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nikola henze | Wälzen

Eine 360°-Annäherung.

(1) Schöngeistige Wälzerei auf ungesicherter Baustelle
Um einen Essay über wälzen zu schreiben, ist es im Vorfeld sicherlich sinnvoll, das Wort, von dem hier die Rede sein soll, nicht nur in seiner Be-deutung zu erfassen, sondern auch seine Herkunft und seine Wortfamilie zu recherchieren. Genauso vernünftig ist es, den Begriff Essay gegoogelt bzw. wikipedisiert zu haben, um das eigene Vorhaben auf einen mit Tat-sachen gepflasterten Boden zu stellen.
Denn ich hatte ursprünglich nicht vor, zu schöngeistiger Wälzerei auf ei-ner ungesicherten Baustelle einzuladen. Nun ist es aber so, dass meine Gedanken, seit ich mich mit wälzen beschäftige, beständig kreisen und die Richtung ändern, mit dem Effekt, dass ich u. a. im letzten Moment die Reihenfolge meines Vorgehens auf den Kopf stelle und mit den Eckdaten zum Essay beginne:
(2) Schokoküsse oder was ist ein Essay?
Ein Essay, doziert Wikipedia, ist eine geistreiche Abhandlung oder ein Traktat - gleich zwei Synonyme, die sich der gedächtnisstarke Leser ein-verleiben mag - der oder das sich mit wissenschaftlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Phänomenen auf experimentelle Art befasst. Dabei kommt der Verständlichkeit ebenso große Bedeutung zu wie dem Witz.
Außerdem betont Wikipedia (kurz: Wiki), dass es sich bei einem Essay um eine „persönliche Auseinandersetzung“ des Autors mit dem jeweiligen Thema handelt. Übrigens glaube ich nicht, dass hier „Auseinanderset-zung“ kriegerisch gemeint ist, sofern Wiki überhaupt etwas meint.
Am besten gefällt mir Wikis Behauptung, dass wissenschaftliche Kriterien im Essay vernachlässigt werden dürfen. Als Künstlerin schreie ich da „Hur-ra“ und stürze mich unbefangen ins Experiment, als ginge es um einen Sprung mit Doc Martens in Schokoküsse, der nicht geahndet werden kann.

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