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wälzen | ausgabe 30


30 - wälzen

Blatt, gewalzt

Zwei aufeinander laufende Dichtflächen aus Siliciumcarbid oder Keramik ergeben eine wunderbare Balg-Gleitringdichtung, die zur Wellenabdichtung in sehr vielen Umwälzpumpen Verwendung findet. Eingebettet in ein Gehäuse aus Kunststoff sorgen sie für ständigen Wasserkreislauf und hygienisch sauberes Wasser in Ihrem Pool. Eine feine Sache also, so ein ständiges Umwälzen. Sie wundern sich gerade, was alles geht? Ein Feuilletonmagazin etwa, da... lesen



Feuilleton

hans durrer | Kein Mensch will sich ändern

Doch kann das Spiel gewonnen werden, wenn man immer im selben verharrt?

Das einzig Beständige sei der Wandel, sagen die Buddhisten und Heraklit meint das Gleiche, wenn er feststellt, man könne nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Gelegentlich nehmen wir davon Kenntnis, nicken dann zustimmend, haben auch gar keine Einwände, ja, glauben es, doch so richtig ernst nehmen wir es dann doch nicht. Einfluss darauf, wie wir leben, hat diese Erkenntnis nicht oder kaum. Denn was uns einleuchtet, ja bewiesen werden kan... lesen


harald a. friedl | Irrte Pascal?

Warum das Verlassen des Zimmers Entwälzung ermöglicht.

Das Paradies ist anderswo Als Jugendlicher sei ich „pflegeleicht“ gewesen, weil ich häufig „brav“ in einem Eck gesessen und ein Buch gelesen oder gar ein Gedicht geschrieben hätte. Dieser Lebensstil hätte den Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal (1623-1663)begeistert, war er doch der Überzeugung, das ganze Unglück der Menschen rühre allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen. Demnach hätte ich d... lesen


Katja Johanna Eichler | Lebst du schon oder containerst du noch?

Gib deinem Leben mehr Entgrenzung!

Ich sorge mich sehr um die Integration der Menschen in unserem Land! Meine Sorgen drehen sich hierbei um eine bestimmte und sehr spezifische Gruppe von Menschen. Ihre Integration scheint schwierig bis aussichtslos: Sie sind jungen bis mittelhohen Alters, sie sind unabhängig und körperlich stark. Sie sind - ungemein viele. Sie treiben sich in den zentralen Bereichen unserer Länder und Städte herum und sind teilweise unberechenbar. Sie sind na... lesen


Uta Hauthal | An der Elbe

Ein Spaziergang durch Dresden

Wie schon so oft in diesem Herbst 2015 ist es ein sonniger, warmer Tag, ich habe meinem Begleiter eine Stadtführung versprochen, wir haben viel Zeit, sein Flug geht erst gegen Abend. Am Hotel Bellevue vorbei erreichen wir den Elberadweg; ohne in-nezuhalten oder darüber zu reden, folgen wir diesem flussaufwärts, als sei das von Anfang an unser Plan gewesen. Mein Weggefährte fragt mich nach den nächsten Schritten in der Musik und im Schreibe... lesen


Gerlinde Hacker | trau schau wem

wo bleibt eine frauenwürdigende partei?

der blond gefärbte blauäugige mann mit kleiner gehstock behinderung lächelt nicht mehr. er senkt seinen blick unter der strengen miene des parteivorsitzenden, den er enttäuscht hat. schwer enttäuscht, wenn auch nur knapp. nach den vielen hoffnungen auf eine veränderung der veränderung, nach dem wunsch eines zurückschreitens, zurückholens der vergangenheit. einer alten sicherheit, vertrautheit, gefühlten richtigkeit, nach einem leben o... lesen


bernhard horwatitsch | Sphärenreiche

4 Thesen

Die Deutschen jammern gern und sie blicken gern zurück. Jetzt weiß man nur nicht, ob das Jammern vom Zurückblicken kommt, oder das Zurückblicken vom Jammern. (Dr. Fisherman in einem Gespräch über Laufschuhe aus deutscher Fertigung) Allgemeinplätze „Die Macht kommt aus den Gewehrläufen“ – Mao Zedong Das ist eine Möglichkeit der Einflussnahme. Seit Generationen bemühen wir uns, die Utopie einer von Gewalt freien... lesen


nikola henze | Wälzen

Eine 360°-Annäherung.

