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Gerlinde Hacker | trau schau wem

wo bleibt eine frauenwürdigende partei?

der blond gefärbte blauäugige mann mit kleiner gehstock behinderung lächelt nicht mehr. er senkt seinen blick unter der strengen miene des parteivorsitzenden, den er enttäuscht hat. schwer enttäuscht, wenn auch nur knapp.
nach den vielen hoffnungen auf eine veränderung der veränderung, nach dem wunsch eines zurückschreitens, zurückholens der vergangenheit. einer alten sicherheit, vertrautheit, gefühlten richtigkeit, nach einem leben ohne neuem, ohne fremdes, ohne anderes.
das verlangen eine geistige kindheit zurückzuholen, die niemals war und daher die ewige sehnsucht danach. und das schuldigen gesuche, nach vermeintlich anderen. denn fremd sind sie sich selbst. unbenannt und ungeboren in eine zeit und in ein ich, dass der reflexion bedarf und doch nicht kann.
oder doch der wunsch nach einer gerechten welt? nach den starken männern, die schon immer, alles gut gemacht haben wollten?
die versprechen eine einfache welt in diese kompliziertheit zu bringen, einen weg durch das labyrinth der fragen, der vergleiche, der abwägungen, der ungezählten meinungen. einen weg zu gehen der leicht und glücklich machen wird und den jemand mit eindeutiger kraft schlägt.
die männer der starken worte, worte, die sich gern als gewaltig verkauften und doch nur gewalttätig sind. eine gewalt erzwangen im tun, das letztendlich niemand wollte, im nachhinein. hinter her, später, und noch viel später, immer weniger. zurückblickend die vergangenheit vergessend lassen. genug von aufarbeitung, genug von bewältigung. oder doch noch ein mahnmal? doch noch eine gedenkveranstaltung? doch noch eine doku?
der beleidigte, nicht, noch immer nicht, präsident mit den kornblumen im knopfloch, im parlament, himmelwärtsblickend, sonnenbeschienen auf allen glänzenden werbematerialien. eine welt, wie für ihn gemacht, kommentarlos, glatt, glänzend, gibt sie wieder, was sein herz begehrte oder ist es lediglich die brieftasche, die nie voll genug sein kann um sich alle macht der welt zu kaufen und endlich auch die ehre, würde, liebe und die freundschaft.
ja, freundschaft riefen die genossen und er war nicht dabei. wie so viele nicht dabei waren, nie dabei gewesen sind, weder mit pferd, noch ohne pferd. wer wird nun dabei gewesen sein wollen.
er, der noch immer nicht präsident, wird sich wehren, wehren gegen die wahl, die ihn nicht gewählt hat, die verdorben sein musste, alles gefälscht, belogen, hintergangen. auch er wird nicht dabei gewesen sein, wenn die wahl angefochten, richterinnen tagen, abwicklungen, demokratische einübungen offengelegt und dabei gleich zerlegt, wie einen alten fisch auf dem trockenen, wie eine schiessbudenfigur abgeschossen wird das wahlverhalten der urbanen, die, die städterinnen die nichts besser zu tun haben wollen, als den rücken frei und keine schieflage ins recht, ins alte rechts und neue mitte-links.

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