schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 30 - wälzen Blatt, gewalzt
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/30-walzen/blatt-gewalzt

andreas r. peternell , hannes luxbacher | Blatt, gewalzt

Zwei aufeinander laufende Dichtflächen aus Siliciumcarbid oder Keramik ergeben eine wunderbare Balg-Gleitringdichtung, die zur Wellenabdichtung in sehr vielen Umwälzpumpen Verwendung findet. Eingebettet in ein Gehäuse aus Kunststoff sorgen sie für ständigen Wasserkreislauf und hygienisch sauberes Wasser in Ihrem Pool. Eine feine Sache also, so ein ständiges Umwälzen.
Sie wundern sich gerade, was alles geht? Ein Feuilletonmagazin etwa, das sich um gebracktes Swimmingpoolwasser sorgt? Na, seien Sie froh! Deutlich besser als ein Bundespräsidentschaftskandidat, der in NLP-geschulter Doppeldeutigkeit von der Regierungsentlassung bis zum Öxit so einiges ventiliert und gleichzeitig auch wieder zurücknimmt. Finden Sie nicht? Doch letztlich kam eh alles anders. Und wundern, was geht, muss sich jetzt nicht das kleine, beschauliche Österreich, sondern das große, einflussreiche Amerika. Und mit ihm die Welt.

Wirft man einen Blick auf die Analysen der Wahlmotive, dann tritt deutlich ein paradoxes Bild zutage. Einerseits fürchten sich Menschen vor permanenten Veränderungen, andererseits wählen sie genau jene Positionen, die die radikalsten Veränderungen versprechen.

Woher kommt unser Bedürfnis nach Umwälzungen, woher die Lust am Festhalten des Bestehenden? Diesen Fragen und anderen mehr gehen die Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe der schreibkraft auf den Grund. Hans Durrer untersucht, warum sich die Menschen auf keinen Fall ändern wollen, Gerlinde Hacker würde hingegen drastische Änderungen sehr begrüßen, vermisst sie doch – entlang des mehrgängigen österreichischen Bundespräsidentschaftswahlkampfs argumentiert – eine frauenfreundliche Partei. Katja Johanna Eichler und Uta 3Hauthal setzen sich mit dem Thema Migration und Integration Bezug nehmend auf ihren jeweiligen Wohnort auseinander und leiten daraus überregional gültige Forderungen ab. Franziska Bauer geht dem Stellenwert der Arbeit nach, während Harald A. Friedl und Michael Helming von persönlichen Sicht- und Verhaltensweisen ausgehend allgemeine Schlüsse ziehen. Dominika Meindl wiederum wendet das Thema auf das geschriebene Wort an und seziert die Umwälzungen in der medialen Berichterstattung unter Berücksichtigung der tektonischen Verschiebungen in der Phase des Post-Faktischen und Helmut Schönauer entführt uns in die Unterwelt von Bibliotheken. Im literarischen Teil präsentieren wir Ihnen einen so aktuellen wie politisch aufgeladenen Text von Wolfgang Gulis und entführen Sie mit Dominik Riedo zum Radfahren auf die Färöer-Inseln. Die Grazer ArchitektInnen Marleen Leitner und Michael Schitnig, die gemeinsam als studio ASYNCHROME arbeiten, skizzierten schließlich Blitzlichter, die wir entweder als radikale Szenenwechsel oder als natürliche Entwicklungen lesen können.

Vieles hat sich also verändert in den letzten Wochen und Monaten (#brexit, #realDonaldTrump). Und: Vieles hat sich verändert in den letzten 200 Millionen Jahren (#evolution). Verändert hat sich auch die schreibkraft. Ab dieser Ausgabe finden Sie im Heft Besprechungen von musikalischen Neuerscheinungen, dieses Mal streng subjektiv ausgewählt vom Journalisten und Langzeit-Musikliebhaber Heimo Mürzl.
Und nun zurück zum Anfang: Da letztlich alles nur ein ewiger Kreislauf ist, schließen wir mit einem Tipp der österreichischen Band Bilderbuch: „Wenn du Angst vor der Zukunft hast – kauf dir einen Pool.“
Viel Vergnügen bei der Badelektüre!