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herbert christian stöger | König Gustav Adolfs Glorie

Sich oder sonstwas anlegen.

Anlegen: 1. sich ganz sanft anlehnen, spüren, dies ist der richtige Ort, wo Scheine und Münzen noch riechen, als wären sie dort geboren. Kein Zweifel, niemand zweifelt. Das Kerngeschäft ist niemals säen, sondern nur ernten. Wer aufzustehen wagt, fällt leichter um. Wer zu dumm ist, um zu wissen, dass man dumm ist, ist dumm genug, es niemals herauszufinden.

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Geld wie Heu haben, welches so dicht aufgestapelt ist, dass es schon zu verfaulen beginnt. Ein Brandherd, wie etwas zu feucht eingelagertes Heu, neigt auch zur Selbstentzündung. So war ein nicht in Pension gegangener Bankangestellter dann irgendwann in einem Schließfach für Großkunden gefunden worden, weil er vergessen hatte, wieder aufzustehen, nachdem er aus Unvorsichtigkeit gefallen war, aber so müde war, dass er einfach einschlief, am 1. Morgen im April. Und der Kunde ebenfalls längst verstorben war und niemand den Verstorbenen fand, weil er in seiner Villa im Kühlraum im Keller ausgerutscht war. Sichere Orte verleiten zu gedankenlosen Handlungen, zu Stillstand und Schweigen. Also legt sich das Schweigen allzu leicht über die Dinge, die nur bestimmte Leute etwas angehen.

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