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Rezensionen der Ausgabe 30 - wälzen

Follow the white rabbit!

Gerald Linds Erzählen-über-das-Erzählen-über-das-Hoffen-auf-die-bessere-Welt

Gerald Lind: Lumbers Reise

Mit Lumbers Reise von Gerald Lind liegt der zweite Roman des Grazer Literaturwissenschaftlers und Autors vor; der erste hieß Zerstörung und war ein zum Buch geronnenes Abfeiern des infiniten Regredierens in den Fußnotenspalten der geisteswissenschaftlichen Texttradition, völlig losgelöst von der Erde bzw. zumindest vom Primärtext; oder war‘s eine Kritik dieses Abfeierns, oder ein Abfeiern der Kritik … ? Jedenfalls war es eine getreue N... lesen


Landeskunde in Romanform

Boris Schumatsky porträtiert in „Die Trotzigen“ das Russland der 1990er-Jahre.

Boris Schumatsky: Die Trotzigen

Die Deutsche Anna Spiller engagiert sich für die Moskauer NGO Memorial, ihr zeitweiliger russischer Freund Sascha Potjomkin versucht ein deutsches Visum zu ergattern, Denis strebt eine Karriere als Journalist beim liberalen Radiosender Echo Moskaus an. Wir schreiben den August 1991, im zweiten Teil des Romans Die Trotzigen auch den Oktober 1993 und in Russland wird große Geschichte geschrieben. Der 1965 in Moskau geborene Boris Schumatsky l... lesen


Das Leben unter Anführungszeichen

J. J. Voskuil verhandelt verschiedenste Facetten von Entfremdung.

J. J. Voskuil: Das Büro. Band 1: Direktor Beerta. Übersetzt von Gerd Busse.

Googelt man die Rezensionen und Veranstaltungshinweise zu J. J. Voskuil, stellt man fest, dass das Interesse für den niederländischen Autor (1926-2008) und für sein wichtigstes Werk, Das Büro, in Deutschland ungleich größer ist als in Österreich. Neben der ausführlichen Behandlung, die Voskuil in Deutschland in den letzten Jahren erfahren hat, nehmen sich die gerade mal zwei österreichischen Rezensionen von 2012, die ich fand, eher mi... lesen


Es entgeht der Zensur!

Petra Nachbaur verantwortet eine kleine, äußerst unterhaltsame Nacherzählung von Nabokovs Lolita.

Petra Nachbaur: Lele. Schundheft Nummer elf.

Das Alleinstellungsmerkmal des Heftchens ist die völlige Aussparung der Vokale a, i und o (also die symbolische Tilgung des Namens „Lolita“) nicht nur im Text, sondern selbst noch in den Verlagshinweisen auf den letzten paar Seiten – „Echte Werbung“ steht dort drunter (muss natürlich drunterstehen, um den Unterschied zum Handlungsrahmen des fingierten Verlegerbriefs zu markieren, den Nachbaurs Arbeit von der Vorlage übernimmt), und... lesen


Ode an die Freundschaft

Das Ende einer Kindheit, auf die die Vergangenheit Rumäniens ihr Licht und ihren Schatten wirft.

Iris Wolff: Leuchtende Schatten. Roman.

Leuchtende Schatten heißt der zweite Roman der in Hermannstadt/Sieben¬bürgen geborenen und in Freiburg lebenden Iris Wolff. Wer sich einen genreüblichen Abgesang auf das Ende der Siebenbürger Sachsen in Rumänien erwartet, sollte das Buch rasch wieder zur Seite legen. Wolff schafft es nämlich, dem Leser das siebenbürgische Hermannstadt und ein Dutzend seiner Bewohner derart einfühlsam und eindringlich vorzustellen, dass man, wenn man sic... lesen


Teil ein Klischee

Andreas van Hoovens Debütroman "Stadt der Platanen"

Andreas van Hooven: Stadt der Platanen

„Im Grunde besitze ich einen Ruhe¬puls von 57 Schlägen.“ Mit diesem Satz hebt Andreas van Hoovens Debütroman an und es ist umgehend klar, dass die tatsächliche Frequenz wohl höher sein dürfte. Doch was ist schuld daran? Erpressung? Ein bevorstehender Meteoritenschauer? Harndrang? Nein, es ist schlicht und einfach die Berufsbranche, die der namenlos bleibenden Hauptfigur in Stadt der Platanen das Herz beschleunigt. Als Werbegrafiker im... lesen