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Rezensionen der Ausgabe 32 - durchlesen

Gegen die Welt, gegen das Leben

„Wer das Leben liebt, liest nicht“, behauptet Michel Houellebecq in einem frühen Buch zu H. P. Lovecraft.

Michel Houellebecq: Gegen die Welt, gegen das Leben

Lange bevor Michel Houellebecq mit den Elementarteilchen berühmt wurde, widmete er sich in einem 120-Seiten-Essay der Figur und dem Werk des H. P. Lovecraft. Nun gibt es unzählige Biografien über den Ausnahmeautor, der mit Recht als einer der wichtigsten und besten Horrorschriftsteller bezeichnet werden kann. Was an Gegen die Welt,gegen das Leben jedoch besonders ist und fasziniert, ist der Umstand, dass ein großer Misanthrop über einen noc... lesen


Lenzpassier und Südwindprofiteur

Die historisch belegte Lebensgeschichte des Salzburger Bettlers Jakob Koller bildet die Folie für Birgit Schwaners Erzählung Jackls Mondflug.

Birgit Schwaner: Jackls Mondflug. Erzählungen.

Jakob Koller, der Sohn eines Abdeckers verschwand 1675 nach dem Feuertod seiner als Hexe verurteilten Mutter spurlos. Wenig später machten die ersten Gerüchte die Runde: Die Bettlerkinder, die ihn stets begleitet hätten, wendeten, so hieß es, Schadenszauber gegen Zahlungsunwillige an. Eine Serie von Hexenprozessen gegen vazierende Kinder, die zumeist mit Jakob Koller nichts zu tun hatten, war die Folge. Im Gegensatz zu vielen dieser Ungl... lesen


Nichteuklidische Unterhaltungsliteraturen

Über drei Veröffentlichungen des Ritter-Verlags.

Zauner | Divjak | Ingold: | 99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles passt.| Tamagotchi Tanzmusik.| Niemals keine Nachtmusik. Gedichte. |

Hansjörg Zauners Band 99.144 gedichtnasenlöcher schießen auf mich bis alles passt stammt noch von Ende 2016. Dennoch ist der Band in dem uns vorliegenden kleinen Stapel von aktuellen Publikationen des Ritter-Verlags keineswegs fehl am Platz. Es handelt sich nämlich um die letzte Buchpublikation des in der Zwischenzeit zu jung verstorbenen Autors, der als Mitverantwortlicher für ein ganz bestimmtes Paradigma österreichischer Gegenwartslit... lesen


Mitten in der Gegenwart

Rosemarie Poiarkovs Romandebüt Aussichten sind überschätzt kommt als reizvolle Melange aus Familiengeschichte, Gesellschaftsstudie und Vergangenheitsbewältigung.

Rosemarie Poiarkov: Aussichten sind überschätzt. Roman.

„Die Welt ist blau wie eine Orange“, lässt uns Rosemarie Poiarkov wissen, bevor wir in die Handlung ihres Romans eintauchen. Eine Erkenntnis, über die wohl jeder irgendwann in seinem Leben zu stolpern pflegt. Auch Luise, Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrerin, der wir zum ersten Mal kurz vor einem Flug nach Mexiko begegnen, wo sie eigentlich nicht wirklich hinwill, ihrer Flugangst sei Dank. Aber sie fliegt schließlich doch, und das ist gut so... lesen


Stieftussi und Waldhonigstimme

Gertraud Klemms Roman Erbsenzählen widmet sich den Seltsamkeiten moderner Paarbeziehungen aus weiblicher Sicht.

Gertraud Klemm: Erbsenzählen. Roman.

Die gebürtige Wienerin Gertraud Klemm sieht sich selbst in der Nachfolge von Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz. Mit schonungslosem Blick und scharfzüngig-bissigem Stil beobachtet, durchleuchtet und beschreibt sie die Herausforderungen und Probleme moderner Frauenleben, reflektiert über die Einbettung in ökonomische Zusammenhänge und Abhängigkeiten und analysiert die Versklavung durch Erwerbsleben und Patriarchat. Die Beschäftigung... lesen


Zwischen zwei Herzen

Kerstin Kempker über geschwisterliche Entfremdung und Kindheitserinnerungen.

Kerstin Kempker: Bruderherz. Ein Flimmern.

Eine Wohnung in New York, es ist Nacht. Eine Frau, wir erfahren ihren Namen nicht, erleidet einen Anfall von Vorhofflimmern. Es ist nicht das erste Mal. Sie schluckt eine Pill in the pocket. „Eineinhalb bis zwei Stunden müssen wir uns nun um die Ohren schlagen“, sagt sie, „damit das Ding wirkt und ich wieder richtig ticke im Sinusrhythmus.“ Wir, das sind die namenlose Frau und ihr Bruder, der zwar nicht da ist, aber irgendwie schon, sch... lesen


Jenseits von Gut und Böse

In Myriam Keils Das Kind im Brunnen stellt eine junge Frau sich der Frage nach ihrem Platz in der Gesellschaft und geht dabei auf Konfrontation.

Myriam Keil: Das Kind im Brunnen. Roman.

