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dirk werner | Angelegt. Angelandet

Über Wellen, die an Wände(n) branden.

Was, Sie wollen in Klees großem Hafen anlegen? Dort also, wo ein schmaler blauer Streifen nur die Küstenlinie beschreibt? Dort liegen keine Schiffe, die angelegt haben und vertäut und verankert wurden. Kein Schiff ist zu sehen, keine Bug-, keine Hecklinie. Wissen Sie, dass Sie also der und die Erste wären, die dort anlegten? – Es geht um Paul Klee, Großer Hafen: dieser Hafen, dieser imaginäre Hafen, dieser illusionäre Hafen. Einen schmalen, blauen Streifen gibt es dort, fürwahr. Ansonsten aber, an Land, sieht man ein Gewimmel von Zeichen, hier und da von farbigen Flächen untersetzt. Imaginäre, geheimnisvolle Zeichen, die die Ausbuchtungen wiederum anderer Zeichen nutzen, mit eigenen Enden dort hineinzustoßen. An der Wasserlinie aber enden die Zeichen, sie beschränken ihr Dasein nur auf die Landfläche. Ein Gewimmel von Bewegungen an Land könnten diese Zeichen ebenfalls markieren. Oder aber – die Liebesbeziehungen an der Küste?! Die vielfältigen Beziehungen dort an der Küste, deren Hakungen und neinandervernetztsein man sich nicht vorzustellen vermag. Paul Klee also, an Land, hier nicht auf dem gefährlichen Wasser, sondern auf dem gefährlichen Land. Übrigens scheint das Bild eine Draufsicht zu vermitteln. Es existiert keinerlei Perspektive.

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