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Ins Spiel gebracht

hannes luxbacher | Ins Spiel gebracht

Manchmal kommt es vor, dass der Ernst des Lebens keinen Spaß mehr macht. Wenn alles gut geht, kommt sodann die Zeit des Humors, der Ironie oder der Parodie. Wenn es weniger gut geht, tritt Zynismus auf den Plan. Und wenn es schlecht geht, tritt Niedergeschlagenheit oder gar Verzweiflung auf. „Verspielt“ im Sinne von humorvollen Umgang mit etwas pflegen oder „verspielt“ im Sinne von Verlust erleben, die Grenze kann eine schmale sein. Auch die Aufforderung: „Spiel mir nichts vor!“ bzw. die Kritik „Spiel hier nicht den Unschuldigen!“ lassen darauf schließen, dass den Menschen immer schon bewusst war, dass das Spiel nicht nur Unterhaltungswert hat. Fragen Sie Betroffene: Der eine setzt sein Eigentum im Wettspiel, der andere vergnügt sich auch mit 50 noch an der Play Station. Zwischen verspielt sein und verspielt haben liegen Welten. Diese Welten auszuloten haben sich die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe vorgenommen. Zugleich geht es in diesem Heft aber auch um die Wirkmächtigkeit des Spiels als Instrument der Subversion. Denn "der Ernst tritt umso gewaltiger hervor, wenn ihn der Spaß ankündigt", hat bereits Heinrich Heine erkannt.

 

Im Detail erwartet Sie u.a. Folgendes: Michael Helming leuchtet in seinem Beitrag aus, was das Spiel für Menschen im Alltag bedeutet und fokussiert dabei primär auf die positiven Aspekte des Begriffs. Ihm gegenüber steht ein Text von Ilir Ferra, der sich Wettlokale von innen angesehen hat, flankiert von einem Beitrag Harald Friedls, der sich um die Freiheit des Spielens, des Mitspielens bzw. des Nach-anderen-Regeln-Spielens dreht, ein Prinzip, das Sarah Fötschl in ihrem Text gleich mal direkt anwendet. Kurz nach der Fußball-Europameisterschaft ist zwei Jahre vor der -Weltmeisterschaft, wie gemeinhin bekannt sein dürfte. Benedikt Narodoslawsky, selbst leidenschaftlicher Fußballer, verhandelt die Kunst des Fußballspiels, während Dirk Werner die Bedeutung von Kunst reflektiert.

 

Neben zahlreichen weiteren thematischen Beiträgen können Sie sich über literarische Texte von Marion Boginski, Roland Steiner und Karsten Redmann freuen. Die Kunstseiten in dieser Ausgabe wurden von Constantin Luser gestaltet. Die Auszüge aus seinem gezeichneten Tagebuch sind mehr als nur Dokumentation, sie sind verspieltes Versprechen, wie Hermann Götz in seinem Kurztext zu Luser schreibt. Und wie immer wird die schreibkraft erst vollständig durch die zahlreichen Rezensionen zu Veröffentlichungen aus der jüngeren Vergangenheit sowie einem Interview, das Werner Schandor mit Fritz Widhalm anlässlich der letzten Ausgabe der Zeitschrift wohnzimmer geführt hat.

 

 

Leider gibt es auch einen traurigen Beitrag in dieser Ausgabe. Clemens Schittko hat einen Nachruf auf den Autor Helmut Schranz geschrieben. Der Mitherausgeber der Zeitschrift perspektive und leidenschaftliche Verfechter eines zeitgenössischen Avantgardebegriffs ist im September 2015 viel zu früh verstorben. Seine Bücher, zuletzt BIRNALL. suada. lyrik vulgo prosa (Ritter Verlag), bleiben und mögen gelesen werden!