(1) Schöngeistige Wälzerei auf ungesicherter Baustelle Um einen Essay über wälzen zu schreiben, ist es im Vorfeld sicherlich sinnvoll, das Wort, von dem hier die Rede sein soll, nicht nur in seiner Be-deutung zu erfassen, sondern auch seine Herkunft und seine Wortfamilie zu recherchieren. Genauso vernünftig ist es, den Begriff Essay gegoogelt bzw. wikipedisiert zu haben, um das eigene Vorhaben auf einen mit Tat-sachen gepflasterten Boden z... lesen


krimhild pöse | Deus sive natura oder: Eigentlich ist alles nicht der Rede wert

Wir haben getan, was wir immer schon getan haben.

Unser 21. Jahrhundert könnte man als Zeitalter der Störung, ja der Belästigung, der permanenten Emissionen bezeichnen. Wir werden zwar älter und immer älter. Aber wir brauchen diese Zeit auch, um all den Belästigungen Herr zu werden. Bis wir endlich Ruhe haben, sind wir ständig in Bewegung. Sogar im Schlaf pumpt unser Herz Blut, zucken unsere Muskeln, entwirft unser Gehirn Pläne. Dass wir am Morgen erfrischt aufwachen, ist eigentlich ein... lesen


michael helming | Zurück natürlich

Midlife-Crisis einer Natural Born Couch-Potato.

Dumpfer Surround-Sound fernab aller Musik. Inventar rumpelt grob durcheinander und hyperdynamische Stimmen holpern – fast wie im Stimmbruch und doch unverkennbar auf Alkohol – kreuz und quer über den nächtlichen Flur sowie durch benachbarte Zimmer. Die Wände vibrieren zuweilen. Ich knete, walke und knautsche in müdwacher Verzweiflung die Kissen, werfe meinen Körper ohne Unterlass von einer Seite auf die andere. Tief in meinem aufgewühl... lesen


Franziska Bauer | Nicht Arbeit, sondern Müßiggang?

Reflexionen zum neuen Stellenwert der Arbeit.

Der amerikanische Soziologe und Ökonom Jeremy Rifkin, der in neoliberalen Kreisen als moderner Maschinenstürmer kritisiert wird, weist darauf hin, dass eine fundamentale Verschiebung der Eckpunkte des Triangels aus Energiegewinnung, Informationstechnik und Transportwesen stets auch eine völlige Neuordnung der Wirtschaft und der Gesellschaft nach sich zieht. Eben das geht gerade vor sich, wir befinden uns mitten in der dritten industriellen Re... lesen


Rolf Schönlau | Menschetten

Ich bin kein Roboter. Ich bin ein Einhorn.

Die beiden Chatbots, die seit 2011 unter dem Titel »AI vs. AI« auf YouTube parlieren, sind Menschetten. Ein Urteil, das nicht allein darauf beruht, dass ihre Dialoge hölzern sind, sie selbst rechthaberisch und in ihren Äußerungen manchmal verletzend. Auch die Beliebigkeit, mit der sie die Gesprächsebene wechseln, taugt nicht als Unterscheidungskriteri-um zwischen Mensch und Menschette. Die Gewissheit, es nicht mit Menschen zu tun zu habe... lesen


dominika meindl | Linke Demagogie statt Haustier-Kontemplation

Über Umwälzung und Krise im Medienbereich. Mit Lösung!

