberlegt, ausbalanciert, strukturiert, geplant und gebaut, entwickelt und konstruiert …

<Die Selbstzensorin fand das zu aufgeblasen.>

Das alles nur, um zu verdeutlichen, dass hier nicht niedrige, opportunistische, spontane oder gar ungewollte Motive regieren. Sehen Sie den Beitrag als konstruktiven Widerspruch.

 

Die sozialen Medien kommen …

… bei der Ausschreibung für das Heft 28 ebenfalls ins Kreuzfeuer der Kritik. Dies allerdings zu Recht, aus meiner Sicht. Auch ich bin der obergescheiten Kommentare und arroganten Alleswisser bis unflätigen Beflegler überdrüssig, die in den Internetzen ihr Unwesen treiben …

<Aufzählung gestrichen>

… Meine Beiträge, die sich aus meiner Sicht als höchst wichtig für die „res publica“ erweisen hätten sollen, wurden weitgehend von der Öffentlichkeit ignoriert. Ich bringe es selten auf mehr als fünf „Gefällt mir“ und mehr als drei, die meine Links teilen. Wenn es mehr als zehn LeserInnen sind, die meine Kommentare, Artikel und Geschichten gelesen haben, freue ich mich regelmäßig wie ein Schneekönig.

<Selbstzensorinnen finden das larmoyant, Rest gestrichen.>

… Sie bitten, nach dem Lesen des Textes, die Quellen meiner Behauptungen zu überprüfen …

<Einleitung gestrichen>

… ohne, dass ich Sie beeinflussen oder ihnen gar vorschreiben möchte, wie Sie den Text zu lesen haben. Aber Sie werden bemerken, dass Kommentar, Meinung, Fakten und Recherchetreue sich absolut nicht widersprechen …

<Gestrichen>

In dem Beitrag geht es keinesfalls nur um Meinung, die sich aus dubiosem Halb- oder Schwarmwissen speist, wie böserwillens von der Redaktion behauptet wird, sondern um langjährige Erfahrungen und Beobachtungen. Analysen, Insiderwissen und beste Netzwerke haben zum Gehalt und zum Gelingen des Textes beigetragen.

<Selbstzensorin fand das aufgeblasen, na und? Bleibt drinnen.>

<Einleitung gestrichen, zu lang>

… meinen fachlichen Hintergrund offen. Ich gebe in dem Beitrag nicht vor, objektiv zu sein. Ich halte Objektivität im Journalismus für eine institutionelle Lüge, mit Verlaub. So etwa wie …

<Selbstzensur>

Jedenfalls für diesen Beitrag gilt: Seriös sein, nichts unterschlagen. Dazu muss man sich im Thema auskennen, Wichtiges von Unwichtigem trennen können und Detailwissen besitzen, das die Leser und Leserinnen nicht besitzen; es umfassend –
sprich von mehreren Seiten – betrachten können und verschiedene Positionen beziehen, vielen Stimmen Gehör verschaffen oder sie zumindest im Recherchepool zur Verfügung haben. Man sollte nicht mit Floskeln herumwerfen und Effekte heischen, selbst Sündenböcke produzieren und scheinbare, unumstößliche Wahrheiten weiter verbreiten. Ich versuche das Thema auch von einer Metaebene aus zu betrachten, in der bestimmte Strukturen, die hinter dem Thema – und damit unsichtbar sind – liegen, offengelegt werden …

<Selbstzensur fand das zu lang, wieder eingefügt. Ich lass mir doch nicht jeden Text zerstückeln.>

 

Das Thema des Beitrages ist die Asylpolitik

Genauer gesagt, nicht die tatsächliche Politik und die dahinterliegenden Gesetze, Abläufe und Zustände, sondern das, was uns in der Öffentlichkeit für Asylpolitik – mit Betonung auf Politik – präsentiert, verkauft wird.

Ich komme zu meinem beruflichen, fachlichen Hintergrund und warum ich berechtigt und befugt bin, einen Kommentar zum Thema abzugeben: Seit 1987 bin ich mit der Thematik befasst.

