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roland steiner | Lindenblüten

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Nachdem das mit Simone passiert war, verließ ich den See.

Vierzehn Jahre, zwei Monate und elf Tage lang hatte ich die Hütte am Nordufer des sommers türkis schimmernden Gewässers gepachtet. Nachdem das mit Simone passiert war, vergaß ich den Vertrag zu kündigen, war einfach verschwunden.

 

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Vierzehn Jahre verließ ich den See nur, um im zwanzig Kilometer entfernten Ort für unsere Wirtschaft nötige Einkäufe zu erledigen: Eier Brot Getränke und anderes, das ich nicht anbauen sammeln jagen konnte. Meine Vorpächter waren Schicksen gewesen, sie und er aus dem Norden, verblendet vom Diktat spartanischer Einrichtung und Kochkunst, die nichts als Dekor waren. Als sie Konkurs anmelden mussten und ich die Wirtschaft billig übernahm, war das verwertbare Mobiliar als gepfändet verschwunden. Die ersten drei Tage unternahm ich nichts, außer Haus See Ufer Wälder zu erkunden. Zur Wirtschaft gehörte ein Ausläufer des Sees, in dem sich Forellen Saiblinge Karpfen Welse Äschen, gar Maränen einfanden. Am vierten Tag fuhr ich in den Ort und stellte dem hiesigen Maurer, dem Zimmerer und Maler meine Pläne vor, die jene doppelt überrascht hatten: einerseits, dass sie und nicht wie von meinen Vorgängern die Firmen weit entfernter Großstädte damit beauftragt wurden, andererseits erschienen selbst ihnen, den Dörflern, die Pläne als altmodisch. Ich hatte sie abgeschaut, dem Haus See Ufer Wald.

 

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