Umwälzungen sind per se nichts Schlechtes, au contraire. Schon alleine im Privatbereich: Wenig lindert die Zumutungen der postmodernden Existenz so augenblicklich wie das Betrachten eines sich wohlig wutzelnden Haustieres. Eine sich ins Tal wälzende Mure hat – aus sicherer Entfernung beobachtet – immerhin einen ästhetischen Mehrwert, wie Sie gerne bei Kant, Schiller oder Rilke nachgoogeln können. Aber bevor dieser Text nun wie ein mickri... lesen


Adi Traar | Traumtänzerisches Liegegelage

Was man beim Lesen und Nichtverstehen von Essays beherzigen sollte und beim Umgang mit Neuen Medien sowieso.

Ich hätte es nicht tun sollen. Man darf ja auch keine garstigen Filme anschauen vorm Schlafengehen, hat man uns immer gesagt. Und warum habe ich nur diesen Gott-und-die-Welt-Essay im Bett vorm Einschlafen gelesen, von wegen gelesen, manchen Sätzen fünf Mal und öfters halblaut hinterherbuchstabiert, bis meinem Bewusstsein sogar der Automatismus der Wiederholung in die Träume ent-flutscht ist, die Augen machten die ganze Arbeit alleine, das f... lesen


helmut schönauer | Die bibliothekarische Umwälzanlage

Beobachtungen aus dem Rangierbahnhof des Wissens.

Wenn blau ist, sind alle Blauen da, wenn Stipendium ist, sind alle Stipendiaten da. Die guten Beobachtungsplätze sind oft versteckt, weil es sich exponiert und öffentlich schlecht beobachten lässt, und leer, weil sich letztlich niemand die Arbeit antun will, die mit dem Beobachten verbunden ist. Und dann gibt es diese Verkrümmungen im Gedärme der Datenverarbeitung, undichten Schweißnähte im Rohrwerk, die unkontrolliert Gesellsch... lesen


heimo mürzl | War früher alles besser?

Über Popkultur, Veranstalter und Konzertbetrieb in Graz – Teil 1: Ein radikal-subjektives Lamento mit Herzblut.

„wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden läßt wie einen heustadl, der hat nichts besseres verdienen können als den bösen himmel“ (Werner Schwab) Konzerterinnerungen erzählen viel über persönliche Lebensgeschichten – mitunter hat sich durch Konzerterfahrungen auch ein wenig die unverwechselbare Identität mitgebildet. Konzerte dienten der Daseinsverschönerung, dem Welterkennen, spendeten Trost, machten oft Spaß, manc... lesen



Literarische Texte

wolfgang gulis | Sivy

Sivy wagt sich langsam vor. Ausatmen. Schritt. Einatmen. Schritt. Ausatmen. Schritt. Sie tastet sich vor. Ihre Zehen mit den dunkelrot bemalten Nägeln sind die Kundschafter. Der Untergrund rau und stachelig. Ihre nackten, kleinen Füße folgen, erkunden die Baudielen. Ein erster zaghafter Schritt, dann folgt Belastung des Fußes. Ihr Herz pocht laut, drängt hinter ihren Ohren an die Oberfläche. Die Bretter liegen lose nebeneinander, bewegen s... lesen


Dominik Riedo | Kann man auf den Färöern Rennrad fahren?

Polyamorie: Schon auf der Hinfahrt quasselte sie mich voll. Das hätte mir Warnung genug sein sollen. Schon da erfuhr ich von Urs und Oli und Jonas (‹Joni›) und Manú (sie will ja als Ethnologin nicht alles ‹Kaukasier› haben) und Dani und vom ‹Mayor› (der 14‘000 Franken pro Monat verdiene beim Schweizer Militär) und auf der Fähre lernte sie gleich noch den Island-Reisenden Christian kennen, was mit weiteren Wortkaskaden verarbeit... lesen



Rezensionen

Follow the white rabbit!