<Gestrichen, zu lang>

Damals gründete ich mit einigen anderen eine Flüchtlings-Menschenrechts-NGO. Sie heißt Zebra. In der Folge war ich einige Zeit der einzige Angestellte, habe also buchstäblich alles selbst gemacht: Organisation aufgebaut, Finanzen aufgestellt, Flüchtlingsberatung und Flüchtlingshilfe gemacht, Wohnungen gesucht, medizinische Versorgung organisiert, Öffentlichkeitsarbeit usw. Bis dann weitere Leute dazukamen – Sozialarbeiterinnen, Therapeuten, Juristinnen, Pädagogen usw. –
und der Laden wuchs. Das war dann so ab 1989. Ich weiß also, was es heißt, Flüchtlinge aus der Schubhaft zu befreien, sie …

<Selbstzensur gestrichen>

Ab dem Jahre 1991/92 war ich auch Chefredakteur einer Zeitschrift namens Zebratl, die sich schwerpunktmäßig mit diesen Themen befasst hat. Seit vier Jahren bin ich bei Zebra nicht mehr beteiligt und beschäftigt.

<Selbstzensur>

Dem Thema bin ich indes treu geblieben.

<Selbstzensur hat auch das gestrichen, zu lang, sagen sie.>

Ein Beispiel: Als wir damals begannen, war die Unterbringung von AsylwerberInnen ein großes Thema. Was haben wir gegen schlechte Quartiere gekämpft: Dort, wo die Brote und die Zimmer schimmlig waren, die Portionen zu klein, die Fenster zugig, schlecht geheizt und das Personal aggressiv, betrunken, grantig, überfordert, meist alles gleichzeitig. Über all die Jahre blieb das Thema Unterbringung und Versorgung beständig auf der Agenda …

<Selbstzensur findet den Rest unerheblich, gestrichen.>

Das Grundprinzip und die Systematik – AsylwerberInnen werden in Gasthöfen irgendwo am Land oft jahrelang untergebracht und die Mittel erhält größtenteils der Betreiber/die Betreiberin – haben sich nicht verändert. Die Missstände sind nach wie vor da, weil das System dasselbe geblieben ist. Es baut darauf auf, dass umso mehr Profit den Betreibern bleibt, je weniger für Essen, Toilettenartikel, Spielzeug, für Investitionen und für ausgebildetes Betreuungspersonal ausgegeben werden muss …

<Selbstzensur>

Aus dieser Fassungslosigkeit ob der Wiederholung entstand der Wunsch, diese immer wiederkehrenden Wellen der öffentlichen Diskussion zu erheben, zu beschreiben und sie auf wiederkehrende Muster zu untersuchen. Daraus entstand eine Systematik der Flüchtlingsunterbringungsdiskurse, mit den fast immer gleichen Akteuren. …

<Selbstzensur gestrichen, wieder eingefügt – was glaubt die eigentlich?>

Angefangen habe ich mit den Jahren 1989/90, mit Beginn der Flüchtlingsbewegung aus Rumänien. Es folgten weitere Flüchtlingskrisen; der Zerfall Jugoslawiens …

<Rest der Aufzählung gestrichen>

Die Dauerdesaster in Afrika (Somalia, Sudan, Kongo, Ruanda, Nigeria u. v. m.) erwähne ich hier nur zum Teil …

<Selbstzensur hat gekürzt, also bitte, wenn sie unbedingt glaubt!>

Doch das ist nur der kleinere Teil, der da an den Festungsmauern der EU hereindrängt, der weitaus größere Teil bleibt irgendwo in der Nähe des Kriegsschauplatzes sitzen; sprich andere Provinz, Nachbarland und meistens UNHCR-Flüchtlingslager.

 

Das Sechsstufenmodell

Die zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (Frühjahr 2015) laufende Debatte …

<Selbstzensur gekürzt: Zu aktuell!, sagt sie. Bah, was wissen die, was aktuell ist und was nicht!>

Stufe 1: Die Medien und die Politik tun regelmäßig erstaunt über den „Ausbruch“ von Kampfhandlungen. Tatsächlich kann man fast der Meinung sein, dass Kriege ausbrechen. Plötzlich ist ein Konflikt in den Medien und breitet sich aus, und nur dann kann er tatsächlich als wahrgenommen angesehen werden. Jüngstes Beispiel: Für den unbedarften Medienrezipienten wurde plötzlich das Kalifat von ISIS …

<Fußnote gestrichen, beide meinen, mittlerweile braucht man ISIS und IS nicht mehr erklären.>

… auf dem Boden von Regionen von Syrien und des Iraks ausgerufen. Der Bürgerkrieg in Syrien und der zerfallende Staat Irak waren zwar im Bewusstsein, aber kaum jemand – abgesehen von echten Fachleuten – war in der Lage, die Zusammenhänge zu durchschauen. Man weiß und weiß doch nichts.