Man berührt nichts jemals wirklich, kein Atom auf der Welt stößt jemals auf ein anderes, zwischen allen ist ein minimaler Abstand. Man spürt nie die Dinge an sich, nur ihren Abstand zueinander, elektromagnetische Wechselwirkung bestenfalls; das sollte doch eigentlich wie ein ständiger Schmerz sein, ein ständiges Fehlen von allem. Nichts auf der Welt berührt jemals etwas anderes. Bei einem Spaziergang im Wald findet... lesen


Der Attwenger-Sound

Markus Binder und Hans-Peter Falkner vom Kult-Duo Attwenger überzeugen auch als Autoren: Literatur zwischen Sprachwitz, Wortartistik, Lakonik, Nonchalance, Experiment und Nonsens.

Markus Binder | Hans-Peter Falkner: Teilzeitrevue | 890 gstanzln

Seit fast drei Jahrzehnten begeistert das aus Markus Binder (Schlagzeug & Gesang) und Hans-Peter Falkner (Knöpferlharmonika & Gesang) bestehende Duo Attwenger mit seinem unverwechselbaren Soundhybrid aus Volksmusik, Punk, Hip-Hop, Techno, Drum & Bass und Dialektpop. Das oberösterreichische Duo begnügte sich aber nicht damit, in schöner Regelmäßigkeit erfolgreiche und von der Kritik gefeierte Alben abzuliefern, sondern schuf sich parallel d... lesen


978-0143117568

Kreisen um Thomas Pynchon.

Thomas Pynchon: Die Versteigerung von No. 49.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Dieses Buch hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Die deutsche Erstausgabe in der legendären Reihe das neue buch (Kleinschreibung!) des Rowohlt-Verlags steht noch immer in meinem Bücherkasten, ist im wahrsten Sinne des Wortes vergilbt und durch die billige Klebeheftung (Taschenbücher wurden und werden natürlich nicht für die Ewigkeit gemacht) ist es a... lesen


Gotteserlebnis

Thomas Northoff importierte lange vor Arno Geiger ein Nilpferd nach Wien.

Thomas Northoff: Schmutz und Schund. Geschichten über Gott und die Welt.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Um mich zu testen, drückte mir einst ein interessanter Kollege zwei Bücher in die Hand. Das zum Glück nicht vergriffene "QQ" von Max Goldt sowie das reichlich vergilbte "Schmutz und Schund". Die beiden geheimen Testaufgaben habe ich dann offensichtlich bestanden (1. Alles unversehrt innerhalb der gebotenen Zeit retournieren, 2. Die Texte gut finden). Neun Ja... lesen


Wiener Vorstadtgeschichte

In erstaunlich moderner Weise thematisiert Ada Christen Geschlechterrollen.

Ada Christen: Jungfer Mutter. Eine Wiener Vorstadtgeschichte. In: Starke Frauen der Feder. Klassikwerke von 10 Autorinnen.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Ada Christen (1839 – 1901) ist eine der wenigen Schriftstellerinnen, nach denen in Wien eine Gasse benannt ist, und doch scheint sie weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein. Als Tochter eines Großkaufmanns in bequemen Verhältnissen geboren, geriet sie im Laufe ihres Lebens mehrfach in Not und musste sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen – als Bl... lesen


Ist es denn ein Wunder?

Manchmal dauert es ein bisschen mit dem Lesen.

Josef Škvorecký: Das Mirakel. Ein politischer Krimi.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Vor 15 Jahren fand Josef Škvoreckýs 700 Seiten starker Roman Das Mirakel den Weg in mein Bücherregal. Irgendwie hat es nie gepasst, das Buch zu lesen – bis heuer im Sommer, wo mich der Ziegel plötzlich angelacht hat. Jetzt bin ich froh, dieses grandiose Werk nicht voreilig aussortiert zu haben. Das Mirakel entführt einen ins kommunistische Tsche... lesen


Wenn Leben zum Transit wird

Anna Seghers‘ Sprache vermag uns auch heute noch ganz ohne Larmoyanz und Härte zu berühren.

Anna Seghers: Transit. Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band 5.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Fort, nur fort aus diesem zusammengebrochenen Land, fort aus diesem zusammengebrochenen Leben, fort von diesem Stern. Sommer 2015. Salzburg. Der Zug ist voll – aus allen Ländern dieser Welt scheint es. Touristen, Pendler, Flüchtlinge. An der Grenze, die schon seit Jahren nicht mehr wahrnehmbar ist, Polizeikontrolle. Wer keinen Ausweis bei sich hat, mu... lesen


Brennen und frieren für Thomas Kling

Wie kein anderer deutschsprachiger Dichter der Nachkriegszeit hat Thomas Kling eine ganze Generation geprägt.

Thomas Kling: Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Marcel Beyer und Christian Döring.

[ Anm.d.Red.: Folgende Rezension ist aus der Reihe VERGILBT BUT NOT FORGOTTEN ] Wenige Tage nach der Anfrage der schreibkraft, ob ich nicht für die kommende Ausgabe über ein vergriffenes Buch schreiben wolle, erreichte mich ein Brief meiner Hausverwaltung: Für 2016 stünde mir eine Heizkostenrückzahlung in Höhe von 394,72 € ins Haus. Was aber hat das eine mit dem anderen zu tun? Ein Buch, an das ich sofort gedacht hatte, sind d... lesen