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elisabeth wandeler-deck | Poesie und Revolution

Würfelung aus umständlichem Alphabet.

ansetzen
Revolution, Poesie – ich will nicht damit anfangen, zu behaupten, ich wüsste … daher will ich bei den vorgeschlagenen Wörtern verweilen, nämlich indem ich sie gebrauche, einsetze, umsetze, damit sie ausbrechen, ich zu ihnen ausbreche, zu Ihnen sie ausspreche etc. Mag sein, es passiert etwas. Dochdoch, es wird eintreten, das „Passieren“, es wird der Lauf des Gesprächs sein. Soll etwas passieren, soll dieses Wort von „etwas“ passieren, wird es Passagen geben bei vorgegebenem Wort um Wort.

Angebot
Nämlich einer Überschrift zu einem Frühstück „Poesie und Revolution“. Genauer gesagt, der Darstellung entlang gelesen: Poesie Konjunktion „und“ Revolution. Was kann dazu gesagt werden zu dieser gängigen Möglichkeitsanordnung, was änderte sich, falls Poesie Zeichen „Schrägstrich“ Revolution oder Poesie Konjunktion „oder“ Revolution. Auch das schöne Poesie „und“ Schrägstrich „oder“ Revolution mag betrachtet werden. Zeichen um Zeichen. Werden sich Argumente, Fragen ergeben, versetzen, umdrehen wollen etc. Scheitern, so der liebe Samuel Beckett, unmöglich.

Chamäleon 1
Längst entdeckt haben ihre Chamäleonhaftigkeit Revolte, Revolution. Auch diese Wörter wechseln Farbe je nach Biotop. Der Begriff „Revolution“ wurde im 15. Jahrhundert aus dem spätlateinischen revolutio („das Zurückwälzen, die Umdrehung“) entlehnt und zunächst als Fachwort in der Astronomie für den Umlauf eines Himmelskörpers verwendet. Kopernikus: De revolutionibus orbium coelestium als Rückkehr
zum Ausgangspunkt. Revolte von la révolte, frz. eigentlich Umwälzung (umwälzen; Walze), Empörung (da ist empor drin), l’homme révolté, Albert Camus, war mir so wichtig, dass mir die Stelle in Erinnerung geblieben ist.

beiläufig etwas zu Revolution als Wort
Revolution ein Sehnsuchtswort, ein Angstwort, Neugierwort, eine Frage, war es, ist es eine Revolution, war’s ein Sturz, Umsturz, Heransturz, ist’s ein Putsch, ein Frühling. Wird’s ein Heransturz, gewesen, sein, geworden im Nachhinein, das war dann ja wirklich revolutionär, das und das, dazumal, ein leichtes Drehen, Verdrehen. Im Augenblick, augenblicklich, jetzt und jetzt und mählich. Allmählich begann man es zu tun eine plötzliche Allmählichkeit zu tun, ein Schreibenreden tun von Schreibe, also Sprache, eines Sprechens in Wortfolgen, das Folgen zeitigte, die man allmählich und sachte tat und sah. Was tust du da. Ich protestiere. Ich stürze um. Haha Hoppala. Ich stürze. Etwas kippt. Ich kippe. Mich in die verfänglichsten Fragen. Zum Gedicht? Behaupte nun gleich Gedichte als Setzungen von Kippen, in das Nein der Revolte, als ausgeschriebenes Nein, als sein Anderes? Ja, ohne aber Ja zu sein?

DADA
Aufgeschoben, übersprungen, DADA, beigefügt doch noch rasch eine Frage: Was hat Lyrik zum Zustand der Gesellschaft zu sagen, zum Zustand der Abfolge der Revolutionen, des sich ereignenden Politischen, man mag das fragen. Man mag nach dem Scheitern fragen. Man mag dann weiter fragen, was das dann hieße, wenn Lyrik tut, indem sie sagt, wenn Lyrik als nichts als Sprachkunst alle Möglichkeiten
des Sprachtreibens verhandelt. Kunst und somit auch Lyrik, daher Entwicklungsabteilung der Gesellschaft.

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