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Im Land des Lächelns

Eine verregnete Sommerliebelei


Martin Kolozs: Sommer ohne Sonne. Roman.

Bucher Verlag 2016

Rezensiert von: werner schandor


Es wird viel gelächelt in Martin Kolozs‘ neuem Buch Sommer ohne Sonne, und zwar wird von den Romanfiguren schief gelächelt, bitter gelächelt, verkniffen gelächelt, verletzt, verlegen oder versucht fröhlich gelächelt, und das auf manchen Seiten bis zu drei Mal. Dabei gibt es gar nicht so viel zu lächeln und schon gar nichts zu lachen in diesem 100 Seiten dünnen Roman, in dessen Zentrum ein Theaterkritiker mit dem sprechenden Namen Sauerwein steht. Der ist so berühmt, dass er in seinem norwegischen Feriendomizil sogar von einer Biographin aufgesucht wird. Und die verliebt sich in ihn. Aber Sauerwein hat schon genug damit zu tun, sich der Liebe seiner Vermieterin Margot zu erwehren, die für ihren eingesessenen Feriengast sogar ihre Ehe aufs Spiel setzt. Wer jetzt an eine locker-luftige skandinavische Sommerliebelei á la Schloss Gripsholm oder Ingmar Bergmans Film Das Lächeln einer Sommernacht denkt, kann falscher nicht liegen. Denn einerseits ist Norwegen nicht Südschweden, und statt eines prächtigen Sommers herrschen im Land der Fjorde Dauerregen und Sturm. Und andererseits ist Sauerwein ein echter Sauertopf, der, wie sich bald herausstellt, eine seelische Last mit sich herumschleppt, die im Laufe des verregneten Sommers ihre Klärung erfahren soll. Und die hat damit zu tun, dass Sauerwein echte Liebe einzig und allein für eine Zufallsbekanntschaft im Theater empfunden hat:für eine alte Dame, die seine Mutter hätte sein können und die er in der Folge immer wieder im Altersheim besuchte, um sie und ihren Mann in den letzten Lebensjahren zu begleiten. Die Erinnerung an diese Frau ist für Sauerwein eine derartige Qual, dass er sie sogar vor seiner Biographin verheimlicht. Der Grund wird im Buch nach und nach enthüllt. Und auch wenn es unfair wäre, in der Rezension den Clou zu verraten, auf dem der ganze Plot aufsetzt, so muss man doch sagen, dass sich dergewünschte Effekt bei der Lektüre nicht einstellen will: Man versteht als halbwegs abgeklärter Leser nicht wirklich, warum Sauerwein ein derartiges Gewese um diese Episode in seinem Leben macht. Es sind der aufgesetzt wirkende dramatische Konflikt und die etwas manirierte, weil von Adjektiven überladene Sprache, die den Leser dieser Erzählung letzten Endes mit einem Lächeln zurücklassen – halb verlegen, halb ratlos.