<Selbstzensur meint, das eigentliche von Kommentar kommt viel zu spät. Na und, was soll ich jetzt noch machen, noch einmal alles umschreiben? Sicher nicht.>

Die Stufe 2 besteht aus Entsetzen; über die Gewalt und die Verfolgungshandlungen, über die Brutalität und die massiven militärischen Manöver in der jeweiligen Region. Auch dieses Entsetzen bricht unvermittelt aus und bleibt isoliert und folgenlos, außer in öffentlichen Bekundungen. Die Politikerinnen und Politiker der nicht involvierten Länder äußern Betroffenheit über das Leid und rufen nach dem Ende der Kampfhandlungen und dringenden Maßnahmen für die Flüchtlinge. Jedoch ohne dazuzusagen, dass ihre Waffenexporte …

<Selbstzensur. – Verdammt, was darf man denn überhaupt noch sagen?>

Stufe 3 enthält einen Kippeffekt. Dieser tritt dann auf, wenn die Zahlen der Asylanträge in den jeweiligen Ländern steigen, was sie fast immer tun; meistens etwas zeitverzögert nach dem Ausbruch des Konfliktes. Die steigenden Flüchtlingszahlen in den europäischen Ländern überraschen die Verantwortlichen regelmäßig. Oft, so wie etwa aktuell in der Krise in Syrien, im Irak, dauert es Monate bis Jahre, bis die Länder im Zentrum der EU diesen Effekt wahrnehmen, und danach dauert es Monate, bis sie sich zu einer gemeinsamen Handlungsstrategie entschließen können. Oft auch kommt so eine gemeinsame Strategie nicht zustande.

Gleichzeitig beinhaltet die Stufe 3 auch das Ingangsetzen der „Innenpolitik“: Bis zu dieser Stufe war das ja Thema der Diplomatie und Außenpolitik, jetzt entsteht der innenpolitische Diskurs. Appelle der Verantwortlichen (Innenminister/-innen) werden ausgesandt, Versäumnisse werden angesprochen, Überfüllung und Ende der Kapazitäten werden prognostiziert. Der Notstand wird herbeigeredet. Die Opposition jedweder politischen, ideologischen Anschauung nimmt sich des Themas an. Die Medien springen auf den fahrenden Zug auf.

<Selbstzensur will das nur drinnen lassen, wenn es genauer analysiert wird. Da kann ich ihr jetzt auch nicht mehr helfen. Das hätte sie früher sagen müssen.>

Stufe 4 schließlich besteht aus Debatten über Gesetzesverschärfungen und Neuregelungen. Diese folgen immer. Die alten Gesetze sind nie die richtigen. Es kommt da und dort der Volkszorn auf; gegen Maßnahmen, gegen Gerüchte, gegen Ankündigungen, die von oben kommen. Das kann unterschiedlich sein, das eine Mal ist es der Bund (Innenministerium), der ankündigt, Flüchtlinge unterzubringen. Das andere Mal ist es das Land, eine Hilfsorganisation, die Flüchtlinge unterbringen will, die Gemeinde oder einfach ein Privater, der seinen „Gasthof“ dem Ministerium anbietet.

Es gibt immer wen, der/die empört ist, der/die Angst hat und der/die nicht eingebunden worden ist. Mit dem nötigen öffentlichen Zunder versehen durch Politiker und Vertreter von Bürgerinitiativen, die sich spontan gründen, und vom Boulevard gerne angeheizt, kochen Emotionen schnell hoch. Aus den gerade noch „armen Flüchtlingen“ werden schnell „zu viele“. (Überflutungsmetaphern) …

<Zu lang, gestrichen>

Stufe 5 kann als die Ermüdungsphase bezeichnet werden. In dieser Phase werden Krisengipfel, Koordinationssitzungen, Treffen der jeweiligen Verantwortlichen (Bund, Land, Gemeinde, Polizei, Bundesheer, Rettung, Hilfsorganisationen …) abgehalten und es wird darum gerungen, die Sache „in den Griff zu bekommen“. Denn so gut das Schüren und Hetzen für bestimmte Kreise ist, so schlecht ist es für die verantwortlichen Politiker, wenn die Phase 4 zu lange dauert. Danach, je nach Art des Gipfeltreffens, treten Politikerinnen vor die Presse und unterbreiten Vorschläge, Maßnahmen usw., die „raschestmöglich“ umgesetzt werden sollen. Das Interesse lässt nach, die Aufregung der Öffentlichkeit(en) zieht weiter. Nach wie vor ist zwar nichts gelöst, aber der Brennpunkt auf den Konflikt ist erloschen.