Gerald Linds Erzählen-über-das-Erzählen-über-das-Hoffen-auf-die-bessere-Welt

Gerald Lind: Lumbers Reise

Mit Lumbers Reise von Gerald Lind liegt der zweite Roman des Grazer Literaturwissenschaftlers und Autors vor; der erste hieß Zerstörung und war ein zum Buch geronnenes Abfeiern des infiniten Regredierens in den Fußnotenspalten der geisteswissenschaftlichen Texttradition, völlig losgelöst von der Erde bzw. zumindest vom Primärtext; oder war‘s eine Kritik dieses Abfeierns, oder ein Abfeiern der Kritik … ? Jedenfalls war es eine getreue N... lesen


Landeskunde in Romanform

Boris Schumatsky porträtiert in „Die Trotzigen“ das Russland der 1990er-Jahre.

Boris Schumatsky: Die Trotzigen

Die Deutsche Anna Spiller engagiert sich für die Moskauer NGO Memorial, ihr zeitweiliger russischer Freund Sascha Potjomkin versucht ein deutsches Visum zu ergattern, Denis strebt eine Karriere als Journalist beim liberalen Radiosender Echo Moskaus an. Wir schreiben den August 1991, im zweiten Teil des Romans Die Trotzigen auch den Oktober 1993 und in Russland wird große Geschichte geschrieben. Der 1965 in Moskau geborene Boris Schumatsky l... lesen


Das Leben unter Anführungszeichen

J. J. Voskuil verhandelt verschiedenste Facetten von Entfremdung.

J. J. Voskuil: Das Büro. Band 1: Direktor Beerta. Übersetzt von Gerd Busse.

Googelt man die Rezensionen und Veranstaltungshinweise zu J. J. Voskuil, stellt man fest, dass das Interesse für den niederländischen Autor (1926-2008) und für sein wichtigstes Werk, Das Büro, in Deutschland ungleich größer ist als in Österreich. Neben der ausführlichen Behandlung, die Voskuil in Deutschland in den letzten Jahren erfahren hat, nehmen sich die gerade mal zwei österreichischen Rezensionen von 2012, die ich fand, eher mi... lesen


Es entgeht der Zensur!

Petra Nachbaur verantwortet eine kleine, äußerst unterhaltsame Nacherzählung von Nabokovs Lolita.

Petra Nachbaur: Lele. Schundheft Nummer elf.

Das Alleinstellungsmerkmal des Heftchens ist die völlige Aussparung der Vokale a, i und o (also die symbolische Tilgung des Namens „Lolita“) nicht nur im Text, sondern selbst noch in den Verlagshinweisen auf den letzten paar Seiten – „Echte Werbung“ steht dort drunter (muss natürlich drunterstehen, um den Unterschied zum Handlungsrahmen des fingierten Verlegerbriefs zu markieren, den Nachbaurs Arbeit von der Vorlage übernimmt), und... lesen


Ode an die Freundschaft

Das Ende einer Kindheit, auf die die Vergangenheit Rumäniens ihr Licht und ihren Schatten wirft.

Iris Wolff: Leuchtende Schatten. Roman.

Leuchtende Schatten heißt der zweite Roman der in Hermannstadt/Sieben¬bürgen geborenen und in Freiburg lebenden Iris Wolff. Wer sich einen genreüblichen Abgesang auf das Ende der Siebenbürger Sachsen in Rumänien erwartet, sollte das Buch rasch wieder zur Seite legen. Wolff schafft es nämlich, dem Leser das siebenbürgische Hermannstadt und ein Dutzend seiner Bewohner derart einfühlsam und eindringlich vorzustellen, dass man, wenn man sic... lesen


Teil ein Klischee

Andreas van Hoovens Debütroman "Stadt der Platanen"

Andreas van Hooven: Stadt der Platanen

„Im Grunde besitze ich einen Ruhe¬puls von 57 Schlägen.“ Mit diesem Satz hebt Andreas van Hoovens Debütroman an und es ist umgehend klar, dass die tatsächliche Frequenz wohl höher sein dürfte. Doch was ist schuld daran? Erpressung? Ein bevorstehender Meteoritenschauer? Harndrang? Nein, es ist schlicht und einfach die Berufsbranche, die der namenlos bleibenden Hauptfigur in Stadt der Platanen das Herz beschleunigt. Als Werbegrafiker im... lesen