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Adi Traar | Kausa effiziensis

Und wir verspielen uns täglich.

Im Musikerjargon werden sie Schlepper genannt (wir erwähnen das trotz brisanter Namensvetternschaft), in der Lebenskunst sind es die Flaneure, im Fußball die Dribbler (so geheißen die Ballverliebten), in der angewandten Elternpsychologie schimpft man sie Trödler – und wenn jene „schleppenden“ Musiker im Klein-Klein des Notenfirlefanz das Tempo ebenso verlieren wie besagte Spaziergänger das Ziel vor Augen, und wenn sich auch die Ballverliebtheit mit Egomanische Anwandlungen in Fußballrasen apostrophieren ließe und der jugendliche Müßiggang als Der Adel fortschreitender Dinge, so ist doch all das unschwierig auf einen Nennerposten zu bringen, der da beschriftet ist in ausladendem Schnörkel: verspielt.

Wir wissen, wovon wir klagen, haben wir vom Effizienz-Ressort es uns noch nie leicht gemacht, trotz klaren Auftrags, Mitbürger der Ineffizienz zu überführen. Nichts ist so vielfältig und allgegenwärtig wie Ineffizienz. Minütlich läuft das Ressort Gefahr, infolge unserer spielerisch-opulenten Ausführungen hierselbst, dieser Ineffizienz zum Opfer zu fallen, uns quasi in literarischer Selbstjustizmanier selber abzuschaffen. – Ob das gleichzeitig das Verschwinden der gesamten Menschheit bedeutete, wissen wir nicht; zweifellos aber würde es sich mit der letzten Verspieltheit auch mit dem guten alten Liebesspiel ausgespielt haben.

Ja, die Verspielten sind uns die Liebsten, sie übersehen in ihrer Verspieltheit unsere ausgesteckten Planquadrate. (Eine Assoziation zu Planwirtschaft liegt uns trotz wirtschaftlicher Ausrichtung fern!) Wir gefallen uns in der Rolle der Wirtschaftlichkeitsspitzel durchaus, wir würden uns aber auch als gnadenlose, Obolus-eintreibende Fiskus-Busters gefallen. Wir sind da ganz Pflicht und durchgängig bewusst. 

Die Professionisten unter den „Spielern“ sind für uns unbedeutend, sie erliegen gerne einer substanziellen Ernsthaftigkeit, es gebricht ihnen am Spielerischen. Zeitgenossen, die ein Spiel doppelbödig #treiben# und es nicht spielerisch spielen, fallen bei uns dito durch den Rost. Nein nein, spielerisch muss schon spielerisch bleiben, und jenes Spielerische, welches in Wahrheit auf Ernst oder Zweckdienlichkeit fernabgezielt ist, entkostümiert sich nur allzu bald als ein trauriger Clown. Diese Art von Verspieltheit ist entschieden nicht Fahndungsgegenstand unseres Ressorts, sie kann in puncto Effizienz sogar vorbildlich sein.

 
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