Stufe 6 ist die Auslaufphase. Das Thema ist aus den Medien draußen. Das Interesse erlahmt. Oft passiert dann genau im Stillen etwas, was die Lage vor Ort beruhigt oder zumindest entschärft. Einzelne Maßnahmen greifen tatsächlich und entspannen oder strukturieren die Situation.

Ab der Stufe 6 verlangsamt sich das öffentliche Ringelspiel, wartet nur darauf, bis wieder eine weitere Runde losgetreten wird und der skizzierte Stufenprozess von Neuem beginnt.

Die Diskussion um Flüchtlinge verläuft mittlerweile synchron. Von Zeit zu Zeit, je nach Konjunktur und Ereignissen, tauchen die Meldungen europaweit auf.

<Ausnahmsweise hat die obergescheite Selbstzensur einmal nix auszusetzen.>

In Stufe 4 und 5 kommen europaweit ähnliche Positionen zutage. Viel lieber hätte man es, wenn die benachbarten Länder – im jüngsten Syrien-/Irak-/IS-Fall etwa Libanon und die Türkei – das Problem unter sich regeln würden und nicht allzu viel internationales, diplomatisches, gar rechtliches Aufsehen erregen würden. Zeltstädte ja, humanitäre Hilfe ja – das, was UNHCR, Rotes Kreuz, Roter Halbmond und andere halt so gut können. Aber bitte keine Asylanträge und ja keine Ausreisen nach Europa.

Sollen die doch die Syrer zwischenzeitlich aufnehmen und, sobald es ruhiger wird, wieder zurückschicken. Der Libanon hatte etwa im September 2014 mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge – bei einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen Libanesen. In der Türkei sind ebenfalls schon mehrere 100.000 gestrandet. Und jene, die halt doch in die EU kommen, …

<Selbstzensoren sind sich selbst nicht einig. Sie drängt auf Kürzung. Er gibt mir Recht. >

Die dänische – angeblich linksliberale – Regierung hat dieses Szenario jüngst in ihrer innenpolitischen Debatte um Asylgesetzverschärfungen deutlich zum Ausdruck gebracht. (Stufe 5)

Die Stufe 4 ist in Österreich die Hochphase der Achse FPÖ – Kronen Zeitung (oder ähnlicher Blätter). Flüchtlinge werden zu „Wirtschaftsasylanten“, die also gar kein Asyl erhalten sollten, oder sie werden als kriminell denunziert. Wie es teilweise aktuell bei den syrischen Flüchtlingen bereits geschieht, die ihren Verwandten bei der Flucht nach Europa helfen. Stufe 4 und 5 bilden den Höhepunkt des Zynismus und rufen vermehrt politische „Fachkräfte“ auf den Plan, die das Geschäft des Hetzens und des Opportunismus mit Politik verwechseln. Das Alleinstellungsmonopol auf diese Art von „Intervention und politischen Handeln“ hat jedoch nicht die FPÖ allein. Auch und gerade Bürgermeister und Landespolitiker von beiden ehemaligen Großparteien, SPÖ und ÖVP, spielen ebenso auf diesem Klavier.

<Selbstzensur findet, ich bin zu negativ. Es gibt doch auch positive Beispiele – wie Altmünster. Jaja, sicher, glaubst, ich habe den Falter, Ausgabe 40/2014, nicht auch gelesen?>

Zum Thema Asyl gibt es ja – ähnlich wie beim Fußball – acht Millionen Teamchefs bzw. in dem Falle Innenministerinnen, die genau wissen, wie das Problem zu behandeln ist, „wie die Asylanten sind“, und was zu tun ist. In Wahrheit jedoch hat niemand eine einfache und sofort umsetzbare Lösung. Die zuvor beschriebenen Muster haben sich jedoch wie bei einem Pawlow‘schen Hund eingeschrieben. Dementsprechend wird es immer schwerer, da wieder rauszukommen.

 

Das ist er – der Text, der nicht rausgehen sollte. (Ich tippe auch ganz leise, damit sie nichts hören und ja weiter schlafen.) Ich hab&apos;s mir nochmal überlegt, ich bleibe stark. Bitte, veröffentlicht ihn, weil sonst werden die immer stärker, und ich trau mich dann gar nix mehr … Schlaft gut!