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heimo mürzl | War früher alles besser?

Über Popkultur, Veranstalter und Konzertbetrieb in Graz – Teil 1: Ein radikal-subjektives Lamento mit Herzblut.

„wer sich für das, was er gerne hat, nicht anzünden läßt wie einen heustadl, der hat nichts besseres verdienen können als den bösen himmel“ (Werner Schwab)
Konzerterinnerungen erzählen viel über persönliche Lebensgeschichten – mitunter hat sich durch Konzerterfahrungen auch ein wenig die unverwechselbare Identität mitgebildet. Konzerte dienten der Daseinsverschönerung, dem Welterkennen, spendeten Trost, machten oft Spaß, manchmal glücklich, regten an und auf, waren zugleich Zufluchts- und Sehnsuchtsort und boten zudem immer wieder die Gelegenheit, musikalische Entdeckungen zu machen. Verklärt die Erinnerung? War früher alles besser? Oder doch nur anders? Ich erinnere mich an unvergessliche Konzertabende im Orpheum – The Leather Nun, The Godfathers, The Fall, die Sugarcubes mit der elfenhaften Björk, Giant Sand, John Cale, Kevin Ayers, Willy DeVille, John Hiatt, Paul Weller, Rickie Lee Jones, Lambchop, die Tindersticks, The Eels – schöne Konzerte auf der Kasemattenbühne auf dem Schloßberg – Patti Smith, David Byrne, Queens Of The Stone Age und The National, Beach House, The Low Anthems und The Kissaway Trail sogar an einem Abend! – heute schon legendäre Auftritte von Henry Rollins & Band, Killdozer, Tav Falco & Panther Burns, The Brandos, Grant Hart & Nova Mob im Kultlokal Cafe Pi in der Dreihackengasse und verbinde diese Erinnerungen stets mit dem Gedanken „Es war einmal“. Ja, es war früher nicht nur anders, sondern tatsächlich auch besser. Heute gleicht der moderne Konzertbetrieb dem modernen Fußballbetrieb – beides verkommt mehr und mehr zu einem rein auf Profitmaximierung fixierten Geschäftsmodell und nur wenige werden von einem ungerechtfertigten und larmoyanten Gejammer sprechen, wenn ich mit jahrelang aufgestautem Ärger, ein wenig Sorge und viel Herzblut über diese Entwicklungen Klage führe.

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